
Von Wanderungen hat Pater Donatus zahlreiche Mineralien mitgebracht.
Franziskaner in Mettingen
Die Berufung in Brasilien gefunden
Mettingen. Eigentlich wollte Pater Donatus Kestel nach China gehen. Als junger Gymnasiast hatte der gebürtige Amberger ein Buch mit den Beschreibungen des Franziskanerbruders und Missionars Donatus Pfannmüller gelesen. "Da war für mich sonnenklar: Du gehst in die Mission nach China", erinnert sich der 74-Jährige. Und fügt direkt hinzu: "Doch da kam Mao Tse-tung." Das Aus für seine China-Pläne, denn sämtliche Missionare mussten das Land verlassen.
An dem Vorhaben, in die Mission zu gehen, hielt er jedoch fest. Nachdem er einen Vortrag eines Paters aus Brasilien gehört hatte, in dem dieser über die Aufgaben der Franziskaner berichtete, war das Ziel klar: Pater Donatus trat in die nordostbrasilianische Franziskanerprovinz St. Antonius Recife ein. Sein Noviziat machte er in Rietberg. 1953 ging es dann mit dem Schiff nach Brasilien. Dort hat Pater Donatus zwei Jahre studiert und war dann in einer Pfarrei tätig.
Mehr als 42.000 Bände umfasst die Bibliothek des Instituts für Brasilienkunde. |
Schüler aus über 100 Ländern
Heute unterrichtet der 74-Jährige in Mettingen. "Lass mich in Brasilien", hatte er damals gebeten, als er zum Studium zurück nach Deutschland gerufen wurde. Nach einem Biologie- und Chemiestudium war er zunächst sechs Jahre lang Lehrer in Bardel und wechselte dann ins Münsterland. In Mettingen hat die nordostbrasilianische Franziskanerprovinz eine Schule, auf der ursprünglich Spätberufene auf die Arbeit in der Mission in Brasilien vorbereitet wurden. Heute befindet sich dort das Comenius-Kolleg, eine Schule für Erwachsene, die innerhalb von sechs Semestern das Abitur ablegen können. 320 Frauen und Männer bereiten sich dort zurzeit auf dem zweiten Bildungsweg auf die Reifeprüfung vor. 40 weitere Studenten kommen aus dem Ausland und machen die Zulassungsprüfung für eine deutsche Universität.
Seit dem Jahr 2005 ist das Comenius-Kolleg Unesco-Schule. Der Unterrichtsschwerpunkt liegt auf dem Dialog der Kulturen und Religionen. Zurzeit besuchen Studenten aus über 100 Ländern das Kolleg, erzählt Pater Donatus, der dort immer noch unterrichtet. 200 von ihnen leben im angegliederten Internat. Die übrigen sind privat in Mettingen untergebracht. "Darauf haben sich die Mettinger schon eingestellt", sagt Pater Donatus. Viele würden Zimmer oder kleine Wohnungen an die Studenten vermieten.
Im Franziskanerkloster hat Pater Donatus zahlreiche Mineralien und Steine aufbewahrt. |
Brasilienkunde
Außerdem ist im Comenius-Kolleg das Institut für Brasilienkunde angesiedelt - mit einer Spezialbibliothek von mehr als 42.000 Bänden. Das Institut wertet Zeitungen aus und gibt einen portugiesischen Informationsdienst für Brasilianer heraus, die in Deutschland leben. Für Deutsche, die sich über Brasilien informieren möchten, gibt es eine kleine Broschüre auf Deutsch mit Informationen über Politik, Wirtschaft, Kultur und Soziales. In einem Kellerraum des Klosters stapeln sich Ablagekörbe, beklebt mit Schildern, auf denen Sozialwirtschaft, Gewalt oder Kultur steht. Dort werden Artikel aus brasilianischen Zeitungen abgelegt, die Pater Donatus und seine Mitarbeiter später binden und den Studenten für Arbeiten zur Verfügung stellen.
"Ich bin ein entschieden besserer Seelsorger als Lehrer", sagt Pater Donatus schmunzelnd. Doch wenn er anfängt über sein Spezialthema, die Mineralogie, zu sprechen, schwingt Begeisterung mit: Scheinbar wahllos greift er in die langen Regalreihen des Kellerraums im Franziskanerkloster und zieht einen Karton mit winzigen Steinen in sämtlichen Farben und Formen hervor. Auf anderen Regalen stehen schwere Gesteinsbrocken. Die meisten hat der 74-jährige Franziskanerpater von Wanderungen in den deutschen Mittelgebirgen mitgebracht. Acht Vitrinen hat er bereits der Stadt Mettingen vermacht. Außerdem forscht er an der Geschichte der Franziskaner in Brasilien. Zurzeit arbeitet er an einem Band über die Predigten der Missionare vor 1850. Lexika in europäischen Sprachen werden untersucht, ob etwas darüber zu finden ist. "Da muss noch einiges übersetzt werden", sagt Pater Donatus.
Im Kloster leben neben vier Franziskanerbrüdern vier junge Leute. Der älteste ist mit 94 Jahren Pater Serafin Prein, der sich um die Seelsorge im Mettinger Krankenhaus kümmert. Weil die Patres alle noch in der Schule und in der Seelsorge im Einsatz seien, hätten sie ihre Gebetszeiten auf den Nachmittag und Abend gelegt, erzählt Pater Donatus. Im Gottesdienst am Abend werden sie die Fürbitten der "kirchensite.de"-User mit ins Gebet nehmen.
Kontakt:
Franziskanerkloster Mettingen
Sunderstr. 15
49497 Mettingen
Tel: 05452 / 1544
www.comenius-kolleg.de
www.brasilienkunde.de
Text: Almud Schricke | Fotos: Almud Schricke
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