
"Josef – er ist der Mann am Rande, aber damit der schweigenden Hingabe."
Geistlicher Impuls
Ora et labora
Die christliche Welt – nicht nur die katholische – ist voll von Kapellen, Kirchen und Krankenhäusern, die nach dem heiligen Josef benannt sind. Viele Menschen werden unabhängig von der Konfession auf diesen Namen getauft. Im katholischen Münsterland trägt fast jeder dritte den Vornamen Josef. Und Josef hat sogar einen Platz im Evangelium. Er stammt aus dem Königshaus David, und so steht er in seiner Person in einem engen Zusammenhang mit den Weissagungen des Alten Testamentes. Darin heißt es, der Messias werde aus dem Haus und Geschlecht Davids kommen.
In der Geschichte der Christenheit wird er als Nährvater Jesu verehrt. In Anlehnung an den Josef aus dem Alten Testament, der eine Zeit lang am Hof des Pharao als eine Art Wirtschaftsminister tätig war und sich dort eben auch um die Armen kümmern musste, gibt es unter Christen schon früh das Gebet: "Geht alle zu Josef, dem Vater der Armen." Wie lange er lebte, wissen wir nicht. Unsere Vorfahren haben in ihm den Patron eines "guten Todes" gesehen. Sein Fest allerdings ist nicht sehr alt, erst im 17. Jahrhundert wurde es eingeführt. Der Blutzeuge Alfred Delp, der unter Hitler zu Tode kam, sagt zusammenfassend über Josef: "Josef – er ist der Mann am Rande, aber damit der schweigenden Hingabe."
Wert der Arbeit
Was uns heute am Tag der Arbeit vor Augen gestellt wird, ist nicht so sehr der Vater Jesu und Mann von Maria, sondern Josef der Arbeiter. Papst Pius XII. hat nicht zuletzt unter dem Einfluss der politischen Linken, die gerade auch Arbeiter aus katholischen Kreisen anzog, den 1. Mai, ursprünglich ja Fest der Linken, zum Fest des heiligen Josef des Arbeiters erklärt. Damit sollte der herausragende Wert der Arbeit auch aus der Sicht des Christentums unterstrichen werden.
Lange Zeit beherrschte im Denken die aristotelische Sicht der Arbeit. Danach wurde Arbeit als etwas verstanden, das den Menschen entwürdigt und in seiner Freiheit einschränkt. Freiheit gewinnt man aber bekanntlich vor allem durch die Aktivitäten im sozial-politischen Bereich. Im Neuen Testament wird Jesus klar als der "Sohn des Zimmermanns" bezeichnet. Die Arbeit ist auch für den Christen der Raum, in dem er sich mit Körper und Geist einsetzt, seine Persönlichkeit entfaltet und die Welt menschenwürdig gestaltet. In einer menschenwürdigen Form von Arbeit ist die Freiheit also durch Arbeit nicht verletzt, sie wird im Gegenteil gerade durch sie erweitert und befestigt.
Christliche Lebensgestaltung
Ein großes Beispiel dafür gibt seit dem 6. Jahrhundert der Benediktiner-Orden. Benedikt, gestorben 547 n.Chr., erzogen im Geist der Antike, aber dann auch gläubiger Christ, hat seinen Mönchen folgendes Motto mitgegeben: Sie sollen in einem ausgeglichenen Nebeneinander von Gebet und Arbeit das gesamte Feld der Kultur bearbeiten. Diese Art christlicher Lebensgestaltung erstreckt sich von der Landwirtschaft bis hin zu hochwissenschaftlicher theologischer Arbeit. "Ora et labora" – dieses Prinzip gilt bis heute.
Vor allem seit dem 19. Jahrhundert kommt es auch in der Theologie zu einem intensiven Nachdenken über den Wert der menschlichen Arbeit und des gesamten sozialen Problems, dessen Hauptdimension ja die Arbeit ist. Wer immer über den Wert der Arbeit nachdenkt wird dankbar auf den großen Jesuitentheologen Oswald von Nell-Breuning stoßen. Er hat exemplarisch erklärt, welche grundlegende Bedeutung soziale Gerechtigkeit für unsere Gesellschaft und Wirtschaft hat. Er hat in seinem Leben die Zeichen der Zeit erkannt und ausgesprochen. In der gegenwärtig ökonomisch so schwierigen Zeit entfaltet er wirksame Impulse für die Lösung der Probleme.
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Text: Harald Wagner | Foto: Michael Bönte
01.05.2009
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