
- Darstellung des Heiligen Geistes durch eine Taube.
Ausrichten auf Gott
Komm, Heiliger Geist
Komm, Heiliger Geist.
Sende von Gott herab den Lichtstrahl deines Feuers.
Komm, Vater der Armen.
Komm, Spender der Gaben.
Komm, Licht der Herzen.
Wunderbare Zuversicht.
Bester Freund.
Spürbare Hilfe.
Du Ruhe in der Unruhe.
Du Maß in der Leidenschaft.
Du Trost in den Tränen.
Unendlich seliges Licht.
Erfülle das Herzensinnerste Deiner Treuen.
Ohne dein Wirken ist es nichts mit dem Menschen, nichts ungefährlich.
Klare das Undurchsichtige.
Belebe die Wüste.
Heile die Wunden.
Löse das Starre.
Wärme das Kalte.
Führe das Abwegige.
Gib den Deinen, die auf dich vertrauen, die Fülle deiner Gaben.
Gib Segen im Tun.
Gib Heil im Sterben.
Gib Freude ohne Ende.
Amen. Halleluja
Jeden Morgen vor den Laudes ertönt es in mir: Komm, Heiliger Geist! Jeden Morgen neu erbitte ich die Begegnung mit Ihm, erflehe ich Sein Wirken in und an mir.
Es war nicht die Sequenz der pfingstlichen Liturgie, die einst in mein Bewusstsein einbrach. In einem Advent fiel mir dieser Anruf in die Hände und bildete den leisen Grundton zum täglichen Ruf: Komm, Herr Jesus, Maranatha!
Innigste Einheit der Ankunft unseres Gottes.
Neugierig und suchend tastete ich mich an das Gebet heran. Eine Sehnsucht erwachte. Die Sehnsucht nach Begegnung mit dem lebendigen Gott, mit Seinem Heiligen Geist. Sehnsucht nach Heil-Sein, nach erlöstem Leben.
Ich gewöhnte mich an das Gebet. Die erste Leidenschaft verglühte, bis mich die Wirklichkeit wieder einholte: Ohne Dein Wirken ist es nichts mit dem Menschen …
Zunehmende Selbst- und Gotteserkenntnis führte mich an die eigene Bedürftigkeit, an die Wurzeln innerer Not und Ungeborgenheit, in das Erdreich, in dem der Heilige Geist bereits die Spuren zur Umkehr gegraben hat. Da fing ich an zu ahnen: Er ist da. Er wartet auf mich, auf meinen freien Anruf und erweckt doch zugleich die Sehnsucht nach Ihm neu und tiefgreifender. Er will meinen Blick von mir und meiner Verhaftung an das falsche Ich lösen und ihn ausrichten auf Ihn, den Vater der Armen, den Spender der Gaben, dem Licht meines Herzens. Es ist nicht Sein Anliegen, mich meines nüchternen Alltags zu entheben, in den Raum romantischer Illusionen – irgendwann enttarnte sich diese geheime Erwartung. In dieser treuen Hinwendung im Gebet lasst der Heilige Geist mein Verlangen vielmehr nach Seiner liebenden und schöpferischen Hilfe wachsen. Er will, dass ich Ihn gegenwärtig weis in den täglichen Herausforderungen, in unruhigen und grenzüberschreitenden Stunden, in meiner Ohnmacht und Verzagtheit.
Und ich stehe jeden Morgen neu vor Ihm mit den vielen blinden Flecken in meinen Augen, mit den Wunden und Verwüstungen meiner Vergangenheit, mit dem unbeugsamen Eigenwillen, mit den eingefrorenen Gefühlen, mit all den inneren ausgetretenen Pfaden, auf denen ich mich so gerne der Wahrheit entziehe und bitte Ihn im Vertrauen um Seine wandelnde Kraft in meinem Sein und Tun. Wenn sich meinem Bewusstsein seine spürbare Hilfe auch oft entzieht, wenn die Hoffnung auf Sein Kommen auch manchmal hinter die Wolken des Zweifels gerät, wenn das Vertrauen eher einem Rinnsal gleicht … Eins will ich unermüdlich tun: die Sehnsucht nach dem besten Freund wach halten. Eines Tages wird Er kommen und mit Ihm die Freude. Halleluja.
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Text: Benediktinerinnen Dinklage | Foto:
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