Anzeige:
Werbung

kirchensite.de | Online mit dem Bistum Münster: Nachrichten aus der Kirche, katholischer Glaube, Spiritualität, Heiligenlexikon, Veranstaltungen, Seelsorge, Fürbitte, Bibelarbeiten, Dossiers.

. . . . .
Seite: Fragen + Glauben
25.05.2012
Artikel drucken
Logo kirchensite.

Geistlicher Impuls von Dr. Silberberg: Bittgebet

Wenn irgendwo eine Kerze für dich brennt

Wenn irgendwo eine Kerze für dich brennt, dann weißt du: Jemand denkt an dich. Du bist nicht allein. Jemand betet für dich und tritt für dich ein. Er "nimmt dich ins Gebet". Er sagt mit dieser Geste: Auch du gehörst zu uns. Auch dich hält die unsichtbare Hand Gottes. Und "was Gott tut, das ist wohlgetan" – auch für dich, ob du es jetzt verstehst oder nicht.

Die orthodoxe Kirche sagt: Jemand, der eine Kerze ansteckt, bringt damit auch seinen eigenen Glauben zum Ausdruck, er nimmt symbolisch an der Kreuzigung (sich verzehren, ganz hingeben und "verbrennen") und an der Auferstehung Jesu teil (Licht, Leben, Herrlichkeit).

"Gott hat alle Menschen lieb"

"Gott hat alle Menschen lieb", sagt eine Religionslehrerin in Klasse 5. Da ruft ein Junge dazwischen: "Aber meine Mama nicht, die hat Krebs!" Vor einigen Jahren hatte er schon gefragt: "Mama, bist du tot, wenn ich in die Schule komme?" Und weiter: "Mama, warum wirst du immer krank und nicht eine andere?" – Warum? Die Kernfrage aller ungerecht oder unschuldig Leidenden.

Hilft Beten, Bitten, Fürbitte? Der Gott des Lebens – warum lässt er zu und greift nicht ein? Erhört er uns nicht?

Herr, nach deiner Hilfe sehnt sich meine Seele; ich warte auf dein Wort. Meine Augen sehnen sich nach deiner Verheißung (Ps 119,81 f.).

Unser Gott ist doch kein Willkürgott. Er "gibt Speise zur rechten Zeit" und "sättigt alles, was lebt nach seinem Gefallen".

Dazu zwei klassische theologische Antworten:

- "Gott erfüllt nicht alle unsere Bitten, aber alle seine Verheißungen" (Dietrich Bonhoeffer).
- "Die Bitte um Gottes Heiligen Geist ist die einzige Bitte, der Erhörung zugesagt ist" (s. Lk 11; Röm 8; Herbert Vorgrimler).

Trotzdem beten wir täglich im Stundengebet: "Gott, komm uns zu Hilfe. Herr, eile uns zu helfen. Herr, erbarme dich unser." – Nur fromme Formeln oder ganz bewusste innige Hinwendung zu Gott? Oder was denkt ein Mensch, wenn er schwört "so wahr mir Gott helfe"? Jesus selbst hat versichert, dass Gott unsere Bitten erhört, wenn auch nicht sofort: Lk 11, 9-13.

Echoraum unserer Gebete

Bei jeder Beerdigung weist ein Pfarrer in der Messe vor den Fürbitten fast entschuldigend darauf hin, dass Gott natürlich alles weiß und nicht auf unsere Nöte aufmerksam gemacht werden muss. Es sei aber für uns wichtig, alles zu ihm hinzutragen. Der Himmel: Echoraum unserer Gebete.

Aus Untiefen und aus Tiefen rufen wir zu Gott: "Du kennst mich, all mein Sehnen liegt offen vor dir" (s. Ps 130 und Ps 139)! – "Wir bitten dich, erhöre uns!"

Wir kennen seine Zusage: "Schon ehe sie rufen, gebe ich Antwort, während sie noch reden, erhöre ich sie." (Jes 65, 24). Das Wie bleibt Geheimnis "seiner Gedanken und Wege" (s. Jes 56). Wir bitten Gott um Bewahrung vor irdischer Not und um Rettung aus Lebensgefahr – für uns und für andere. Auch Jesus, der "Anführer und Vollender des Glaubens" (Hebr 5,8), musste "den Gehorsam lernen", wie alle großen Gerechten Prüfungen bestehen und durch eine Leidensschule gehen.

Alle klagten und schrien in ihrer Not zu Gott – als der "letzten Instanz". Gott bitten – bei Krieg und Katastrophen, großem Unglück, weltweitem Elend und furchtbaren Verbrechen? Glauben wir, dass Gott eingreift, handelt, Wunder wirkt?

Ist es naiv, anzunehmen, dass Gott die Not wendet? Vor allem, wenn wir sie selbst verschuldet haben? Brauchen wir Gott nur als "Ventil" unserer Hilflosigkeit? Ist es schleichender Unglaube, dieses Handeln des "Allmächtigen" infrage zu stellen? Teil eines alten, magischen Weltbildes?
Gott steht uns nicht zur Verfügung, wir können nur bitten und uns seiner umfassenden Fürsorge anvertrauen. Wir wissen nicht, was für uns und die Welt "gut" ist. Wir kennen nicht die Perspektive der "Ewigkeit". Wir müssen seinen "Willen geschehen lassen".

Der Instanzenweg?

Wenn Gott sich uns entzieht, wenn er unerreichbar erscheint, gibt es seit den ersten Jahrhunderten immer schon einen "Umweg", den "Gang zu den Heiligen". Sie stehen uns näher und sind – wie wir glauben – gleichzeitig näher bei Gott.

Aber welcher aufgeklärte Zeitgenosse und Christ wird noch den heiligen Antonius anrufen, wenn er seinen Autoschlüssel verloren hat oder die vierzehn Nothelfer, wenn sein Haus brennt?

Und Maria, die "Spitze des himmlischen Hofstaates"? Ganz nahe bei ihrem Sohn. Dürfen wir so über die "Königin des Himmels" sprechen? Maria als letztes Glied auf dem Instanzenweg zu Gott? Die Mutter des Glaubens als erste "Anwältin" am Throne Gottes? Advocata nostra? Ganz oben in der Pyramide überirdischer Zuständigkeiten?

Jeder kann spüren, wie hier allzu menschlich und kulturbedingt von einer himmlischen Hierarchie gedacht wird. Eine "heilige Ordnung" wie an einem Fürstenhof vergangener Zeiten.

Selbst die Vorstellung von Christus als dem einzigen Mittler – auch auf die "himmlischen Verhältnisse" übertragen – ist sehr irdisch geprägt: "Er sitzt zur Rechten Gottes und tritt für uns ein" (Röm 8,34).

Herbert Vorgrimler meint, Heilige könnten als bei Gott vollendete Menschen nicht initiativ oder aktiv werden, um Gott zu beeinflussen oder umzustimmen. Das sei Aberglaube. Die Idee einer Fürsprache bei Gott sei durch Origenes (gest. 253) von jüdisch-hellenistischen Philosophen übernommen worden und habe von Anfang an die Marienverehrung im Volke geprägt. "Des Volkes Wille und Vorstellung"?

Wer seine Nöte zum Himmel schreit, kümmert sich nicht um Vorstellungsmodelle. Auch die Fürbitte für andere geschah immer schon in dem Bewusstsein, gemeinsam vor Gott dazustehen und füreinander einzutreten. Zur "Gemeinschaft der Heiligen" zählen für Paulus ja alle Getauften, die in den Gemeinden und die bei Gott Vollendeten.

Deshalb schlägt Gerhard Lohfink das Bild einer großen Familie vor, wo alle im Gespräch miteinander sind und alle füreinander eintreten – im Leben und im Sterben.

Aber auch hier ist umzudenken: Wer bei Gott ist, ist keine "arme Seele". Außerdem steht er nicht isoliert da. Tod und Vollendung sind kein nur privates Geschick. Sie geschehen "im Raum der Communio", wie die Theologie sich ausdrückt oder auch: "Wir werden hineinvollendet in den auferstandenen Leib Christi" (Medard Kehl), wenn man von der Kirche als "Leib Christi " im Sinne des Paulus denkt.

Wohnen in einem "umbeteten Raum"

In einem Hotelangebot der Stadt Augsburg steht u.a.: "Sie wohnen in einem umbeteten Raum". Neben der Hotelbar – ein Meditationsraum, ein Ruheraum und die Mutterhauskirche der Diakonissen. Ein Hotel der evangelischen Gemeinde: "Gäste und Mitarbeiter dürfen sich in einem umbeteten Raum wissen."

Eine wunderbare Umschreibung für die Gemeinschaft von Christen, die sich wechselseitig helfen und in Gebet und Fürbitte tragen. In der Gewissheit leben, dass andere für mich eintreten: Jemand zündet für mich eine Kerze an. Jemand "hält aus" und "bleibt", gläubig vor Gott – für mich und andere. Dadurch bleibt er selbst wach und "hält die Beziehung aufrecht" – zu Gott und den Mitmenschen, für die er betet.

Glaube bedeutet auch: Du bist eingebettet in die Gebete der Kirche. Du lebst in einem "umbeteten Raum".

Nichts für die Überwachungskamera

Von Geistlichen wird erwartet, dass sie auch außerhalb von Gottesdiensten in einer Kirche knien und sich ins Gebet "versenken". Fürbitte und Worte ins Schweigen – still vor Gott. Es gehört zu unserem Beruf. Bei aller Herausforderung im "Sozialen" – eine sehr private persönliche Handlung. Selten spricht man darüber untereinander.

Als ich zufällig auf einen Berufskollegen (Lehrer) treffe, bin ich seltsam berührt. Als ob ich ihn bei einer Intimität in der Kirche erwischt hätte: Gott zugewandt im öffentlichen Raum, still versunken, dankend oder bittend? Innig vor Gott. Vielleicht wäre es dem Bekannten peinlich gewesen, so gesehen zu werden.

Diskret verlasse ich den Raum. Dem glänzenden Analytiker, rational verkanntet und mit abgespaltenem Intellekt, hätte ich es nicht zugetraut. So wenig kennen wir uns oft außerhalb der Berufsrolle oder des Rollensektors "Arbeit". Es ist, als hätte er mir – unbewusst – sagen wollen: Das bin ich auch. Du hast mich falsch eingeschätzt.

Unsere Beziehungen zu Gott, zum Partner und zum Tod gelten als die alles entscheidenden Intimfelder unseres Lebens. Sie entziehen sich dem Außenstehenden.

Beten, Lieben und Sterben sind das Persönlichste und Innigste jedes Menschen.

Nichts für die Überwachungskamera.

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. Öffnet internen Link im aktuellen FensterÜbersicht: Impulse von Hermann-Josef Silberberg
  2. Öffnet internen Link im aktuellen FensterÜbersicht: Impulse zum Kirchenjahr
  3. undefinedAusgewählte Impulse von Hermann-Josef Silberberg in Buchform

Text: Öffnet internen Link im aktuellen FensterHermann-Josef Silberberg | Foto: Hermann-Josef Silberberg
30.09.2011

Heiligenlexikon

30. Mai: Heilige Johanna von Orléans.

Glaubens-ABC

Marienverehrung: Magd des Herrn

Kirche von A bis Z

Marienerscheinung: Mittlerrolle der Mutter Jesu

Mittwoch ist Chatzeit

Am Mittwoch zwischen 20.30 und 21.30 Uhr im Chat: Diakon Daniel Kotara.

Geistlicher Impuls

"Gehet hin in Frieden!"

Marienmonat

Als schönster Monat des Jahres soll der Mai der "schönsten aller Frauen" geweiht sein. Maialtäre und Maiandachten entstammen einer barocken Frömmigkeitstradition.

Mit der Bibel leben

Ich bin das A und O.

Landvolkshochschule

Mit einem Festakt wurde der langjährige Direktor der Landvolkshochschule "Schorlemer Alst", Johannes K. Rücker, in den Ruhestand verabschiedet.

Bischof Felix Genn

Sein Leben – sein Wirken – seine Texte.

Heilige und Selige

Das Bistum Münster kann auf viele Frauen und Männer zurückblicken, die ein herausragendes Zeugnis für den christlichen Glauben abgelegt haben.

Glaubenswissen

Frömmigkeit - Gesamthaltung des gläubigen Menschen vor Gott.

Dossier: Maria

Maria ist die Mutter Jesu Christi - und hat daher eine besondere Stellung im christlichen Glauben.

Neues Seelsorgekonzept

Im Bistum Münster wird derzeit ein neuer Diözesanpastoralplan erstellt. Er soll Schwerpunkte der Seelsorge benennen. Ein erster Entwurf steht zum Herunterladen bereit.

Kommunionempfang

Erzbischof Robert Zollitsch setzt sich weiterhin dafür ein, dass Katholiken auch nach Scheidung und Wiederheirat die Kommunion empfangen können.

Bibelarbeit

Unterwegs nach Emmaus: Kleopas und sein Freund.

Wohnungsnotfallhilfe

In einer Wohnung oder einem Haus zu wohnen, ist für Jeden selbstverständlich und lebensnotwendig.

Durch das Jahr

Liturgie und Brauchtum zu Pfingsten: Ein wenig Geist und viel Frühling.

Service für Sie

RSS-Feed Topnews

Öffnet internen Link im aktuellen FensterNewsticker für Ihr Web

Spruch des Tages

Es ist schön, den Augen dessen zu begegnen, den man soeben beschenkt hat.
Jean de la Bruyére

Reden, Fragen, Antworten finden

im "Haus der Seelsorge" hat man ein offenes Ohr für Sie


Seelsorger im Mai:
Pfarrer Martin Weber.

Seelsorger/-innen

Haus der SeelsorgeHaus der Seelsorge

Heiligenlexikon in "kirchensite.de"

im Heiligenkalender können Sie nach Monaten blättern. Oder wählen Sie hier nach Buchstaben aus:

 

Kontakt

  kirchensite-Redaktion:
  redaktionkirchensite.de

  Lebenshilfe+Seelsorge: 
  Martin Weber
  weberkirchensite.de

  Technik:
  technikdialogverlag.de

Dialogversand