
Schwester Paquita im Meditationsraum des Klosters.
Die Ursulinen in Dorsten
Zwischen Schulbetrieb und stiller Einkehr
Dorsten. Wer das Dorstener Ursulinenkloster betritt, der wird von einer besonderen Atmosphäre eingefangen – im Spannungsfeld des "Ora et labora". Diese Maßgabe zum Beten und Arbeiten fasst zwar eigentlich die Ordensregel des heiligen Benedikt zusammen, aber Angela Merici (1470-1540), Gründerin der Ursulinen, wollte, dass sich auch ihre Gemeinschaft daran orientiert.
Im Kloster in Dorsten bilden der quirlige Schulbetrieb des benachbarten St.-Ursula-Gymnasiums und die stille Einkehr im Wohn- und Schlafbereich der Schwestern die Pole des "Ora et labora". Schwester Paquita, die Jüngste im Konvent, arbeitet indes "auswärts". Die ausgebildete Krankenschwester und studierte Theologin ist seit 1998 katholische Krankenhausseelsorgerin im Evangelischen Krankenhaus in Wesel.
"Spirituelle Freiheit"
"Hier im Dorstener Kloster erfahre ich ein hohes Maß an spiritueller Freiheit, die ich brauche. Das lässt sich mit der Alltagsarbeit gut vereinbaren", sagt sie. Die Dorstener Ursulinen beginnen den Tag beim gemeinsamen Gebet in der Kirche um 7 Uhr. Nach einem Frühstück im Schweigen geht jede der 19 Schwestern ihrer Tätigkeit im Haus oder außerhalb nach. Wer es einrichten kann, nimmt am gemeinsamen Mittagessen teil. Um 18 Uhr kommen die Ursulinen wieder zum Gebet zusammen. Nach dem Abendessen gestaltet jede Schwester ihre Zeit frei. Den Sonntagabend verbringt der Konvent gemeinsam. Zudem hat jede Schwester ihre eigenen Meditationszeiten.
"Es war schon schwierig, sich endgültig für ein klösterliches Leben zu entscheiden", sagt Schwester Paquita. "Doch es ist ein lohnendes Leben." In seinem Mittelpunkt steht für sie die ständige Suche nach Gott im Gebet und im Alltag: "Im Gemeinschaftsleben geht es darum, sich immer wieder auf Gottessuche zu machen und sich dabei gegenseitig zu unterstützen. Das ist für mich das Wichtigste, darum bete ich."
"Gott füllt mich mit Freude"
Die Gemeinschaft empfindet Schwester Paquita als ein Erlebnis, eine Stütze ihres Glaubens. "Beten ist für mich der Versuch, innerlich still zu werden, um gegenwärtig zu sein. Dass Gott durch das Gebet seine Gegenwart zeigt, das kann, aber muss nicht sein. Das Gebet ist für mich absichtsloses Tun."
Ihre Gefühle beim Beten beschreibt sie so: "Gott füllt mich mit Freude, weil ich merke, dass eine andere Dimension mit mir in Berührung kommt. Beten ist auch Arbeit, es macht Mühe, doch es entwickelt sich etwas daraus."
Schwester Paquita ist vor 23 Jahren als bisher letzte Schwester in den 19-köpfigen Konvent eingetreten. Mit 50 Jahren ist sie die Jüngste. Hat sie Sorge, das Kloster könne eines Tages wegen Überalterung und Schwesternschwund geschlossen werden? "Ich kann das nicht abschätzen, Aber ich habe die Hoffnung, dass es weitergehen wird. Denn wir überleben nicht, wir leben."
Im Klostergarten. |
"Wir nehmen innerlich Anteil"
Auch sie habe in den Jahren des Klosterlebens Zweifel gehabt an dem, was sie tut, was sie sucht, wofür sie eintritt. "Es war mitunter eine schwere Zeit. Ich bin dankbar, mit Gottes- und mit Menschenhilfe, auch mit eigener Kraft, aus solchen schweren Momenten wieder herausgekommen zu sein. Gefestigt haben mich die Geschichten aus dem Alten Testament, in denen immer wieder von Mangel, Not, Einsamkeit die Rede ist – aber auch von der Gegenwart Gottes."
Die Fürbitte in den Anliegen der Nutzer von kirchensite.de habe der Konvent gern übernommen, sagt Schwester Paquita: "Wichtig ist für uns, dass wir Gegenwart zeigen für die Menschen und ihre Belange. Wir nehmen innerlich Anteil. Dadurch ändert sich die Situation des Anderen. Wenn wir für- und miteinander beten, bedeutet das auch, dass wir als christliche Gemeinschaft einander stützen." Oder kurz gesagt: "Ich gehe mit Dir, und so wie Gott mit uns geht, gehen wir miteinander."
Die Ursulinen
Die Gemeinschaft der Ursulinen wurde 1535 in Brescia (Italien) von Angela Merici (1470-1540) gegründet. Zu den spirituellen Kernpunkten gehört der Gehorsam gegenüber den Einsprechungen des Heiligen Geistes, die Bindung an Jesus in der Jungfräulichkeit sowie die Sendung zum Dienst am Nächsten. Das schlug sich konkret vor allem in Bildung und Ausbildung der Jugend nieder und führte zum bleibenden Auftrag als Schulorden.
Das Dorstener Ursulinenkloster mit Mädchenschule wurde 1699 von Köln aus gegründet. Nach der totalen Bombenzerstörung des Klosters 1945 gelang der Wiederaufbau von Kloster, Kirche und Schule. Heute werden in den Dorstener Ursulinenschulen über 1.800 Schülerinnen und Schüler unterrichtet. Die Einrichtungen werden allerdings nicht mehr von Schwestern geleitet.
Kontakt
Ursulinenkloster
Ursulastraße 12
46282 Dorsten
Tel: 02362 / 91270
www.ursulinen-dorsten.de
Mehr zum Thema in kirchensite.de:
Klosterfürbitte: Die Ursulinen in Dorsten (01.04.2008)
Liste der Gemeinschaften, die bisher Klosterfürbitten entgegengenommen haben
Text: Maria Nienhaus | Fotos: Maria Nienhaus
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