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Seite: Fragen + Glauben
25.05.2012
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Dienerinnen des Evangeliums in Münster.

Gemeinsames Gebet in der Kapelle der Altbauwohnung.

Dienerinnen des Evangeliums in Münster

Zur geschwisterlichen Liebe verpflichtet

Münster. Der Kontrast könnte größer kaum sein. Unten auf der Einkaufsstraße befinden sich die Menschen im vorweihnachtlichen Trubel. Drei Stockwerke über dem Pflaster der Ludgeristraße ist das Leben bedeutend ruhiger und entspannter. In einer hellen Altbauwohnung leben vier Frauen, die sich einem geweihten Leben in der katholischen Gemeinschaft der "Dienerinnen und Diener des Evangeliums von der Barmherzigkeit Gottes" verschrieben haben. Ein Leben für Gott und die Menschen – mitten unter ihnen.

"Ich habe hier eine tiefe Spiritualität gefunden", sagt Schwester Christa Wanning und lächelt. Durch die Menschwerdung Gottes in Christus teile er mit uns das Leben und leide auch mit uns, sagt sie: "Dabei bleibt er aber nicht stehen, sondern zeigt seine Liebe heute weiterhin auch durch uns Schwestern". Zusammen mit ihrer Mitschwester Nicola Reers leben sie dieses unter anderem in der Schulseelsorge am Overbergkolleg. Mit den Schwestern Annette Wolf und Fatima Ribeiro, die beide Theologie studieren, ist die ungewöhnliche Wohngemeinschaft komplett.

Die Kapelle in einem hinteren Raum der Wohnung ist im warmem Gelb gehalten: ein schlichter Tabernakel, eingelassen in einen Baumstamm, umrahmt von einer Marienikone und Christus am Kreuz. Der Betende auf dem Boden ist gefesselt vom Blick des Gekreuzigten. Güte und Wohlwollen strahlen seine Augen aus, Wachsamkeit und Aufmerksamkeit. Ähnlich einem Ordensleben beginnt auch bei den Schwestern an der Ludgeristraße der Tag mit dem gemeinsamen Gebet der Laudes, einem kurzen geistlichen Impuls und dem anschließenden persönlichen Gebet.

Gemütliche Runde im Aufenthaltsraum (v.l.): Schwester Annette, Schwester Nicola, Schwester Christa, Schwester Fátima.

Die "Anliegenkerze"

Mit dabei ist immer die "Anliegenkerze", wie die Schwestern das Licht nennen, das während des Gebetes brennt. Wie die heilige Therese von Lisieux wollen auch die Frauen in Münster "für andere vor Gott sein", wie Schwester Nicola es beschreibt. Jeden Tag sind so konkrete Anliegen Inhalt des Fürbittgebets. Keine Frage also, dass die vier Schwestern nicht lange zögerten, die Klosterfürbitte auf "kirchensite.de" im Dezember zu übernehmen. "Mit dem, was wir leben und was wir vom anderen wissen, vertrauen wir uns Gott an", führt Schwester Nicola aus. Man müsse sich ihm überlassen, denn nur er vermöge die Menschen zur Liebe zu befähigen und sie zum wahren Heil und zum Glück zu führen.

Ganz nah bei den Menschen sind die Schwestern zudem bei den Einkehrtagen, bei der geistlichen Begleitung und der sogenannten "Revision de vie", der Betrachtung des eigenen Lebens aus dem Blickwinkel Gottes, die sie den Menschen anbieten. Die Angebote der Schwestern für Freunde und Interessierte sind vielfältig. Neben einem monatlichen Einkehrtag und der Eucharistiefeier bieten sie auch ein "studentisches Abendgebet" an. Oft sitzt man danach zusammen in der Küche.

Viel Licht, viel Atmosphäre: die Kapelle der Gemeinschaft.

Den Menschen nahe sein

Im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils in den 1960er Jahren und einer darauf folgenden Welle der geistlichen Erneuerungen der Kirche entstand eine Vielzahl so genannter Neuer Geistlicher Gemeinschaften wie die der Diener des Evangeliums. Ihr Ziel war und ist es, den Menschen nah zu sein und ihnen das Evangelium zu vermitteln. Sie verstehen sich im Dienst, in dem jeder Christ, egal ob als Laie oder im geweihten Leben, seine Berufung entfalten kann.

Neben 130 Frauen und Männern, die weltweit auf allen Kontinenten ein geweihtes, zölibatäres Leben führen, wissen sich auch zahlreiche Familien, Alleinstehende und Priester der Gemeinschaft der Diener des Evangeliums im Geiste zugehörig. 2002 wurde die Gemeinschaft nach längerer spiritueller Vorlaufzeit kirchenrechtlich anerkannt. Zwar tragen die geweihten Frauen und Männer keinen Habit, dennoch verpflichten sie sich genau wie Ordensleute zu den evangelischen Räten der Keuschheit, Armut und des Gehorsams, zusätzlich jedoch auch zur geschwisterlichen Liebe untereinander.

Im zweijährigen Ausbildungskurs der Diener des Evangeliums, das dem Noviziat entspricht, zeigt sich die internationale Ausrichtung der Gemeinschaft. Die neuen Schwestern und Brüder werden in Argentinien ausgebildet und legen in der Regel im Anschluss an die zeitlichen Gelübden nach sieben Jahren ihre ewigen Gelübde ab.

Mehr zum Thema im Internet:

  1. Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.dienerdesevangeliums.de

Kontakt:

Dienerinnen des Evangeliums
Ludgeristr. 72
48143 Münster
Tel: 0251 / 5308842

Text: Juliane Plöger | Fotos: Juliane Plöger
01.12.2009

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