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Seite: Fragen + Glauben
28.04.2017
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Noah kommt mit seiner Familie aus der Arche.

Noah kommt mit seiner Familie aus der Arche.

Bibelarbeit zu Gen 9,1-17

"Meinen Bogen gebe ich in die Wolken…"

Nie mehr Vernichtung der Schöpfung – Gottes Bund mit Noah

"Wenn die Welt krank ist und stirbt, werden sich Menschen erheben wie Regenbogenkrieger". In Aufnahme dieser alten indianischen Weisheit benannte die Umweltschutzorganisation Greenpeace 1978 ihr erstes Schiff mit dem Namen "Rainbow Warrior". Damit wird unter dem Symbol des Regenbogens der kämpferische und machtvolle Einsatz für die Bewahrung und Erhaltung der Umwelt forciert.

Obwohl diese Schiffbenennung gänzlich unabhängig von Gen 9,1-17 erfolgt ist, stellt sich für Bibelkundige der Bezug zu diesem alttestamentlichen Text durch die Kombination von Regenbogen und Bewahrung der Schöpfung rein intuitiv ein. Doch wie ist der Bogen in den Wolken in Gen 9 zu verstehen und wofür steht er? Ist eine kriegerische Konnotation des (Regen-)Bogens und damit ein Plädoyer für den kämpferischen Einsatz für die menschliche und außermenschliche Natur möglicherweise bereits in Gen 9 grundgelegt?

Der Schrifttext: Gen 9,1-17

(Arbeitsübersetzung K. Pyschny)
1 Und Gott segnete Noah und seine Söhne und er sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde!
2 Und eure Furcht und euer Schrecken soll sein über allen Tieren der Erde und über allen Vögeln des Himmels und; mit allem, was auf der Erde kriecht und mit allen Fischen des Meeres sind sie in eure Hände gegeben.
3 Alles Kriechende, das lebendig ist, soll für euch zur Nahrung sein; wie das grüne Kraut habe ich euch alles gegeben.
4 Nur Fleisch mit seinem Leben, seinem Blut, sollt ihr nicht essen.
5 Nur euer Blut in Bezug auf eure Leben werde ich einfordern aus der Hand aller Tiere; ich werde es einfordern; und aus der Hand des Menschen, aus der Hand eines jeden, seines Bruders, werde ich das Leben des Menschen einfordern.
6 Wer Menschenblut vergießt, für den Menschen soll sein Blut vergossen werden, denn als Bild Gottes hat er den Menschen gemacht.
7 Und ihr, seid fruchtbar und mehr euch; wimmelt auf der Erde und mehrt euch auf ihr.
8 Und Gott sprach zu Noah und zu seinen Söhnen, die mit ihm waren, folgendermaßen:
9 Und ich, siehe, ich richte auf meinen Bund mit euch und mit euren Nachkommen nach euch
10 und mit allen Lebewesen, die mit euch sind, an Vögeln, an Vieh und an allen Tieren der Erde bei euch; von allem, das herausgegangen ist aus der Arche, in Bezug auf alle Tiere der Erde.
11 Und ich richte auf meinen Bund mit euch, dass nicht nochmal ausgerottet wird alles Fleisch von den Wassern der Sintflut; und nicht nochmal soll sein eine Sintflut, um zu vernichten die Erde.
12 Und Gott sprach: Dies ist das Zeichen des Bundes, den ich gebe zwischen mir und zwischen euch und zwischen allen Lebewesen, die mit euch sind für alle ewigen Generation.
13 Meinen Bogen gebe ich in die Wolken und er soll sein zum Zeichen des Bundes zwischen mir und zwischen der Erde.
14 Und es soll sein: Wenn ich Wolken wölke über die Erde und der Bogen in den Wolken erscheint,
15 dann werde ich meines Bundes gedenken, der zwischen mir und zwischen euch ist und zwischen allen Lebewesen unter allem Fleisch; und nicht nochmal sollen die Wasser zu einer Sintflut werden, um zu vernichten alles Fleisch.
16 Und es soll sein der Bogen in den Wolken und ich werde ihn (an-)sehen, um zu gedenken des ewigen Bundes zwischen Gott und zwischen allen Lebewesen unter allem Fleisch, das auf der Erde ist.
17 Und Gott sprach zu Noah: Dies ist das Zeichen des Bundes, den ich aufgerichtet habe zwischen mir und zwischen allem Fleisch, das auf der Erde ist.

Auslegung

Gen 9,1-17 lässt sich grob in zwei Teilabschnitte untergliedern: V. 1-7 (erneuerter Schöpfungs-/Mehrungssegen) und V. 8-17 (Bundesschluss). Dass der in Gen 9,1-7 formulierte Segen (s.u.) als Ergänzung bzw. Weiterführung von Gen 1,28-30 konzipiert ist, macht die wörtliche Aufnahme des Mehrungssegens aus Gen 1,28 deutlich. Damit wird die erste Schöpfungserzählung (Gen 1,1-2,4a) als "Hintergrundfolie" eingespielt, vor der Gen 9,1-7 verstanden werden will: 

In der ersten Schöpfungserzählung wird die creatio prima (Ersterschaffung) des Schöpfergottes in sieben Tagen geschildert. Indem er die Ordnungskategorien Raum und Zeit einrichtet und den Raum mit Lebewesen "füllt", erschafft Gott eine Leben ermöglichende Welt, so zu sagen ein wohlgeordnetes "Lebenshaus". Im Hintergrund dieses Schöpfungsmythos steht die Vorstellung der Gefährdung der Schöpfung bzw. des Lebens durch verschiedenste Chaosmächte (z.B. die Urflut), welche durch das Er- und Einrichten dieses schützenden Lebenshauses ausgegrenzt und dauerhaft in ihrem bedrohlichen Einfluss auf die Schöpfung zurückgedrängt werden. Schöpfungshandeln ist in dieser Konzeption grund-legendes Ordnungshandeln. Die vollkommene lebensförderliche Qualität und Zielsetzung dieser Schöpfungsordnung wird durch die siebenmal wiederholte Billigungsformel "und es war gut" ausgedrückt. Der Mensch wird in dieser sehr guten Schöpfungsordnung (vgl. Gen 1,31) durch die Gottesbildlichkeitsaussage und den damit zusammenhängenden Herrscherauftrag auf besondere Weise unter den Geschöpfen Gottes hervorgehoben:

27 Und Gott schuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes schuf er ihn; männlich und weiblich schuf er sie.
28 Und Gott segnete sie und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie (euch) Untertan und herrscht über die Fische des Meeres und die Vögel des Himmels und über alle Tier kriechend auf der Erde.
29 Und Gott sprach: Siehe, ich habe euch alles samentragende Kraut gegeben, das auf der (Ober-)fläche der ganzen Erde ist, und jeden Baum, an dem samentragende Baumfrucht ist; für euch sollen sie sein zur Nahrung.
30 Und allen Tieren der Erde und allen Vögeln des Himmels und allem Kriechenden auf der Erde, in dem Leben ist, ist alles grüne Kraut zur Nahrung. Und so geschah es.
(Gen 1,27-30; Arbeitsübersetzung K. Pyschny)

Gottesbildlichkeitsaussage und Herrschaftsauftrag wurden in der Rezeptionsgeschichte häufig als Aufforderung oder Legitimation einer absoluten Verfügungsgewalt des Menschen gegenüber der Schöpfung missverstanden. Vor dem Hintergrund der in Gen 1,26-28 verwandten Bildtermini jedoch ist mit der Gottesbildlichkeit keine qualitative, sondern vielmehr eine funktionale Aussage über den Menschen ausgedrückt. Der Mensch ist in diesem Sinne "Repräsentationsbild" Gottes, dem durch den Herrschaftsauftrag die Verantwortung für die vollkommene Schöpfung übertragen wird. Dabei werden altorientalische Königsvorstellungen, in denen der König als lebendige Statue des Schöpfergottes sowie als Repräsentant und Garant der göttlichen Gegenwart und Lebenskraft in der Welt verstanden wird, auf den Menschen übertragen und auf diese Weise demokratisiert. Indem der Mensch, geschaffen als Mann und Frau, als Repräsentationsbild Gottes bezeichnet wird, wird er zum Stellvertreter und Sachwalter Gottes in der Schöpfung bestellt und somit mit der Aufrechterhaltung und Bewahrung der Schöpfungsordnung beauftragt. In diesem Sinne ist der Herrschaftsauftrag keinesfalls Aufforderung zur oder gar Legitimation bedingungsloser Naturbeherrschung, sondern Beauftragung zur Bewahrung der von Gott so gewollten Schöpfung. Mit der als Bild Gottes herausgehobenen Position des Menschen geht dementsprechend eine besondere Leitungs- und Fürsorgefunktion für die Schöpfung einher. Dass diese "Herrschaft" des Menschen nicht auf Kosten anderen Lebens – also gänzlich ohne Blutvergießen – verwirklicht werden soll, wird in der auf den Herrschaftsauftrag folgenden Nahrungszuweisung ausgedrückt (Gen 1,29f). Sowohl Menschen als auch Tieren wird eine vegetarische Lebensweise verordnet. Während den Menschen die samentragenden Früchte als Nahrung zugewiesen werden, sollen sich  die Tiere vom grünen Kraut ernähren. Auf diese Weise wird zweierlei sichergestellt: Zum einen wird die Tötung von Tieren – selbst zum Nahrungszweck – ausgeschlossen. Zum anderen werden durch die differenzierte Nahrungszuordnung an Mensch und Tier eine Nahrungskonkurrenz und damit ggf. gewalttätige Konflikte verhindert. Damit entwirft die erste Schöpfungserzählung eine fürsorgende und lebensförderliche Herrschaft des Menschen, die gänzlich ohne Blutvergießen realisiert werden soll.

Diese Konzeption wird in Gen 9,1-7 angesichts der Gewalt allen Fleisches (vgl. Gen 6,12), die letztendlich zur Sintflut bzw. zur (fast vollständigen) Vernichtung der Schöpfung geführt hat, modifiziert. Angesichts der Kombination von Segen und Mehrungsauftrag in V. 1 und der Rückbezüge auf Gen 1,28-30 sind V. 1.7 als Segensworte bzw. als Mehrungssegen zu verstehen, in den – zumindest auf der Endtextebene – V. 2-3 (Herrschaftsauftrag und Nahrungszuordnung) und V. 4-6 (Blutgebote) eingebettet sind und damit als Ordnungen bzw. Voraussetzungen konzipiert sind, unter denen der Segen wirksam werden kann. Die Modifikationen gegenüber Gen 1 betreffen sowohl das Verhältnis Mensch – Tier als auch die damit zusammenhängende Nahrungszuweisung. Die Herrschaft des Menschen über die Tierwelt wird nun mit "Furcht" und "Schrecken" verbunden. Obwohl damit zweifelsohne militärisch bzw. kriegerisch konnotierte Begriffe verwandt werden, soll in Gen 9,2 keineswegs ein Krieg des Menschen gegen das Tier forciert werden. Vielmehr wird semantisch auf die theologische Vorstellung der gottgewirkten Landnahme zurückgegriffen (vgl. Dtn 2,25; 11,25), in der Gott Furcht und Schrecken über die Feinde Israels kommen lässt, um Israel eine kampflose Inbesitznahme des verheißenen Landes zu ermöglichen. Als Bild und Stellvertreter Gottes soll nun der Schrecken des Menschen(!) über die Tiere kommen und auf diese Weise eine gewaltfreie Inbesitznahme der Schöpfung ermöglicht werden. Auch die Phrase "in eure Hände gegeben" stammt sprachlich aus einem kriegerischen Kontext (z.B. Kriegsorakel), zielt aber wiederum nicht auf einen Krieg zwischen Mensch und Tier im Sinne eines "struggle for life", sondern hebt vielmehr auf die Abwehr des Bösen und die autoritative Herrschaft durch den Menschen ab. Dabei scheint eine altorientalische Vorstellungswelt im Hintergrund zu stehen, in der vereinzelte Tiere symbolhaft mit numinoser bzw. geheimnisvoller Mächtigkeit verbunden und als Repräsentanten von Chaosmächten verstanden werden (z.B. Nilpferd, Wasserdrache). In dieser ikonographisch breit belegten Vorstellung obliegt es dem Gott, König oder Helden, die Tiere zu jagen und zu töten, um das bedrohliche Chaos in die Schranken zu weisen und so die Schöpfung zu beschützen. Damit wird dem Menschen in Gen 9,2 die Ermächtigung erteilt, die lebensbedrohenden Chaosmächte zu bekämpfen und ggf. zu beseitigen. Der fürsorgende Aspekt des Herrscherauftrags von Gen 1 wird nun durch ein autoritatives – aber durchweg auf die Abwehr des Chaos zielendes – Moment erweitert.

Darüber hinaus wird in Gen 9,3 die dem Menschen in Gen 1,29 zugewiesene Nahrung ausgeweitet, indem ihm zum einen der Verzehr von Tieren erlaubt wird. Zum anderen wird das grüne Kraut, die Nahrung, die in Gen 1,30 den Tieren vorbehalten wird, ebenfalls dem Menschen zugeordnet. Damit treten Mensch und Tier explizit in Nahrungskonkurrenz. Gen 9,3 zeichnet damit kein utopisches bzw. unrealistisches Verhältnis von Mensch und Tier, sondern weiß sehr wohl um das ggf. konfliktöse und gewalttätige "Herrschaftsgefälle". Dass in diesem Kontext jedoch keine absolute Herrschafts- und Verfügungsgewalt des Menschen forciert wird, ist schon allein daran abzulesen, dass die Tötung von Tieren auf den Nahrungszweck eingeschränkt und damit eine totale Auslöschung tierischen Lebens verhindert wird. Diese Tendenz wird in den folgenden Blutgeboten V. 4-6 verstärkt – die sich formal und sprachlich deutlich von Gen 9,1-3.7 abheben –, insofern diese auf die Bändigung bzw. Reduktion der Gewalt zielen. Mit dem Verbot des Blutgenusses (V. 4) – im Hintergrund steht hier die Vorstellung des Blutes als Sitz des Lebens – wird dem Menschen eine absolute Verfügungsgewalt über die Tierwelt entzogen. V. 5 entfaltet darauf folgend den Schutz des Menschenlebens, indem Gott als eine rechtliche Instanz Mensch und Tier in einer universellen Ausrichtung für das Vergießen von Menschenblut Vergeltung ankündigt. Durch Stichwortverbindungen ("Blut", "Hand" und "Bruder") zu Gen 4 wird die Erzählung von Kain und Abel eingespielt und auf diese Weise verdeutlicht: die Tötung eines Menschen durch einen Menschen ist Brudermord. Bemerkenswert ist, dass die Sanktionsgewalt gänzlich bei Gott liegt, womit die Unantastbarkeit und Unverfügbarkeit des menschlichen Lebens nochmals unterstrichen wird. Die im Hebräischen kunstvoll gestaltete Antithese in V. 6a, deren zwei Teile jeweils aus drei Wörtern ("vergießen", "Blut", "Mensch") bestehen und der zweite die Wörter des ersten in umgekehrter Reihenfolge widergibt, formuliert einen allgemeinen Grundsatz und hat eine gewisse Nähe zu den sog. Talionsformulierungen (z.B. "Leben für Leben" in Ex 21,23). Gemeint ist nicht, dass der Menschenmörder durch einen Menschen getötet werden soll, sondern dass Gleiches mit Gleichem vergolten werden soll: nur ein Menschenleben für ein Menschenleben. Damit zielt die Formulierung auf eine Begrenzung der Schädigung, insofern eine Eskalation der Vergeltung bzw. der Blutrachemechanismus eingeschränkt werden soll. Die für die Tötung eines Menschen verhängte Todesstrafe wird dabei mit der Gottesbildlichkeit des Menschen begründet (V. 6b): Menschenblut darf weder von Mensch noch von Tier vergossen werden, da jeder konkrete Mensch ein Bild Gottes ist. Damit wird die reine Funktionsaussage verlassen und ein qualitatives Moment der Gottesbildlichkeit angedeutet.

Vor diesem Hintergrund lässt sich festhalten: Die Blutgebote setzen der – angesichts der von Gott gewährten Autonomie des Menschen unvermeidbaren –  Gewalt klare Grenzen, so dass der Mensch seiner schöpfungsgemäßen Stellvertreterfunktion ggf. mit "verantworteter Gewalt" nachkommen kann.

Die auch in Anknüpfung an die Blutgebote in Gen 9,4-6 entwickelten Noachitischen Gebote hatten als universal verbindliche Rechtsordnungen einen nicht zu unterschätzenden Stellenwert sowohl in der jüdischen Tradition (sog. Noachitische Gebote) als auch im frühen Christentum (sog. Aposteldekret; vgl. 15,20.29; 21,25).

Während in V. 1-7 gewissermaßen der Beitrag des Menschen zur Bewahrung der Schöpfung dargelegt worden ist, wird in dem folgenden Abschnitt V. 8-17 mit dem Bundesschluss der göttliche Beitrag entfaltet. Gen 9,8-17 ist strukturell in Form eines dreifachen Redegangs gestaltet: In V. 8-11 kündigt Gott Noah und seinen Söhnen als Repräsentanten der gesamten nachsintflutlichen Menschheit den Bund an. Diese universale Perspektive wird in V. 12-16 bei der "Errichtung" des Bundes durch den unbestimmten Adressaten der Gottesrede nur noch verstärkt. Dass die zusammenfassende Rekapitulation des Bundesschlusses in V. 17 dann schließlich einzig an Noah adressiert ist, verwundert zweifelsohne, könnte möglicherweise jedoch mit der Vorstellung Noahs als exemplarischen Gerechten (vgl. z.B. Gen 6,8) zusammenhängen.

Gen 9,9-10 zufolge errichtet Gott einen Bund mit Noah und seinen Söhnen als Repräsentanten der gesamten nachsintflutlichen Menschheit und mit allen Lebewesen (der Erde). Die Tiere sind explizit in den Bund mit hinein genommen, womit der Noah-Bund eine besonders universale und auf die Gesamtschöpfung abhebende Perspektive entfaltet. Bemerkenswert ist, dass dieser Bund an keinerlei Bedingungen geknüpft ist, sondern einzig und allein in dem Willen des Schöpfergottes gründet. Er ist freiwillige und einseitige Selbstverpflichtung/-bindung Gottes an seine Schöpfung. Indem sich Gott trotz der Gewalt bzw. Sünde der Menschen erneut seiner Schöpfung zuwendet, wird forciert, dass sich alles Leben der Gnade und Barmherzigkeit Gottes verdankt. Dabei ist der Bundesschluss als ein performatives und auf das Heil der Schöpfung ausgerichtetes Zusage-Geschehen konzipiert: Nie wieder soll der Schöpfung die Vernichtung durch das Chaos drohen (V. 11.15). Dabei wird in Gen 9,8-17 zweifach betont, dass es sich bei dem Noah-Bund um einen ewigen (V. 12.16) und damit unzerbrüchlichen Bund handelt: Gott wird sein "Ja" zur Schöpfung niemals – nicht einmal angesichts der menschlichen Sünde – zurücknehmen.

Als Bundeszeichen dient der Bogen, den Gott in die Wolken "gibt" (V. 13.16f). Lexematisch ist zunächst signifikant, dass im hebräischen Wortlaut keineswegs die Rede von einem "Regenbogen", sondern lediglich von dem "Bogen" Gottes ist. Der hebräische Terminus qäschät ist klar militärisch konnotiert und bezeichnet in der Regel einen Kriegsbogen. Vor diesem Hintergrund könnte der Bogen in den Wolken auf zweierlei Art und Weise interpretiert werden. Zum einen könnte darin zum Ausdruck gebracht werden, dass Gott seinen Kriegsbogen definitiv in die Wolken hängt, so dass der Bogen für die Um- bzw. Abrüstung Gottes stehen würde und als ein Zeichen des Gewaltverzichts im Sinne eines Friedenssymbols zu verstehen wäre. Mit Blick auf die altorientalische Ikonographie liegt jedoch eine andere Interpretation nahe: In der mesopotamischen und ägyptischen Vorstellungswelt ist der Kriegsbogen die Waffe der Schöpfergottheit, mit welcher diese die schöpfungsbedrohenden Chaosmächte bekämpft. Er ist sozusagen Machtsymbol des Königtums und der Herrschaft. Vor diesem Hintergrund lässt sich der Bogen in den Wolken als Metapher für die königliche Herrschaftsausübung Gottes verstehen. Durch die Setzung des Bogens in die Wolken wäre dieser keinesfalls unbrauchbar, sondern vielmehr Zeichen der souveränen, lebensförderlichen und schöpfungsbewahrenden Macht Gottes.

Auf Textebene wird darüber hinaus über die Konnotation des kriegerischen Bogens mit den Wolken das meteorologische Phänomen "Regenbogen" eingespielt und narrativ begründet. Diese Ätiologie des "Regenbogens" ist höchst metaphorisch aufgeladen und subsumiert unter diesem Symbol die Aspekte der kriegerisch konnotierten souveränen Herrschaft des Schöpfergottes wie auch seiner dauerhaften und unaufhebbaren Zusage gegenüber seiner Schöpfung. Indem die Umweltorganisation Greenpeace den Regenbogen zum Symbol ihres kämpferischen Einsatzes für den Umweltschutz gewählt hat, hat sie – wenn auch unbeabsichtigt – auf ein symbolhaftes Verständnis des Regenbogens zurückgegriffen, der bereits in Gen 9 grundgelegt ist.

Der Bogen in den Wolken dient Gott als Erinnerungszeichen (V. 15). Damit ist keinesfalls ausgesagt, dass Gott einer Erinnerung bedarf, um seines Bundes bzw. seiner Selbstverpflichtung zu gedenken, vielmehr ist ein anamnetischen Gedenken im Blick. Alttestamentlich meint "Gedenken" bzw. "Erinnern" nicht bloß eine intellektuelle, auf die Vergangenheit ausgerichtete Tätigkeit, sondern eine verinnerlichte Vergegenwärtigung, die auf ein aktives, tathaftes und prospektiv-zukünftiges (fürsorgendes) Engagement zielt. Der Bogen erinnert Gott an seine Zusage, die Schöpfung nie wieder der Vernichtung preiszugeben, und an die dafür notwendige dauerhafte Zuwendung Gottes. Uns Menschen erinnert er daran, unserer Verantwortung gegenüber der Schöpfer als Bilder Gottes gerecht zu werden.

Anregungen für eine Bibelarbeit

1. Brainstorming:
Kurzes spontanes Brainstorming zu den folgenden (ggf. auch ausgewählten) Themenaspekten, das jeweils visualisiert wird (Tafel, Plakat, Flipchart o.Ä.):

a) "Schöpfung"
b)  "Gottebenbildlichkeit"
c) "Herrschaftsauftrag"
d) "Segen"
e) "Bund"

2. Lesen:
Der Textabschnitt Gen 9,1-17 wird auf einem Arbeitsblatt an alle TeilnehmerInnen ausgeteilt. Anschließend wird der Text laut vorgelesen.

3. Bibelarbeit in Gruppen:
Verschiedene Aspekte werden in 2 Gruppen parallel erarbeitet.

Gruppe 1: Gottesbildlichkeit und Herrschaftsauftrag
Arbeitsauftrag bzw. Leitfragen:
Vergleichen Sie Gen 1,27-30 und Gen 9,1-7. Beschreiben Sie Gemeinsamkeiten und Differenzen.
Welchen Stellenwert haben die Gottebenbildlichkeit und der Herrschaftsauftrag des Menschen in Gen 9,1-17?
Wie ist das Verhältnis von Mensch und Tier nach Gen 9 näher zu bestimmen und wie sind in diesem Kontext die Blutgebote zu verstehen?

Gruppe 2: Bundesschluss
Arbeitsauftrag bzw. Leitfragen:

  • Mit wem schließt Gott den Bund in Gen 9?
  • Wie ist der Bund in Gen 9 charakterisiert?
  • Wofür steht der Bogen in den Wolken und was hat er mit dem Regenbogen zu tun?

4. Ergebnispräsentation der einzelnen Gruppen:
Die einzelnen Gruppen stellen ihre Ergebnisse im gesamten Plenum vor.

5. Abschlussdiskussion (mit Bezug zum Brainstorming):
Abschließende Diskussion im Plenum unter folgenden Fragestellungen:

a) Welche grundlegenden schöpfungstheologischen Aussagen lassen sich Gen 9,1-17 entnehmen (z.B. Verhältnis Gott – Schöpfung/Mensch; Mensch – Mensch; Mensch – Tier) und wie sind sie begründet?
b) Wie verhalten sich diese schöpfungstheologischen Aussagen zu der Autonomie des Menschen?
c) Welche Impulse können Gen 9,1-7 für eine biblisch bzw. christlich begründete Ökologische Ethik geben?

Buchhinweise:

Baumgart, Norbert Clemens, Die Umkehr des Schöpfergottes. Zu Komposition und religionsgeschichtlichem Hintergrund von Gen 5-9 (HBS 22), Freiburg 1999.

Ebach, Jürgen, Noah. Die Geschichte eines Überlebenden (Biblische Gestalten 3), Leipzig 2001.

Zenger, Erich, Gottes Bogen in den Wolken. Untersuchungen zu Komposition und Theologie der priesterschriftlichen Urgeschichte (SBS 112), Stuttgart 1983.

Zum Herunterladen:

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Mehr zum Thema im Internet:

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Katharina Pyschny, Ruhr-Universität Bochum, Katholisches Bibelwerk im Bistum Münster (Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.bibelwerk.de) in Kooperation mit kirchensite.de – online mit dem Bistum Münster (Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.kirchensite.de) | Foto: Archiv
Mai 2011

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