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Seite: Fragen + Glauben
11.02.2012
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Hausgemeinschaft.

Die Hausgemeinschaft tauscht sich an einem gemeinsamen Wochenende über Priesterbilder und Zukunftsperspektiven aus.

Bischöfliches Priesterseminar

Collegium Borromaeum: Lernort des Gebets

Münster. Markus Reuther hat einen anstrengenden Tag hinter sich. Nur unterbrochen von den Essens- und Gebetszeiten hat er den ganzen Tag an seiner Diplomarbeit geschrieben. Jetzt sitzt er in der Kapelle des Priesterseminars und betet mit den anderen Seminaristen die Komplet, das traditionelle Abendgebet der Kirche. In einem Moment der Stille schaut er auf den Tag zurück, bringt die Menschen, denen er begegnet ist, ins Gebet – sein Bemühen und Scheitern: Bin ich allen gerecht geworden? Habe ich heute ernsthaft versucht mit Gott zu leben? Mit den Mitbrüdern spricht er anschließend das Schuldbekenntnis.

Für Reuther, der seit fünf Jahren im Seminar lebt und im zehnten Semester und damit vor dem Abschluss des Theologiestudiums steht, spielt das Gebet in der Hausgemeinschaft eine zentrale Rolle: "Es ist Ausdruck dafür, dass Nachfolge auf Gemeinschaft angelegt ist und in ihr geschieht". "Wir stellen uns gemeinsam vor Gott", beschreibt er, was das gemeinschaftliche Beten für ihn bedeutet. Einmal in der Woche betet die Hausgemeinschaft des bischöflichen Priesterseminars Borromaeum in Münster die Komplet gemeinsam, zuvor hält die Kommunität eine Stunde Anbetung. An den übrigen Abenden betet der 26-jährige Student vom Niederrhein für sich oder spontan mit einigen Mitbrüdern.

Tagesabschluss: Markus Reuther (li.) und René Höfer beten die Komplet mit der Hausgemeinschaft.

Gebet als "Heiligung der Zeit"

Mindestens an drei festen Zeiten gibt es für die Seminaristen täglich die Möglichkeit zum gemeinsamen Gebet: Morgens zur Laudes, mittags zu Sext und am frühen Abend zur Vesper. Dazu kommt die tägliche Feier der Eucharistie in der Kommunität. "Heiligung der Zeit" nennt Dr. Michael Höffner die festen Gebetszeiten. Er ist seit 2006 Spiritual des Borromaeums und damit verantwortlich für die geistliche Begleitung und Ausbildung der Seminaristen sowie für die Liturgie im Haus.

Sie geben dem Tag einen geistlichen Rahmen, der einen "lebendigen Rhythmus von Gottesbeziehung und Alltag" ermögliche, verdeutlicht der Priester, wie das Gebet das Bewusstsein für ein Leben mit Gott schärfen kann. Vor allem in einem Haus, wo junge Männer zusammenleben, die sich die Frage nach ihrem Weg mit Gott stellen und dabei eine mögliche Berufung zum Priestertum prüfen: "Die Entscheidung zum Priestersein hängt an dem seidenen Faden der Gottesbeziehung." Und für diese müsse ein gewisses Maß an Zeit freigehalten werden, weiß Höffner, der vor seiner Ernennung zum Spiritual bereits fünf Jahre als Subregens im Seminar tätig war, aus seinem eigenen Weg und seiner langjährigen Erfahrung mit der Arbeit in der Priesterausbildung. Er wisse aber auch, dass dieses Maß an Zeit ein Ringen bleibt und dass es dafür "immer wieder der Erinnerung bedarf".

Neben Reuther sitzt an diesem Abend René Höfer. Höfer ist 30 Jahre alt und lebt erst seit einigen Wochen im Seminar. Nach der mehrjährigen Arbeit im Rettungsdienst und einem abgeschlossenen Lehramststudium hat er sich entschlossen, einen neuen Schritt zu wagen und die Frage nach dem Priestersein auszutesten. Auch Höfer schaut in der Kapelle auf einen anstrengenden Tag mit viel Zeit der inneren Auseinandersetzung zurück. Auch er sucht neben dem persönlichen Beten immer wieder das gemeinsame Gebet. Gerade in dem Ringen um das Gebet erfahre er die Gemeinschaft als sehr heilsam: "Es gibt Tage, an denen ich wortlos bin und an denen ich mich in der Gemeinschaft fallen lassen kann, weil sie mich durchträgt und weil sie die Worte findet, die mir fehlen.

Markus Reuther beim persönlichen Gebet in der Kapelle des Priesterseminars.

Hinhören auf Antworten Gottes

Bis in seine Kindheit zurück sieht Höfer einen "roten Faden" in seinem Leben, der bis zu der Entscheidung für das Priesterseminar geführt hat. Schon immer habe er eine intensive und persönliche Beziehung zu Gott gehabt. Nach einer langen Phase, in der Gott keine bedeutende Rolle für sein Leben mehr spielte, entdeckte er ein weggeworfenes Buch über das Gebet, das ihm einen neuen Zugang zu Gott eröffnet habe. 2002 konvertierte der frühere Protestant zum katholischen Glauben, in dem das Gebet für ihn tragend blieb: "Ich versuche mein ganzes Leben ins Gebet zu bringen in der Hoffnung darauf, in dem, was in mir widerklingt, die Antworten auf meine Fragen zu finden."

Reuther, der im Frühjahr des kommenden Jahres das Seminar verlässt und in das Gemeindejahr geht, hat auf seinem Weg eine ähnliche Erfahrung gemacht: "Ich habe gelernt, mich Gott ganz auszuliefern, mich ganz annehmen lassen zu dürfen." Er sei als "Kopfmensch" ins Seminar gekommen, mit klaren Vorstellungen von Kirche, Studium und Priesterberuf. Durch das persönliche und gemeinsame Gebet und den ehrlichen Austausch mit Mitbrüdern sei die Nachfolge für ihn mit der Zeit aber immer mehr zur "Leidenschaft und Herzensangelegenheit" geworden, schaut er dankbar auf seine Zeit im Priesterseminar zurück.

So ist das Seminar auch ein Lernort des Betens für die momentan 38 jungen Männer im Borromaeum; ein Ort, wo die Studenten wie Reuther und Höfer durch das Gebet immer tiefer Gottes Spuren in ihrem Leben deuten und sich gegenseitig darin tragen lernen. Immer wieder geht man nach dem gemeinsamen Gebet auseinander – jeder in seinen Alltag; jeder an dem Punkt, an dem er in seiner Suche nach Gottes Willen für sein Leben steht. Und kommt wieder zusammen, bekennt voreinander seine Schwäche, bringt gemeinsam die Anliegen der Kirche und der Welt vor Gott und betet mit- und füreinander in dem gemeinsamen Suchen nach den Antworten Gottes auf die Fragen jedes einzelnen

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Kontakt:

Bischöfliches Priesterseminar Borromaeum
Domplatz 8
48143 Münster
Tel: 0251 / 41890

Text: Michael Berentzen | Fotos: Michael Diek
02.11.2009 / Juni 2010

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