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Seite: Fragen + Glauben
28.04.2017
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Matthäus spricht intensiv von der Endzeit und dem Weltgericht, bevor er über die Passion Jesu berichtet.

Matthäus spricht intensiv von der Endzeit und dem Weltgericht, bevor er über die Passion Jesu berichtet.

Bibelarbeit zu Matthäus 25,31-46

"Er wird sie scheiden"

1. Einführung

Das Geheimnis der Erlösung des Menschen offenbart Jesus Christus nicht nur in seinem Tod, seiner Auferstehung und seiner Himmelfahrt, sondern auch in seiner Parusie. Dieses  Wesentliche unseres Glaubens hat die Kirche ausgedrückt und weitergegeben. Mit dem  apostolische Glaubensbekenntnis, dem "ältesten römischen Katechismus" glauben wir: "Von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten." Das gemeinsame Bekenntnis des Glaubens bezeugt das Kommen Jesu am jüngsten Tag und sein endgültiges Gericht.

Der erste Evangelist liefert die Rede vom letzen Tag (Mt 25,31-46) über, die Johannes der Täufer in seiner Gerichtspredigt anküngte (Mt 3,12). Mit dieser ausführliche Darstellung des Matthäus wird die Vorstellung vom Endgericht des Menschensohnes am jüngsten Tag veranschaulicht. Die matthäische Rede vom göttlichen Gericht ist Thema dieser Bibelarbeit.

2. Der Text: Mt 25,31-46 nach der Einheitsübersetzung

31 Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm, dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen.  32 Und alle Völker werden vor ihm zusammengerufen werden, und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet.  33 Er wird die Schafe zu seiner Rechten versammeln, die Böcke aber zur Linken.  34 Dann wird der König denen auf der rechten Seite sagen: Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist.  35 Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen;  36 ich war nackt, und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank, und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen.  37 Dann werden ihm die Gerechten antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und dir zu essen gegeben, oder durstig und dir zu trinken gegeben?  38 Und wann haben wir dich fremd und obdachlos gesehen und aufgenommen, oder nackt und dir Kleidung gegeben?  39 Und wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen?  40 Darauf wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.  41 Dann wird er sich auch an die auf der linken Seite wenden und zu ihnen sagen: Weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist!  42 Denn ich war hungrig, und ihr habt mir nichts zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir nichts zu trinken gegeben;  43 ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich nicht aufgenommen; ich war nackt, und ihr habt mir keine Kleidung gegeben; ich war krank und im Gefängnis, und ihr habt mich nicht besucht.  44 Dann werden auch sie antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig oder obdachlos oder nackt oder krank oder im Gefängnis gesehen und haben dir nicht geholfen?  45 Darauf wird er ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan.  46 Und sie werden weggehen und die ewige Strafe erhalten, die Gerechten aber das ewige Leben.

3. Kontext

Der Text Mt 25,31-46 steht am Ende der öffentlichen Verkündigung Jesu. Er nimmt seine Stellung in der letzen der großen Rede des Matthäusevangeliums (Mt 24-25). Diese fünfte Redekomposition, die erst durch die Jüngerfrage (Mt 24,3) eingeleitet ist, klammert Matthäus mit der Abschlussformel (Mt 26,1: "Als Jesus seine Rede beendet hatte..."; vgl. Mt 7,28; 11,1; 13,53; 19,1) ein. Dort spricht er intensiv von der Endzeit und dem Weltgericht, bevor er über die Passion Jesu berichtet (Mt 26-27). Dieses letzte Wort steht in  eschatologischer Ausrichtung.

Mit Mt 25,31-46 schließt  die eschatologische Rede ab. Dieser Schlusstext der matthäischen fünften Rede hat keine Einleitungsformel, mit der ein neuer Textabschnitt erkennbar wird. Er bildet dennoch eine literarische und inhaltliche Einheit, indem eine neue Person "Menschensohn" in Mt 25,31 in Erscheinung tritt. Wo er in seiner Herrlichkeit mit allen Engeln kommt, erfahren wir aber in unserem Text nicht. Die Schilderung über den kommenden Menschensohn rückt Mt 25,31f. nach vorne. Im Menschensohn-Motiv ist die Rede vom Endgericht (Mt 25,31-46) mit Mt 24,30f. verknüpft (vgl. Mt 10,23; 13,40-43. 49f; 16,27f; 19,28). In diesem Textzusammenhang wird erläutert, was geschieht, wenn der Menschensohn kommen wird.

4. Struktur

Jesus erzählt seinen Jüngern das endzeitliche Weltgericht. Das Gespräch zwischen ihm und seinen Jüngern (Mt 24,3f.) weist darauf hin, wer der Erzähler der Rede hier ist. Auf die Jüngerfrage antwortet Jesus selbst.

Im ersten Teil (Mt 24,31-33) geht es um das königlichen Gericht des Menschensohnes in der Endzeit. Dafür malt Jesus zuerst das Bild vom verherrlichten Kommen des Menschensohnes aus: "Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm, dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen." (Mt 24,31) Und dann verdeutlicht der Erzähler die von Gott gegebene Aufgabe des Menschensohnes, nämlich das Gericht. Demnach wird der Menschensohn alle Völker, die vor ihm versammelt sind, voneinander scheiden, wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet (Mt 24,32f.).

Der zweite Teil (Mt 24,34-45) ist umfangreicher als der erste. Er stellt eine neue Erzählung, die jetzt von einer neuen Person "König" geleitet wird, dar. Er besteht aus zwei Dialogen des Königs mit denen zu seiner Rechten (Mt 24,34-40) und zu seiner Linken (Mt 24,41-45). Jeder Dialog folgt nach der Erzählreihe, d.h. die Rede des Königs, die Gegenfrage des Angeklagten und die Antwort des Königs (Mt 24,34-36 – 24,37f. – 24,40 und Mt 24,41-43 – 24,44 – 24,45).  Diese Dialoge bilden eine antithetische Gegenüberstellung; in beiden Dialogsszenen wiederholt sich die Rede des Königs im gleichen Wortlaut (sechs Liebeswerke: Mt 24,35f. 40 und 24,42f. 45). Die Gegenfrage des Gerechten (Mt 24,37-39) ist aber in der des Verfluchten gekürzt (Mt 24,44). Dieser Kontrast beider Dialoge gibt nicht nur der Erzählung eine klare Struktur, sondern arbeitet auch den mahnenden Charakter des Textes heraus.

Die gesamte Rede (Mt 25,31-46), die zum letzten Mal mit dem endgültigen Urteilsspruch des Menschensohnes in einem großen Konstrast endet (der dritte Teil: Mt 25,46), erklärt der folgenden Überblick des Textes:

5. Die Kernfragen zum Verstehen des Textes

Aus der Textbeobachtung ergeben sich die entscheidenden Fragen, die dazu dienen, den Text zu verstehen und damit seine Deutung wahrzunehmen:

Was wird der Menschensohn machen?

Der "Menschensohn" ist ein christologischer Titel, den eine historische Gestalt, der Messias Jesus trägt. Aus der neutestamentlichen Menschensohn-Christologie, die von der frühjüdische Menschensohn-Tradition ausgeprägt ist, wird er weithin im Neuen Testament mit Jesus identifiziert. Nach Mt 25,31 kommt dieser Menschensohn am Ende der Welt in seiner Herrlichkeit mit den Engeln. Wieso kommt er in der Endzeit? - Um Gericht zu halten. Er wird der göttliche Weltrichter sein. Seine Gerichtshandlung ist mit der "Scheidung" (Mt 25,32) veranschaulicht. Diese Akt der Scheidung, die zuvor die Engel durchführten (Mt 13,49), wird hier mit dem Vergleich mit dem Hirten erläutert: "Er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet." (Mt 25,32) Dies hat eine symbolische Bedeutung. Dabei liegt das Gewicht nicht auf diesem bildhaften Vergleich selbst, sondern mehr auf dem Akt der Trennung, die die Souveränität des Richters kennzeichnet. Die Ankündigung des Johannes des Täufers über den kommenden Feuerrichter: "Er wird die Spreu vom Weizen trennen und den Weizen in seine Scheune bringen; die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen." (Mt 3,12; vgl. Mt 13,24-30.36-43) vollzieht sich hier im königlichen Endgericht des Menschensohnes.

Wer wird vor dem Weltrichter in der Endzeit stehen?

In unserem Text zeigt sich ganz eindeutig, wen der kommende Menschensohn voneinander scheiden wird: "alle Völker" (Mt 25,32). Es ist aber fraglich, wer mit diesem Ausdruck "alle Völker" gemeint ist. Wären sie alle Christen, die die eschatologische Rede Jesu über die Endzeit hören und dadurch zur Wachsamkeit aufgefordert sind (vgl. Mt 24-25)? Oder wird das Gericht des Menschensohnes nur über alle Nichtchristen ergehen, weil sie sich nicht umkehren und damit auch das Evangelium des Reiches nicht glauben? Es trifft am ehesten zu, dass der Menschensohn alle Menschen zu seinem Gericht zählen wird. Vom göttlichen Urteil kann niemand ausgeschlossen werden. Es gibt nur ein Gericht, d.h. das universale, vor dem alle stehen werden. Vom Menschensohn wird jeder Mensch nach seinem Handeln zum Gericht gebracht werden; entweder "zur ewigen Strafe" oder "in das ewige Leben" (Mt 25,46)

Weshalb können die Gerechten das ewige Leben erhalten?

Das Gericht wird durch die "Scheidung" des kommenden Menschensohnes ergehen. Denen auf der rechten Seite, den Gesegneten des Vaters wird das himmlische Reich verleiht (Mt 25,34), aber denen auf der linken, den Verfluchten das ewige Feuer (Mt 25,41). Nach diesen Urteilssprüchen folgt eine Begründung ("denn": Mt 25,35f. 42f.), die die Gerichtshandlung des Menschensohnes rechtfertigt. Warum einer als Gerechter beurteilt wird – aber ein anderer vielleicht nicht –, wird nun geklärt. Der Grund für die Teilhabe am Reich sind  Liebeswerke an den Notleidenden und den Armen, die sich in der alttestamentlich-jüdische Tradition (z.B. Jes 58,7; Ez 18,7; Spr 25,21; Ijob 22,7; Tob 4,16; Sir 7,35) widerspiegeln. In seinem Endgericht bindet der Menschensohn das Heil der Menschen an die Haltung der Liebesgebote. Jesus lehrte die Liebe das oberste Gebot (Mt 5,21-48; 22,34-40; 23,23). Doch er selber lebte sie so, dass er den Weg der Passion, d.h. der Armut und der Machtlosigkeit gegangen ist. Dieser Gekreuzigte, der dadurch mit einem der geringsten Brüder identifiziert wird (Mt 25,40.45), ist der Maßstab im Gericht des Menschensohnes, nach dem sich Heil oder Unheil aller Menschen bemisst. Die Frage, welchen Platz ein Mensch einnehmen wird, ist davon abhängig, wie man sich zu den geringsten Brüder verhält: getane oder unterlassene Liebeswerke. Sie sind heilsentscheidend.

Wofür ist das Gerichtswort?

Im Matthäusevangelium bildet das Motiv des göttlichen Gerichtes den Rahmen um die Verkündigung Jesu. Mit dem Gerichtswort von Johannes dem Täufer (Mt 3,11f.) beginnt die öffentliche Verkündigung Jesu; mit dem Endgericht des Menschensohnes (Mt 25,31-46) endet sie. Der Evangelist stellt die Gerichtsworte in kerygmatische Zusammenhänge. Damit haben sie vor allem eine mahnende Funktion. "Die Rede vom Gericht dient dazu, die alles überragende, nämlich heilsentscheidende Bedeutung der Umkehr und des Glaubens, der Liebe und der Gerechtigkeit zu unterstreichen." (Th. Söding, Die Verkündigung Jesu, 234.) Sie berichtet den Ablauf des letzten Tages nicht. Vielmehr arbeitet sie heraus, was im Endgericht über Heil oder Unheil, Leben oder Tod entscheidet: Liebeswerke an den Hungernden, Dürstenden, Armen, Kranken, Fremden und Gefangenen.

Jesus ist der messianische Retter, sein Volk von seinen Sünden zu erlösen (vgl. Mt 1,21). Er ist der Heilsmittler, der nicht gekommen ist, um zu richten, sondern um zu retten (vgl. Joh 3,17). Um der Gerechtigkeit willen aber ist das Gericht nicht unnötig, weil er vom Vater gesandt ist, um die Gerechtigkeit zu verkünden (vgl. Mt 12,18-21 [Jes 42,1-4]): "Ohne das Gericht kann es kein Heil geben, aber das Gericht gibt es nur um des endgültigen Heiles willen." (ebd., 240.)

6. Bibelarbeit

Die Heilige Schrift lesen:
Mt 25,31-46 (besonders im gesamten Textzusammenhang von Mt 24-25)

Die eigene Arbeit machen:
Im Matthäusevangelim finden sich die Texte, die explizit oder implizit vom Akt der "Scheidung", dem endgültigen Gericht sprechen, d.h. z.B. Mt 13,24-30.36-43; Mt 13,47-50. Vergleichen Sie sie miteinander. Beobachten Sie die Bezüge, die miteinander verknüpft sind. Es lohnt sich, dass Sie sie aufschreiben.

Fragen zum Nachdenken und zum Austausch:
Welche Vorstellung von der Endzeit habe ich eigentlich? Wie verstehe ich das Endgericht des Menschensohnes? Welchen Sinn hat es heute? Im welchen Bild – Gerechten oder Lieblosen, Weizen oder Unkraut – spiegelt sich mein Leben? Wer ist für mich der Geringste? Was kann ich tun, um das ewige Leben zu erhalten?

Buchhinweise

Ulrich Luz, Das Evangelium nach Matthäus (EKK I/3), Zürich/Düsseldorf/Neukirchen-Vluyn 1997, 515-561.

Joachim Gnilka, Das Matthäusevangelium (HThKNT I/2), Freiburg im Breisgau 1998, 365-379.

Thomas Söding, Die Verkündigung Jesu – Ereignis und Erinnerung, Freiburg im Breisgau 2011, 221-240.

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Text: Angelo Chung, südkoreanischer kath. Priester, Doktorand von Prof. Söding in Bochum, Katholisches Bibelwerk im Bistum Münster (Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.bibelwerk.de) in Kooperation mit kirchensite.de – online mit dem Bistum Münster (Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.kirchensite.de) | Foto: berlin-pics / Öffnet externen Link in neuem Fensterpixelio.de, Oktober 2011

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