
Das Bemühen um benediktinische Gastfreundschaft prägt die Arbeit der Schwestern auf der Burg Dinklage.
Dinklager Benediktinerinnen
Auch ein Bildschirm blinkt zum Friedensgebet
Dinklage. "Jeden Mittag um fünf vor zwölf blinkt auf seinem Bildschirm ein Hinweis." Schwester Ulrike Soegtrop strahlt, als sie von dem Computer-Spezialisten und seinem Arbeitsplatz erzählt, irgendwo in einer großen Firma. "Er hat seinen Rechner so eingestellt, dass er immer pünktlich an unser tägliches Friedensgebet erinnert wird."
Die Benediktinerin lächelt. "Ähnlich wie er haben viele Menschen eine besondere Beziehung zu uns und der Burg", sagt sie. Weil sie mal Exerzitien hier gemacht, eine Freizeit verbracht, eine Gebetszeit mitgefeiert hätten. Und sich dem Ort verbunden fühlten. "Wir Schwestern bekommen davon oft nicht einmal etwas mit." Manchmal aber eben doch.
Klostercafé und Klosterladen enstanden erst vor ein paar Jahren. |
Vereint im Gebet
Wie bei der Frau, mit der Schwester Ulrike vor kurzem noch noch telefoniert hat. "Sie liegt im Krankenhaus und sagte: 'Morgens um viertel vor sechs bete ich jetzt immer mit Euch die Laudes'." Wenn sich die Dinklager Ordensfrauen in unterm Gebälk der Dinklager Scheunenkirche zum Gebet versammeln können sie sicher sein: da sind noch mehr, die mitbeten, sich verbunden fühlen.
Schwester Ulrike ist "Cellerarin" der Abtei "Sankt Scholastika". Sie verwaltet das Klostergut. Insgesamt 25 Schwestern gehören derzeit zur Gemeinschaft, unter ihnen Theologinnen, Lehrerinnen, eine Pastoralreferentin, eine Historikerin, eine Pharmazeutisch Technische Assistentin, eine Physiotherapeutin, eine Buchbinderin. Die jüngste ist 28 Jahre alt.
"Wir haben wirklich tolle Frauen hier", freut sich Schwester Ulrike und erzählt von Schwester Monica Lewis, die sich gemeinsam mit einer weiteren Benediktinerin um die besonderen Gäste in der "Martinsscheune" des Klosters kümmert: Obdachlose. Eine Sache, die mehr und mehr Aufwand erfordere.
Die Gäste der Martinsscheune, das seien eben nicht mehr nur die Durchreisenden, die den Schwestern bei der Gründung 1997 vorschwebten. Die für ein paar Nächte kommen und dann weiterziehen würden. Heute blieben manche wochenlang. Schwester Monica kenne ihre Geschichten von kaputten Familien und Ehen, den Wunsch, wieder sesshaft zu werden, die vergebliche Suche nach Arbeit. Sie helfe bei Behördengängen und kutschiere sie, falls nötig, auch mal aufs Amt nach Vechta.
Schwester Ulrike Soegtrop ist Cellerarin des Dinklager Klosters. |
Sorge um Obdachlose
"Das nimmt uns sehr in Anspruch, aber die Arbeit ist wichtig", sagt Schwester Ulrike. Weil das Ganze zu dem zählt, was die Ordensschwestern unter "Benediktinischer Gastfreundschaft" verstehen.
Dazu gehört auch das 1999 eröffnete Exerzitien- und Besinnungshaus. Durch das Fenster in der gut einen Meter dicken Burgmauer sieht man es liegen, auf der anderen Seite des Burggrabens. "Besonders an den Kar- und Ostertagen ist es bis unters Dach ausgebucht", sagt Schwester Ulrike. "Von Menschen, die diese Zeit ganz bewusst mit uns erleben möchten."
Gerade junge Leute wunderten sich oft im klar strukturierten Klosteralltag. "Wenn sie merken, dass der feste Rhythmus und die festen Zeiten des Klosterlebens ihnen eigentlich mehr Zeit bringen. Weil die Phasen zwischen den Gebeten viel intensiver wahrgenommen werden."
Das Haus ist auch vorbereitet auf Menschen, die besondere Begleitung brauchen. Gespräche, Anstöße für einen Blick auf das eigene Leben, ihre Beziehung zu Gott." "Wir haben speziell dafür ausgebildete Schwestern", sagt Schwester Ulrike.
Gerade über die Arbeit im Gästehaus entstünden die Bindungen an das Kloster. In Gesprächen mit den Schwestern, in den Gottesdiensten in der Scheunenkirche, beim täglichen Friedensgebet, zu dem die Gemeinschaft seit dem ersten Golfkrieg unablässig einlädt.
Vielen sei der Ort wichtig. Die jahrhundertealte Burg, die für Sicherheit und Stabilität stehe. "Verlässlichkeit eben – wie unsere Gemeinschaft auch. Wir sind ja immer da", sagt Schwester Ulrike.
Schwestern bei einer Gebetszeit in der Scheunenkirche. |
Immer auch Kompromisse
Das Bemühen der Gemeinschaft um Gottes Schöpfung möchte Schwester Ulrike nicht zu hoch bewertet sehen. Der bewusste Umgang mit Energie und Umwelt – das sei doch normal christlich, sagt sie. "Und außerdem" – sie denkt an die Entscheidung für eine neue Heizung – "Man muss ja immer auch Kompromisse machen".
Pflanzengifte im Klostergarten allerdings sind von je her tabu. Zwei ihrer vorher vier Autos hat die Gemeinschaft vor einem Jahr abgeschafft. Eine Photovoltaik-Anlage sorgt für erneuerbarer Energie. Nach und nach wird das Burggebäude samt Dach gedämmt. Erst kürzlich haben die Schwestern die alte Heizungsanlage mit ihren sieben Öl-Kesseln durch eine zentrale Holz-Hackschnitzelanlage ersetzt. Alles im Zeichen von Schöpfung - aber auch mit Blick auf die Kosten.
Kontakt über den Klosterladen
Seit zehn Jahren betreibt die Gemeinschaft auch einen kleinen Klosterladen mit Café. "Niedrigschwelliges Angebot" nennt es Schwester Ulrike. "Manche kommen nur zum Kaffeetrinken oder weil sie eine Postkarte kaufen wollen. Aber oft kommen Gäste auch zu den Gebetszeiten mit."
Und für diejenigen, die auf Entfernung mit den Dinklager Schwestern beten möchten, hat die Gemeinschaft im vergangenen Jahr ein eigenes Gebetbuch herausgegeben. Anlass war das 60-jährigen Bestehen der Abtei auf der Burg. Unter dem Titel "Meine Hoffnung Gott anvertrauen" finden sich Texte und Gedanken der Schwestern für das Gespräch mit Gott. Ob zu Hause oder in der Mittagspause vor dem Computer.
Burg Dinklage: Beten und arbeiten
Seit 1949 leben Benediktinerinnen auf Burg Dinklage. Damals überließ Graf Christoph Bernhard von Galen einer Gruppe von Schwestern, die aus der Nähe von Berlin kamen, die alte Wasserburg. Nach und nach erweitern die Schwestern die Anlage. 1961 wurde die alte Scheune im Burghof zur Klosterkirche umgebaut und geweiht. 1977 wurde das Priorat "Sankt Scholastika" zur Abtei erhoben. Als Unterkunft für Menschen in Not wurde 1997 die Martinsscheune eröffnet. 1999 wird das frühere Bildungs- und Exerzitienhaus zu einem Gästehaus. Im Jahr 2000 nahm der Klosterladen seinen Betrieb auf, 2002 eröffnete nebenan ein Klostercafé. Nach der Regel des heiligen Benedikt prägen Gebet und Arbeit den Tagesablauf der Gemeinschaft. Zum ersten Stundengebet trifft sie sich um viertel vor sechs in der Klosterkirche. Die Schwestern bewirtschaften den Klostergarten, backen Hostien, weben Stoffe, stellen liturgische Gewänder her, malen Ikonen und gießen Kerzen. Äbtissin ist seit 2007 Schwester Franziska Lukas.
Mehr zum Thema in kirchensite.de:
Liste der Gemeinschaften, die bisher die Klosterfürbitte übernommen haben
Die Benediktinerinnen Abtei "Burg Dinklage": Bodenkontakt (31.07.2003)
Kontakt:
Kloster Burg Dinklage
Burgallee 3
49413 Dinklage
Tel: 04443 / 5130
www.abteiburgdinklage.de
Text: Michael Rottmann | Fotos: Burg Dinklage, Michael Rottmann
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