
Täglich beten die Katharinenschwestern in der Wallfahrtskapelle vor dem Bild der Muttergottes.
Katharinenschwestern in Eggerode
Minikonvent: Zu zweit ein starkes Team
Schöppingen-Eggerode. Die Pfarrkirche in Eggerode besteht aus 35 Steinen. Zumindest wenn es nach dem Plakat geht, das im letzten Familiengottesdienst gestaltet wurde: "Lass uns lebendige Steine sein!" steht darauf, frei nach dem ersten Petrusbrief. Da stapeln sich die braunen aufgeklebten Papierziegel, beschriftet mit den Gruppen und Personen, die Gemeinde ausmachen: die Kindergartengruppe, die Schützenbruderschaft, der Pfarrer, die Reinigungskraft oder die KFD. Und mittendrin in der Papierkirche: Die Katharinenschwestern. Sie sind nur zu zweit in Eggerode, Schwester Imelda und seit 2005 auch Schwester Philomena, aber sie bewegen ganz schön viel.
Mit Pilgern und Touristen kommen die beiden Schwestern häufig ins Gespräch. |
Gucken, ob die Chemie passt
Seit 2003 gibt es diesen kleinstmöglichen Konvent in dem Wallfahrtsort. Die Schwestern stammen aus dem Münsterschen Mutterhaus der Katharinenschwestern. Ein karitativer Orden, der 1583 von Regina Protmann im ostpreußischen Braunsberg (heute Polen) gegründet wurde. Das Neue damals war, dass die Schwestern nicht in der Abgeschiedenheit des Klosters lebten, sondern mitten unter den Menschen, um ihnen in ihren Nöten nahe zu sein: "Unsere Tätigkeiten haben sich hier in Eggerode noch erweitert", berichtet Schwester Imelda. Dabei setzen die beiden auf Arbeitsteilung. Schwester Philomena übernimmt die Hauswirtschaft, pflegt das Gelände, macht Sakristeidienst und besucht Kranke: "Das macht immer sehr viel Freude", sagt Schwester Philomena mit einem Lächeln. Gemeinsam mit einer Begleiterin besucht sie drei Krankenhäuser in Borghorst, Ahaus und Coesfeld. "Da war neulich ein junger Mann und meine Begleiterin war unsicher, ob wir ihn ansprechen sollten. Ich hab gesagt, ich schnupper mal vorsichtig, ob die Chemie passt", schildert Schwester Philomena, die gelernte Altenpflegerin ist. Und siehe da: "Der junge Mann hat sich sehr gefreut!" Wie man sich doch täuschen kann, habe ihre Begleiterin nach dem guten Gespräch gesagt.
Vom Pilger bis zum Kindergartenkind
Ähnlich geht es Schwester Imelda bei ihren Erfahrungen in der nahegelegenen Grundschule St. Marien. Hier begleitet sie die Schüler und die Kindergartenkinder bei Maiandachten und führt die Schüler kindgerecht an den Rosenkranz heran. Außerdem gestaltet Schwester Imelda Gesprächs- und Bibelkreise wie den "Oasentag", der immer am letzten Samstag im Monat stattfindet. Darüber hinaus gehört die eucharistische Anbetung zum Charisma der Gemeinschaft. "Das Gebetsleben ist die tragende Kraft unserer sozialen Tätigkeit", erklärt Schwester Imelda.
Auch heute noch bedanken sich Gläubige mit sogenannten Votivgaben. |
Bis nach Brasilien, Togo, Kamerun, Benin, Litauen und den Philippinen reichen die Provinzen der Ordensgemeinschaft inzwischen. Die Ordensgrundsätze leiten auch das Wirken im westfälischen Eggerode: Neben Kirchenführungen gehören Gebets- und Gesprächsangebote zum Aufgabenbereich. Um zwölf Uhr zum Mittagsgebet und abends zur Vesper findet man sie in der Gnadenkapelle. Bis zu 80.000 Pilger kommen jährlich in den Marienwallfahrtsort: "Die großen Gruppen sind weniger geworden", sagt Schwester Imelada. Zugenommen habe dagegen die Zahl der einzelnen Besucher und Touristen: "Sie zünden auch meistens eine Kerze an, daher sind sie auch Pilger im weitesten Sinne." "Oft werden wir gefragt, wo denn hier die Mutter Gottes erschienen sei", ergänzt Schwester Philomena und vermutet, dass sich viele dabei an den großen Wallfahrtsort Lourdes erinnern. Geduldig erklären die Schwestern dann, wie das Gnadenbild "Unsere Liebe Frau vom Himmelreich", im Stil einer Byzantinischen Marienstatue, durch Kreuzritter nach Eggerode gekommen ist.
In Eggerode fest integriert
Viele Einsatzorte hatten die beiden Schwestern bisher, von Frankfurt bis Freckenhorst, von Fulda bis Münster. In Eggerode fühlen sich die beiden ganz zuhause. Hier feiert Schwester Imelda, Jahrgang 1942, im Oktober auch ihr goldenes Ordensjubiläum. "Früher hieß es, bevor du mit den Eggerodern klarkommst, musst du erst einen Sack Salz essen", zitiert Schwester Imelda eine alte Redewendung. So lange haben die beiden Schwestern aber nicht gebraucht. Sie singen im Kirchen- und Choralchor und engagieren sich bei der Seniorengruppe: "Wir sind beide sehr kontaktfreudig", sagen die beiden. Der Einstieg sei ihnen leicht gemacht worden. Heute heiße es, wenn mal eine nicht an der Strickgruppe teilnehmen könne: "Schwester, wo waren sie denn?!
Kontakt:
Wallfahrtsbüro Eggerode
Marienplatz 6
48624 Schöppingen
Tel: 02545 / 9341738 (Wallfahrtsbüro)
Tel: 02545 / 935775 (Katharinenschwestern)
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Text: Marie-Theres Himstedt | Foto: Marie-Theres Himstedt
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