
Er kennt Sambia wie seine Westentasche: Pater Bernd Pehle.
Weiße Väter in Hörstel
Patres mit dem Herzen noch in Afrika
Hörstel. Die Umstände haben es erfordert. Sonst wären Pater Franz Eickelschulte, Pater Bernd Pehle und Pater Bernhard bestimmt noch in Uganda, Sambia und Ghana unterwegs. Jetzt sitzen sie in dem großen, gemütlichen Wohnraum ihrer Kommunität am Hörsteler Harkenberg und geben sich keinen Illusionen hin: "Die Zukunft der Weißen Väter sind die schwarzen Weißen Väter", formuliert es Pater Bernhard mit Blick auf die nachwachsende Generation der Afrikamissionare. In Hörstel wohnen, leben und beten acht Ordensmänner. Zwei Brüder kümmern sich um die Instandhaltung der Anlage mit dem großen Garten, den Hühnern, der Wäscherei und der Hauskapelle. Die anderen Patres unterstützen die umliegenden Gemeinden in pastoralen Aufgaben oder engagieren sich im benachbarten Samariter-Werk. Das Alter liegt zwischen 70 und 90 Jahren.
Die Kommunität der Weißen Väter in Hörstel. |
Für die Ordensbrüder sähe das Leben in Deutschland ein bisschen so aus: "Das Herz sitzt noch in Afrika, der Kopf sagt aber etwas anderes", erklärt Pater Bernd Pehle, der 2008 nach Deutschland zurückgekehrt ist. Um die Zukunft des Ordens machen sich die Senioren keine Sorgen: "Es ist ein Geben und Nehmen", sagt Pater Bernhard. Damals, als die Weißen Väter 1868 in Nordafrika von einem französischen Kardinal gegründet wurden, stand das Geben der aus Deutschland und Europa stammenden Ordensbrüder im Vordergrund: Befreiung aus der Sklaverei, der Aufbau von Schulen, Krankenhäusern und der Landwirtschaft. Gesprochen wurde in der jeweiligen Stammessprache, aber auch in Englisch, Französisch oder Portugiesisch. Es gibt auch Weiße Schwestern, eine von vielen Niederlassungen befindet sich in Köln.
Die Namensbezeichnung der Ordensleute hat übrigens nichts mit der Hautfarbe zu tun, sondern mit der Kleidung: Das Habit ist das weiße Gewand ("Ghandura") der einheimischen Bevölkerung. Dies gab dem Orden den Namen "Weiße Väter". Der große Mantel-Umhang ("Burnus") mit Kapuze schützt vor Sandstürmen, nur der über dem Habit getragener Rosenkranz, der die Stelle der islamischen Gebetsschnur einnimmt, ist das deutliche Zeichen ihres Glaubens.
Mit dem Herzen in Afrika: Seine Ausstellungsstücke erinnern Pater Bernhard Hagen an seine Zeit in Ghana. |
Geben und Nehmen
Die Arbeit auf dem "Schwarzen Kontinent" trägt bis heute Früchte. Aus dem Geben wurde "ein Geben und Nehmen, ein Austausch", wie Pater Bernhard, Jahrgang 1936, sagt. 420 junge Menschen und Spätberufene befinden sich in den theologischen Ausbildungsstätten der Weißen Väter in Afrika. 90 Prozent davon sind Afrikaner, der Rest stammt aus Mexiko, Indien und den Philippinen. "Mir sagte einmal ein schwarzer Bruder: Früher seid ihr zu uns gekommen, heute kommen wir zu euch", schildert Pater Bernhard Hagen und ergänzt: "Wir sind eben Weltkirche!"
Der Kirche in Deutschland könne der Einfluss der afrikanischen Kirche nur nutzen, findet Pater Bernd Pehle. Er kam 2008 aus Sambia zurück nach Hörstel, der nördlichsten Niederlassung der Weißen Väter in Deutschland. Seit 1968 war er in Afrika unterwegs. Teilweise hatte er Gemeinden mit einer Größe von 27.000 Quadratkilometern betreut: "Wir waren drei Priester. Die Menschen haben sonntags trotzdem Gottesdienst gefeiert, ob wir nun da waren oder nicht. Sie sind sehr selbstständig!" Das bräuchten auch die Gläubigen in Deutschland: Bibelkreise, Gebetsgemeinschaften, Hausgottesdienste – eben kleine Einheiten, die den Glauben lebendig halten. Er selbst feiert regelmäßig Gottesdienst in der Kapelle des katholischen Samariter-Fastenzentrums: "Die Menschen, die hier am Heilfasten teilnehmen, kommen aus Berlin, Baden Würtemberg, aus ganz Deutschland. Viele erleben das erste Mal seit Jahrzehnten wieder einen Gottesdienst." Das sei dann auch ein "bisschen Mission".
Kontakt:
Weiße Väter
Harkenbergstr. 11
48477 Hörstel
Tel: 05459 / 93140
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Text: Marie-Theres Langsenkamp | Fotos: Marie-Theres Langsenkamp
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