
An der Eingangstür des Pfarrzentrums Überwasser (v.l.): Schwester Katharina, Schwester Chiara Maria und Schwester Hiltrud.
Drei Franziskanerinnen in Münster
Neu gegründeter Konvent – mitten in der Stadt
Münster. Dass Klöster geschlossen oder gar abgerissen werden, Ordensgemeinschaften – oft nach vielen Jahren Präsenz an markanten Stellen – ganz aus Münster verschwinden, ist inzwischen fast an der Tagesordnung. Umso erstaunlicher, dass es an der Überwasserkirche eine neue Schwesterngemeinschaft gibt. Drei Franziskanerinnen haben im Pfarrzentrum am Katthagen im Februar 2011 einen Konvent gebildet – mit einer Besonderheit: Die Nonnen gehören zwei verschiedenen Orden mit zwei unterschiedlichen Provinz- und Generaloberinnen an.
Seit 2006 / 07 verfolgen Hiltrud Vacker (Mauritzer Franziskanerin), Katharina Kluitmann und Chiara Maria Stock (beide Franziskanerinnen von Lüdinghausen) die Idee, eine solche Gemeinschaft zu gründen. Zwei Jahre lang überlegten sie intensiv und schauten sich um, wo und wie das zu bewerkstelligen sei. Anfängliche Pläne, nach Kinderhaus zu gehen, wurden verworfen. "Wir wollten kurz und schnell erreichbar sein. Deshalb haben wir zugegriffen, als Pfarrer Hans-Werner Dierkes uns diese moderne und zeitgemäße Wohnung anbot", sagt Schwester Hiltrud, Oberin des neuen Konvents.
Die alltägliche Hausarbeit wird aufgeteilt. |
Starkes Interesse von außen
Allerdings konnten die Schwestern nicht damit rechnen, dass ihre Gemeinschaft so schnell wahrgenommen werden würde, wie es dann geschah. Ob Pfarrgemeinderäte, Seniorengemeinschaften oder das "Kirchenfoyer" – viele Gremien suchen Kontakt, besuchen die Ordensfrauen oder laden sie zu sich ein. "Unser Kloster ist die Welt, und unsere Spiritualität ist es, unter den Menschen zu sein", sagt Schwester Hiltrud. "Das war einer der entscheidenden Impulse, mitten in die Stadt zu gehen."
Tagsüber sind die drei Ordensschwestern in verschiedenen beruflichen Bereichen tätig: Schwester Katharina arbeitet als Psychologin für das pastorale Personal des Bistums Münster. Schwester Hiltrud ist Expertin für Berufungspastoral in der diözesanen Arbeitsstelle "Berufe der Kirche" und fasziniert davon, wie Gott heute in der jungen Generation wirkt. "Bei uns gibt es einiges zu tun und viel Interesse von jungen Leuten, die einmal den Kloster-Alltag erleben wollen", versichert sie. Ob jemand sich am Ende tatsächlich für ein Leben als Weltpriester oder im Orden entscheide, das hänge stark davon ab, ob jemand berufen sei und diesen Ruf auch annehme. Schwester Chiara Maria schließlich betreut in einer Einrichtung der Bischof-Hermann-Stiftung psychisch Kranke und Suchtkranke mit Alkohol-, Drogen- oder Medikamenten-Abhängigkeiten.
Im Wohnzimmer empfangen die Schwestern Gäste. |
Gemeinsame Zeiten im Konvent
Trotz der starken Beanspruchung achten die Schwestern darauf, dass sie die gemeinsamen Zeiten im Konvent einhalten. Um 6.30 Uhr beten sie die Laudes, um 21 Uhr treffen sie sich in der Überwasserkirche zu einem meditativen Nachtgebet. Hinzu kommen die Vesper um 18 Uhr, die unterschiedlich gebetet wird, und die stillen Zeiten.
In der Wohnung, die sich auf eine Küche, ein größeres Wohnzimmer und ein Zimmer für jede Schwester beschränkt, erledigen Hiltrud, Katharina und Chiara Maria alles selbst – Waschen, Putzen, Einkaufen, Kochen. "Die Arbeit ist gerecht verteilt", versichert Schwester Katharina. "Dadurch fühlt sich jede für alles verantwortlich." Über lebenspraktische Dinge, Alltägliches und das geistliche Leben befinden sich die Ordensfrauen in ständigem Austausch. Die Antwort "Das war schon immer so" gebe es bei den dreien nicht – "unterschiedliche Traditiönchen allerdings schon", sagt Schwester Chiara Maria.
Bewusster Umgang mit der Schöpfung
Die Franziskanerinnen legen – ganz im Sinn der Tierliebe des Ordensgründers – Wert auf die richtige Tierhaltung und informieren sich gezielt darüber, woher die Nahrungsmittel kommen, die sie einkaufen. Zugleich aber warnt Schwester Hiltrud davor, Franziskus auf seine Tierliebe zu reduzieren. "Typisch franziskanisch ist der bewusste Umgang mit der Schöpfung insgesamt, aber auch der Einsatz für den Frieden und die Geschwisterlichkeit, das intensive Leben mit Gott und dem Evangelium und der Dialog mit den anderen Religionen."
Im Mittelpunkt allerdings steht für die drei ihr Zeugnis für das Ordensleben mitten in der Stadt: Die Franziskanerinnen gehen zu den Menschen, und die Menschen kommen zu ihnen. Schon kurz nach ihrem Einzug seien Kinder, Jugendliche und ältere Leute auf sie zugekommen und seien sie von Studenten in den Nachbarhäusern eingeladen worden. Umgekehrt sind immer wieder Ordensleute, Priester, Studenten, Bekannte und Arbeitskollegen am Katthagen zu Gast – zum Kaffee oder zum Essen. "Sie alle erleben das Ordensleben als etwas ganz Normales und Unkompliziertes", sagt Schwester Chiara Maria. "Wenn jemand neu eingezogen ist, dann ist es doch immer spannend, zu sehen, wie er wohnt." Auch Schwester Katharina ist sicher: Durch unser Zusammenleben in dieser Gemeinschaft werden wir viel stärker als Ordensfrauen angefragt als früher."
Kontakt:
Franziskanerinnen an Überwasser
Katthagen 2
48143 Münster
Tel: 0251 / 38471670
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Text: Gerd Felder | Fotos: Gerd Felder
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