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Seite: Fragen + Glauben
11.12.2016
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Emmaus-Jünger

Die Emmaus-Jünger mit Jesus auf dem Weg.

Bibelarbeit zu Lukas 24,13-35

Unterwegs nach Emmaus: Kleopas und sein Freund

Freundschaft entsteht und bewährt sich nicht nur in den Sternstunden, sondern am meisten dort, wo es darum geht, Herausforderungen, vor die uns das Leben stellt, gemeinsam anzugehen und zu bestehen. Dass "der echte Freund im Unglück erkannt wird" (Cicero), ist eine verlässliche Lebensweisheit.

Der Evangelist Lukas erzählt von zwei Freunden, die sich auf den Weg gemacht haben. Es ist zunächst ein Weg, der durch das Unglück von Traurigkeit, Enttäuschung und Niedergeschlagenheit führt. Schritt für Schritt jedoch wandelt er sich zu einem Weg der Hoffnung, weil sich plötzlich ein Dritter hinzugesellt, von dem her alles Dunkle in ein helles Licht getaucht wird. Dieser Dritte, das gilt es für die Leserinnen und Leser aller Zeiten zu entdecken, ist kein anderer als der auferstandene Jesus. Die Erfahrung seiner Gegenwart und Nähe lässt die Herzen der beiden Freunde so sehr brennen (Lk 24,32), dass sie Zeugen sein können für das neue Leben, das Gott uns Menschen in Christus schenkt.

Was hinter den beiden liegt, ist eine Zeit der Angst, eine Zeit des Mit-Leidens und der Niedergeschlagenheit. Sie gehen in ihren Gedanken zurück: zu Jesus, von dem sie meinten, dass er der sei, der Israel erlösen werde (Lk 24,21), an den sich also ihre Erwartungen und Hoffnungen banden. Das Kreuz stellt all das in ein trauriges, sogar erlöschendes Licht (vgl. Dtn 21,23). Und doch ist damit nicht das Ende der Erzählung markiert: Lukas berichtet etwas von den Emmausjüngern, das uns aufhorchen lässt. Während die beiden traurig sind, während sie sich ihrer Erinnerung an Jesus hingeben und ihrem Schmerz Raum gewähren, ist der, um den sie trauern, schon längst in ihrer Mitte. Aber in ihrer Enttäuschung erkennen sie ihn nicht. Sie waren wie mit Blindheit geschlagen, denn die Traurigkeit umschließt ihr Herz wie eine dunkle Schale. Doch dann geht ihnen etwas auf: Als sie zur Ruhe kommen, im Hören auf die Schrift und beim Brechen des Brotes: da erkennen sie, dass der, von dem sie glaubten, er sei weg und fern, nunmehr auf eine ganz andere, neue, intensivere Weise da ist.

So ist die lukanische Schilderung der zwei Jünger auf ihrem Weg nach Emmaus eine der schönsten biblischen Erzählungen von Hoffnung und Verheißung, von echtem Trost und tiefer Freude. Indem hier eine Liebe begegnet - Gottes Liebe -, die stärker ist als der Tod, und ein Glaube - der Glaube der Jünger -, der die Angst besiegt, kommen uns Kleopas und sein Freund sehr nahe. Die beiden, könnte man sagen, werden zu Freunden aller, die traurig sind. Und zu Boten einer Hoffnung, die uns Menschen trotz aller Widrigkeiten, die sich mitunter in den Weg stellen, nicht zugrunde gehen lässt (vgl. Röm 5,5).

Der Text

13: Am gleichen Tag waren zwei von den Jüngern auf dem Weg in ein Dorf namens Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt ist.
14: Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte.
15: Während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus hinzu und ging mit ihnen.
16: Doch sie waren wie mit Blindheit geschlagen, so dass sie ihn nicht erkannten.
17: Er fragte sie: Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander redet? Da blieben sie traurig stehen,
18: und der eine von ihnen - er hieß Kleopas - antwortete ihm: Bist du so fremd in Jerusalem, dass du als einziger nicht weißt, was in diesen Tagen dort geschehen ist?
19: Er fragte sie: Was denn? Sie antworteten ihm: Das mit Jesus aus Nazaret. Er war ein Prophet, mächtig in Wort und Tat vor Gott und dem ganzen Volk.
20: Doch unsere Hohenpriester und Führer haben ihn zum Tod verurteilen und ans Kreuz schlagen lassen.
21: Wir aber hatten gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen werde. Und dazu ist heute schon der dritte Tag, seitdem das alles geschehen ist.
22: Aber nicht nur das: Auch einige Frauen aus unserem Kreis haben uns in große Aufregung versetzt. Sie waren in der Frühe beim Grab,
23: fanden aber seinen Leichnam nicht. Als sie zurückkamen, erzählten sie, es seien ihnen Engel erschienen und hätten gesagt, er lebe.
24: Einige von uns gingen dann zum Grab und fanden alles so, wie die Frauen gesagt hatten; ihn selbst aber sahen sie nicht.
25: Da sagte er zu ihnen: Begreift ihr denn nicht? Wie schwer fällt es euch, alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben.
26: Musste nicht der Messias all das erleiden, um so in seine Herrlichkeit zu gelangen?
27: Und er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und allen Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht.
28: So erreichten sie das Dorf, zu dem sie unterwegs waren. Jesus tat, als wolle er weitergehen,
29: aber sie drängten ihn und sagten: Bleib doch bei uns; denn es wird bald Abend, der Tag hat sich schon geneigt. Da ging er mit hinein, um bei ihnen zu bleiben.
30: Und als er mit ihnen bei Tisch war, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach das Brot und gab es ihnen.
31: Da gingen ihnen die Augen auf, und sie erkannten ihn; dann sahen sie ihn nicht mehr.
32: Und sie sagten zueinander: Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloss?
33: Noch in derselben Stunde brachen sie auf und kehrten nach Jerusalem zurück, und sie fanden die Elf und die anderen Jünger versammelt.
34: Diese sagten: Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen.
35: Da erzählten auch sie, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach.

Hintergründe:

VV13-14: In den Fokus gerückt werden zwei Jünger aus der Gruppe der "Übrigen" um die Apostel (Lk 24,9). Die Zweizahl kann etwas mit dem Zeugnisauftrag der beiden Männer zu tun haben (vgl. Dtn 19,15). Einige Exegeten gehen davon aus, dass die Urfassung der Emmausgeschichte nur den einen Jünger Kleopas kannte, und dass Lukas – dem immer an der Zeugenschaft gelegen ist – den zweiten Jünger später hinzufügte.

Die beiden wandern westwärts in ein Dorf namens Emmaus, das nach Lukas 60 Stadien, etwa 11 Kilometer, von Jerusalem entfernt liegt. Die Lokalisierung des Ortes ist aber unsicher(1).

V20: Lukas gibt die historischen Fakten nur ungenau wieder. Die Doppelbezeichnung "Hohepriester und Führer" verwendet er in seinem Evangelium als stereotype Formel.

V21: Jesu Kreuzestod hat zunächst alle auf ihn gesetzte Hoffnung ad absurdum geführt (V21a). Ein gekreuzigter Messias war unvorstellbar (vgl. nur Dtn 21,23).

Die Jünger stellen fest, dass der heutige Tag schon der dritte Tag seit der Hinrichtung Jesu ist (V21b). Für den Leser ist der Hinweis auf den dritten Tag doppelsinnig. Er erinnert an die Passionsankündigungen, die in der Ansage der Auferweckung durch Gott am dritten Tag gipfelten (Lk 9,22; 13,32-33; 18, 31-33; 24,7). Aus der Perspektive der beiden Jünger aber ist dieser Tag der Moment ihrer endgültig gescheiterten Hoffnung. Im Hintergrund steht die Annahme, dass die Seele eines Verstorbenen sich bis zum dritten Tag noch nahe der Leibeshülle aufhielt, danach aber die völlige Auflösung des Lebens einsetzte (vgl. Joh 11,39). Lukas ist hier an der Darstellung der Abwesenheit Jesu interessiert, um vor diesem Hintergrund die neue Form seiner Anwesenheit zu verkünden.

V25: Die Jünger werden von Jesus als unverständig gescholten: Sie sind zu schwerfällig, die Botschaft der Propheten in ihr Herz aufzunehmen. Das Herz ist nach biblischem Verständnis das Personenzentrum, Sitz der Einsicht, des Verstehens und des Willens.

VV26-27: Jesus öffnet den Jüngern die Heilige Schrift. Er ermutigt sie, den "Propheten zu glauben" (24,25). Diesen Glauben begründet Jesus durch eine Auslegung der Heiligen Schrift von Mose bis zu den Propheten und Schriften. So soll deutlich werden: Die Schriften erhellen nicht nur ein paar Details des Lebens und der Botschaft Jesu, sondern führen hin zum Ganzen seiner Sendung und seiner Person, einschließlich seines Todes und seiner Auferstehung. Auf dem Weg nach Emmaus bahnt der auferstandene Kyrios Jesus Christus den beiden Jüngern einen Weg durch die Schrift zu ihm selbst.

V28: Ein Dorf ist das Ziel der Wanderung. Die Kategorie "Dorf" könnte dem soziologischen Befund der ältesten palästinischen Gemeinden entsprechen. Vielleicht steht aber eine tiefere Aussage dahinter: Wenn in Lk 9,12ff eine noch einsamere Gegend, wo selbst Dörfer und Höfe nur im Umkreis zu finden sind, zum Schauplatz der wunderbaren Speisung der Fünftausend wird, könnte das bedeuten: je abgelegener der Ort, desto außerordentlicher das mit Jesus erlebte Ereignis.

Im Augenblick der Entscheidung, ob die geheimnisvolle Begegnung mit dem vermeintlich Fremden hier zu Ende geht oder nicht, fügt Lukas ein  Spannungsmotiv ein: Jesus tut so, als wolle er weitergehen.

Jesu spielerisches Sich-Zieren kann natürlich als Tribut an damals geltende Höflichkeitsformen verstanden werden; hier ist es allerdings eher ein von Lukas bewusst ins Spiel gebrachtes Stilmittel. Die Formulierung "er tat, als wolle er weitergehen" macht Jesus zum Subjekt des Geschehens. Es ist von vornherein sein Wunsch, bei den Emmausjüngern zu bleiben.

Der Hinweis der Emmausjünger auf die Abendstunde sorgt in seiner poetischen Sprache ("Bleibe bei uns, denn es wird Abend, der Tag hat sich schon geneigt") für eine geradezu idyllische Rahmenstimmung. Die Verbindung zur Speisungswundergeschichte Lk 9, 12-17 legt noch einen tieferen Bezug nahe. Wenn in beiden Erzählungen das Mahl zur Abendstunde stattfindet, dürfte damit auf die Abendmahlspraxis der Gemeinde angespielt sein. Damit rückt die Emmauserzählung in einen eucharistietheologischen Kontext.

V29: Die Einladungsbemühung der Jünger hat Erfolg: "Und hinein ging er, um zu bleiben mit ihnen". So wird zunächst  – schlicht und prägnant – die entscheidende Einkehrhandlung Jesu ins Wort gehoben. Die finale Konstruktion ("um zu bleiben") drückt zunächst die Absicht Jesu aus, der Bitte der Jünger zu entsprechen. Aber Jesus geht noch darüber hinaus: Sein Bleiben zielt auf tiefe Gemeinschaft zwischen ihm und den an ihn Glaubenden.

V30: Zur Einkehr gehört wie selbstverständlich vor dem Schlafengehen noch eine Abendmahlzeit, zu der die drei Wanderer sich nach antiker Sitte zu Tisch legen. Subjekt des Handelns ist grammatikalisch wie sachlich Jesus: So ist Er bereits heimlich zum Gastgeber geworden.

Wenn Jesus das Mahl sodann nach jüdischer Sitte mit seinen einzelnen rituellen Schritten eröffnet, bewegt sich die Erzählung nun klar unterscheidbar auf zwei Ebenen: Die erste Ebene ist die der Gastlichkeit und der Gastfreundschaft, des Miteinanders also.

Zugleich aber erscheinen auf einer zweiten Ebene die von Jesus vollzogenen Schritte durch vorgeprägte Termini technici des Abendmahls (Brot nehmen, segnen, brechen und darreichen) in einem eucharistischen Licht.

Die Leser, die bis dahin eine spannende Wander- und Einkehrgeschichte verfolgt haben, finden sich unversehens im Raum der ihnen anvertrauten Abendmahlsliturgie wieder. Auf dieser Tiefenschicht der Erzählung findet ein sakramentales Geschehen statt: Der Eingeladene und Gast wird im Darreichen des gesegneten Brotes zu einem unüberbietbaren Gastgeber, denn er selbst ist das Brot, das er darreicht. Gerhardt Hotze: "Der Gast wird zum Gastgeber, der sich selbst als Gastgeschenk gibt".

V32: Das erstaunliche Geschehen ermöglicht die Selbstbesinnung der beiden Freunde. Die Feuersymbolik (vgl. Jer 20,9; Ps 39,4) gehört neutestamentlich zur Rede vom Heiligen Geist (Apg 2,3; 1 Thess 5,19).

V34: Nicht die Emmausjünger sind es, die die Auferstehung als Erste verkünden, sondern die Apostel – so schallt ihnen (wie es dazu kam, wird nicht erzählt) der Osterruf entgegen: "Der Herr ist wirklich auferstanden und Simon erschienen". Dem Bekenntnisruf liegt vielleicht 1 Kor 15, 4-5 zugrunde.

5. Anregungen zur Bibelarbeit

1. Gemeinsames Gebet:

Herr, geh auch mit uns
wie mit den Jüngern.
Erschließe auch uns den Sinn
Deines Weges,
damit wir den Sinn
unseres Weges erkennen.

Bleibe bei uns,
wenn es Abend werden will
und der Tag unseres Lebens sich neigt.
Bleibe bei uns!
Sei unser Gast und werde unser Gastgeber.
Brich uns das Brot,
das Brot Deines Wortes,
das Brot Deines Leibes und Blutes.

Lass uns Dich beim Brotbrechen erkennen,
denn unsere Augen sind oft blind.
Mach unser Herz brennen,
damit wir einander bezeugen:

Der Herr ist auferstanden
Und immerzu bei uns.
Er tut uns kund den Weg des Lebens
Und führt uns zur Wohnstatt des Lichts.
(Rudolf Schnettler)

2. Lk 24, 13-35 lesen

3. Eine Zeit der Stille halten

4. Den Text noch einmal lesen

5. In einem weiteren Moment der Stille der Erzählung nachspüren:

  • Was hindert Kleopas und seinen Freund zunächst daran, Freude zu empfinden?
  • Was lässt ihre Herzen brennen?
    Welche Dynamik hat die Erzählung? Gibt es Höhepunkte? Wie arbeitet Lukas mit Tempo? Welche Details scheinen Lukas wichtig zu sein, welche nicht?
  • Welche Bedeutung hat hier das Hören und Lesen der Heiligen Schrift?
  • Wie wird der Gast zum Gastgeber? Was bedeutet Mahlgemeinschaft, was ist Eucharistie?
  • Auf welche Weise ist der Auferstandene den Glaubenden aller Zeiten nahe?
  • Kann Ostern Freundschaft begründen oder stärken? Welche Art von Freundschaft?

6. Versuchen, Fürbitten zu formulieren:

Jesus Christus, auferstandener Herr,  höre unsere Bitten:
- dass wir in Dir dem Ursprung unseres Lebens begegnen
- dass wir in Dir den Grund unserer Hoffnung finden
- dass wir Deine Nähe und Gegenwart spüren und erfahren dürfen
- …

7. Zeit der Stille

8. Gemeinsames Gebet:

du sprichst in unser ende
immer wieder einen anfang hinein
denn du bist im sterben und untergehn
du bist im leben und auferstehn

du trägst in unser dunkel
immer wieder eine handbreit licht
denn du bist im sterben und untergehn
du bist im leben und auferstehn

du siehst in unsern ängsten
immer wieder einen neuen beginn
denn du bist im sterben und untergehn
du bist im leben und auferstehn
(Thomas Laubach)

Buchhinweise:

W. Eckey, Das Lukas-Evangelium (Teilband 2: 11,1 – 24,53), Neukirchen-Vluyn (2. Auflage) 2006

G. Hotze, Jesus als Gast, Würzburg 2007

Th. Söding, Der Tod ist tot, das Leben lebt, Ostfildern 2008

Anmerkungen:

(1) Die altkirchliche Tradition hat es mit dem west-nordwestlich von Jerusalem am östlichen Rand der Küstenebene nahe dem heutigen  ’Imwâs  südöstlich von Lydda gelegenen Emmaus identifiziert, wo Judas Makkabäus nach 1Makk 3,40; 4,3 im Jahre 166 v. Chr. syrische Truppen geschlagen hatte. P. Quinctilius Varus (um 46 v. Chr. bis 9 n. Chr.) hatte als Legat von Syrien 4 v. Chr. den Ort niederbrennen lassen, nachdem dort einer römischen Kohorte von jüdischen Bandenkriegern erhebliche Verluste zugefügt worden waren (Josephus, Ant. XVII, 282, 291). Der Wiederaufbau erfolgte schnell. Um 66 n. Chr. war Emmaus Bezirkshauptstadt (Josephus, Bell. III, 55). Die Bezeichnung "Dorf" passt aber nicht zu diesem Ort. Außerdem liegt die Stadt auf der Straße 176 Stadien (ca. 32 km; 24 km Luftlinie) von Jerusalem entfernt. In einigen Evangelienhandschriften finden wir die Entfernungsangabe "160 Stadien" (so die Codices Sinaiticus, 4. Jhdt., Beratinus, 6. Jhdt., Petropolitanus, 9. Jhdt.). Diese Lesart setzt die Identifikation der Stadt mit dem von Lukas genannten Emmaus voraus und ist als Angleichungsversuch anzusehen. Man muss den beiden Jüngern eine zwar bei trainierten Wanderern nicht unmögliche, aber doch außerordentliche Marschleistung zuschreiben, wenn man sie, nachdem sie bis zum Nachmittag schon 32km gewandert sind, am selben Abend noch einmal die gleiche Strecke zurücklaufen lässt (Lk 24,33). Ausleger, die an der altkirchlichen Lokalisierung festhalten, machen Lukas für die entstandene Schwierigkeit verantwortlich, der den Anfang des Bekenntnisses zum Auferstandenen an Jerusalem bindet, die alte, mit dem Namen Emmaus verbundene Emmaus-Tradition diesem Anliegen dienstbar gemacht und über die Ortslage keine genauen Vorstellungen hat. Letzteres ist jedoch mehr als  fraglich. Seit der Zeit der Kreuzfahrer hat man auch das in der Luftlinie 63 Stadien (11km), auf der Straße etwa 75 Stadien (13-14km) westlich von Jerusalem gelegene al-Qubaiba als Emmaus angesehen. Der Ortsname des Dorfes ist aber in frühchristlicher Zeit  nicht bekannt. In diese Zeit zurückführende archäologische Spuren fehlen.

Josephus (Bell VII, 217) kennt ein 30 Stadien (6,5 km) westlich von Jerusalem an der Straße nach Jafa gelegenes Dorf Emmaus (’Ammaou=j). Es handelt sich um das heutige Quonije. Die tatsächliche Entfernung von Jerusalem betrug allerdings 40 Stadien (etwa 7,5 km). Für die Identifikation des bei Lukas genannten Emmaus mit diesem Ort sprechen 1. die übereinstimmende Bezeichnung als "Dorf" und 2. die Entfernung, wenn man annimmt, dass Josephus die Distanz unterschätzt und Lukas sie überschätzt hat.

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  1. Leitet Herunterladen der Datei einBibelarbeit zu Lukas 24,13-35: Unterwegs nach Emmaus - Kleopas und sein Freund

Mehr Informationen im Internet:

  1. Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.kirchensite.de/bibelarbeiten

Text: Dr. Robert Vorholt, Ruhr-Universität Bochum, Katholisches Bibelwerk im Bistum Münster (Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.bibelwerk.de) in Kooperation mit Öffnet externen Link in neuem Fensterkirchensite.de | Foto: Michael Bönte
April 2010

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