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16.12.2017
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Madeleine Delbrêl war davon überzeugt, dass Gott in allen Facetten des Alltags gegenwärtig ist – auch beim Wäschefalten.

Madeleine Delbrêl war davon überzeugt, dass Gott in allen Facetten des Alltags gegenwärtig ist – auch beim Wäschefalten.

Petra Fietzek bei "Kirche in WDR 3-5"

Vom Heiligen der Alltagsarbeit

Welche Freude, zu wissen, dass wir unsere Augen zu deinem Angesicht erheben können, ganz allein, während die Suppe langsam aufkocht, während wir beim Telefon auf den Anschluss warten, während wir an der Haltestelle nach dem Bus Ausschau halten, während wir eine Treppe hinaufsteigen, während wir im Garten für den Salat ein wenig Petersilie holen. Welche Freude, zu wissen, dass wir unsere Augen zu deinem Angesicht erheben können. (aus: Katja Boehme, in Madeleine Delbrêl. Die andere Heilige, Verlag Herder GmbH, Freiburg i. B., 2.Aufl. 2005)

Diese Gedanken stammen von einer Frau, die viele Jahre in der Arbeiterstadt Ivry lebte, einem Vorort von Paris. Ganz bewusst war sie in diese kommunistische Hochburg gezogen. Teilte in einer Wohngemeinschaft mit zwei Frauen die drückende Armut der Bevölkerung, setzte sich als Sozialarbeiterin für Benachteiligte ein. Ihr Name ist Madeleine Delbrêl. Doch ihr Wesen und ihre Berufung zeigen sich in dem Namen, den sie von der Nachwelt verliehen bekommen hat: Mystikerin der Straße.

Madeleine Delbrêl lebte, was sie von Gott verstanden hatte: durch Nachdenken und Lesen, vor allem aber durch persönliches Beten. Sie war davon überzeugt, dass Gott in allen Facetten des Alltags gegenwärtig ist. Als Partner, als Herausforderer, als Vertrauter. Sie erfuhr Gott als inneren Freund, den man lieben kann, wie man eine Person liebt. Ihre Erfahrung ließ Madeleine Delbrêl zur Mystikerin werden. Zu einem Menschen, der in enger Beziehung mit Gott lebt. Und das mitten in der lärmenden Arbeitswelt eines Pariser Vororts.

Diese Lebenseinstellung war für Madeleine Delbrêl nicht selbstverständlich und nicht immer so. Lange Zeit fühlte sie sich als intellektuelle Atheistin. Doch nach der einschneidenden Trennung von einem geliebten Menschen brach Gott unerwartet in ihr Leben ein und sie begann, sich mit diesem unfassbaren Geheimnis zu beschäftigen und Gott schließlich kompromisslos zu vertrauen.

Bis zu ihrem Tod im Jahr 1964 folgte Madeleine Delbrêl der benediktinischen Tradition von ora et labora = bete und arbeite. Diese schlichte innere Haltung genügte ihr. Diese Haltung gab ihrem Leben nicht nur tiefen Sinn, sondern Frohsinn: Madeleine Delbrêl verstand das Leben mit all seinen harten Gegebenheiten und Schicksalsschlägen wie ein großes Fest. Ein Fest der Begegnung mit Gott in allem, was ist und geschieht.

Welch eine Freude, zu wissen, dass wir unsere Augen zu deinem Angesicht erheben können.

Die Erfahrung von Gottes Gegenwart ist eine Einladung. Kein "Du musst" oder "Du sollst". Es geht um Freiwilligkeit. Und: Madeleine Delbrêl war sich bewusst, dass ihr Weg kein Weg der Massen ist. Eher ein Alleingang. Ein Leben im Gespräch mit einem persönlichen Du, was inmitten aller Aktivitäten Zeit der Stille und der Ruhe braucht.

Dann kann sich Gekrümmtes aufrichten. Dann kann normaler Alltag mit seinen Banalitäten, Wartezeiten und Getriebenheiten in ganz neuem, leuchtenden Licht erfahren werden.

Welche Freude, zu wissen, dass wir unsere Augen zu deinem Angesicht erheben können, ganz allein, während die Suppe langsam aufkocht, während wir beim Telefon auf den Anschluss warten, während wir an der Haltestelle nach dem Bus Ausschau halten, während wir eine Treppe hinaufsteigen, während wir im Garten für den Salat ein wenig Petersilie holen. Welche Freude, zu wissen, dass wir unsere Augen zu deinem Angesicht erheben können.

Buchtipp:

Im Morgenlicht - Ein geistliches Lesebuch
Petra Fietzek
96 Seiten, vier Grafiken, gebunden
dialogverlag Münster 2013
ISBN 978-3-941462-80-9
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Text: Petra Fietzek | Foto: Michael Bönte
Mit freundlicher Genehmigung des Öffnet externen Link in neuem FensterKatholischen Rundfunkreferats beim WDR
01.11.2016

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