
Haus der Stille mitten in der Stadt: Schwester Simone (links) und Schwester Elisabetha empfangen gerne die Gäste, die sich hierher zurückziehen möchten.
Die Vorsehungsschwestern in Münster
"Haus der Stille" als Oase in der Stadt
Münster. Hinter dem schmiedeeisernen Tor breitet sich eine ovale Rasenfläche aus, umrandet von gelben Blumen. Rosafarbene Blüten trotzen dem Herbstwind. Es ist still, mitten in der Stadt: Seit 2006 führen fünf Schwestern von der Göttlichen Vorsehung das "Haus der Stille St. Hildegard" an der Neubrückenstraße. Nachdem 1994 die Hildegardis-Schule in die Hände des Bistums gegeben wurde, gab es vorübergehend eine Vermietung an Studentinnen. Dann gab es keine rechte Verwendung mehr für das Gebäude. So kam das "Haus der Stille" hierher.
Schlichte Räume prägen das Haus der Stille. Nichts soll ablenken. In der Kapelle richtet sich so der Blick fast von selbst auf das Kreuz. |
Kein Fernseher oder Internet lenken ab
Ansonsten: "Im Gästebereich haben wir keinen Fernseher und auch kein Internet", sagt Schwester Simone. Die Fürbitten, die Besucher in diesem Monat bei kirchensite.de hinterlassen, werden im Generalat ausgedruckt. Einmal sei ein Gast laut telefonierend über die Gänge gelaufen. "Das ist nicht der Sinn eines Aufenthalts hier", muss die Ordensfrau schmunzeln, wenn sie an diese Begebenheit denkt. "Wir erwarten von unseren Gästen, dass sie mit uns die Stille gestalten."
Das kann in den regelmäßigen Gebetszeiten geschehen, aber die Schwestern bieten auch Gespräche an. Zweimal in der Woche kommen Seelsorger und feiern in der kleinen Hauskapelle Eucharistie. Die Gäste können auch Exerzitienbegleiter mitbringen.
Die Madonnenfigur mit dem ausgebreiteten Mantel im Eingangsbereich ist nicht nur Zierde, sondern Ausdruck der Stimmung im Haus: "Bei uns ist jeder willkommen, egal welcher Konfession", sagt Schwester Simone. Meist bleiben die Gäste drei bis fünf Tage: "Es sind Menschen, die die Stille suchen, Menschen, die Abstand vom Alltag brauchen. Die Stille – das ist unser Angebot." Dabei, so sagt Schwester Simone ganz offen, "können wir uns in diese Suche gut hineinbegeben. Wir haben die Weisheit nicht gepachtet. Wir sind genauso Suchende."
Mit offen Armen empfängt die Madonna, gestaltet von der Münsteraner Künstlerin Hilde Schürk-Frisch, die Besucher im Treppenhaus. |
In der Stille Gottes Gemeinschaft finden
Dabei steckt das Vertrauen, dass alles seinen Sinn von Gott hat, schon im Namen des Ordens. 1842 vom münsterschen Priester Eduard Michelis gegründet, sind die Schwestern heute auch in Afrika, Indonesien, Europa und Lateinamerika tätig. "Vorsehung, das bedeutet, dass wir glauben, dass Gott in Jesus Christus mit uns auf dem Weg ist und uns führt." Ein Zeichen nach außen ist die Kette mit den drei verschlungenen Ringen auf einem kleinen Kreuz, die Schwester Simone trägt. Sie symbolisiert die Dreifaltigkeit, oder, wie Schwester Simone sagt: " Gott in sich ist schon Gemeinschaft."
Die Vorsehung Gottes nehme den Menschen aber nicht aus der eigenen Verantwortung: "Wir haben ja immer die Wahl, das ist manchmal nicht einfach." Oft erschließe sich der Lebensweg erst im Rückblick, sagt Schwester Simone, die mit 26 Jahren in den Orden eingetreten ist und lange im Schuldienst und im Leitungsteam der Provinz tätig war.
Die innere Stille finden – ein großer Anspruch, der sich doch oft erfüllt, wie die vielen Dankesworte im im Gästebuch bezeugen: "Wenn Gäste sagen: Ich habe aufgetankt, ich habe wieder eine Perspektive – dann ist das für uns ein schönes Echo."
Kontakt:
Schwester Simone Suffa
Haus der Stille St. Hildegard
Neubrückenstraße 20
48143 Münster
Tel: 0251 / 482756
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Text: Marie-Theres Himstedt | Fotos: Marie-Theres Himstedt
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