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Seite: Fragen + Glauben
23.03.2017
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Professor Thomas Söding und Pfarrer Robert Vorholt.

Professor Thomas Söding und Pfarrer Robert Vorholt.

Gespräch mit Söding und Vorholt

Interview zu Bibelarbeiten: "Kleine groß rauskommen lassen"

Bistum. "Es gibt viel zu entdecken, wenn man nicht nur die Prominenten im Blick hat." – Was im Alltäglichen selbstverständlich gilt, lässt sich sogar für die Bibel sagen. Das zumindest meinen der Vorsitzende des Bibelwerkes im Bistum Münster, Professor Thomas Söding (Münster), und Privatdozent Pfarrer Robert Vorholt (Dülmen). So nehmen sie in der neuen Reihe der Bibelarbeiten Figuren am Rande in den Blick. Im Interview erklären sie warum.

kirchensite.de: Die neue Reihe der Bibelarbeiten im Jahr 2012 steht unter dem Thema "Randfiguren im Zentrum der Verkündigung". – Sind vor Gott nicht alle Menschen gleich? Kennt er Randfiguren?

Robert Vorholt: Gott achtet nicht auf die Person. Aber Gleichmacherei geht nicht an. Gleich sind die Menschen vor Gott in der Weise, in der er sie annimmt und liebt. Aber es gibt doch auch Unterschiede in der Art der Menschen, auf Gottes Anruf zu antworten - das weiß auch die Heilige Schrift: einige öffnen Gott ihr ganzes Herz, andere zögern; einige wollen ihm folgen, andere laufen davon. Die Bibel weiß, was gelungenes Leben ist. Darum weiß sie auch, was echter Glaube ist. Und traut sich, beides beim Namen zu nennen. Aber nicht, weil sie besserwisserisch wäre, sondern weil sie Menschen einladen will, Jesus nachzufolgen und so auf dem Weg zu gehen, der zur Fülle des Lebens führt.

kirchensite.de: Wie sind Sie auf diese Reihe gekommen?

Thomas Söding: Über die Großen wird ja laufend gesprochen: Petrus, Paulus, auch Maria. Aber die haben alle ganz klein angefangen. Und bei Jesus kommen die Kleinen groß raus. Es gibt viel zu entdecken, wenn man nicht nur die Prominenten im Blick hat. Das wollten wir zeigen. Dann ist auch die Identifikation für uns leichter.

kirchensite.de: Können Sie einige Personen nennen, die in der Reihe vorkommen?

Vorholt: Eher unbekannte Figuren, wie zum Beispiel Phoebe, die in Korinth vielleicht eine christliche Gemeinde betreut hat, oder Rhode, eine einfache Hausangestellte, der plötzlich der Apostel Petrus begegnet. Wir haben auch Finsterlinge dabei, etwa den Zauberer Elymas, den Paulus sogar "Teufelssohn" nennt (Apg 13,10), oder Simon, der das Wirken der Apostel zwar für Trickserei hält, ihnen aber das Patent dafür abkaufen will, weil er Profit wittert. Die Palette der Randgestalten ist bunt; die der Charaktere auch. Und doch wird jedes Mal auf unterschiedliche Weise deutlich, was eigentlich Inhalt des Evangeliums ist.

kirchensite.de: Was möchten Sie mit dieser Reihe erreichen?

Söding: Unbekannte Seiten des Neuen Testaments bekannt machen. Leute am Rande in den Mittelpunkt stellen. Die Kleinen groß rauskommen lassen. Und Entdeckungen im Neuen Testament ermöglichen, die Überraschungen bergen.

kirchensite.de: Um welche Personen soll es gehen?

Vorholt: Um Personen, die vielleicht nicht gerade zu den Promis des Neuen Testaments zählen. Die aber deshalb ja nicht uninteressant sind. Sie tauchen dort auf, wo sich das Leben abspielt. Keineswegs nur Heilige, sondern auch finstere Gestalten; nicht nur Überflieger, sondern auch – wenn man so will – Durchschnittstypen. Aber gerade die rücken einem ja nahe, jedenfalls solange man selbst nicht davon ausgeht, unter den Heiligen ein Überflieger zu sein…

kirchensite.de: Mit welcher Absicht werden eigentlich diese "Randfiguren" von den Autoren der biblischen Bücher ins Spiel gebracht?

Söding: Mit der Absicht, Jesus gerecht zu werden. Er selbst ist ja klein gemacht worden. Jedenfalls hat man es versucht. Aber er hat sich für die Kleinen eingesetzt. Das ist nicht nur guter Wille. Es ist auch Ausdruck der Einsicht, dass von den Etablierten wenig zu erwarten ist. Jesus war ein Revolutionär Gottes. Das haben die Kleinen am ehesten begriffen.

kirchensite.de: Was ist das Besondere an diesen Menschen? Gibt es Verbindendes?

Vorholt: Die Randfiguren, die das Neue Testament hier und da, manchmal ganz plötzlich und oft nur kurz aufscheinen lässt, sind in einer bestimmten Weise Prototypen. Das heißt: Sie fordern heraus und konfrontieren uns mit ihren Lebensentwürfen, weil sie eine Entscheidung getroffen haben, die mit Gott und also auch mit ihrem Leben zu tun hat. Das soll die Leserinnen und Leser ihrer Geschichten natürlich nicht kalt lassen. Stattdessen bieten gerade diese Randgestalten bei aller Unterschiedlichkeit im Detail die Möglichkeit, Maß an ihnen zu nehmen – in Zustimmung oder Kritik, Bewunderung oder Mitgefühl. Das verbindende Moment, könnte man sagen, ist, dass sie uns zum tieferen Nachdenken über die eigenen Glaubens- und Lebensentscheidungen führen können und wohl auch sollen.

kirchensite.de: Was lässt sich von den "Randfiguren" lernen?

Söding: Ich brauche mich nicht aufzuplustern. Mein Glaube ist klein, meine Leistung ist klein, mein Lebensradius ist klein. Gott macht es groß und weit. Wenn ich am Rand stehe, bin ich nicht abgeschrieben. Gott hat mich ins Herz geschlossen.

Zur Person:

Thomas Söding wurde 1956 in Hannover geboren. 1985 promovierte er bei Professor Wilhelm Thüsing in Münster, Thema seiner Dissertation war das Glaubensverständnis von Markus. 1991 schloss er unter der Leitung von Professor Karl Kertelge seine Habilitation zum Thema "Das Liebesgebot bei Paulus" ab. Von 1991 bis 1993 war Söding Privatdozent an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster; 1993 wurde er Professor für Biblische Theologie an der Bergischen Universität Wuppertal. Seit 2008 hat er den Lehrstuhl für Neutestamentliche Exegese an der Ruhr-Universität Bochum inne.
Seit 2002 ist Söding Diözesanleiter des Katholischen Bibelwerks im Bistum Münster, überdies engagiert er sich seit vielen Jahren in verschiedenen ökumenischen Arbeitskreisen. Der Vatikan hat den Bibelwissenschaftler in die Internationale Theologenkommission sowie in den Päpstlichen Rat zur Förderung der Neuevangelisierung sowie als Experten zu den Weltbischofssynoden 2005 und 2008 berufen. – Thomas Söding ist verheiratet und Vater von drei Kindern.

Robert Vorholt wurde 1970 in Münster geboren. Die Priesterweihe empfing er 1999 in Münster. Im Dezember 2006 erfolgte die Promotion (Dissertation zum Thema "Der Dienst der Versöhnung. Studien zur Apostolatstheologie bei Paulus.") zum Doktor der Theologie. Seit 2008 war Vorholt wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Neues Testament an der Ruhr-Universität Bochum. Seine Habilitation schloss er Ende 2011 ab mit einer Arbeit mit dem Titel "Die Osterevangelien. Zur theologischen Bedeutung der neutestamentlichen Erzählungen.". Seit Anfang 2012 ist er Privatdozent in Bochum. – Robert Vorholt ist zudem Seelsorger in Hausdülmen St. Mauritius.

Interview: Norbert Göckener | Fotos: Archiv
08.02.2012

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