Anzeige:
Werbung

kirchensite.de | Online mit dem Bistum Münster: Nachrichten aus der Kirche, katholischer Glaube, Spiritualität, Heiligenlexikon, Veranstaltungen, Seelsorge, Fürbitte, Bibelarbeiten, Dossiers.

. . . . .
Seite: Fragen + Glauben
25.05.2012
Artikel drucken
Logo kirchensite.
Krone.

Der Mensch - "Gekrönt mit Ehre und Herrlichkeit" (Ps 8).

Geistlicher Impuls von Dr. Silberberg: Anerkennung

War ich nicht gut?

Ein allseits geschätzter berühmter Redner - am Ende seines Vortrags (großer Beifall) zu seiner Partnerin in der ersten Reihe: "War ich nicht gut?" – Andere konnten es noch hören. Keine bange Frage, eher eine selbstsichere Feststellung. Die Frage begleitet uns in vielen Varianten ein Leben lang – bewusst und meistens unbewusst: Bin ich gut, wichtig, tüchtig, wertvoll, beachtenswert? Werde ich erkannt und anerkannt und von wem? Bin ich richtig?

Dafür investieren wir einiges, setzen uns in Szene, so gut wir können, beweisen, dass wir wer sind, versuchen auch, Anerkennung und Zuwendung einzufordern oder zu erzwingen: vom schreienden Baby, aggressiv auftrumpfenden Jugendlichen bis hin zu leistungssüchtigen Erwachsenen oder "ewig jugendlichen" Senioren. Sogar Menschen, die sich für andere "aufopfern", um anerkannt zu werden oder das Gefühl zu haben, gebraucht zu werden.

Vor Gott?

Sich auch vor Gott in Szene setzen, um gut dazustehen? Sehr menschlich, aber eine armselige Vorstellung! Zöllner oder Pharisäer, jeder auf seine Weise, schuldbewusst oder selbstgerecht, bittend oder fordernd.

Alle brauchen ein Lebensnetz, das sie auffängt und bestätigt: Vollblutchristen, spirituelle Nomaden und Religionsflüchtige, einen Raum, in dem das Gutsein Gottes wie durch Jesus weitergegeben und unser Selbstkraftbewusstsein trotz all unserer Schwächen gestärkt wird.

Er ging umher und tat Gutes (Apg 10,38). Er kritisierte die, die sich in ihrer Selbstgefälligkeit  schon selbst wechselseitig Kronen aufgesetzt hatten und ihre Verhältnisse schönredeten. Die "Niedrigen erhob er" und heilte die "zerbrochenen Herzen". Alles Handeln Jesu hatte ein Ziel: Die Aufmerksamkeit auf den Gott lenken, von dem wir noch heute singen: Gott liebt diese Welt, und wir sind sein eigen (GL 297).

"Wer mich nicht liebt, darf mich auch nicht beurteilen", sagt der Schriftsteller Martin Walser. Die Schrift sagt: "Gott sieht nicht auf das, worauf der Mensch sieht. Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der Herr aber sieht das Herz" (1 Sam 16,7b). Er "weiß um mich" (s. Ps 139). Vor Gott ist jeder gleich wertvoll – mit Rang und ohne Namen. Jeder hat An-Sehen vor ihm.

Das Brot der frühen Jahre

Selbststand und Selbstkraftbewusstsein fallen nicht vom Himmel. Wir sind ein Bündel von Prägungen: Früh ermutigt oder niedergehalten, vielleicht erzogen nach dem Motto: Sicherheit vor Freiheit, "bleib im Lande und nähre dich redlich", nichts übertreiben und keine waghalsigen Experimente, Realitätssinn und keine utopischen Träumereien.

Heute für manche ein frühes Erwachen angesichts der "Verhältnisse". Sie wachsen mit großen Enttäuschungen auf: Kein passender Ausbildungsplatz, falscher Beruf, vielleicht auch falsche Freunde oder Lebenspartner.

Im Alter dann später nicht selten persönliche "Mythen- und Legendenbildung", kleine Dramatisierungen, um im Nachhinein noch etwas "aus seinem Leben zu machen" und das "Bescheidene" in einer verklärenden Rückschau aufzuwerten. "War ich nicht gut?"

Hatte er das nötig?

Jeder Mensch hat es nötig, nicht nur der beifallsgewohnte Redner. Auch er braucht die persönliche Zuwendung. Die allgemeine Berühmtheit reicht nicht. Ein geliebtes und liebendes Du muss ihm sagen: "Ja, du bist gut!" – auch unabhängig von dem, was du leistest oder vorzeigen kannst.

Die Not einzelner schreit buchstäblich zum Himmel, wenn Gescheiterte und Verletzte, Niedergehaltene und Verwundete niemanden haben, der sie "sieht", beachtet und ihr Elend spürt. Manchmal signalisiert ihr Verhalten: Schaut her, ich bin noch da, überseht mich nicht! Mag mich denn niemand?

Schon kleine Formen alltäglicher Zuwendung lassen sie aufleben: "Er hat nach mir gefragt..." – "Sie hat mich angerufen..." – "Er hat mich begrüßt, mir die Hand gedrückt, mir geschrieben,  ... an mich gedacht!“ – Sauerstoffzufuhr für die Seele.

Leben mit kleinen Selbsttäuschungen

Viele wollen einfach nur reden, von ihrem Leben erzählen und über ihre Erlebnisse sprechen: Unbekannte an der Bushalte oder in der Straßenbahn. Zuhören ist gefragt.

Schnell schalten sich auch andere ein, um ihrerseits über sich zu sprechen, was auch sie erlebt, was sie auch kennen oder durchgemacht haben. Solidarität im Leid ist schnell erreicht. Austausch von Lebensnöten. Etwas mehr "Liebe" würde ihnen schon reichen, schon das Zuhören. Am besten jemand, der den guten Kern in ihnen spürt, sie das spüren lässt und so wie ein Echoraum oder Resonanzboden des Guten wirkt.

Jeder hat seine eigenen Lebens- und Überlebenstechniken entwickelt, um auch mit seinen Schwächen und Defiziten fertig zu werden und sich mit seinen Verhältnissen zu arrangieren.

Ein krankes oder schwaches Ich kann nur wenig Kritik (kritische Selbstsicht) ertragen. Es muss alles ausblenden, was ihn infrage stellt, ihn auf seine Mängel aufmerksam macht oder ihm seine Misere vor Augen führt – in Familie, Partnerbeziehung, Beruf oder auch Gemeinde. Über Schattenseiten kann ich nur sprechen, wenn ich mich stark genug fühle und die Kraft habe, auch das Dunkle meines Wesens anzunehmen.

Werden die Leiden übermächtig, ist fachliche Hilfe gefragt. Freundschaftlicher Zuspruch und ermutigende Einreden reichen oft nicht mehr, um "die Wahrheit eines Lebens" aufzufangen.

Nur Starke können mit ihren Schattenseiten selbstkritisch umgehen, weil ihr Ich dadurch nicht ernsthaft bedroht ist.

Die am Boden haben keine Wahl mehr. Bei ihnen liegt ja alles offen zutage. Aber auch für sie und gerade für sie wagen wir unsere gläubige Grundmelodie zu singen:

Gott liebt diese Welt, und wir sind sein eigen. Ihre Dunkelheiten hat er selbst erhellt. Im Zenit der Zeiten kam sein Sohn zur Welt (GL 297,4).

Jeder lebt mit kleinen Selbsttäuschungen, um vor sich und anderen gut dazustehen, es sei denn, er neigt zu Depression und Selbstabwertung.

Ein Leben lang Nachholbedarf?

Es war nicht zu übersehen: Für einen Erwachsenen etwas zu laut, zu schrill, zu grell, übertrieben aufgekratzt und sehr aufdringlich. Offenkundiges Imponiergebaren – für sein (ihr) Alter geradezu verhaltensauffällig. Etwas viel Getöse um sich herum, um auf sich aufmerksam zu machen. Hat er (sie) das nötig? Konservierte Pubertät? Reifeverzögert? Nachholbedarf? Tendenz zur Selbstvergrößerung? Auch Eitelkeit kennt keine Altersgrenzen. Warum "muss" er ständig den Lustigen spielen, die Stimmungskanone, den aggressiven Haudrauf oder den Rebellen, der zunächst immer "dagegen" ist? Es sichert ihm ein "Beachtetwerden", negativ wie positiv. Hat er in einer entscheidenden Phase seines Lebens nicht "leben" dürfen? Er oder sie?

Ein nur scheinbares "Gegenmodell": Die auffällig Zurückhaltende, ein "Kräutchen rühr mich nicht an", die als Erwachsene gern das "Ich bin doch so klein" spielt und darauf hofft, "in ihrer Ecke" beachtet zu werden. Ihr psychischer Trick heißt "Selbstverkleinerung".

Irgendwann in entscheidenden Momenten ihrer Entwicklung ist sie "zu kurz gekommen", nicht ermutigt, ihr Sein und Können zu sehen und ihren Wert wahrzunehmen. Sie war nie stolz auf ihr Potenzial und sich selbst, voller Minderwertigkeitsgefühle und ohne "Kernkraft". Noch im Alter der Drang nach innen, die Neigung zu Regression (Rückfall in die "Kindchenrolle") in einer Art infantilem Trotz, um Aufmerksamkeit zu provozieren, aber auch die gegenläufige Tendenz zu überzogen selbstbewussten "Auftritten".

Eine besonders subtile Waffe: Schweigen! Nicht als Tugend (Gold!) oder Ausdruck von innerer Kraft, sondern als Druckmittel (Schweigepower), Trotzreaktion und Kommunikationsverweigerung.

Der Mangel an innerer Balance, an gewachsenem Selbstwertgefühl und an einer relativen Angstfreiheit um sich selbst, führt auch bei Erwachsenen zu Verhaltensweisen, die wir zunächst von außen nicht ohne weiteres verstehen. Die Lebensgeschichte kann aber einiges offenbaren.

Mit "allem" treten wir auch vor Gott hin. Vor ihm brauchen wir weder aufzutrumpfen noch zurückzukriechen. Unsere Art, fromm zu sein, spiegelt auch unseren menschlichen Reifegrad. Es gibt infantile und pubertäre Formen von Religiosität. Andererseits ist für die "in Christus Mündigen" auch ein "lallendes Beten" der "Kinder Gottes" angemessen.

Es wäre einer längeren Betrachtung wert, ob oder wie eine "Gottesbeziehung" fehlende menschliche Beziehungen "kompensieren" kann.

Auch hier halten wir inne in dem Bewusstsein: "Gott liebt diese Welt... Wohin er uns stellt, sollen wir es zeigen." Wer kann es? Wie könnten wir es?

Nothelfer für die Seele

Vor Augen ein Freund: relativ frei und innerlich stark, allem positiv zugewandt, nicht prinzipiell misstrauisch, nicht aufdringlich, eher zurückhaltend und mit wachem Gespür für die Zwischentöne. Er lässt sich nicht blenden, nicht von falschem Glanz oder bloßen Posen hinreißen. Weil er zuhört, hinschaut und manches selbst durchlitten hat, weiß er viel vom Menschen. Die Leute merken es. Sie fühlen sich schnell erkannt, aber auch durchschaut.

Da er sich nicht gehen oder mitreißen lässt, sondern in verhaltener Distanz bei sich bleibt, werden Aufgebrachte, Überdrehte und Nervöse in seiner Gegenwart ruhig. Menschen fühlen, wie seine Nähe auch Verborgenes in ihnen freisetzt, psychisches und spirituelles Elend! Sie wissen, dass er sie in ihren Nöten ernstnimmt und annimmt und sie nicht für sich und sein eigenes seelisches Wohlbefinden "braucht" - etwa als der vielgefragte Seelenhelfer.

Weil er ganz da sein kann und im Dienst für andere aufgeht, gibt er das "Gutsein Gottes " – im Sinne Jesu weiter. Bedürftige erfahren, wie wertvoll sie sind. Sie glauben ihm, wenn er singt:

Gott liebt diese Welt, und wir sind sein eigen.

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. Öffnet internen Link im aktuellen FensterÜbersicht: Impulse von Hermann-Josef Silberberg
  2. Öffnet internen Link im aktuellen FensterÜbersicht: Impulse zum Kirchenjahr
  3. undefinedAusgewählte Impulse von Hermann-Josef Silberberg in Buchform

Text: Öffnet internen Link im aktuellen FensterHermann-Josef Silberberg | Foto: Hermann-Josef Silberberg
01.07.2011

 

Geistlicher Impuls

"Gehet hin in Frieden!"

Marienmonat

Als schönster Monat des Jahres soll der Mai der "schönsten aller Frauen" geweiht sein. Maialtäre und Maiandachten entstammen einer barocken Frömmigkeitstradition.

Heiligenlexikon

30. Mai: Heilige Johanna von Orléans.

Mit der Bibel leben

Ich bin das A und O.

Glaubens-ABC

Marienverehrung: Magd des Herrn

Kirche von A bis Z

Marienerscheinung: Mittlerrolle der Mutter Jesu

Mittwoch ist Chatzeit

Am Mittwoch zwischen 20.30 und 21.30 Uhr im Chat: Diakon Daniel Kotara.

Durch das Jahr

Liturgie und Brauchtum zu Pfingsten: Ein wenig Geist und viel Frühling.

Kommunionempfang

Erzbischof Robert Zollitsch setzt sich weiterhin dafür ein, dass Katholiken auch nach Scheidung und Wiederheirat die Kommunion empfangen können.

Neues Seelsorgekonzept

Im Bistum Münster wird derzeit ein neuer Diözesanpastoralplan erstellt. Er soll Schwerpunkte der Seelsorge benennen. Ein erster Entwurf steht zum Herunterladen bereit.

Bibelarbeit

Unterwegs nach Emmaus: Kleopas und sein Freund.

Bischof Felix Genn

Sein Leben – sein Wirken – seine Texte.

Wir beten für Sie!

KLOSTERFÜRBITTE im Monat Mai: St.-Franziskus-Haus in Nordwalde.

Wohnungsnotfallhilfe

In einer Wohnung oder einem Haus zu wohnen, ist für Jeden selbstverständlich und lebensnotwendig.

Das aktuelle VIDEO...

Grüße vom Katholikentag (1): Aufbruch gelingt ...

Glaubenswissen

Frömmigkeit - Gesamthaltung des gläubigen Menschen vor Gott.

Heilige und Selige

Das Bistum Münster kann auf viele Frauen und Männer zurückblicken, die ein herausragendes Zeugnis für den christlichen Glauben abgelegt haben.

Service für Sie

RSS-Feed Topnews

Öffnet internen Link im aktuellen FensterNewsticker für Ihr Web

Spruch des Tages

Es ist schön, den Augen dessen zu begegnen, den man soeben beschenkt hat.
Jean de la Bruyére

Reden, Fragen, Antworten finden

im "Haus der Seelsorge" hat man ein offenes Ohr für Sie


Seelsorger im Mai:
Pfarrer Martin Weber.

Seelsorger/-innen

Haus der SeelsorgeHaus der Seelsorge

Heiligenlexikon in "kirchensite.de"

im Heiligenkalender können Sie nach Monaten blättern. Oder wählen Sie hier nach Buchstaben aus:

 

Kontakt

  kirchensite-Redaktion:
  redaktionkirchensite.de

  Lebenshilfe+Seelsorge: 
  Martin Weber
  weberkirchensite.de

  Technik:
  technikdialogverlag.de

Dialogversand