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Seite: Fragen + Glauben
25.05.2012
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Beten

Das Vaterunser als Hauptgebet der Christen ist ein Bittgebet.

Geistlicher Impuls:

Not lehrt Beten

"Not lehrt Beten", so sagt ein geflügeltes Wort. Ich selber bin noch ein Kind der Nachkriegszeit, aufgewachsen in einer Gesellschaft, in der viele den Vater, den Bruder im Krieg verloren hatten. Die so genannte Schulspeisung, finanziert von den Amerikanern, tat gut. Später dann konnte mir meine Mutter oft nur ein Stück Brot mit Margarine mitgeben. Jahrelang ging ich zur Schule durch eine zerbombte Stadt, man begann überall bei Null. Und in der Kirche, besonders bei Gottesdiensten an Wallfahrtsorten, bestätigte sich das Wort: "Not lehrt Beten". Herausragend viele Menschen beteten, dass Gott sie herausführen möge aus ihrer körperlichen, wirtschaftlichen und seelischen Not. Viele beteten darum, dass der vermisste Vater, Onkel, Freund doch noch heimkommen würde. Nicht nur Christen rufen zu Gott, er möge eingreifen und ihnen in ihren verschiedenen Notsituationen helfen.

Das sind Erfahrungen, die uns schon von den Menschen in der Bibel überliefert sind: In der Not beten sie zu Gott. Es ist kein Zufall, dass das Vaterunser als Hauptgebet der Christen, hauptsächlich aus Bitten besteht. Es ist ein Bittgebet. Und warum soll man nicht zu Gott beten, wenn zum Beispiel ein naher Angehöriger schwer krank in der Klinik liegt?

Vertrauen auf Gott

Dennoch: Jesus warnt und tadelt das in den Worten des Johannesevangeliums. Das Evangelium erzählt von der Brotvermehrung, die Jesus gewirkt hat, danach entzieht er sich den Augen der Menschen. Sie suchen ihn dringend. Das wäre doch toll, denken sie, jemanden zu haben, der sich um das tägliche Essen kümmert, der einem sozusagen den täglichen Tisch deckt. Nachdem sie Jesus gefunden haben, sagt er zu ihnen: "Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von dem Brot gegessen habt und satt geworden seid. Müht euch nicht ab für die Speise, die verdirbt, sondern für die Speise, die für das ewige Leben bleibt." Damit will Jesus sagen: Zuerst einmal solltet ihr bei aller Not vertrauensvoll an Gott glauben, der alles zum Guten wenden kann. Ein altes Kirchenlied bringt diese Grundhaltung auf den Punkt: Da heißt es: "Er ist Vater, der uns liebt, wenn er nimmt und wenn er gibt."

Aber wenn wir zum Beispiel in kriegerischen Auseinandersetzungen sagen, Gott nimmt, dann sollten wir nicht vergessen, dass es die Menschen selber sind, die sich und andere in Hungersnot stürzen. In einem Krieg möchte jede Seite die andere letztlich aushungern, bis sie sich bedingungslos unterwirft. Oder denken Sie an afrikanische Länder. Dort führen vor allem die landwirtschaftlichen Strukturen zu geringen Erträgen. Da sind wir nun gerufen, schnell und effektiv zu helfen, so wie uns andere Völker in der Nachkriegszeit geholfen haben.

Helfen

Es ist ein offenes Geheimnis, dass Menschen in unserer Nähe große Not haben, ihre Familie regelmäßig zu ernähren. In vielen Städten gibt es die sogenannte "Tafel", die wir unterstützen sollten.

Vielleicht aber denken wir an die Millionen jener Menschen in Afrika, die täglich massiv vom Hungertod bedrängt sind. Besonders Kinder sind betroffen. Durch unsere materielle Hilfe können wir Leben retten, vor allem Kinder. Keine Frage: Afrika ist in besonderer Weise der Prüfstein christlicher Nächstenliebe im 21. Jahrhundert. Ob es nun dort die Menschen sind, die an Gott als den Vater Jesu Christi glauben, oder ob sie als Muslime ihren Gott unter dem Namen Allah anrufen. Sie mögen erkennen, dass es schon Sinn macht und Hilfe bringt, sich an Gott zu wenden. Denn: "Not lehrt beten."

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