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25.05.2016
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Die Grablege von Kardinal von Galen im St.-Paulus-Dom.

Die Grablege von Kardinal von Galen im St.-Paulus-Dom.

Zum Domjubiläum bei "Kirche in WDR 3-5": Pfarrer Jochen Reidegeld

Kardinal von Galen

Es gibt Räume, die atmen Geschichte. Die erlebe ich anders als zum Beispiel mein Büro oder meine Wohnung. Räumen, die Geschichte atmen, spüre ich an, wie sie mit Menschen und ihren Geschichten angereichert sind – auch wenn diese längst nicht mehr sind. Kirchen gehören für mich ganz stark zu solchen Räumen: Sie sind nicht nur durchlebt und durchatmet von Menschen, sie sind durchbetet – wenn man das so sagen kann.

Kein Wunder, dass für mich der Dom zu Münster so ein Raum ist, der die Geschichte von über 750 Jahren atmet. Er ist die Mutterkirche des Bistums, für das ich arbeite. Letztes Jahr wurde er nach einer fast 2-jährigen Schließung wegen Renovierungsarbeiten wieder geöffnet. Und die Münsteraner strömten in "ihren" Dom, auch jene, die nicht zu seiner festen Gottesdienstgemeinde gehören. Die besondere Atmosphäre war noch immer zu spüren, vielleicht sogar stärker als zuvor. Es liegt also nicht am Staub oder an einer besonderen Patina, die so einen Raum atmen lässt, sondern ich denke, es sind tatsächlich die Geschichten von Menschen, die ihn durch ihr Gebet und ihr Glaubenszeugnis über Jahrhunderte zu einem heiligen Ort haben werden lassen.

Einem solchen Menschen begegnen Sie, wenn sie eine der Kapellen im Kranz des Doms betreten.  Dort befindet sich die Grablege des Kardinal von Galen, der in Münster und Westfalen immer von einem Namen begleitet ist, der sein Lebenswerk aufscheinen lässt: der Löwe von Münster!

In den Augen meiner vor einigen Jahren verstorbenen Großmutter leuchtete auch noch nach Jahrzehnten tiefe Bewunderung auf, wenn sie von der hünenhaften Gestalt des Münsteraner Bischofs erzählte. Und in seiner Heimat im südoldenburger Land, in dem ich als  Diakonat tätig sein durfte, erzählten die älteren Leute bei der Krankenkommunion vom Kreuzkampf, als die Katholiken dort  sich 1936 weigerten, das Entfernen der Kreuze aus den Klassenzimmern hinzunehmen.

"Wir wussten Bischof Galen auf unserer Seite," sagte mir eine alte Frau, die sich am Protest beteiligt hatte. Diesem Sturm der Empörung mussten sich schließlich sogar die Nationalsozialistischen Machthaber beugen. Die Verordnung wurde zurückgenommen.

War Kardinal von Galen, der im Jahr 2005 selig gesprochen wurde, ein Mann ohne Fehler? – keineswegs!

Stand er dem Nationalsozialismus von dessen ersten Auftauchen kritisch gegenüber? – Nein. Wie viele, die dem Adel entstammten setzte er zu Anfang seine Hoffnung auf eine in den Wirren der Weimarer Republik Ordnung schaffende Kraft.

Aber gerade daraus wächst meine tiefe Bewunderung für ihn. Deshalb hängt eine große Schwarz-Weiß-Fotografie des Löwen von Münster in meinem Büro. Deshalb suche ich in Momenten schwieriger Entscheidungen seine Grablege auf. Anders als viele Frauen und Männer seiner Herkunft und politischen Tradition  erkannte er schon Anfang der 30iger Jahre, welch menschenverachtende und gottlose Ideologie die Geisteshaltung der neuen Herrscher prägte.

Nicht erst, als der Krieg sich gegen die deutsche Wehrmacht wendet, sondern zur Zeiten der andauernden militärischen Erfolge im Jahr 1941 erhebt er seine Stimme gegen das Unrecht. Er prangert nicht nur die Enteignung kirchlicher Einrichtungen an, sondern nennt die schrecklichen Verbrechen an behinderten Menschen beim Namen.

Wofür er seine Stimme erhob, bleibt für mich auch heute aktuell - auch wenn die Herausforderungen unserer Zeit andere sind. Wach zu bleiben für die Würde eines Menschen unabhängig von seiner Herkunft und von dem, was er leistet.

Der Autor:

Jochen Reidegeld ist stellvertretender Generalvikar des Bistums Münster.

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Text: Pfarrer Jochen Reidegeld | Foto: Michael Bönte
Mit freundlicher Genehmigung des Öffnet externen Link in neuem FensterKatholischen Rundfunkreferats beim WDR
31.07.2014

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