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Seite: Fragen + Glauben
25.05.2012
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Klosterfürbitte.

Die Marienfigur stammt noch aus dem ersten Haus des Ordens in Coesfeld. Heute hat sie einen Platz im Garten des Klosters Annenthal gefunden.

Schwestern Unserer Lieben Frau

Gebet strukturiert den Tag

Coesfeld. Wenn Schwester Anntraud von der 72-Stunden-Aktion, vom Besuch der Messdiener der Pfarrgemeinde St. Lamberti erzählt, dann umspielt ein Lächeln ihre Lippen. 30 Kinder und Jugendliche organisierten Ende Mai eine Wallfahrt für die älteren Schwestern.

"Am Samstag rollte ein Bus an und brachte 35 Mitschwestern, auch einige, die auf Rollator oder Rollstuhl angewiesen sind, nach Telgte", berichtet die Hausoberin des Klosters Annenthal in Coesfeld. "Und als sie abends zurückkamen, da sagten die Eltern: Was sehen die alle glücklich aus." Eine Kerze mit den Symbolen des Ordens, der Messdienergemeinschaft und der 72-Stunden-Aktion erinnert die Schwestern täglich an die Tage mit den Kindern und Jugendlichen. Jeden Abend brennt sie in der hauseigenen Kapelle.

Kindern und Jugendlichen zugetan

Kindern und Jugendlichen sind alle Schwestern im Kloster Annenthal in Coesfeld besonders zugetan. Schließlich haben viele von ihnen lange in einer der ordenseigenen Schulen gearbeitet, als Lehrerinnen, in der Verwaltung oder in der Bücherei. Bildung und Erziehung, das waren die Hauptanliegen der Ordensgründerinnen - und diese Kernaufgabe ist bis heute erhalten geblieben.

Auch in Coesfeld unterhalten die "Schwestern Unserer Lieben Frau" enge Bande zum Bildungsbereich. Bis 2000 hatte der Orden die Trägerschaft der Liebfrauenschule, eines Berufskollegs, inne. Dann gab er diese Aufgabe ans Bistum abgegeben. Es fehlte der Nachwuchs, um die Unterhaltung der Schule weiter stemmen zu können. Präsent sind die Ordensschwestern im Coesfelder Leben dennoch, zum Beispiel im Kindergarten, als Pastoralreferentin, im Krankenhaus oder der ambulanten Krankenpflege.

Weltweit 2.300 Mitglieder

85 Schwestern, die Jüngste 35, die Älteste 99, leben gemeinsam im Kloster Annenthal am Rand der Kreisstadt. Coesfeld ist nicht nur Provinzialat für die gesamtdeutsche Provinz, sondern gleichzeitig auch Keimzelle des Ordens. Hier gründeten die Lehrerinnen Hilligonde Wolbring und Elisabeth Kühling 1850 die deutsche Kongregation der Schwestern Unserer Lieben Frau. In Zeiten des Kulturkampfes siedelten viele Schwestern in die USA über.

Heute gibt es Niederlassungen in England, Italien, den Niederlanden, den USA, Brasilien, Indien, Kenia, Mosambik, Südkorea, Uganda, Tansania, Papua Neuguinea, Indonesien und den Philippinen. Weltweit hat die Kongregation der Schwestern Unserer Lieben Frau von Coesfeld rund knapp 2.300 Mitglieder, in Deutschland sind es 380.

Coesfelder Kreuz als Verbindung

Wenn Schwestern in Europa zu Gast sind und zum Beispiel das Generalat in Rom besuchen, dann schauen viele von ihnen auch in Coesfeld vorbei. Gerade erst waren acht Schwestern aus den USA zu Gast. Sie haben im Kloster Annenthal von ihrem Leben und Arbeiten erzählt, gleichzeitig haben sie aber auch das Gebet vor dem Coesfelder Kreuz in der Lambertikirche gesucht.

Miniaturen sind auch an ihren Einsatzorten eine feste Verbindung zum Gründungsort ihres Ordens. "Sie sind mittlerweile recht schwer zu bekommen, aber vor einigen Jahren haben wir einmal alle Bestände in Kevelaer und Gerleve aufgekauft", berichtet Schwester Anntraud.

Jedesmal eine Überraschung…

Vom Kloster, am Stadtrand von Coesfeld idyllisch im Grünen gelegen, führen Wirtschaftswege direkt zum Kloster Gerleve, der Benediktinerabtei an der Grenze zu Billerbeck. Jeden Morgen holen die Schwester einen Pater von dort zu den Laudes (dem kirchlichen Morgengebet) und zum anschließenden Gottesdienst. "Wer kommt, das ist jedesmal eine Überraschung - und das bringt auch Abwechslung in die Gestaltung der Gottesdienste", erklärt Schwester Anneliese, die als Provinzoberin für die Verwaltung und Leitung der deutschen Ordensprovinz zuständig ist.

Morgens, am späten Nachmittag zur Vesper und zu den Anbetungsstunden versammeln sich die Schwestern zum Gebet in der Hauskapelle. Die Gottesdienste werden in die Krankenzimmer übertragen, so dass auch die pflegebedürftigen Mitschwestern teilhaben können. "Das gemeinsame Gebet, in dem man fürbittend auch für andere eintreten kann, strukturiert den Tag", betont Schwester Anneliese.

Bitten der "kirchensite.de"-Nutzer

Ständig liegt in der Kapelle ein Buch mit persönlichen Fürbitten aus. Dort trägt Schwester Anntraud auch regelmäßig die Anliegen von Menschen ein, die anrufen oder schreiben, weil sie um das Gebet der Schwestern bitten möchten. In diesem Buch werden auch die Bitten der "kirchensite.de"-Nutzer ihren Platz finden.

Durch die großen Fenster des Besuchsraums fällt der Blick auf Schwester Thekla, die Schwester Coronata im Rollstuhl durch den Park schiebt. "Hier bringt sich jede so ein, wie sie es noch leisten kann", sagt Schwester Anneliese. Das gilt auch bei den Arbeiten, die in der Wäscherei oder in der Küche anfallen. "Da gibt es Schwestern, die falten stapelweise Taschentücher auf", berichtet Schwester Anneliese. Und das gilt auch im täglichen Miteinander. Wer noch gute Augen hat, der liest einer Mitschwester die Zeitung vor. Es tut gut, noch gebraucht zu werden.

Neue Präsenz im Schulalltag

In den Sommerferien wechselt eine Mitschwester aus Vechta in das Kloster Annenthal. Sie ist Lehrerin für Mathematik, Chemie und Religion und wird zum neuen Schuljahr das Kollegium der Liebfrauenschule verstärken. Dann ist der Orden wieder präsent im Schulalltag - so wie es auch das Anliegen der Coesfelder Gründerinnen war. 

Kontakt:

Schwestern Unserer Lieben Frau
Kloster Annenthal
Gerlever Weg 33
48653 Coesfeld

Text: Andrea Hertleif | Foto: Andrea Hertleif
01.07.2009

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