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22.08.2017
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"Freude dem Nächsten zu geben, ist ein so einfaches Ding."

"Freude dem Nächsten zu geben, ist ein so einfaches Ding."

Petra Fietzek bei "Kirche in WDR 3-5"

Vom Schenken

"Es bleibt immer ein wenig Duft in den Händen, die Rosen schenken, die sich großzügig zeigen", schrieb Dom Helder Camara. Lange Zeit war er Erzbischof in Brasilien gewesen und hatte seine Gedanken immer wieder in Kurztexten zusammengefasst.

Großzügig sein. Das ist nicht das kleinkarierte Eins zu Eins – Denken. Großzügig sein. Das bedeutet ein darüber Hinaus. Über das Notwendige hinaus. Einen Tacken mehr als erwartet. Da beginnt großzügiges Schenken. Es hat mit Lebensfreude zu tun. Und es betrifft nicht nur Materielles.

Ich kenne einen Mann, der ein extremer Außenseiter ist. Er lebt in zwei Zelten und zieht auf der Welt umher. Ich weiß nicht, wo er zur Zeit unterwegs ist. Auf jedem Kontinent hinterlässt er ein selbst geschnitztes Kunstwerk. Dieser Mann lebt mit Tieren. Mit der Natur. Mit Erwachsenen und Kindern, die ihn besuchen. Und er ist großzügig. Großzügig in seiner Art zu denken: von anderen Menschen, vom Sinn des Lebens, von Gott. Er schenkt jedem von dem Wenigen, das er besitzt, sei es von selbstgemachter Marmelade, von seinen Gedanken, von seiner Freundlichkeit.

Solch selbstverständliches Geben meint Dom Helder Camara in seinem Text über das Schenken. Er schreibt weiter: "Ein bisschen geben von dem, was man hat, dem, der noch weniger besitzt, bereichert den Geber, macht seine Seele schöner."

Als Befreiungstheologe hatte er dabei vor allem die notleidende Bevölkerung in Brasilien im Blick. Doch sein Text gilt zeitlos für alle Orte.

Fragen stellen sich ein: Und wenn ich kaum etwas habe, das ich teilen kann? Und wenn ich noch nicht einmal Geld habe, um Rosen zu kaufen? Und wenn ich so krank bin, dass ich nur noch im Bett liege?

Mir fällt eine alte Frau ein, die ich vor vielen Jahren bei einem Besuch in einem Pflegeheim kennenlernte. Kennenlernen durfte, muss ich sagen. Ich hatte gehört, dass sie körperlich geschwächt nur noch im Bett liege. So erwartete ich ein Häuflein Elend, als wir das Zimmer betraten. Wie überrascht war ich jedoch über ihr freundliches, heiteres Gesicht. In unserem Gespräch sagte sie plötzlich zu mir: "Lange Zeit war es schwer für mich, hier nur noch im Bett zu liegen, aber das ist es nicht mehr." Sie schwieg einen Moment und sagte dann leiser: "Ich kann noch lieben."

Was für eine Reduktion des Lebens auf dieses Aushaltenmüssen, auf dieses stets auf die Hilfe anderer Angewiesensein. Was für eine Stärke, sich zu solch einer positiven Lebenshaltung durchzuringen: Ich kann noch lieben.

Als wir gehen wollten, bat uns die alte Frau, näher an ihr Bett zu kommen. Dann machte sie uns langsam ein Kreuzzeichen auf die Stirn und sagte: "Gott segne euch."

Dom Helder Camara hätte sich sicherlich gefreut, wenn er dieser Frau begegnet wäre. Sie lebte den Gedanken, den er im Schlusssatz seines Textes über das Schenken schreibt: "Freude dem Nächsten zu geben, ist ein so einfaches Ding, doch in den Augen Gottes die schönste aller Künste."

Buchtipp:

Im Morgenlicht - Ein geistliches Lesebuch
Petra Fietzek
96 Seiten, vier Grafiken, gebunden
dialogverlag Münster 2013
ISBN 978-3-941462-80-9
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Text: Petra Fietzek | Foto: Michael Bönte
Mit freundlicher Genehmigung des Öffnet externen Link in neuem FensterKatholischen Rundfunkreferats beim WDR
24.09.2015

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