
Pater Urban und Pater Paulus (v.l.) gehören zu den neun Franziskanern in Dorsten.
Franziskaner in Dorsten
Gott und Gebet in der Einkaufspassage
Dorsten. Manch einer mag bei dem Wort Kloster an Einsamkeit und Abgeschiedenheit denken. Auf die Franziskaner in Dorsten trifft das nicht zu. Ihr Kloster liegt inmitten der Einkaufspassage: zwischen Drogerie, Bäckerei und Sportladen.
Die Franziskaner sind seit 1488 in Dorsten – abgesehen von zwei kurzzeitigen Zwangsauflösungen im Dreißigjährigen Krieg und im Kulturkampf. Neun Franziskaner leben im Kloster St. Anna – zwei Brüder und sieben Patres. Pater Urban ist 75 Jahre alt und Guardian der Dorstener Franziskaner, der Hausobere. "Wir sind eine Ordensgemeinschaft: Wir beten gemeinsam, wir essen gemeinsam, wir feiern gemeinsam Gottesdienst", sagt er.
Pater Urban nimmt die Klosterfürbitten an seinem Computer entgegen. |
Auch im Alter noch beschäftigt
Die Franziskaner verbringen in Dorsten ihren Lebensabend. Die Aufgaben im Haus teilen sie unter sich auf: den Telefondienst, das Zubereiten der Mahlzeiten. Aus dem aktiven Arbeitsleben sind die Ordensmänner aus Altersgründen ausgeschieden. Dennoch: Für den Schaukelstuhl sind sie zu fit.
Und es gibt viel zu tun: Die Patres feiern Gottesdienste in der Klosterkirche, im Krankenhaus, im Seniorenheim und im Ursulinen-Kloster. Sie spenden die Krankensalbung, hören die Beichte und halten geistliche Vorträge. Jeden Morgen bietet das Franziskanerkloster ein Frühstück für Obdachlose an. Eine Sozialarbeiterin verteilt Kaffee und Brötchen an der Klosterpforte. "Mal kommen zehn, mal 15, mal 20", erklärt Pater Urban.
In der Klosterkapelle kommen die Franziskaner zum Gebet zusammen |
Im Trubel des Alltags Ruhe finden
Die Tür zur Klosterkirche und zur Marienkapelle ist den ganzen Tag geöffnet. Die Menschen kommen im Trubel des Alltags hierher. Sie finden Ruhe, beten, entzünden eine Kerze, schreiben etwas in das ausliegende Fürbittenbuch. Einige verharren vor dem Marienbild, dem "Gnadenbild der Unbefleckten Empfängnis". Es ist in gleicher Form im Wallfahrtsort Hardenberg/Neviges zu finden.
Dass die Ordensmänner nicht nur mitten in der Stadt leben, sondern auch am Geschehen teilhaben, beweisen sie jedes Jahr zur Adventszeit. Auf dem Katharinen- und Nikolausmarkt verkaufen Ehrenamtliche vor dem Kloster Waffeln, Schmalzschnitten und Spekulatius. "Wir sind dann dazwischen", sagt Pater Urban. Er lacht. "Und wir haben unsere Stammkunden." Einen Satz hört er jedes Jahr gerne: "Komm, wir trinken Glühwein bei den Patres."
Kontakt:
Franziskanerkonvent zur heiligen Anna
Lippestraße 5
46282 Dorsten
Tel: 02362 / 95280
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Text: Katharina Deuling | Foto: Katharina Deuling
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