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Seite: Fragen + Glauben
28.04.2017
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"Der Menschensohn wird mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken kommen." - Markus 13,26

"Der Menschensohn wird mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken kommen." - Markus 13,26

Bibelarbeit zu Markus 13, 3-27

"Dann wird man den Menschensohn kommen sehen"

1. Einordnung des Textes

Mit den Versen 11, 1-11 beginnt ein neuer Hauptteil des Markusevangeliums. Jesus hat zusammen mit seinen Jüngern das Ziel seiner Reise erreicht: Jerusalem. In den Kapitel 11-13 des Evangeliums schildert Markus, bevor wir mit Kapitel 14 weitestgehend in die eigentliche Passionsgeschichte eintauchen, die messianische Demonstration Jesu, seine Lehre im Tempel und die Endzeitrede.

Jesus verflucht einen Feigenbaum (11, 12-14) und vollbringt eine demonstrative Zeichenhandlung im Tempel (11, 15-19), die zu Auseinandersetzungen mit den unterschiedlichsten Gegnern Jesu führt, welche aber von Jesus souverän für sich entschieden werden.

In 13, 2 bildet ein prophetisches Wort Jesu über die völlige Verstörung des Tempels den Ausgangspunkt zu der eschatologischen Belehrung der vier Sonderjünger auf dem Ölberg, die mit einer Aufforderung zur Wachsamkeit an alle endet (13, 1-37).

Diese Endzeitrede ist die zweite große Rede Jesu im Markusevangelium und steht der Gleichnisrede (4, 1-34) gegenüber, ist aber stärker durch einen einheitlichen Gestaltungswillen bestimmt. Sie enthält als Abschiedsrede das Vermächtnis Jesu und veranschaulicht sein Verständnis der Zeit bis zu einem Kommen als Menschensohn in der Endzeit.

2. Der Text: Markus 13, 3-27 nach der Einheitsübersetzung

3 Und als er auf dem Ölberg saß, dem Tempel gegenüber, fragten ihn Petrus, Jakobus, Johannes und Andreas, die mit ihm allein waren: 4 Sag uns, wann wird das geschehen, und an welchem Zeichen wird man erkennen, dass das Ende von all dem bevorsteht? 5 Jesus sagte zu ihnen: Gebt Acht, dass euch niemand irreführt! 6 Viele werden unter meinem Namen auftreten und sagen: Ich bin es! Und sie werden viele irreführen. 7 Wenn ihr dann von Kriegen hört und Nachrichten über Kriege euch beunruhigen, lasst euch nicht erschrecken! Das muss geschehen. Es ist aber noch nicht das Ende. 8 Denn ein Volk wird sich gegen das andere erheben und ein Reich gegen das andere. Und an vielen Orten wird es Erdbeben und Hungersnöte geben. Doch das ist erst der Anfang der Wehen. 9 Ihr aber, macht euch darauf gefasst: Man wird euch um meinetwillen vor die Gerichte bringen, in den Synagogen misshandeln und vor Statthalter und Könige stellen, damit ihr vor ihnen Zeugnis ablegt. 10 Vor dem Ende aber muss allen Völkern das Evangelium verkündet werden. 11 Und wenn man euch abführt und vor Gericht stellt, dann macht euch nicht im voraus Sorgen, was ihr sagen sollt; sondern was euch in jener Stunde eingegeben wird, das sagt! Denn nicht ihr werdet dann reden, sondern der Heilige Geist. 12 Brüder werden einander dem Tod ausliefern und Väter ihre Kinder, und die Kinder werden sich gegen ihre Eltern auflehnen und sie in den Tod schicken. 13 Und ihr werdet um meines Namens willen von allen gehasst werden; wer aber bis zum Ende standhaft bleibt, der wird gerettet.

14 Wenn ihr aber den unheilvollen Gräuel an dem Ort seht, wo er nicht stehen darf – der Leser begreife –, dann sollen die Bewohner von Judäa in die Berge fliehen; 15 wer gerade auf dem Dach ist, soll nicht hinabsteigen und ins Haus gehen, um etwas mitzunehmen; 16 wer auf dem Feld ist, soll nicht zurückkehren, um seinen Mantel zu holen. 17 Weh aber den Frauen, die in jenen Tagen schwanger sind oder ein Kind stillen. 18 Betet darum, dass dies alles nicht im Winter eintritt. 19 Denn jene Tage werden eine Not bringen, wie es noch nie eine gegeben hat, seit Gott die Welt erschuf, und wie es auch keine mehr geben wird. 20 Und wenn der Herr diese Zeit nicht verkürzen würde, dann würde kein Mensch gerettet; aber um seiner Auserwählten willen hat er diese Zeit verkürzt. 21 Wenn dann jemand zu euch sagt: Seht, hier ist der Messias!, oder: Seht, dort ist er!, so glaubt es nicht! 22 Denn es wird mancher falsche Messias und mancher falsche Prophet auftreten und sie werden Zeichen und Wunder tun, um, wenn möglich, die Auserwählten irrezuführen. 23 Ihr aber, seht euch vor! Ich habe euch alles vorausgesagt. 24 Aber in jenen Tagen, nach der großen Not, wird sich die Sonne verfinstern und der Mond wird nicht mehr scheinen; 25 die Sterne werden vom Himmel fallen und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden. 26 Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken kommen sehen. 27 Und er wird die Engel aussenden und die von ihm Auserwählten aus allen vier Windrichtungen zusammenführen, vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels.

3. Aufbau und Form

Die eschatologische Rede Jesu in Markus 13, 1-37 lässt sich in eine kurze Überleitung (V1f) und drei Hauptteile (V3-13, V14-27, V28-37) gliedern, die aber nach dem Gestaltungswillen des Evangelisten inhaltlich zusammengehören.

Unser Textabschnitt umfasst die ersten beiden Hauptteile der Endzeitrede, die sich jeweils noch einmal in kleine Einheiten unterteilen lassen.

Formkritisch kann man den ersten Hauptteil der eschatologischen Rede Jesu, der den Anfang der Wehen thematisiert, in zwei größere Teile gliedern (V3-8, V9-13) die vom Umfang her, nahezu identisch sind und sich wiederum in jeweils drei Unterpunkte unterteilen lassen. Die Verse 3-8 schildern die Anzeichen für das kommende Ende und die Verse 9-13 wenden sich ausschließlich der Gemeinde und den Bedrängnissen, denen sie in der Zeit bis zum Ende ausgesetzt sind, zu.

Der zweite Hauptteil der Endzeitrede, der das Ende selbst thematisiert, lässt sich formkritisch in vier Unterpunkte aufgliedern (V14-16, V17-20, V21-23, V24-27), die jeweils aus drei Sprüchen bestehen. Dieser Hauptteil schildern den Beginn und die Dauer der Not, das Auftreten von Pseudochristi und Pseudopropheten und das Kommen des Menschensohnes.

4. Theologische Hintergründe

V3f: Mit Vers 3 beginnt ein Szenenwechsel. Die Endzeitrede wird auf dem Ölberg, der sich gegenüber dem Tempel befindet, lokalisiert. Von dort hat man einen freien Blick auf das Jerusalemer Heiligtum. Der Kreis der drei Sonderjünger wird hier um Andreas, dem Petrusbruder erweitert. Als Erstadressaten der Rede sind die vier Jünger ausgewählt, die auch zuerst zu Jüngern berufen wurden. Bereits zuvor hatten die drei Jünger Petrus, Jakobus und Johannes in erster Linie christologische Offenbarungen empfangen. In Vers 4 wird nach dem konkreten Zeitpunkt der Zerstörung des Tempels und dem Zeichen, das den Beginn den der Endzeit markiert, gefragt. Diese Fragen basieren auf Vorstellungen apokalyptischen Denkens. Es wird nicht nach einer Mehrzahl von Zeichen gefragt, sondern nach dem einen konkreten Zeichen, das unzweifelhaft die Endzeit einläutet und in dessen Kontext auch der Tempel untergehen wird.

V5f: Die direkte Antwort Jesu setzt mit einer Mahnung zur Wachsamkeit ein, sich nicht in die Irre führen zu lassen. Auch sollen die Jünger nicht auf Verführer hereinfallen, die im Namen Jesu auftreten und denen viele folgen werden. Die Anzahl der falschen Messiasse entspricht der Anzahl derer, die sich verführen lassen. In den Versen 21f wird noch genauer auf diese Thematik eingegangen werden. Doch der Christus, der in der Endzeit wiederkommen wird, wird sich von diesen falschen Verführern deutlich unterscheiden.

V7f: Es wird Kriege und Kriegsgeschrei geben, die gemäß dem Plan Gottes geschehen müssen, aber noch nicht auf das unmittelbare Ende selbst hinweisen. Bereits im AT schildert das Buch Daniel, was am Ende der Zeiten geschehen wird (Dan 2, 28f.48). Vers 8 liefert noch weitere Begründungen. Es wird sich ein Volk gegen das andere und ein Königreich gegen das andere erheben. Außerdem werden Erdbeben und Hungersnöte auftreten, doch diese markieren noch nicht das Ende an sich, sondern erst den Beginn der Wehen.

V9f: Vers 9 beginnt einen neuen Unterteil der eschatologischen Rede Jesu. Der Blickpunkt richtet sich weg von den äußeren Anzeichen für das Ende und wird auf die wichtigen Erfahrungen der Jünger fokussiert. Sie werden sich vor jüdischen und römischen Instanzen verantworten müssen und sollen dort Zeugnis ablegen. Das alles wird im Namen Jesu passieren.
Vers 10 fügt noch nachträglich einen weiteren Aspekt des Zeugnisses hinzu. Der Evangelist versteht Zeugnis ablegen primär im positiven Sinn der Evangeliumsverkündigung und nicht als Martyrium. Diese Verkündigung muss unter allen Völkern und vor dem Ende geschehen. Somit wird nicht nur die universale Ebene der Verkündigung unterstrichen, sondern auch wieder ein Zeitelement eingeschoben, das das Ende weiter nach hinten verschiebt.

V11: Vers 11 ist ein inhaltlicher Rückbezug auf Vers 9. In Zeiten der Verfolgung sollen sich die Jünger nicht um ihre Verteidigung sorgen, denn der Geist wird ihnen in der entsprechenden Situation die Worte eingeben, die sie zu sagen haben.

V12f: Ein weiteres Merkmal für das kommende Ende ist das apokalyptische Thema der Familienzerrüttung, das in der jüdischen Apokalyptik vorkommt. Dieses Thema erfährt hier noch einmal eine konkrete Steigerung, da nicht nur von Hass innerhalb der Familien, sondern auch von Mordabsichten gesprochen wird. In Vers 13 werden die Aussagen über Feindseligkeiten gegenüber den Jüngern noch gesteigert. Sie werden von allen um des Namens Jesu Willen gehasst werden. Doch wer bis zum Ende aushält, der wird gerettet werden. Das Ende, das im Laufe der Rede immer wieder aufgeschoben wurde, ist nun zum Greifen nahe.

V14-16: Nun wird einmalig in der Rede der Leser des Evangeliums direkt angesprochen, was deutlich zeigt, dass das Zeichen, das das Ende der Zeit markiert, nun genannt werden soll. Dieses Zeichen ist ein Gräuel der Verwüstung (Vgl. u.a. Dan 9, 27). Auf der Grundlage alttestamentlicher Vorstellungen, lässt sich am ehesten eine Entweihung des Tempels durch einen Altar für Götzenopfer vermuten oder das Auftreten des Antichristen am heiligen Ort. Die zuvor erwähnten falschen Propheten und Verführer, die im Namen Christi auftreten, stehen nicht in Konkurrenz zum Antichristen, sondern in seinem Dienst, um die Menschen vom wahren Christus fernzuhalten.
Vers 15 spricht konkret die Bewohner Judäas an, die aus Jerusalem in das Bergland fliehen sollen. Die Flucht ist ohne Aufschub anzutreten und man soll Hab und Gut zurücklassen (V15f).

V17-20: Der zweite Unterteil beginnt mit einem Weheruf über die schwangeren und stillenden Frauen. Sie sollen bitten, dass diese Flucht nicht im Winter stattfindet, da diese Zeit noch beschwerlicher für die Flucht wäre. Diese Tage werden eine Zeit der höchsten Drangsal und Not sein, wie es sie seit dem Anfang der göttlichen Schöpfung nicht gegeben hat. Diese Zeit der Not wird von dem Gräuel der Verwüstung bis zum beginnenden Kommen des Menschensohnes reichen, das die Zeit der Not schließlich beenden wird. Doch da diese Zeit kaum zu ertragen ist, muss Gott diese Zeit abkürzen, damit überhaupt jemand gerettet wird. Doch wegen seiner Auserwählten verkürzt Gott die Zeit der höchsten Not.

V21-23: Die Rede nimmt an dieser Stelle noch einmal Warnungen vor möglichen falschen Messiassen auf, die im Namen Christi auftreten werden, um die Menschen zu verwirren. Das Auftreten dieser falschen Propheten und Messiasse muss, wie Schriften von Flavius Josephus zeigen, ein großes und wichtiges Problem gewesen sein, mit denen sich Gemeinden konfrontiert sahen. Die Adressaten dieser Rede sollen jedoch nicht auf diese hereinfallen, da ihr Auftreten Bestandteil der Zeit der höchsten Not ist. Deshalb dürfen diese mit ihren falschen Zeichen und Wundern, egal wie groß sie auch sein werden, kein Erfolg bei den Auserwählten haben, da Jesus ihnen die bevorstehenden apokalyptischen Ereignisse in breiter Form geschildert hat.

V24-27: Abschluss und Höhepunkt des zweiten Hauptteils der Endzeitrede, bildet die Schilderung vom Kommen des Menschensohnes in der Endzeit. Das Kommen des Menschensohn wird durch Naturereignisse angekündigt. Die Sonne wird sich verfinstern,der Mond seinen Schein verlieren, die Sterne vom Himmel fallen und die Himmelskräfte werden ins Wanken kommen. Das Kommen des Menschensohn wird hier nicht in direkter Weise mit dem Gericht in Verbindung gebracht. Die kosmischen Zeichen sind keine Gerichtszeichen, sondern sollen seine Hoheit unterstreichen. Der Menschensohn wird in großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken kommen und seine Engel senden, um seine Auserwählten aus den vier Himmelsrichtungen, vom Ende der Erde und dem Ende des Himmels zu versammeln. Keiner der Auserwählten soll verloren gehen, sondern sie sollen in der Gemeinschaft mit dem Menschensohn das ewige Heil erfahren.

5. Anregungen zur Bibelarbeit

1. Lies dir den Textabschnitt von Markus 13, 3-27 in Ruhe durch und lasse den Text auf dich wirken. Lies dir den Text anschließend noch einmal durch und lese auch den übrigen Abschnitt der eschatologischen Rede durch.

2. Durch wem lassen wir uns heute in die Irre führen? Welche Verführer treten in unserer heutigen Zeit auf?

3. Gibt es aktuell Ereignisse, die für sie einen möglichen Beginn der Wehen symbolisieren?

4.Legen sie selbst offen Zeugnis für Christus ab, oder gibt es Menschen in ihrem privaten bzw. öffentlichen Umfeld, die Zeugnis für ihren Glauben ablegen?

5. Wo begegnet man heute Anfeindungen, weil man für seinem Glauben eintritt?

6. Fühlen sie sich von dieser Endzeitrede in irgendeiner Weise angesprochen? Welche Aussagen bringen sie zum Nachdenken? Hat diese Rede heute noch eine konkrete Relevanz?

Buchhinweise

Dschulnigg, Peter, Das Markusevangelium, ThKNT 2, Stuttgart 2007, Seiten 333-350.

Pesch, Rudolf, Das Markusevangelium. 2 Bde., HthK 2.2, Freiburg u.a. 1977, Seiten 264-318.

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Text: Dipl. Theologin Stefanie Schwarz, Mitglied des Bochumer Oberseminars von Prof. Söding, Katholisches Bibelwerk im Bistum Münster (Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.bibelwerk.de) in Kooperation mit kirchensite.de – online mit dem Bistum Münster (Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.kirchensite.de) | Foto: Michaela Kiepe September 2011

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