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Seite: Fragen + Glauben
25.05.2012
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Schwester Bernadette Bargel (links) steht seit 1977 als Äbtissin an der Spitze des Kevelaerer Konvents.

Schwester Bernadette Bargel (links) steht seit 1977, unterbrochen von einer kleinen Pause, als Äbtissin an der Spitze des Kevelaerer Konvents.

Klarissen-Kloster in Kevelaer

Das Leben im Gebet vor Gott tragen

Kevelaer. Leise ertönt die Glocke hinter der Pforte. Eine Ordensfrau, deren Gesicht von einer weißen Haube und einem schwarzbraunen Schleier eingefasst wird, öffnet die Tür. Schwester Ursula, wie sie sich selbst vorstellt, hat Pfortendienst und fragt jeden, der klingelt, nach seinem Begehr.

"Viele Menschen kommen mit den unterschiedlichsten Wünschen zu uns", sagt Schwester Bernadette Bargel. Die 67-jährige Ordensfrau, die am 25. März 1962 bei den Kevelaerer Klarissen eingetreten ist, steht mit einer kurzen Unterbrechung seit 1977 an der Spitze des Konvents.

"Als ich mir mit 17 Jahren die Frage nach dem Sinn meines Lebens stellte, nach dem Woher und Wohin, kam ich mit den Klarissen in Berührung. Ich lernte sie beim Gebet kennen. Meine erste Reaktion war Abwehr. Damals meinte ich, die Schwestern sind verrückt. Aber dieses Leben ließ mich nicht mehr los. Ich gab dieses Ja."

15 Ordensfrauen im Alter zwischen 39 und 87 Jahren

Im Beten und Arbeiten schafft sich Schwester Bernadette seitdem mit den Mitschwestern einen Raum, den Mittelpunkt ihres Lebens auszuloten. 15 Ordensfrauen im Alter zwischen 39 und 87 Jahren leben zurzeit im Konvent. Im vergangenen Jahr sind drei Mitschwestern gestorben. "Das war ein schwieriger Einschnitt", erinnert sich die Äbtissin.

Der Tagesablauf der Ordensfrauen ist streng geregelt. Sieben Mal am Tag versammeln sich die Schwestern im Chorgebet, um Gottes Lob zu singen. Ab fünf Uhr morgens wechseln im Kloster Gebetszeiten, Meditation und Eucharistiefeier mit Arbeitsphasen. Und das bis abends 20 Uhr.

Sieben Mal am Tag versammeln sich die Klarissen im Chorgebet, um Gottes Lob zu singen. Sie beten auch stellvertretend für die Menschen, die nicht mehr beten können

Stellvertretend für viele Menschen

"Beim Beten der Psalmen, beim Hören der Heiligen Schrift, trägt die Schwester alles vor Gott: Glaube und Anbetung, Zweifel und Dunkelheit, Dankbarkeit und Klage, tiefe Freude und ergriffenes Staunen. Stellvertretend steht sie für viele Menschen", beschreibt die Äbtissin das Leben in dem kontemplativen Orden.

"Routine", sagt Schwester Bernadette, "ist auch im Kloster der größte Feind. Sie entsteht dann, wenn man zum Beispiel zu den Gebetszeiten hingeht, weil die Zeit da ist und nicht, weil man das Gebet sucht." Den Kontakt zu Gott im Gebet zu suchen ist deshalb immer wieder Ansporn ihres Bemühens.

Täglich 20 Menschen an der Pforte

Das Gebet der Schwestern gilt vielen, die nicht mehr beten können. Täglich klingeln 20 Menschen an der Pforte. Viele kommen zu den Klarissen, in der Hoffnung auf Zuwendung, mit der Bitte um ein Gebet oder auch nur ein warmes Essen. An der Klosterpforte schellen Frauen und Männer aus Kevelaer sowie zahlreiche Pilger oder auch "Tippelbrüder". Auch Jugendliche suchen die Klarissen auf, weil sie in ihrem Leben keinen Sinn mehr erkennen.

Meistens haben die Menschen große Schwierigkeiten: in der Ehe oder mit den Kindern. Oft sind es gesundheitliche Probleme, die sie plagen. "Viele wissen nicht ein noch aus. Der Pastor ist in der Notlage oft nicht zu erreichen, aber die Schwestern sind einfach da", sagen die Menschen, die auf den Rat und die Fürbitte der Schwestern bauen.

Sich-Öffnen für Gott

"In unserem Kloster finden die Menschen einen Raum, in dem sie geborgen sind, und sie reden können", sagt die Äbtissin. "Hier fühlen sie sich mit ihrer Not aufgehoben." Nach der Erfahrung der Ordensfrau kommen die Menschen zu ihnen, weil die Not im Kloster bleibt, wenn sie selbst wieder gehen. "Und sie wissen, dass wir ihr Anliegen mit ins Gebet nehmen", sagt Schwester Bernadette.

Das Kloster am verkehrsreichen Klara-Platz, liegt im Herzen des Wallfahrtsortes Kevelaer, entlang eines alten Pilgerweges. Mitten in diesem Lärm liegt der Lebensbereich der Schwestern. "Das äußere Sich-Zurück-Ziehen muss identisch sein mit dem inneren Sich-Öffnen für Gott und die Menschen", sagt Schwester Bernadette.

Am verkehrsreichen St.-Klara-Platz, im Herzen der Wallfahrtsstadt Kevelaer, das Klarissenkloster. Mitten im Lärm liegt der Lebensbereich der Schwestern

Gegründet von Schwestern aus Münster

Am 25. Oktober 1892 wurde das Klarissenkloster durch den Konvent der Klarissen aus Münster gegründet. Fünf Klausurschwestern und zwei Außenschwestern begannen das Leben nach der Regel der heiligen Klara. Am 27. September 1944 brach, bedingt durch den Zweiten Weltkrieg, die Katastrophe über das Kloster herein: Die Kirche und das Kloster wurden durch Bomben zerstört, zwei Schwestern fanden den Tod, mehrere Schwestern wurden verletzt. Am 13. August 1945 begann der Wiederaufbau des Klosters. Ab 1954 konnten die Schwestern das kontemplative Leben wieder beginnen.

Die Aufgabe, Gott im Gebet zu suchen und fürbittend für die Menschen da zu sein, wird von Jahr zu Jahr schwerer. Daran hat auch die Zusammenführung der Klarissen aus Münster mit den Kevelaerer Ordensfrauen nichts geändert. "Auch kontemplative Orden haben immer größere Schwierigkeiten, Nachwuchs zu finden. Es ist verkehrt, die Augen vor diesem Problem zu verschließen", meint Schwester Bernadette.

Zeit der Prüfung

Sie weiß, dass die Zeiten, in denen junge Frauen zwischen 20 und 25 Jahren im Kloster um Aufnahme bitten, vorbei sind. "Die Frauen sind älter, kommen in der Regel aus der Selbstständigkeit, haben Berufe erlernt und finden das, was sie erlernt haben, im Kloster nicht wieder. Es folgt eine harte Zeit der Prüfung. Auf beiden Seiten. Denn sowohl die Frau, die in das Kloster eintreten möchte als auch die Gemeinschaft der Schwester müssen "ja" sagen.

"Im Kloster geht es nicht um Selbstverwirklichung. Das ist nicht der Sinn des Ordenslebens", sagt die Äbtissin. Ihr geht es darum, den Weg zu Gott und mit Gott zu entdecken. Das Gebet steht dabei im Mittelpunkt. "Oft ist es ein langer Weg zueinander, der viel Begleitung benötigt."

Von der Gemeinschaft mitgenommen

"Die Versorgung der alten und kranken Schwestern hat zurzeit Priorität. Und wir müssen für einen gesunden, geregelten Tagesablauf sorgen", sagt die Ordensfrau. Ein geregelter Tagesablauf trage, sagt sie. Sie weiß, dass für Menschen, die von außen kommen, dieser streng geregelte Ablauf wie ein Korsett wirkt. "Aber man muss nicht immer überlegen, was ansteht", erläutert sie.

Eines ist ihr sehr wichtig: "Ich werde von der Gemeinschaft mitgenommen." Mit ihrem stillen Gebet, allein und in der Gemeinschaft, möchten sie einen Beitrag leisten, in der heute oft sprachlosen Gesellschaft eine Brücke zu Gott zu schlagen.

Kontakt:

Klarissen-Kloster in Kevelaer
St.-Klara-Platz 2
47623 Kevelaer
Tel.: 02832 / 7616

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. Öffnet internen Link im aktuellen FensterListe der Gemeinschaften, die bisher Klosterfürbitten entgegengenommen haben
  2. Öffnet internen Link im aktuellen FensterÜbersicht: Orden

Mehr zum Thema im Internet:

  1. Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.klarissenkloster-kevelaer.de

Text: Jürgen Kappel | Fotos: Jürgen Kappel
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