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Seite: Fragen + Glauben
25.05.2012
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Kapelle.

Die Kapelle der Maristen in Recklinghausen.

Maristenbrüder in Recklinghausen

"Wenn man gebraucht wird, muss man da sein"

Recklinghausen. Mit einem Hauch von Wehmut redet Frater Alois Engel an diesem grauen Wintertag von dem ehemaligen Maristenkloster in Recklinghausen. Das große rote Backsteingebäude fällt sofort auf, wenn man von der Autobahn in die Innenstadt fährt. "Bis 1952 waren in dem Gebäude das Kloster und die Realschule der Maristen untergebracht. Das Haus wurde dann zu klein und ein Schulneubau notwendig", erzählt der 70-Jährige.

Bruder Alois vor der Kapelle, welche die Maristen pflegen.

1914 kamen die ersten Maristen in den Wirren des aufziehenden ersten Weltkriegs aus Belgien nach Recklinghausen. "Die Unterstützung von Kindern und Jugendlichen war immer unser vorrangiges Ziel. Das hat schon unser Gründer Jean-Claude Colin verbreitet." Mit der Hilfe für die Kinder begannen die Ordensleute in Recklinghausen kurz nach der Ankunft in ihrer neuen Heimat. "1937 entschlossen sich die damaligen Brüder, die Schule vor der drohenden Enteignung durch die Nazis zu verkaufen. So konnte die Übernahme des Gebäudes durch das Naziregime vermieden werden.

Nach dem Krieg wurde das Gebäude durch den Orden zurückgekauft und 1946 konnte der Schulbetrieb wieder aufgenommen werden", wirft Bruder Alois einen Blick zurück. Der starke Zulauf von Jugendlichen machte einen Neubau, die heutige Schule, notwendig. Mitte der 50er-Jahre ging dort der Schulbetrieb los. "Von Anfang an haben wir die integrative Arbeit in der Schule sehr gefördert. Die Hilfe und Förderung von Armen und Vernachlässigten war schon immer das Credo der Maristen", so der 70-jährige Alois, der seit fast drei Jahren in Recklinghausen lebt.

Mietwohnungen im Klostergebäude

Durch die Auslagerung der Schule und die Reduzierung der Brüder von ehemals zwölf auf jetzt drei wurde das alte Kloster zu groß und schließlich verkauft. Die Brüder leben jetzt in einem neuen Gebäude in Sichtweite der Schule. Das alte Gebäude wurde zu Mietwohnungen umgebaut.

Gutes für Leib und Seele: der Kräuterlikör der Maristen.

Verschwunden ist damit auch die alte Brennerei. Eine Spezialität der Maristen ist der "Arquebuse", ein Kräuterschnaps. Wenn auch jetzt nur noch im Stammhaus in Furth bei Landshut gebrannt, so läuft der Verkauf immer noch in einem kleinen Laden am neuen Kloster. "Früher hat man mir immer gesagt, bei einer Erkältung solle man einen heißen Grog trinken. Aber was noch viel besser hilft, das ist ein heißer Arquebuse", weiß Engelbert Schmitz zu berichten. "Vor 50 Jahren habe ich den ersten getrunken, das half sofort. Das ist besser als jede Medizin".

Schmitz ist an diesem verhangenen Wintertag zu Fuß gekommen. Für Freunde und Bekannte will er schon Geschenke für Weihnachten einkaufen. Er nutzt den Einkauf aber auch für ein kurzes Gespräch mit Frater Alois. Die beiden grauhaarigen Männer plaudern über alte Zeiten. Schließlich geht Engelbert Schmitz mit einer Kiste Arquebuse und Hermite, einem anderen Kräuterdestillat aus dem Hause der Maristen, seines Wegs.

Die Gedanken Jesu

"Die Gedanken von Jesus praktisch umzusetzen, das steht bei uns im Vordergrund", so Bruder Alois. Noch zwei Mitbrüder, Bernwardt und Franz-Xaver, leben mit ihm in Recklinghausen. Als Gäste sind noch der Franziskanerpater Ibu und Schwester Dorothee in dem Kloster.

Das ehemalige Klostergebäude der Maristen.

Frater Alois ist eigentlich im Ruhestand, aber ab und an noch in der Maristenschule aktiv. Zudem ist er verantwortlich für die Provinz "Europa Zentral West". Bruder Franz-Xaver ist noch voll in den Unterricht in der Maristen-Realschule eingebunden. Eines der Anliegen ist die Unterstützung von Hilfsprojekten in Kenia. Gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern werden dazu Aktionen und Ideen erarbeitet. "Wenn jemand Hilfe braucht, dann muss man da sein und darf nicht auf die Uhr schauen", so Frater Alois.

Eine kleine Kapelle an der  Hertener Straße, in Sichtweite der Maristenschule, wird ebenfalls von den Brüdern gepflegt. Bilder des Ordensgründers erinnern an die wechselhafte Geschichte der Maristen und die Arbeit, die der Orden in zahlreichen Ländern dieser Welt leistet. Vor allem die Hilfe zur Selbsthilfe steht dabei im Vordergrund. Die Schwachen und die Kinder sind diejenigen, denen geholfen werden muss. Rund 100 Meter von der Kapelle entfernt steht der rote Backsteinbau des ehemaligen Klosters. "In Deutschland ist viel von unserer Arbeit schon getan", so Bruder Alois.

Kontakt:

Moltkestr. 8 a
45657 Recklinghausen
Tel: 02361 / 91950

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