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Seite: Fragen + Glauben
23.08.2017
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Maria

Maria stimmt mit dem Magnifikat ein Dank- und Loblied an.

Bibelarbeit zum Magnifikat - Lukas 1, 46-55:

"Meine Seele preist die Größe des Herrn"

Wer hätte sie nicht noch im Ohr: all die lebenslustigen Fan-Gesänge, die sich während der Fußballweltmeisterschaft, jenem legendären "Sommermärchen", über die Straßen und Plätze unseres Landes ausbreiteten?

Oder die zuversichtlichen Lieder so vieler Jugendlicher, die sich aus Anlass des Weltjugendtreffens auf den Weg nach Sydney in Australien machten, um dort ihren Glauben zu bekennen und zugleich miteinander zu teilen?

Lieder sind Ausdruck der Innerlichkeit. Sie lassen erkennen, was unser Herz und unsere Seele erfüllt, sie transportieren, was uns bewegt: Jubel und Freude, Traurigkeit und Schmerz. Der Weg vom Lied zum Gebet ist nicht weit. Im Gegenteil! Der hl. Augustinus kann sogar sagen: "Wer liebt, singt" und "wer singt, betet doppelt".

Der Evangelist Lukas bewahrt einen Gesang von bleibender Schönheit auf. Lk 1, 46-55 erzählt das Lied, das Maria aus Nazareth anstimmte, nachdem ihr die unermesslich große Erwählung zuteil wurde, Mutter Jesu, des Sohnes Gottes, werden und sein zu dürfen.

Der Text

46: Und Maria sprach:
"Meine Seele erhebt den Herrn,
47: und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter,
48: denn er hat sich der Niedrigkeit seiner Magd angenommen.
Siehe, von nun an werden mich alle Geschlechter selig preisen,
49: weil der Mächtige Großes an mir getan hat
und sein Name heilig ist
50: und sein Erbarmen von Geschlecht zu Geschlecht waltet
über denen, die ihn fürchten.
51: Er hat mit seinem Arm machtvolle Taten vollbracht,
er hat zerstreut, die in ihren Herzensgedanken hochmütig sind.
52: Er hat Machthaber von ihren Thronen gestoßen
und Niedrige erhöht.
53: Hungernde hat er mit Gütern erfüllt
und Reiche leer weggeschickt.
54: Er hat sich Israels, seines Knechtes, angenommen,
eingedenk seines Erbarmens
55: - wie er zu unseren Vätern gesprochen hat,
zu Abraham und seinen Nachkommen in Ewigkeit."

Hintergründe:

Als Antwort auf die Seligpreisung Marias durch Elisabeth webt Lukas ein Loblied, das sogenannte "Magnifikat",  in den Fortgang seiner Erzählung ein. Ihm wird in Lk 1, 68-79 ein weiterer Gesang, das Benedictus des Zacharias, folgen. Beide Lieder  erklären sich vor dem Hintergrund israelitisch-jüdischer Psalmdichtung, die zur Entstehungszeit des Lukasevangeliums (ca. 90 n.Chr.) eine neue Blüte erlebte. Entgegen der exegetischen Debatte, ob das Magnifikat möglicherweise sogar frühjüdische Wurzeln hat, bleibt jedoch festzuhalten, dass es sich hierbei um einen eigenständigen christlichen Psalm handelt.

Mit den Versen 46 und 47 hebt das Danklied Mariens an. Es setzt – wie seine alttestamentlichen Vorbilder (1Sam 2,1-10; Ps 35,9; 75,2; Jes 61,10) -  im beschreibenden Stil ein und gibt damit das Thema vor: Es geht um den Lobpreis jenes Gottes Israels, der seine Herrschaft unter den Menschen errichtet. Die Ausdrücke "Seele" und "Geist" charakterisieren dabei die Beterin selbst. Auch das Alte Testament kennt solche Formen der Identifizierung (vgl. Hiob 12,10; Jes 26,9). "Seele" meint den Menschen in seiner Vitalität, "Geist" den Menschen in seinen Empfindungen.

Vers 48 begründet den Jubel: Gott ist ein Gott, der die Menschen liebt und seinen einzigen Sohn sendet, um die Welt zu retten (vgl. Joh 3,16). Im Zuge dieser Heilsdynamik gilt sein erwählender Ruf Maria, die sich in ihrem glaubend bejahenden Grundvertrauen hier wiederholt als "Magd" des Herrn bezeichnet (vgl. Lk 1,38). Weil aber mit dieser Erwählung das Geschehen der eschatologischen Zuwendung Gottes zu den Menschen in Jesus Christus seinen Lauf nimmt, wird der vermeintlich niedrigen, von Gott aber erhöhten Maria der Lobpreis aller Menschen zuteil. 

Die "großen Taten Gottes", von denen Vers 49 spricht, bleiben also auf die Magd des Herrn bezogen: "der Mächtige" – als den schon das Alte Testament in griechischer Sprache Gott zu bezeichnen wusste (vgl. Ps 23,8; 44,4; 119,4; Zeph 3,17 LXX) – hat unermesslich Großes an Maria Wirklichkeit werden lassen, die Bewahrheitung dessen nämlich, was ihr zuvor ein Engel Gottes ankündigte (Lk 1,31.35). Für Gott ist nichts unmöglich (Lk 1,37), sein Name ist heilig (vgl. Ps 33,21; 99,3; 103,1; 111,9; 145,21; Jes 57,15). Vielleicht klingt in diesem Vers auch Dtn 10,21 LXX an: "Er ist Dein Stolz, er ist Dein Gott, der unter Dir das Große getan hat."

Geradezu hymnisch feiert Vers 50 die Einzigartigkeit Gottes, dessen Macht sich an Maria erwiesen hat und dessen liebevolle Zuwendung all jene erfahren können, die sich ihm - wie die jubelnde Beterin - glaubend öffnen (vgl. Lk 11,28). Den alttestamentlichen Hintergrund des Verses bilden möglicherweise Ps 110,9 und Ps 147,11.

Auf das beschreibende folgt das berichtende Lob, das die Taten schildert, die Gottes Heiligkeit und seinem Erbarmen entspringen (W. Wiefel). Die Verse 53-56 sind dabei so geordnet, dass die Aussagen über das Ende der Hochmütigen (V51b), Mächtigen (V52a) und Reichen (V53b) diejenigen über die Schicksalswendung von Niedrigen (V52b) und Hungernden (V53a) rahmen.

Der "Arm" stellt – wie auch im Alten Testament – eine anthropomorphe Metapher der Wirkmächtigkeit Gottes dar (vgl. Ex 5,16; Dtn 4,34; Jes 40,10). Es geht um die Skizzierung jener Macht Gottes, die die Seinen zum Leben führt (vgl. Dtn 7,19).

Auf der anderen Seite stehen die, die Hochmut in ihrem Herzen tragen. Das Herz eines Menschen markiert in biblischer Perspektive das Zentrum der Person: Sitz der Affekte, Wohnung der guten wie der bösen Gedanken, Ursprung menschlicher Entschlüsse und Pläne.

Hochmut im Herzen tragen solche, die das Erbarmen Gottes mit den Kleinen und Niedrigen nicht ertragen und sich voll Übermut über sie erheben. Vers  51 lässt an Lk 14,11 denken, wo davon die Rede ist, dass Gott diejenigen erniedrigt, die sich selbst erhöhen, wie er umgekehrt diejenigen erhöht, die sich zu erniedrigen imstande sind. Gottes Erhöhung des Niedrigen, die sich in der Erwählung Mariens Ausdruck verleiht und im Leben, Sterben und Auferstehen Jesu machtvoll Bahn bricht (vgl. 1Kor 1,18ff.), korrespondiert beispielhaft mit dem Umsturz der Verhältnisse (V52.53). Gott ist Anwalt der Armen und Elenden (Ps 35,10). Die Verkündigung Jesu nimmt darum ganz besonders die Kleinen und Erniedrigten in den Blick (vgl. Lk 4,18). Es sei dahingestellt, ob hinsichtlich des politischen Umsturzes, der sich hier andeutet, auch an Herodes gedacht sein mag, den Lukas im Zusammenhang der Geburtserzählung Jesu erwähnt (Lk 1,5) und dessen grausames Ende Flavius Josephus (Ant XVII) festhält (so W. Eckey).

Im Zuge der Dynamik der Zuwendung Gottes zu den Menschen steht auch die Annahme des Knechtes Israel, von der Vers 54 erzählt. Gemeint ist das durch Maria, der Magd, repräsentierte Volk Gottes, das sich durch wahren Glauben (Lk 1,45) und Gottesfurcht (Lk 1,50) auszeichnet und das sowohl in der Sendung als auch in Kreuz und Auferweckung Jesu die Verheißungstreue Gottes erfahren darf. "Knecht Gottes" ist ein Ehrentitel dieses Volkes. Im Hintergrund steht die Erwählungs- und Heilszusage aus Jes 41, 8-9. Gottes Liebe währt für alle Zeit. Nicht zuletzt deshalb steht die Ewigkeitsformel wie ein großer umfassender und zugleich alles bestätigender Schlussakkord am Ende dieses Liedes.

Anregung für eine Bibelarbeit

Ankommen
GL 261 "Den Herren will ich loben"

Lesen
Lk 1, 46-55

Besprechen
- Welche Aussagen des Textes sprechen Sie besonders an? Weshalb?
- Wo machen Sie ein Fragezeichen? Weshalb?
- Wo erkennen Sie im Lied Mariens das Handeln Gottes im Leben, Sterben und Auferstehen Jesu wieder?
- Was bedeutet es, dass Gott seine rettende Herrschaft hinaufführt? Welche Fragen haben Sie?

Vertiefen
- Welche Bedeutung spielt Maria für Ihren Glauben? Welche Züge ziehen Sie an? Wo haben Sie Schwierigkeiten?
- Welche anderen Vorbilder im Glauben haben Sie? Welche Bedeutung spielt für die das Wort Gottes?

Beten
Das Magnifikat (Lk 1,46-55) GL 689.

Buchhinweis

W. Eckey, Das Lukas-Evangelium, Neukirchen-Vluyn 2004

W. Wiefel, Das Evangelium nach Lukas, Berlin 1988

Zum Herunterladen:

  1. Leitet Herunterladen der Datei einBibelarbeit im Mai: "Meine Seele preist die Größe des Herrn" – Das Magnifikat

Mehr Informationen im Internet:

  1. Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.kirchensite.de/bibelarbeiten

Text: Wiss. Mitarbeiter Dr. Robert Vorholt, Ruhr-Universität Bochum, Katholisches Bibelwerk im Bistum Münster (Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.bibelwerk.de) in Kooperation mit kirchensite.de | Foto: Archiv
Mai 2009

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