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Seite: Fragen + Glauben
27.06.2016
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Zukunftsbilder.

Es gibt Zeitgenossen, die meinen, durch den Blick in die Sterne etwas über die Zukunft zu erfahren. Zukunftsbilder zeigt auch die Bibel.

Neue Bibelarbeiten in kirchensite.de: Zukunftsbilder

Keine Dunkelkammer der Angst

Bistum. "Zukunftsbilder" – unter diesem Titel stehen die Bibelarbeiten in kirchensite.de, die in der kommenden Woche starten. Verantwortet werden sie vom Katholischen Bibelwerk im Bistum Münster. Im Interview erläutern der Vorsitzende des Bibelwerkes, Professor Thomas Söding (Münster), und sein Mitarbeiter, Pfarrer Robert Vorholt (Dülmen), was die Bibel über die Zukunft weiß.

kirchensite.de: Starten wir mit einer schweren Frage: Wenn Gott der Ewige ist, der im ewigen Jetzt lebt, was bedeutet dann "Zukunft" für Gott?

Söding: Die Frage ist sehr philosophisch. Für Jesus ist klar: Gott ist im Kommen. Seine Herrschaft ist die Zukunft der ganzen Welt und eines jeden Menschen. Die Hoffnung, die durch diese Botschaft geweckt wird, braucht Bilder und Worte. Von denen ist die Heilige Schrift voll. Und die Theologie kommt ins Denken.

Vorholt: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind Facetten der Zeit. Als Menschen können wir die Dinge, die uns umgeben, allein in zeitlichen und räumlichen Kategorien wahrnehmen. Das gilt, solange wir in dieser Welt leben. Gottes Wirklichkeit ist eine andere. Wir sprechen oft von der Ewigkeit und können sie eigentlich immer nur bruchstückhaft denken als ein stets bleibendes, zugleich in sich dynamisches Jetzt. So geraten wir an die Grenze dessen, was überhaupt denk- und mitteilbar ist. Gott ist der je Größere. Er transzendiert Raum und Zeit. Er braucht auch keine Zukunft, weil er selbst die Zukunft ist.

kirchensite.de: Zukunft – das kann die nähere oder weitere Zeit eines Menschen sein; das können aber auch Utopien und Visionen für die ganze Menschheit sein. – Um welche Zukunft geht es in der neuen Reihe der Bibelarbeiten?

Söding: Die Menschen, die in der Bibel zu Wort kommen, setzen ihr ganzes Vertrauen auf Gott. Sie leugnen ihre Hoffnung nicht, dass am Ende alles gut wird. Angesichts allen Leids und Unrechts, angesichts des Todes kann man das kaum glauben. Aber wenn Gott so ist, wie Mose und die Propheten, wie die Apostel und Lehrer ihn verkünden, wie vor allem Jesus ihn gesehen hat, dann gilt: Das Beste kommt noch. Diese Erwartung ist grenzenlos, noch unendlich größer als jede Sehnsucht nach vollkommenem Glück.

kirchensite.de: Immer wieder ergeben Meinungsumfragen, dass viele Menschen von der Zukunft nur Düsteres erwarten. Muss das so sein?

Vorholt: Zu allen Zeiten gab es viel Grund zu Skepsis. Die Bibel ist ein Buch, das helfen will, realistisch und zugleich optimistisch in die Zukunft zu blicken; weil mit Gott zu rechnen ist. Wenn zum Beispiel Jesaja sagt: "Kommt, wir wollen unsere Wege gehen im Licht des Herrn!" (Jes 2,5), dann ist damit die Einladung verbunden, eine Entscheidung zu treffen. Die Entscheidung für Gott ist eine Option für die Hoffnung, die nicht zugrunde gehen lässt (vgl. Röm 5,5).

kirchensite.de: Welche Bilder der Zukunft entwirft die Bibel?

Söding: Die Bibel malt nicht das Paradies als Schlaraffenland aus. Über weite Strecken des Alten Testaments sagt sie: Wer glücklich und zufrieden lebt, hat schon viel gewonnen und kann dann "lebenssatt" in Frieden sterben; und wenn Israel in Frieden leben kann, wer will sich dann groß beklagen? Aber dann gibt es die Übeltäter, denen es gut geht, und die Gerechten, die leiden müssen. Kann das wahr sein? Muss dann nicht die große Wende kommen? Muss man dann vom neuen Jerusalem, von der Erde und vom Himmel nicht ganz neu denken? Diese Fragen finden im Neuen Testament ein starkes Echo. Jesus hat sie sich zu eigen gemacht. Er hat Antworten gegeben, die mit dem Leben hier und jetzt zu tun haben; die Gleichnisse der Gottesherrschaft sind Paradebeispiele. Sie sind für die Zukunftserwartung der Gläubigen viel aussagekräftiger als alle Ausmalungen von Höllenqualen und Himmelsfreuden – oder sollten es doch sein.

Gott ist der einzig wahre Richter über den Menschen.

Gott ist der einzig wahre Richter über den Menschen.

kirchensite.de: Die Zukunftsbilder der Apokalypse sind sprichwörtlich. Sie stehen für Schrecken und Untergang. Ist das alles, was uns die Bibel an Bildern aufzeigt?

Vorholt: Die Zukunftsbilder der Apokalypse dürfen nicht in der Dunkelkammer der Angst entwickelt werden. Sie müssen in das Licht der Liebe Gottes gehalten werden. Dann leuchten sie in hellen Farben und verheißen doch eine große Zukunft: "Seht, die Wohnung Gottes unter den Menschen! Er wird in ihrer Mitte wohnen, und sie werden sein Volk sein; und er, Gott, wird bei ihnen sein. Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen" (Offb 21, 3f.). Das ist der Grundton biblischer Hoffnung, der in der einen Geschichte Gottes mit den Menschen und in den vielen Geschichten der Menschen mit Gott erklingt.

kirchensite.de: Wie wörtlich darf man die Darstellungen der Bibel verstehen?

Söding: Hundertprozent wörtlich. Aber so, dass man die Worte der Bibel auch richtig versteht. Also, dass sie sagen kann, was sie zu sagen hat; in ihrer Sprache und aus ihrer Zeit heraus. Wenn sie Bilder zeichnet, dann wollen die auch als Bilder betrachtet und nicht mit Begriffen verwechselt werden. Gleichnisse sind nicht dogmatische Aussagen. In seiner Enzyklika über die Hoffnung schreibt Benedikt XVI., dass dort, wo viele Bibelübersetzungen sofort an Hölle und Verdammnis denken lassen, tatsächlich das zu finden ist, was man später Fegefeuer genannt hat und Läuterung. Das ist eine Auslegung, die das Alte und Neue Testament wirklich beim Wort nimmt.

kirchensite.de: Welche tröstlichen Bilder hält die Heilige Schrift für uns bereit?

Vorholt: Die Bildwelt der Heiligen Schrift ist so reich wie keine andere. Sie rankt um Gott, der als Schöpfer dieser Welt ein Freund des Lebens ist. Von ihm heißt es, dass er der Gott allen Trostes und der Vater des Erbarmens ist (2Kor 1,3). Die Bibel ist ein Kaleidoskop dieser Zuversicht. Sie entwirft Bilder echten und dauerhaften Friedens, Bilder von Vergebung und Versöhnung, von durchgehaltener Liebe und verlässlicher Treue und auch von einem Leben jenseits der Grenzen der Traurigkeit und des Todes.

kirchensite.de: Was kann der Gläubige damit anfangen? Was bedeuten sie für sein Heute?

Vorholt: Mit solchen Bildern lässt sich eine ganze Menge anfangen. Wer sie aufnimmt und in sein Herz scheinen lässt, gewährt Gott die Lufthoheit über sein Leben. Man ist dann mit einer solideren Hoffnung unterwegs: Muss nicht vor Angst vergehen oder den Kopf in den Sand stecken angesichts trüber Prognosen. Man kann sogar eine innere Gelassenheit kultivieren. Umgekehrt spornen diese Bilder an: zu einem Mehr an Glaube, Hoffnung, Liebe – und so zu einem authentischeren Christsein.

kirchensite.de: Auch wenn es unmodern ist: Was ist mit den Gerichtsbildern? Was erwartet die Menschen? Wie wird das "Jüngste Gericht" aussehen?

Söding: Was heißt unmodern? Nach dem 20. Jahrhundert mit seinen monströsen Katastrophen gibt es nichts Aktuelleres, wie jeder Blick in die Literatur dieser Zeit, jede Betrachtung moderner Kunst, jedes Konzert mit moderner Musik, jede Psychologie und Soziologie zeigt. Es gibt kein Heil ohne Gericht, weil sonst die Versöhnung auf einer Lüge beruhte. Aber es gibt das Gericht um des Heiles willen, weil Gott sonst nicht der wäre, den Jesus verkündet hat.

Pfarrer Robert Vorholt und Professor Thomas Söding.

Pfarrer Robert Vorholt und Professor Thomas Söding.

kirchensite.de: Wie sollte der Christ diese Aussagen in sein alltägliches Leben integrieren?

Söding: Am besten so, wie die Bibel es vorschlägt. Hören wir auf die Bergpredigt: Das: "Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet", ist eine wesentliche Konsequenz – und wie schwer ist sie zu ziehen. Aber weil Gott der einzig wahre Richter über den Menschen ist, darf kein Mensch sich zum Richter über andere, zum Richter über Leben und Tod aufschwingen. Man kann nur im Rahmen menschlicher Möglichkeiten irdische Gerechtigkeit zu fördern versuchen – aber  nur im Wissen, dass auch die irdischen Richter dereinst vor ihrem Richter stehen werden. Und das andere: "Vergib uns unsere Schuld, wie auch wie vergeben unseren Schuldigern". Wer selbst nicht zur Vergebung bereit ist, ist ein Heuchler; wer aber auf Gottes Vergebung hofft, für sich und andere, ist ein freier Mensch.

kirchensite.de: Von Victor Hugo stammt das Zitat: "Die Zukunft hat viele Namen: Für Schwache ist sie das Unerreichbare, für die Furchtsamen das Unbekannte, für die Mutigen die Chance." – Welchen Namen hat die Zukunft für Christen?

Vorholt: Ich würde sagen, die Zukunft hat für Christen nicht nur einen Namen, sondern sogar ein Gesicht: Jesus Christus. Wer in der Osternacht die Osterkerze segnet, spricht dazu einen Hymnus: "Jesus Christus, Gestern und Heute, Anfang und Ende, Alpha und Omega. Sein ist die Zeit und die Ewigkeit, Sein ist die Macht und die Herrlichkeit."  Das Licht von Ostern strahlt in unsere Zukunft hinein und macht sie ganz hell. Das ist nicht nur frommes Gerede, sondern eine Zuversicht, die mich am Leben hält. Und es ist wahr: Mit Deinem Gott überspringst Du Mauern!

Zur Person:

Thomas Söding ist Professor für die Exegese des Neuen Testaments an der Ruhruniversität in Bochum; der Münsteraner ist Vorsitzender des Katholischen Bibelwerkes im Bistum Münster.
Robert Vorholt ist wissenschaftlicher Mitarbeiter von Professor Söding und zudem Vicarius Cooperator mit dem Titel Pfarrer in der Seelsorgeeinheit Dülmen, Dülmen-Hausdülmen und Dülmen-Karthaus.

Interview: Norbert Göckener | Fotos: Michael Bönte, Archiv, Privat
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