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Seite: Fragen + Glauben
23.06.2017
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Johannes der Täufer - der Rufer in der Wüste.

Johannes der Täufer - der Rufer in der Wüste.

Bibelarbeit zu Markus 1,2-5 und Lukas 3,7-14

Jesus und Johannes der Täufer

"Wie soll ich dich empfangen und wie begegn´ ich dir?" – so ließe sich mit Paul Gerhardt gerade in der Adventszeit formulieren. Die Frage nach Wesen, nach Sinn und Zweck der Vorweihnachtszeit stellt sich gerade in diesen Tagen erneut und mit besonderer Aktualität. So wenig pauschale Gesellschaftskritik oder Zeitgeistschelte angebracht sind, so sehr muss doch unsere eigenen Adventskultur auf ihre Ansprüche und ihre Wirklichkeit hin hinterfragt werden. Konkreter gefragt: inwieweit stellt sich unser je eigener Advent als Zeit der Ruhe, der Sammlung, der Vorbereitung auf die nahende Festzeit dar? Spiegelt unsere Vorweihnachtszeit wider, dass Advent die Ankunft des Herrn meint?

Eine Gestalt des Neuen Testaments ist in besonderer Weise verknüpft mit der Erwartung der Ankunft des Herrn und der Frage, wie man ihm begegnen kann und soll. In den Evangelien begegnet er uns als der Wegbereiter Jesu und als sein Vorläufer – Johannes der Täufer.

Die Beschäftigung mit den Berichten der einzelnen Evangelienschriften über die Person des Täufers lässt rasch erkennen, dass die Verfasser der Evangelien ein je eigenes Interesse an diesem "Rufer in der Wüste" hatten aufgrund derer sie ihr Täuferbild entwickelten und präsentierten. Insofern gilt es mit der nötigen Bedachtsamkeit nach Johannes dem Täufer zurückzufragen, stellen uns die Evangelien ihn doch stets in seiner Bezogenheit auf die Person Jesu vor und interpretierenden Täufer von Jesus her. Anders formuliert: ein eigenständiges Interesse an dem Täufer an sich liegt nicht oder nur am Rande vor.

Es begann, wie es bei dem Propheten Jesaja steht: Ich sende meinen Boten vor dir her; er soll den Weg für dich bahnen. Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen! So trat Johannes der Täufer in der Wüste auf und verkündigte Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden. Ganz Judäa und alle Einwohner Jerusalems zogen zu ihm hinaus; sie bekannten ihre Sünden und ließen sich im Jordan von ihm taufen. (Mk 1,2-5)

Es lohnt sich also, die Spuren des Täufers durch die einzelnen Evangelien hindurch zu verfolgen – an dieser Stelle sollen und können nur einzelne Schlaglichter auf die Gestalt des Johannes geworfen werden. Der Täufer begegnet uns zunächst als Beginn des Evangeliums. Diese geläufige Formulierung will verdeutlichen, dass die Sendung Jesu nicht unvorbereitet geschieht – sie gilt es vor dem Hintergrund alttestamentlicher Weissagung und Erwartung zu verstehen. Johannes wiederum tritt nicht unvorbereitet als Bußprediger und Täufer auf, sondern wird Bote, der den Weg bereitet, und als Stimme in der Wüste verstanden (Mk 1,2f.) – in ihm kommen gleich mehrere Aspekte alttestamentlicher Prophetie nach dem Verständnis der Evangelien zur Erfüllung.

Mit dem Propheten Jesaja wird der Beginn der Heilszeit proklamiert – wie in Jes 40,1ff. Jerusalem das Ende des Frondienstes und die Selbstoffenbarung Gottes durch seine Herrlichkeit – im Alten Testament Ausdruck der Gegenwart Gottes. Mit der Gestalt des Täufers ist also ein Neuanfang gemacht und die Nähe der Gegenwart Gottes wird in seiner Verkündigung vergegenwärtigt. Dieser Neuanfang lässt sich in Analogie zu Israels Frühgeschichte verstehen; mit der Landnahme kommt der Exodus, Israels Wüstenzug als dem konstitutiven Erzählkomplex für die Geschichte Israels wie für seine Identität, zum vorläufigen Abschluss. Ex 23,20 verheißt die Leitung bei der Einnahme des Landes Kanaan durch den Boten Gottes – interessant ist dabei, dass diese Verheißung der Führung und Begleitung flankiert wird von der Mahnung zum Gehorsam gegenüber den Weisungen des Boten, die als Weisungen Gottes verstanden werden wollen. Es verbinden sich also die Zusage Gottes, dem von ihm erwählten Volk einen Lebensraum zu schenken – assoziiert mit dem theologisch aufgeladenen Begriff des von Gott erwählten Ortes – mit dem Aufruf zum Gehorsam, der durch die Gegenwart Gottes und seines heiligen Namens in der Gestalt des Boten.

Mit der Gestalt des den Weg bereitenden Boten verbindet sich in Mal 3,1 schließlich die Erwartung des Erscheinens Gottes in seinem Tempel. Was dort freilich vor dem Hintergrund der Auseinandersetzung um rechten Gottesdienst und Tempelkult reflektiert wird, stellt dennoch eine Schablone der Sendung des Täufers dar - in Mal 3,2f. mündet die Erwartung des Erscheinens JHWHs in Überlegungen darüber, dass damit der Tag des Gericht gekommen ist und führt zu der bangen Frage, wer diesen Tag des Gerichts und der Läuterung zu überstehen vermag. Es wird darin deutlich, dass der Botendienst Johannes des Täufers nicht einfach nur als Vorbereitung des Auftretens Jesu verstanden werden darf, sondern darin das Eigentümliche seiner Tätigkeit erweist.

Johannes trat in der Wüste auf, einem in der Geschichte Israels und der Theologie des Alten Testaments vielfältig theologisch vorgeprägten und mit hohem Sinn- bzw. Bedeutungsgehalt versehenen Ort, der jenseits des Jordans lag – in Bethanien wie das Johannesevangelium berichtet (Joh 1,28) – und der es erforderte, den Jordan zu überqueren, darin also an den Ort vor der Landnahme Israels zurückzukehren. Indem die Menschen zu Johannes hinausgingen, aus ihrem gewohnten Lebenskontext heraustraten, taten sie den ersten Schritt um sich auf die verheißene Zeit der besonderen Gegenwart Gottes einzulassen. Die Taufe des Johannes, die rasch zu seinem Charakteristikum wurde, bedeutete also zunächst die Reinigung als Vorbereitung auf diese erwartete und nun verkündigte Gottesgegenwart. Die Verkündigung des Täufers ist dabei indes von eschatologischer Dringlichkeit geprägt gewesen, d.h. sie hat die sich nahende Gottesherrschaft in ihrer ganzen Schärfe als Endzeit entfaltet.

Das Volk zog in Scharen zu ihm hinaus, um sich von ihm taufen zu lassen. Er sagte zu ihnen: Ihr Schlangenbrut, wer hat euch denn gelehrt, daß ihr dem kommenden Gericht entrinnen könnt? Bringt Früchte hervor, die eure Umkehr zeigen, und fangt nicht an zu sagen: Wir haben ja Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann aus diesen Steinen Kinder Abrahams machen. Schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt; jeder Baum, der keine gute Frucht hervorbringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen. Da fragten ihn die Leute: Was sollen wir also tun? Er antwortete ihnen: Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat, und wer zu essen hat, der handle ebenso. Es kamen auch Zöllner zu ihm, um sich taufen zu lassen, und fragten: Meister, was sollen wir tun? Er sagte zu ihnen: Verlangt nicht mehr, als festgesetzt ist. Auch Soldaten fragten ihn: Was sollen denn wir tun? Und er sagte zu ihnen: Mißhandelt niemand, erpreßt niemand, begnügt euch mit eurem Sold! (Lk 3,7-14)

Die Erinnerung daran hat sich auch den Evangelien erhalten, vornehmlich dort, wo die Spruchquelle (Q) charakteristische Elemente der Predigt Johannes des Täufers überliefert. In drastischer Form erteilte er jeder falschen Heilsgewissheit eine Absage und forderte die Menschen auf, Frucht zu bringen, d.h. in ihrem Leben den als lebensförderlich verstandenen Geboten Gottes zu entsprechen (Lk 3,7-9). Johannes war also vor allem Verkünder der Gegenwart Gottes und mahnte zu Umkehr und Buße (vgl. Lk 3,18). Was sich inhaltlich genau mit der Johannestaufe verband, ist schwer auszumachen – sicher ist, dass sie der Reinigung und der Läuterung diente und als solche Ausdruck der Umkehr nach Außen und sinnenfällige Verdeutlichung nach Innen war (Mk 1,5) – in welcher Form Johannes damit die Zusage der Sündenvergebung verband, muss indes offenbleiben (vgl. Mk 1,4). Entscheidend ist, dass mit der Gegenwart Gottes das Ende der Halbheiten verbunden ist – wenn Gott sich offenbart, so ließe sich sagen, gibt es keine Kompromisse.

Der Hintergrund der Überlieferung über Johannes den Täufer, die alttestamentlichen Traditionen, die in dieser reflektiert werden und die Verheißungen der Propheten, die als in der Gestalt des Täufers (zur Vorbereitung der Sendung Jesu) erfüllt verstanden und geglaubt wurden, beziehen sich dabei zunächst auf den Gott, den Israel glaubt und bekennt und der sich als solcher gerade als der Eine darstellt. Es gehört zu den Besonderheiten der Entstehung des Neuen Testaments, dass im Rahmen der theologischen Entwicklung Jesus nicht nur als Verkünder des Gottesreiches verstanden wurde, sondern infolge der Erfahrung seiner Auferstehung – als der Bestätigung seiner Sendung – schließlich in seiner Göttlichkeit als der Sohn Gottes bekannt wurde. Darin liegt das Bindeglied vor, dass die Übertragung der Erwartung der Gegenwart Gottes auf die Ankunft Jesu und den Beginn seiner Sendung erklärt.

Angesichts der Gestalt Johannes des Täufers ließe sich also die anfängliche Frage wiederholen, wie wir es mit dem Advent halten. Wenn wir dem Täufer in seiner Radikalität folgen wollten, müssten wir uns dem allgemeinen Weihnachtstrubel, dem oft beschworenen und noch öfter beklagten Konsumzwang als Folge der Ökonomisierung von Weihnachten zur Gänze verweigern und zurückkehren zur Adventszeit als einer Zeit der Ruhe, der Sammlung – auch des Fastens, der geistigen wie körperlichen Vorbereitung darauf, dass wir im Christfest die Ankunft des Herrn, der Gegenwart Gottes in dieser Welt feiern.

Doch vielleicht müssen wir gar nicht so weit gehen. Wäre nicht schon viel gewonnen, wenn wir uns immer wieder daran erinnern ließen, dass Advent mehr ist als das Suchen nach Geschenken, das Backen von Plätzchen und das Schmücken von Wohnung, Haus und Vorgarten? Was wäre, wenn wir neben dem, was wir für uns persönlich mit der Vorweihnachtszeit verbinden, uns darauf einlassen, dass es auch "den anderen Advent" gibt – indem Gott uns anspricht, durch die Worte der Propheten, die uns mahnen, Gottes Wort zu hören und seinen Geboten zu folgen, und die uns bestärken, im Vertrauen auf Gott und seinen Segen dies zu können. Die Propheten, die uns zurufen, dass Gott nah ist, dass er uns nahekommen will – in seiner Größe und Herrlichkeit. Und wenn wir uns von da aus auf das Wunder seiner Ankunft einlassen – ganz anders als man es erwartet hätte: in Niedrigkeit und wahrer Menschlichkeit - so, wie Lukas es uns berichtet – im Stall von Bethlehem – oder vielleicht auch ganz anders.

Vorschläge für eine Bibelarbeit

1. Singen des Liedes "Wie soll ich dich empfangen" (EG 11) und anschließendes Besprechen des Liedtextes

2. Anschließendes Gespräch unter der Fragestellung "Wie gestalte ich meine eigene Adventszeit"

3. Singen des Liedes "Mit Ernst, o Menschenkinder" (GL 113)

4. Weitere Gesprächsrunde unter der Fragestellung "Wo können wir die Stimme des Rufers in der Wüste hören"

5. Abschluss mit dem Lied "Die Nacht ist vorgedrungen" (GL 111)

Buchhinweise

J. Ernst, Johannes der Täufer. Der Lehrer Jesu?, Freiburg / Br. 1994

U. B. Müller, Johannes der Täufer. Jüdischer Prophet und Wegbereiter Jesu, Leipzig 2002

H. Stegemann, Die Essener, Qumran, Johannes der Täufer und Jesus, Freiburg / Br. 2007

Zum Herunterladen:

  1. Leitet Herunterladen der Datei einBibelarbeit zu Markus 1,2-5 und Lukas 3,7-14

Mehr Informationen im Internet:

  1. Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.kirchensite.de/bibelarbeiten

Text: Martin Söffing, Gastautor, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Neues Testament und Judentumskunde, Evangelisch-Theologische Fakultät Ruhr-Universität Bochum in Kooperation mit Katholisches Bibelwerk im Bistum Münster (Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.bibelwerk.de) und kirchensite.de - online mit dem Bistum Münster (Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.kirchensite.de) | Foto: Archiv
18.12.2009

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