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Seite: Fragen + Glauben
19.01.2017
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Statue des Apostels Paulus.

Statue des Apostels Paulus auf dem Petersplatz in Rom.

Bibelarbeit zur Apostelgeschichte 17, 5-9

"Sie fanden sie aber nicht..."
Jason und das Pech der Gerechten

1. Einführung

In der Geschichte der frühen Kirche markiert das Apostelkonzil einen Wendepunkt. Diese Tatsache macht sich innerhalb der Apostelgeschichte an mehreren Punkten bemerkbar.

Petrus und die Apostel tauchen als direkte Akteure nicht mehr auf und in Jerusalem wird die Gemeindeleitung von Jakobus und den Ältesten übernommen (vgl. Apg 21, 18). Jerusalem steht fortan jedoch nicht mehr im Mittelpunkt der Apostelgeschichte.

Im Mittelpunkt finden sich nun die Taten und das Wirken des Paulus. Durch sein Wirken und seine Person werden die kirchliche Urzeit und der Kirche der lukanischen Gegenwart miteinander verknüpft.

Der geographische Weg führt Paulus bei seiner zweiten Missionsreise (Apg 15,36-18,22) nach Europa. Sein Weg führt Paulus, der nun aus eigenem Antrieb ohne Barnabas reist, nach Athen und Korinth.

Da Paulus nach seiner Rückkehr in Antiochia keinen Bericht über diese Reise erstattet, gilt sie als selbstständige Unterfangen des Apostels.

Im Rahmen einer dritten Missionsreise führt der Weg den Apostel in erster Linie nach Ephesus, aber auch noch wiederholt nach Achaia und Mazedonien.

Als Paulus schließlich wieder nach Jerusalem zurück kommt, wird er dort gefangen genommen.

Er wird vor das Synedrium in Jerusalem gestellt, und muss sich sowohl vor dem römischen Stadthalter in Cäsarea sowie dem jüdischen König verantworten.

Weil Paulus einen Appell an den römischen Kaiser richtet, wird er daraufhin als Gefangener nach Rom gebracht, wo er trotz seiner Gefangenschaft die Botschaft Jesu verkündet.

2. Verlauf der zweiten Missionsreise

Die zweite Missionsreise, in deren Verlauf Apg 17,5-9 eingebettet ist, startet Paulus aus eigenem Antrieb nach dem Apostelkonzil. Barnabas ist nicht mehr sein Weggefährte, da es durch dem antiochenischen Konflikt zum Bruch zwischen den beiden Männern gekommen ist.

Auf dieser neuen Reise wird Paulus nun von Silas und später von Lystra aus, auch von Timotheus auf seiner Wanderung begleitet. Zeitlich ist diese Reise nach dem antiochenischen Konflikt anzusiedeln.

Der Weg führt Paulus über Syrien und Kilikien zu den Gemeinden Derbe und Lystra, die auf der ersten Missionsreise gegründet worden waren. Dann geht es weiter durch phrygisches und galatisches Gebiet und vorbei an Mysien nach Troas. Von Troas aus, wandert Paulus weiter nach Mazedonien.

In Mazedonien gründet der Apostel in den Städten Philippi (Apg 16, 12-40) und Thessalonich (Apg 17,1-9) neue Gemeinden. In Achaia reist er nach Athen und Korinth.

Auf dem Rückweg nach Syrien kommt er nach Ephesus und besucht schließlich von Cäsarea aus Jerusalem, bevor er wieder in Antiochia eintrifft.

3. Der Text: Apostelgeschichte 17, 5-9 nach der Elberfelder Übersetzung

5 Die Juden aber wurden eifersüchtig und nahmen einige böse Männer vom Gassenpöbel zu sich, machten einen Volksauflauf und brachten die Stadt in Aufruhr; und sie traten vor das Haus Jasons und suchten sie unter das Volk zu führen.
6 Als sie sie aber nicht fanden, schleppten sie Jason und einige Brüder vor die Obersten der Stadt und riefen: Diese, die den Erdkreis aufgewiegelt haben, sind auch hierher gekommen,
7 die hat Jason beherbergt; und diese alle handeln gegen die Verordnungen des Kaisers, da sie sagen, daß ein anderer König sei: Jesus.
8 Sie beunruhigten aber die Volksmenge und die Obersten der Stadt, die dies hörten.
9 Und nachdem sie von Jason und den übrigen Bürgschaft genommen hatten, ließen sie sie frei.

4. Zum Hintergrund

Die Via Egnatia war eine sehr bedeutende Handelsstraße. Wer auf dieser Straße von Philippi nach Thessalonich wanderte, war rund eine Woche lang unterwegs.

Auf dieser Straße sind Paulus und sein Begleiter Silas gegen Ende des Jahres 50 n. Chr. unterwegs, bis sie schließlich Thessalonich erreichen.

Thessalonich ist eine Stadt, deren Name an die Schwester Alexanders des Großen erinnert. Kaufleute und Reisende werden von den heißen Quellen, dem Theater, den Sportanlagen und von vielfältigen Geschäftsmöglichkeiten von der Stadt angezogen.

Die Stadt beherbergt Menschen unterschiedlicher Kulturen. Es leben dort Mazedonier, Griechen, Ägypter, Syrier, und Juden. Doch genießen die Bewohner von Thessalonich nicht den allerbesten Ruf.

Wenn man diese Stadt also besucht, erweist es sich als großer Vorteil eine gute Adresse zu kennen, wo man unterkommen kann.

Als Paulus und Silas in Thessalonich ankommen, fragen sie sich zu dem Haus des Jason durch.

Jason nimmt die beiden in sein Haus auf. Er ist ein Stammesgenosse des Apostels, der sich eine griechische Entsprechung seines jüdischen Namens zugelegt hat. Es war nicht unüblich, dass sich Juden mit Namen Jesus oder Joschua den Namen Jason als griechische Entsprechung annahmen.

Paulus kommt die Unterkunft bei einem Juden sehr gelegen, da er von dort aus leichter mit seiner Missionstätigkeit beginnen kann. In Thessalonich gibt es eine geräumige Synagoge, die ihn Raum bietet seine Botschaft kundzutun.

Die gute Aussicht auf eine Arbeit hat viele Juden dazu bewogen, sich in der Hauptstadt Mazedoniens niedergelassen. Auch Paulus arbeitet dort, während seines Aufenthalts, da er sich nicht von seinem Gastgeber aushalten und verköstigen lassen will.

Später wird er, wenn er seinen ersten Brief an die Gemeinde in Thessalonich schreibt, darauf hinweisen, dass er Tag und Nacht bei ihnen gearbeitet und nicht auf der faulen Haut gelegen hat.

Diese Tatsache führt zu der Annahme, dass Jason wie Paulus von Beruf Zeltmacher gewesen ist, oder zumindest eine Leder- oder Teppichwerkstatt besessen hat und er und Paulus Seite an Seite dort gearbeitet haben.

Da das Handwerk für die jüdische Bevölkerung eine angesehene Tätigkeit ist, ist es für den Juden Jason keine ungewöhnliche Sache, dass der gebildete Paulus ganz selbstverständlich mit Ziegenhaar arbeitet, näht und verknüpft.

Würde es allein nach dem Willen des Jason gehen, dann dürften der Apostel und Silas noch länger in seinem Haus verweilen. Sein Haus und die Werkstatt werden zu Versammlungspunkten der entstehenden christlichen Gemeinschaft in Thessalonich.

Dort spricht man über die Schrift und lässt sich taufen. Auch Jason lässt sich taufen.

Nachdem Paulus jedoch an drei Mal hintereinander am Sabbat in der Synagoge das Evangelium verkündet, sind es die einflussreichen Juden der Gemeinde leid.

Sie möchten, dass Paulus aus Thessalonich wieder verschwindet. Findet Paulus unter den Juden wenig neue Anhänger, so kann er doch unter den Heiden einige Erfolge verbuchen, die der jüdischen Gemeinde ein Dorn im Auge sind.

Sie wollen Paulus und seinen Begleiter Silas vor die Politarchen stellen und hoffen, dass  diese mittels einer ausgeklügelten Anklage, die Rede vom Reich Gottes falsch verstehen. Denn aus einem solchen Missverständnis könnte man fälschlicher Weise eine Auflehnung gegen das römische Reich ableiten.

Man wiegelt das Gesindel der Stadt auf und bannt sich den Weg durch die Straßen Thessalonichs zum Haus des Jason, weil man dort Paulus und seinen Begleiter Silas vermutet.

Paulus jedoch ist nicht dort. Er und sein Begleiter haben einen Tipp erhalten und haben sich in Sicherheit gebracht. Stattdessen werden Jason und einige Mitglieder der christlichen Gemeinschaft von der aufbrachten Menge aus dem Haus geholt.

Konnte man schon nicht den Apostel selbst ergreifen, so doch wenigsten den Mann, der ihn in Thessalonich Unterschlupf gewährt hat.

Sie befördern ihn vor die städtischen Beamten und klagen Jason an, jemanden unterstützt zu haben, der sich gegen die bestehende rechtliche Ordnung auflehnt.

Die Politarchen geben den Anklagen der aufgewiegelten Menge jedoch nicht sofort nach.

In der freien Stadt Thessalonich bilden 5 bis 6 hohe Beamte die Politarchen mit einem eigenen Senat und einer Volksversammlung mit Beschlusskraft. Die Rechtsprechung und die Einberufung des Rates sind ihre wichtigsten Aufgaben.

Die Politarchen reagiere nicht wie gewünscht auf die falsche Anklage der aufgebrachten Menge, ziehen aber dennoch ihre Konsequenz aus dieser Angelegenheit.

Sie wollen in Thessalonich keine Ruhestörer und Menschen, die des Hochverrats verdächtig sind, nicht dulden.

Die Politarchen könnten den Jason festnehmen lassen und lassen ihn trotzdem gegen eine Bürgschaft ziehen. Wenn es jedoch erneut zu Unruhen in der Stadt kommen sollte, so verfällt seine Bürgschaft.

Obwohl dies den Anklägern nicht genug ist, müssen sie sich dem Urteil der Politarchen beugen.

Paulus verlässt das Haus seines Gastgebers, da er Jason und seine Familie nicht weiter gefährden möchte und verlässt die Stadt Thessalonich. Erst acht Jahre später wird er die Stadt wieder betreten.

5. Anregungen zur Bibelarbeit

1. Lies dir den Textabschnitt von Apostelgeschichte 17, 5-9 in Ruhe durch und lasse den Text auf dich wirken. Lies dir den Text anschließend noch einmal durch und lese die Verse 1-4 mit.

2. Welches Thema steht im Mittelpunkt der Perikope?

3. Welche Rolle spielt Jason? Welche Bedeutung hat er? Ist er ein Vorbild? Wenn ja, warum?

4. Was bedeutet Gastfreundschaft in diesem Kontext und wie weit geht sie?

Literatur

Läufer, Erich, Kleine Leute im Neuen Testament, Kevelaer 2000
Pesch, Rudolf, Die Apostelgeschichte, EKK V/2, Neukirchen-Vluyn 1986
Schneider, Gerhard, Die Apostelgeschichte. 2 Bde., HthK 2.2, Freiburg u.a. 1982

Zum Herunterladen:

  1. Leitet Herunterladen der Datei einBibelarbeit zur Apostelgeschichte 17, 5-9: "Sie fanden sie aber nicht..." - Jason und das Pech der Gerechten

Mehr zum Thema im Internet:

  1. Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.kirchensite.de/bibelarbeiten

Text: Stefanie Schwarz, Dipl. Theol., Ruhr-Universität Bochum, Katholisches Bibelwerk im Bistum Münster (Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.bibelwerk.de), in Kooperation mit kirchensite - online mit dem Bistum Münster (Öffnet externen Link in neuem Fensterkirchensite.de) | Foto: Michael Bönte, Juni 2012

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