
Das Kreuzmonument am münsterschen St.-Paulus-Dom zeigt unter anderem Kardinal von Galen.
Geistlicher Impuls
In seinem Kern herausfordernd
Ostern ist nicht irgendein Frühlingsfest, es ist das Fundament des christlichen Glaubens. Die entscheidende Frage heißt: Ist Jesus von den Toten auferstanden oder nicht. Ein altes Gebet bezieht sich auf die Zeugnisse der Auferstehung und bekennt: "Durch Deine Auferstehung kam Freude in die ganze Welt." Bei aller Freude über die Auferstehung Jesu werden aber nie seine Verfolgung, sein Leiden und seine Passion ausgeblendet. Der auferstandene Christus ist ohne den gekreuzigten Jesus nicht zu haben. Das verursacht bei so manchem ungute Gefühle.
Nun geht es beim christlichen Glauben aber nicht darum, dass man sich wohlfühlt. Wer auf dem Boden des Evangeliums stehen möchte, der wird trotz der Osterbotschaft – oder gerade wegen ihr! – oft spüren, dass er Widerspruch erregt. In einer traditionell katholischen Gegend wie dem Münsterland ist der Widerspruch vielleicht eher zurückhaltend und sparsam, aber auch hier sagen die Jugendlichen bei Umfragen mehrheitlich, dass sie mit Jesus von Nazareth nichts anfangen können. Jene unter ihnen werden aus eigenen Kreisen oder sogar von der Familie gehänselt, wenn sie am Sonntagmorgen nicht nur zum Sport, sondern auch noch in die Kirche wollen.
Aber es gibt auch Beispiele aus Münster, die belegen, dass junge Menschen um ihres Glaubens willen angegriffen wurden. Ich hatte in den letzten Monaten viele Dokumente aus dem Umfeld des großen Bischofs und späteren Kardinals Clemens August von Galen in der Hand. Da gibt es bewegende Zeugnisse, wie Jugendliche bei der Fronleichnamsprozession angegriffen und geschlagen wurden. Älteren Menschen, die ein Gebetbuch in der Hand hielten, wurde dies von den Nazis "Braunen" unter lautem Gelächter entrissen und in den Straßengraben geworfen. Galen selbst, der so genannte "Löwe von Münster", musste täglich um sein Leben fürchten. Ihm war auch zu Ohren gekommen, dass die Regierung daran dachte, ihn nach dem Gott sei Dank nicht erreichten "Endsieg" hinzurichten. Es ist bekannt, dass man ihn vorher schon in einer bestimmten Nacht aus dem Bischofshaus abholen wollte. Das aber hatten Männer aus der katholischen Kolpingsfamilie mitbekommen und bildeten selbst einen Schutzwall um das Haus des Bischofs.
Noch näher ist uns die Zeit der Roten Diktatur in der DDR. Ich kenne mehrere Familien mit sehr begabten Kindern, die nicht zum Studium zugelassen wurden, weil ihre Eltern sie nicht zur Jugendweihe angemeldet hatten.
Das Christentum ist in seinem Kern herausfordernd, ja explosiv. Wir müssen uns in unserem ganzen Leben darauf gefasst machen wegen unseres Glaubens angegriffen und verspottet zu werden. Das Wort aus dem Evangelium trifft für alle Zeiten zu: "Der Jünger ist nicht größer als der Meister." und "Haben sie mich verfolgt, werden sie auch Euch verfolgen." Das ist eine Perspektive, die uns über Ostern hinaus erhalten bleiben muss, sonst haben wir eigentlich Ostern gar nicht verstanden.
In manchen Ländern muss man als Christ sogar um sein Leben fürchten. dass dort Christen gekreuzigt wurden. In Ländern, in denen der Islam die Gesellschaft bestimmt, konnte und kann es schon einmal vorkommen, dass Kirchen in Brand gesetzt und Christen geschlagen und getötet werden. Das liegt natürlich im Kern nicht am Wesen der muslimischen Religion, die ja eigentlich eine Religion der Friedfertigkeit sein will. Aber wenn Religion sich mit staatlicher Macht verbindet, dann kann es zu solchen Ausschreitungen kommen. Es ist unsere Aufgabe und die Aufgabe künftiger Generationen, einen vernünftigen Weg zueinander zu finden.
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Text: Harald Wagner | Foto: Norbert Göckener
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