
Die Klarissen beim Gebet.
Domklarissen in Münster
Zweckfreies Leben für Gott in der Gemeinschaft
Münster. Ruhig und einladend wirkt das Kloster der Klarissen am frühen Morgen im Schatten des St.-Paulus-Doms. Während andere noch schlafen, werden in der Kapelle bereits die Laudes gebetet und die Messe gefeiert. Sieben Mal am Tag treffen sich die neun Schwestern im Alter zwischen 38 und 78 Jahren zum Gebet.
"Zweckfrei für Gott zu leben, ist uns wichtig", erklärt die Äbtissin Schwester Ancilla. "Das eigene Leben für Gott zu verschwenden, ist die Hauptsache, und wenn sonst noch etwas dabei herumkommt, ist es schön", erzählt sie weiter. Ausdauernd auf Gott hinzuhören und hinzusehen, bis er entdeckt wird, sei im Alltagsleben wichtig.
Offenes Ohr für die Sorgen der Menschen
Oft kommen Menschen mit ihren Sorgen und Nöten, um mit jemandem reden zu können, sich geistlich begleiten zu lassen oder um ein Gebet zu bitten. "Es reicht nicht, sich einfach in die Kapelle zu setzen, um beispielsweise für den Frieden in einem bestimmten Anliegen zu beten, wenn ich in meinem eigenen Umfeld mehrere Kleinkriege führe", sagt Schwester Ancilla. "Für mich ist es wichtig, meine eigenen Beziehungen aufrichtig zu leben mit Blick auf den, der um das Gebet in einer bestimmten Situation gebeten hat und sich nach Frieden sehnt."
Das Gebet war es auch, das den damaligen münsterschen Bischof Heinrich Tenhumberg dazu veranlasste, die Schwestern 1973 um eine Neugründung neben dem Dom zu bitten. Er siedelte den kontemplativen Konvent franziskanischer Spiritualität an, um in einer Zeit des Umbruchs für ein neues Pfingsten in der Kirche zu beten. Er wünschte sich, dass die Präsenz der Schwestern ein dauernder Aufruf für alle Gläubigen sei, sich wieder auf die Mitte des christlichen Glaubens und die geistlichen Fundamente eines Lebens in der Nachfolge Christi zu besinnen. Dies schrieb er in einem Brief an den Orden. "Wir versuchen, hier in Münster die Bistumsleitung betend zu unterstützen, auch in der täglichen Vesper im Dom, die wir von montags bis freitags gestalten", erzählt Schwester Ancilla.
Schwester Ancilla ist Äbtissin der Klarissen am Dom. |
Leben in der Gegenwart Gottes
Beten zu lernen, hieße das Leben zu lernen. "Meine Existenz soll in der Gegenwart Gottes sein", erklärt die Äbtissin. Dabei gehe es jedoch nicht darum, bestimmte Formen anzunehmen, sondern zu lernen, mit sich selbst zu leben. Um den ganzen Tag im Gebet bleiben zu können, sprechen die Schwestern in der Regel außer freitags nur abends miteinander und verrichten sonst ihre Arbeit schweigend. Auch die Klausur helfe auf diesem Weg. "Klausur heißt anzukommen und in sich selber zuhause zu sein", erklärt Schwester Ancilla den Umstand, dass die Schwestern mit Ausnahme der Zeit, die sie im Dom verbringen, nur in sehr seltenen Fällen das Kloster verlassen.
Neben dem Gebet arbeiten alle Schwestern im Haushalt mit. "Wir versuchen, alle Arbeiten den Fähigkeiten nach zu verteilen", erklärt die Äbtissin. So vielfältig die Fähigkeiten der Schwestern sind, so verschieden sind auch die Arbeiten, die anfallen. "Wir tun alle Dinge, um die Menschen uns bitten, sofern wir es denn können." Dazu gehören zum Beispiel die Kelchwäsche für verschiedene Kirchen, Kunstschrift, Übersetzungen und Gespräche.
Ganz für Gott da sein
Häufig kommen Gruppen zu den Klarissen, die das Kloster und die Schwestern genauer kennen lernen möchten, wie zum Beispiel Schulklassen und Pfadfindergruppen. "Es ist immer wieder spannend, unser Leben in die Sprache und Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen zu übersetzen", beschreibt die Äbtissin. "Ein Mal musste ich zum Beispiel für die Kinder erklären, warum wir in Armut leben. Ich sagte zu ihnen: 'Stellt euch vor, ihr wärt mit eurer Mannschaft auf einer Fußballmeisterschaft und euer Torwart würde während des Spiels Cola trinken, Chips essen und Walkman hören. Was würdet ihr sagen?' Die Kinder antworteten natürlich: 'Schmeiß das Zeug weg und fang den Ball.' Und darauf antwortete ich: 'Seht ihr, so ist das auch bei uns. Wir mögen gerne Chips und Cola und würden gerne Walkman hören. Aber ohne diese Dinge haben wir die Hände frei, um im übertragenen Sinn den Ball zu fangen und ganz für Gott da zu sein.'"
Schönheit der Berufung
In das lebendige Leben einzutauchen und zu spüren, wie auf dem Weg mit Gott das Leben immer einfacher wird, sieht Schwester Ancilla als die besondere Schönheit ihrer Berufung. "Ich bin heute vermutlich noch lieber hier als bei meinem Eintritt vor 34 Jahren. Mittlerweile gibt es nur noch zwei Dinge, die für mich wichtig sind. Zum einen in der eigenen Gegenwart zu sein und zum anderen zu lieben", erklärt die Äbtissin.
Auf die Frage, welche Eigenschaft eine Frau mitbringen müsse, die als Klarissin leben möchte, antwortet Schwester Ancilla lächelnd: "Wenn ich als Klarissin nicht loslassen kann, werde ich es vermutlich sehr schwer haben, aber das habe ich dann woanders auch." Klarissin zu sein heiße nicht, eine besondere Eigenschaft zu haben, sondern mit seinen Eigenschaften dem Ruf Gottes zu folgen.
Kontakt:
Klarissenkonvent am Dom
Domplatz 34
48143 Münster
www.klarissen-muenster.de
www.kontemplativ.de
Text: Franzis Rewer | Foto: Franzis Rewer
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