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Seite: Fragen + Glauben
28.04.2017
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Drei Männer im Feuerofen

Deckengemälde in der Pfarrkirche St. Pankratius in Wiggensbach: "Drei Männer im Feuerofen".

Bibelarbeit zu Daniel 3

"Gepriesen bist Du Herr, Du Gott unserer Väter"

- Schadrach, Meschach und Abed-Nego

LXX deutsch

51 Darauf sangen die drei wie aus einem Mund Loblieder und verherrlichten und priesen Gott im Ofen. Indem sie sagten:
52 Gepriesen bist du, Herr, Gott unserer Väter, und lobwürdig und über alle Maßen erhöht bis in die Ewigkeiten. Und gepriesen ist dein heiliger, herrlicher Name Und über alle Maßen lobwürdig und erhöht bis in die Ewigkeiten.
53 Gepriesen bist du in deinem heiligen, herrlichen Tempel Und über alle Maßen besungen und herrlich bis in die Ewigkeiten.
54 Gepriesen bist du, der in Abgründe blickt, während er über den Cherubim thront, und lobwürdig und über alle Maßen erhöht bis in die Ewigkeiten
55 Gepriesen bist du auf deinem Königsthron Und über alle Maßen besungen und über alle Maßen erhöht in Ewigkeiten.
56 Gepriesen bist du am Firmament des Himmels Und besungen und verherrlicht bis in die Ewigkeiten.
57 Preist, alle Werke des Herrn, den Herrn, singt Loblieder und erhöht ihn über alle Maßen bis in die Ewigkeiten!
58 Preist, Himmel, den Herrn, singt Loblieder und erhöht ihn über alle Maßen bis in die Ewigkeiten!
59 Preist, Engel des Herrn, den Herrn, singt Loblieder und erhöht ihn über alle Maßen bis in die Ewigkeiten!
60 Preist, alle Wasser oberhalb des Himmels, den Herrn, singt Loblieder und erhöht ihn über alle Maßen bis in die Ewigkeiten!
61 Jede Macht soll den Herrn preisen, singt Loblieder und erhöht ihn über alle Maßen bis in die Ewigkeiten!
62 Preist, Sonne und Mond, den Herrn, singt Loblieder und erhöht ihn über alle Maßen bis in die Ewigkeiten!
63 Preist, Sterne des Himmels, den Herrn, singt Loblieder und erhöht ihn über alle Maßen bis in die Ewigkeiten!
64 Preist, jeder Regen und Tau, den Herrn, singt Loblieder und erhöht ihn über alle Maßen bis in die Ewigkeiten!
65 Preist, alle Winde, den Herrn, singt Loblieder und erhöht ihn über alle Maßen bis in die Ewigkeiten!
66 Preist, Feuer und Glut, den Herrn, singt Loblieder und erhöht ihn über alle Maßen bis in die Ewigkeiten!
67 Preist, Kälte und Hitze, den Herrn, singt Loblieder und erhöht ihn über alle Maßen bis in die Ewigkeiten!
68 Preist, Tau und Schneegestöber, den Herrn, singt Loblieder und erhöht ihn über alle Maßen bis in die Ewigkeiten! (…)
71 Preist, Nächte und Tage, den Herrn, singt Loblieder und erhöht ihn über alle Maßen bis in die Ewigkeiten!
72 Preist, Licht und Dunkelheit den Herrn, singt Loblieder und erhöht ihn über alle Maßen bis in die Ewigkeiten!
(69 Preist Eis und Kälte, den Herrn, singt Loblieder und erhöht ihn über alle Maßen bis in die Ewigkeiten!
70 Preist, Reif und Schnee, den Herrn, singt Loblieder und erhöht ihn über alle Maßen bis in die Ewigkeiten!)
73 Preist, Blitze und Wolken, den Herrn, singt Loblieder und erhöht ihn über alle Maßen bis in die Ewigkeiten!
74 Die Erde preise den Herrn, sie singe Loblieder und erhöhe ihn über alle Maßen bis in die Ewigkeiten!
75 Preist, Berge und Hügel, den Herrn, singt Loblieder und erhöht ihn über alle Maßen bis in die Ewigkeiten!
76 Preist, alle Gewächse auf der Erde, den Herrn, singt Loblieder und erhöht ihn über alle Maßen bis in die Ewigkeiten!
77 Preist, Meere und Flüsse, den Herrn, singt Loblieder und erhöht ihn über alle Maßen bis in die Ewigkeiten!
78 Preist, Quellen, den Herrn, singt Loblieder und erhöht ihn über alle Maßen bis in die Ewigkeiten!
79 Preist, Seetiere und alles, was sich in den Gewässern bewegt, den Herrn, singt Loblieder und erhöht ihn über alle Maßen bis in die Ewigkeiten!
80 Preist, alle Vögel des Himmels, den Herrn, singt Loblieder und erhöht ihn über alle Maßen bis in die Ewigkeiten!
81 Preist, alle Tiere und Vieh, den Herrn, singt Loblieder und erhöht ihn über alle Maßen bis in die Ewigkeiten!
82 Preist, ihr Menschenkinder, den Herrn, singt Loblieder und erhöht ihn über alle Maßen bis in die Ewigkeiten!
83 Preis, Israel, den Herrn, singt Loblieder und erhöht ihn über alle Maßen bis in die Ewigkeiten!
84 Preist, Priester, den Herrn, singt Loblieder und erhöht ihn über alle Maßen bis in die Ewigkeiten!
85 Preist, Knechte, den Herrn, singt Loblieder und erhöht ihn über alle Maßen bis in die Ewigkeiten!
86 Preist, Geister und Seelen der Gerechten, den Herrn, singt Loblieder und erhöht ihn über alle Maßen bis in die Ewigkeiten!
87 Preist, Heilige und im Herzen Niedergeschlagene, den Herrn, singt Loblieder und erhöht ihn über alle Maßen bis in die Ewigkeiten!
88 Preist, Ananias, Azarias, Misael, den Herrn, singt Loblieder und erhöht ihn über alle Maßen bis in die Ewigkeiten! Denn er hat uns aus dem Totenreich befreit und aus der Hand des Todes uns gerettet, und er hat uns mitten aus dem Ofen der brennenden Flamme errettet, und aus der Mitte des Feuers hat er uns errettet.
89 Bekennt den Herrn! Denn er ist gütig, denn bis in die Ewigkeit (währt) seine Barmherzigkeit.
90 Preist alle, die ihr den Herrn verehrt, den Gott der Götter, singt Loblieder und bekennt! Denn bis in die Ewigkeit währt seine Barmherzigkeit.

51 Da sangen die drei im Ofen wie aus einem Mund, sie rühmten und priesen Gott mit den Worten:
52 Gepriesen bist du, Herr, du Gott unserer Väter, gelobt und gerühmt in Ewigkeit. Gepriesen ist dein heiliger, herrlicher Name, hoch gelobt und verherrlicht in Ewigkeit.
53 Gepriesen bist du im Tempel deiner heiligen Herrlichkeit, hoch gerühmt und verherrlicht in Ewigkeit.
54 Gepriesen bist du, der in die Tiefen schaut und auf Kerubim thront, gelobt und gerühmt in Ewigkeit.
55 Gepriesen bist du auf dem Thron deiner Herrschaft, hoch gerühmt und gefeiert in Ewigkeit.
56 Gepriesen bist du am Gewölbe des Himmels, gerühmt und verherrlicht in Ewigkeit.
57 Preist den Herrn, all ihr Werke des Herrn; lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!
58 Preist den Herrn, ihr Himmel; lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!
59 Preist den Herrn, ihr Engel des Herrn; lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!
60 Preist den Herrn, all ihr Wasser über dem Himmel; lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!
61 Preist den Herrn, all ihr Mächte des Herrn; lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!
62 Preist den Herrn, Sonne und Mond; lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!
63 Preist den Herrn, ihr Sterne am Himmel; lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!
64 Preist den Herrn, aller Regen und Tau; lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!
65 Preist den Herrn, all ihr Winde; lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!
66 Preist den Herrn, Feuer und Glut; lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!
67 Preist den Herrn, Frost und Hitze; lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!
68 Preist den Herrn, Tau und Schnee; lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!
69 Preist den Herrn, Eis und Kälte; lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!
70 Preist den Herrn, Rauhreif und Schnee; lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!
71 Preist den Herrn, ihr Nächte und Tage; lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!
72 Preist den Herrn, Licht und Dunkel; lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!
73 Preist den Herrn, ihr Blitze und Wolken; lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!
74 Die Erde preise den Herrn; sie lobe und rühme ihn in Ewigkeit.
75 Preist den Herrn, ihr Berge und Hügel; lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!
76 Preist den Herrn, all ihr Gewächse auf Erden; lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!
77 Preist den Herrn, ihr Quellen; lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!
78 Preist den Herrn, ihr Meere und Flüsse; lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!
79 Preist den Herrn, ihr Tiere des Meeres und alles, was sich regt im Wasser; lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!
80 Preist den Herrn, all ihr Vögel am Himmel; lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!
81 Preist den Herrn, all ihr Tiere, wilde und zahme; lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!
82 Preist den Herrn, ihr Menschen; lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!
83 Preist den Herrn, ihr Israeliten; lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!
84 Preist den Herrn, ihr seine Priester; lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!
85 Preist den Herrn, ihr seine Knechte; lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!
86 Preist den Herrn, ihr Geister und Seelen der Gerechten; lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!
87 Preist den Herrn, ihr Demütigen und Frommen; lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!
88 Preist den Herrn, Hananja, Asarja und Mischaël; lobt und rühmt ihn in Ewigkeit! Denn er hat uns der Unterwelt entrissen und aus der Gewalt des Todes errettet. Er hat uns aus dem lodernden Ofen befreit, uns mitten aus dem Feuer erlöst.
89 Dankt dem Herrn, denn er ist gütig; denn seine Huld währt ewig.
90 Preist alle den Herrn, ihr seine Verehrer, preist den Gott der Götter; singt ihm Lob und Dank; denn ewig währt seine Güte.

Das Buch

Das Danielbuch handelt vom Geschick des Judäers Daniel und seiner drei Freunde Hananja, Asarja und Mischael als Beamte des neubabylonischen Hofes nach der Eroberung Judas durch die Neubabylonier 587 v. Chr. Die ersten sechs Kapitel erzählen von Lebensbedrohungen, denen die vier aufgrund ihres Glaubens am Hof ausgesetzt sind und die sie mit göttlicher Hilfe bestehen. In diesem Kontext bildet das dritte Kapitel eine kleine in sich geschlossene Erzählung. Hananja, Asarja und Mischael weigern sich, ein vom babylonischen König auf den Rat ihnen feindlich gesinnter Beamter hin, errichtetes Standbild anzubeten und werden in einen Feuerofen geworfen. Hananja, Asarja und Mischael überleben im Feuerofen und bleiben unversehrt.

Der Text

Das Danielbuch liegt in einer kürzeren hebräischen und zwei deutlich längeren griechischen Fassungen vor. Die Erzählung von den drei jungen Männern im Feuerofen ist Teil der hebräischen wie der griechischen Fassungen. Nur in den griechischen Versionen werden den jungen Männern zwei längere Gebete in den Mund gelegt. Die Einheitsübersetzung übersetzt den Text des Theodotion. Wo der Text der Einheitsübersetzung in der Versreihenfolge vom Text der LXX deutsch, die ebenfalls den Text des Theodotion zugrunde legt, abweicht, folgt sie in der Reihenfolge dem anderen griechischen Text der Septuaginta. Der Text des Theodotion stammt aus dem 3. Jh. und ist etwas jünger als der Text der Septuaginta, den er in der Überlieferungsgeschichte nach und nach verdrängt hat.

Bei der 'LXX deutsch' handelt es sich um eine im vergangenen Jahr fertiggestellte textnahe Übersetzung des griechischen Alten Testaments, die sowohl den unter dem Namen 'Septuaginta' bekannten griechischen Text, als auch, wo dieser abweicht, in einer parallelen Wiedergabe den Text des Theodotion übersetzt.

Aufbau

Das Loblied, das in Struktur und Inhalt an einen Psalm erinnert, lässt sich grob in zwei Abschnitte unterteilen. Der erste Teil setzt fünfmal mit einer Anrede Gottes neu ein. Fünf der Anreden Gottes beginnen mit formelhaftem 'gepriesen bist Du …', eine abweichend mit 'gepriesen ist dein …'. Abschließend wird ein Attribut oder eine Seinsweise Gottes genannt.

Der zweite Teil wendet sich an die Schöpfung und fordert sie zum Lobpreis auf. Jeder Vers beginnt mit der Aufforderung zu preisen ('preist …'), setzt mit der Nennung des Adressaten fort und schließt mit dem immer gleichlautenden Refrain 'singt Loblieder und erhöht ihn über alle Maßen bis in die Ewigkeiten'.

Ein in ähnlicher Weise zweigeteiltes Gebet, in dem auf die Anrufung Gottes mit 'gepriesen bist du’ ein Aufruf zum Lobpreis folgt ist das Gebet des Tobias in Tob 8,5f.

"Sei gepriesen, Gott unserer Väter; gepriesen sei dein heiliger und ruhmreicher Name in alle Ewigkeit. Die Himmel und alle deine Geschöpfe müssen dich preisen."

Wohnorte Gottes

Im ersten Teil des Psalm wird die Preiswürdigkeit Gottes mit einer Reihe von Attributen in Verbindung gebracht. Gott wird gepriesen als der Gott der Väter Israels (V. 52). Gepriesen wird der Name Gottes, der repräsentativ für seinen Träger steht (V. 52). Gott wird mit einer Reihe von Orten in Verbindung gebracht. Gott findet sich im Tempel (V. 53). Der auf den Cheruben thronende Gott ist eine Vorstellung, die sich mit der Präsenz Gottes im Tempel eng verbindet. Der auf einem aus Cheruben, geflügelten Wesen, gebildeten Thron vorgestellte (nicht aber dargestellte!) Gott ist fester Bestandteil des ikonographischen Programms des ersten Tempels (vgl. 1 Kön 6,23–28). Solche Throne sind ikonographisch auch andernorts vielfach belegt. Wenn nach V. 54 Gott über den Cheruben thront und in Abgründe (a;bussoj) hinabblickt, gewinnt das Bild eine über die Vorstellung des konkreten Tempels hinausreichende kosmische Qualität. Noch deutlicher wird das Szenario, wenn der Thron Gottes am Firmament des Himmels verortet wird (V. 56). Wenn Gott über den Cheruben thronend in die Tiefen (a;bussoj) blickt, wird ein Szenario wachgerufen, dass in zahlreichen biblischen Schöpfungserzählungen aufgerufen wird. Vom Tempel als dem Zentrum der geordneten Schöpfung aus weist Gott die die Ordnung bedrohenden (Chaos-)Mächte in ihre Grenzen. Eben diesen Begriff verwendet die griechische Übersetzung der Genesis, wenn in Gen 1,2 von der Urflut oder den Chaoswassern die Rede ist, die von dem die Welt erschaffenden Gott in einem ersten schöpferischen Akt erst in ihre Grenzen verwiesen werden müssen, damit Leben möglich wird.

"Die Erde aber war wüst und wirr, Finsternis lag über der Urflut, und Gottes Geist schwebte über dem Wasser. Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht…."

Das Firmament (V. 56) entspricht dem Gewölbe, mittels dessen Gott nach Gen 1,6 in einem weiteren Schöpfungsakt die Wasser von den Wassern trennt und einen Raum zum Leben schafft.

"Dann sprach Gott: Ein Gewölbe entstehe mitten im Wasser und scheide Wasser von Wasser."

Eine später verbreitete Vorstellung versteht den irdischen als Abbild und Repräsentationsort des himmlischen Tempels.

Geordnete Welt

Im zweiten Teil geht die Aufforderung zu preisen an alles Geschaffene. Nachdem im ersten Vers dieses Abschnitts pauschal alle Schöpfungswerke zum Lobpreis aufgefordert worden sind, schreitet der Hymnus diese Schöpfungswerke ab. Je acht Verse sprechen zunächst den Himmelsraum, dann himmlische das Leben auf der Erde unmittelbar beeinflussende Erscheinungen, dann den Lebensraum Erde und schließlich die diesen Lebensraum bewohnenden Menschen an. Das Gedicht folgt damit einer Bewegung von oben nach unten. Innerhalb des letzten Abschnittes verengt es den Blick auf die Menschen und – innerhalb der Gruppe der Menschen – auf Israel, um den Blick ganz im Finale auf alle an Gott Glaubenden noch einmal zu öffnen.

Himmlische Räume und himmlische Wesen

Kommt das Firmament gegen Ende des ersten Teils des Psalms als Ort Gottes, der Gott gleichzeitig in ein bestimmtes Verhältnis zu seiner Schöpfung setzt, in den Blick, so ist der Himmel zu Beginn des zweiten Teils Teil dieser Schöpfung selbst. Wenn er zum Lobpreis aufgefordert wird, soll er, gleich allen anderen zum Lobpreis fähigen und aufgerufenen Werken und Geschöpfen, sein Verhältnis zum Schöpfer seinerseits bestimmen. Damit changiert der 'Himmel' zwischen dem Bereich Gottes und den oberen Regionen der geschaffenen Welt.

Regen, Tau und Winde (pneu,mata) werden dem Himmel selbst zugeordnet. Der im Griechischen für Wind gebrauchte Begriff bezeichnet auch den Geist und kann genauerhin den Geist Gottes meinen. Ist der Regen als geordneter in aller Regel Leben ermöglichender Einbruch der Wasser oberhalb des Firmaments in den Lebensraum der Schöpfung gemeint?

In ganz ähnlicher Weise schreiten Texte wie Ps 104 oder Ijob 38 die geschaffene Wirklichkeit ab und präsentieren sie als geordnete Schöpfung.

Wetter/Naturelemente

Unmittelbar an die Schilderung himmlischer Räume und Wesen schließt sich eine Liste solcher 'himmlischer' Erscheinungen, meteorologischen und irdischen Phänomene (Naturelementen) an, die das Leben auf der Erde unmittelbar beeinflussen. Anders als die unmittelbar zuvor geschilderten kosmischen Erscheinungen, sind sie für den Menschen nicht immer präsent. Sie werden zwischen den dauerhaften Gegebenheiten der oberen und der unteren Schöpfung eingereiht. Auffällig sind mehrere gegensätzliche Paare: Kälte und Hitze; Nächte und Tage; Licht und Dunkelheit. Auffällig ist auch die hohe Zahl der ambivalenten und Leben potentiell gefährdenden Erscheinungen. Die Aufzählung bewegt sich assoziativ fort. Licht und Dunkelheit folgen auf Nächte und Tage. Dass die Nächte vor den Tagen genannt sind, ist wohl der langen biblischen und liturgischen Tradition geschuldet, nach der der neue Tag mit dem Abend beginnt. Diese Vorstellung liegt schon dem Refrain des Schöpfungsgedichtes Gen 1 zugrunde.

"Und es wurde Abend, und es wurde Morgen: ein / ein zweiter … Tag."

Die selbe Vorstellung bestimmt im christlichen Kontext noch heute etwa das (monastische) Stundengebet, bei dem die abendliche Vesper bereits dem – dem Empfinden der meisten Menschen nach – nächsten Tag zugerechnet wird.

Alle aufgezählten Phänomene, auch die potentiell lebensfeindlichen, werden im Rahmen der Schilderung einer geordneten Welt zum Lobpreis des Schöpfers aufgefordert. Die Vorstellung, dass auch die dem Menschen widrigen Schöpfungswerke Teil einer in ihrer Gesamtheit guten Schöpfung sind, kennt etwa auch die Naturschilderung nach Ijob 38.

Die Erde als Lebensraum

Die folgende Strophe ruft erst den Lebensraum, dann die diesen Lebensraum bewohnenden lebenden Wesen zum Lobpreis auf. Von der Gestalt der Erdoberfläche, von Bergen und Hügeln, über den Pflanzenbewuchs führt die Schilderung zu den unterschiedlichen Vorkommen des Wassers. Dass die Pflanzen nicht zu den Lebewesen gerechnet werden entspricht Gen 1, wo die Pflanzen dem am zweiten und dritten Tag geschaffenen Lebensraum zugerechnet werden, und nicht den Lebewesen, die ihn nach den Schöpfungsakten des fünften und sechsten Tages bevölkern. Bei der Aufzählung der alle vorstellbaren Lebensbereiche bevölkernden Lebewesen geht der Psalm in umgekehrter Reihenfolge vor. Er beginnt mit den Wassertieren, kommt zu den Vögeln des Himmels, um mit den Landbewohnern und unter diesen bei den Menschen zu enden.

Israel

Gleich im ersten Vers des Hymnus und noch vor jeder Lokalisierung wird der im Himmel oder im Tempel thronende Gott als der Gott der Väter Israels vorgestellt. Der Herr der Welt und der Schöpfer des Kosmos ist der Gott Israels. Der Blick des Lobliedes auf die geordnete Schöpfung fokussiert Israel. Nach verschiedenen Untergruppen geordnet gewinnt das Bild Israels Gestalt. Auf die Gruppe der Priester folgt die Gruppe der Knechte, die in dieser Zusammenstellung wohl niederes Tempelpersonal beschreibt. Mit dem Tempel berührt die Israel gewidmete Strophe einen Ort, den der einleitende Lobpreis als Aufenthaltsort Gottes bereits eingeführt hat. Die 'Geister und Seelen der Gerechten' einer- und die 'Heiligen und im Herzen Niedergeschlagenen' andererseits weisen auf das Volk insgesamt. Die 'Geister und Seelen der Gerechten' umfassen neben den Lebenden vielleicht auch die Toten. Gerechte und Heilige zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich in den Bereich Gottes stellen. Den 'im Herzen Niedergeschlagenen' gilt die göttliche Zuwendung. Israel wird mit den 'Gerechten', den 'Heiligen' und den 'im Herzen Niedergeschlagenen identifiziert'. Sie repräsentieren das wahre Israel, für das der Gott der Väter einsteht. Diese letzte Vorstellung findet sich auch andernorts im Alten Testament. Beispielhaft für diese letzten stehen dann Hananja, Asarja und Mischael.

Mensch und Israel

Wenn zunächst die Menschenkinder, dann Israel aufgerufen wird, wird Israel zum Repräsentanten der Menschheit. Abschließend richtet sich der Blick wieder über Israel hinaus auf alle, die an Gott glauben. Das Loblied schließt mit einer Aufforderung, zunächst zum Bekenntnis, dann zum erneuten Lobpreis und abschließend noch einmal zu Lob und Bekenntnis, die sich an alle richtet, die den Gott Israels verehren und begründet diese Aufforderung mit der immerwährenden Barmherzigkeit Gottes.

Ursprung und Neukontextualisierung

Das Lied der drei Jünglinge im Feuerofen ist als eigenständiger Text unabhängig von seinem besonderen Kontext vorstellbar. Einzig V. 88 nimmt auf den Kontext Bezug und nennt die Namen der drei jungen Männer. Das Loblied ist voller liturgischer Formeln, angefangen vom 'Gott unserer Väter' bis zu der aus zahlreichen Kontexten bekannten Formel in V.89. Die wiederkehrenden Kehrverse unterstreichen den Eindruck liturgischer Verwendbarkeit. Der gesamte Lobpreis, insbesondere aber sein zweiter Teil, erweckt den Eindruck einer Litanei. Ein liturgisches Szenario ruft aber auch die Erwähnung des, zunächst freilich im Zusammenhang schöpfungstheologischer Bilder gebrauchten Tempels und die herausragende Rolle von Priestern und Tempelpersonal in der Aufzählung der Angehörigen Israels hervor. Ein möglicher Ort des einstmals selbständigen Gebetes ist die Tempelliturgie. Der möglichen Vor- entspricht die Nachgeschichte des Psalms. Seine Wirkungsgeschichte in der Liturgie der orthodoxen Kirchen dauert bis heute an.

Im Kontext der Erzählung von den drei Jünglingen im Feuerofen gewinnt der Psalm einen neuen Klang. Einzelne Elemente werden vom Kontext aufgegriffen und in ein neues Licht gestellt. Die Einführung der Namen in die Aufzählung an dieser Stelle macht Hananja, Asarja und Michael zu exemplarischen Gerechten einerseits und zu exemplarischen Armen, für die der Gott Israels rettend eingreift andererseits. Feuer, Glut und Hitze, die den Aufruf zum Lob der Elemente einleiten, bedrohen in der Erzählung das Leben der jungen Männer im Ofen. Im Ps ordnen sich Feuer und Hitze in die Reihe der übrigen Schöpfungswerke ein. Auch ihre Beziehung zu ihrem Schöpfer drückt sich im Lobpreis aus. Innerhalb des Psalms stehen sie in einer Reihe mit Hananja, Asarja und Michael, die wie sie zum Lobpreis aufgerufen werden. Gleichzeitig drückt sich Hananjas, Asarjas und Michaels Lobpreis, den sie als Gerettete aus Feuer, Glut und Hitze singen, in eben diesem Lied aus. In Ihrer Rettung zeigt sich die Ordnung der Schöpfung, die sie im Psalm preisen und zu deren Lobpreis sie im Psalm nicht nur sich selbst, sondern auch die Elemente aufrufen, vor denen der Schöpfer sie gerettet hat. Feuer und Hitze werden zu Werkzeugen ihrer Rettung und zum Anlass wie zum Subjekt des Lobpreises des Schöpfers durch seine Schöpfung.

Bibelarbeit

Lied: Gib mir die richtigen Worte (1+2)

Variante A
- Lesen Sie den Text in der Fassung der LXX oder der EÜ.
- In welcher Weise ordnet der Text die Welt? Wo findet der Mensch seinen Platz in dieser geordneten Welt?
- Lesen Sie den Kontext? Wie verändert der Kontext die Wahrnehmung des Textes?

Variante B
- Lesen Sie den Text in der Fassung der LXX oder der EÜ.
- In welcher Weise ordnet der Text die Welt? Wo findet der Mensch seinen Platz in dieser geordneten Welt?
- Nach welchen Kriterien ordnet sich Ihr eigenes Bild der Welt?

Variante C
- Lesen Sie den Text in der Fassung der LXX oder der EÜ zunächst für sich allein.
- In welcher Weise ordnet der Text die Welt? Wo findet der Mensch seinen Platz in dieser geordneten Welt?
- Vergleichen Sie mit Ps 104 oder Ijob 38. Beachten Sie dabei auch den Kontext, in dem das Loblied der drei Jünglinge im Feuerofen steht.

Variante D
- Lesen Sie den Text in der Fassung der LXX oder der EÜ zunächst für sich allein.
- In welcher Weise ordnet der Text die Welt? Wo findet der Mensch seinen Platz in dieser geordneten Welt?
- Wie verändert der Kontext die Wahrnehmung des Textes?
- Nehmen sie zum Vergleich den Wandteppich des Kapitelsaals der Kathedrale von Gerona, Spanien (um 975) (Quelle: Welt und Umwelt der Bibel 2 (1996), S. 40f.) oder die Darstellung der Arche Noah in der Beatus-Apokalypse der John Rylands University Library (Quelle: Karl Löning / Erich, Zenger, Als Anfang schuf Gott. Biblische Schöpfungstheologien, Titelbild). In Zeitschrift und Buch finden Sie Informationen zu beiden Bildern. Beide zeigen die Schöpfung (resp. die im Chaos der Sintflut in der Arche bewahrte Schöpfung) als geordnete Welt.

Lied: Komm Herr, segne uns

Zum Herunterladen:

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Mehr zum Thema im Internet:

  1. Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.kirchensite.de/bibelarbeiten

Text: Johanna Erzberger (Deutsche Bischofskonferenz, Bonn), Katholisches Bibelwerk im Bistum Münster (Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.bibelwerk.de) in Kooperation mit kirchensite – online mit dem Bistum Münster (Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.kirchensite.de) | Foto: Archiv
10.09.2010

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