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28.08.2014
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Brennende Kerzen als Zeichen einer regen Religiosität.

Brennende Kerzen als Zeichen einer regen Religiosität.

Geistliches Wort von Margret Nemann

"Dem Lockruf Gottes folgen"

Unsere Gesellschaft dampft vor Religiosität – so denke ich oft, wenn ich mich im Fernsehen umschaue. Ich sehe Menschen voller Ekstase bei einem Konzert oder bei einem Großereignis, Menschen mit flackernden Kerzen in den Händen und gerührt mit Tränen in den Augen. Mir kommen Fußballer in den Sinn, die sich vor dem Spiel bekreuzigen, oder Fans, die alles geben für ihren Verein. Ich sehe die Blumenmeere, Tausende von Kerzen und Menschen voller Andacht am Ort einer Katastrophe. Und schließlich fallen mir auch die vielen Buchtitel und Angebote ein, die Glück und Lebenssinn verheißen und die auf dem Markt reißenden Absatz finden.

Das ist der Dampf des Religiösen, der mir in unserer Gesellschaft entgegenkommt. All diese Zeichen sind Ausdruck dafür, dass Menschen auf der Suche nach Halt und Orientierung sind, dass sie danach fragen, was ihrem Leben Sinn gibt, wofür und woraus sie leben können.

Unsere Gesellschaft dampft vor Religiosität. Überall suchen Menschen, wofür und woraus sie leben können. Diese Frage haben sich auch die Menschen gestellt, mit denen ich es in meinem Beruf zu tun habe. Ich bilde Seelsorger und Seelsorgerinnen im Bistum Münster aus und ich höre immer wieder die Lebens- und Berufungsgeschichten von Menschen, die Wegbegleiter auf der Sinn- und Glaubenssuche sein wollen.

Ein solches Gespräch mit einem Mann im besten Alter zwischen 30 und 40 Jahren steht mir noch lebendig vor Augen. Dieser Mann ist vor drei Jahren in die katholische Kirche eingetreten. Angefangen hatte alles mit der Erfahrung, dass er trotz beruflichen Erfolgs eine Leere in sich spürte. Irgendwann hat es ihn dann bei einem Stadtbummel in eine Kirche gezogen. Hier hat er eine entscheidende Erfahrung gemacht, die er allerdings kaum in Worte bringen kann. Deshalb sagt er: "Es hat Klick gemacht." Und mit diesem "Klick" ging es dann weiter: Er hat das Gespräch mit Menschen aus der Kirche gesucht – zunächst allerdings ohne Erfolg.

Kirche zeigte sich zuerst nicht von ihrer besten Seite: Da ist er auf Seelsorger gestoßen, ohne Zeit für ihn; Andere hatten nur fromme Sprüche auf Lager, mit denen er nichts anfangen konnte. Schließlich ist er dann einem Priester begegnet, der ihm in mehreren persönlichen Gesprächen Rede und Antwort stand, mit dem er Gottesdienste gefeiert hat, die ihn in seinem Innersten angesprochen haben. Und dann wollte er immer mehr über den christlichen Glauben wissen und erfahren. Durch diese Gespräche ist er sich selbst, seinen Wünschen und Sehnsüchten näher gekommen. Er ist seinem Innersten begegnet – dem, was ihn zutiefst bewegt und ausmacht. So lebensentscheidend waren diese Erfahrungen für ihn, dass er sie nun auch Anderen ermöglichen möchte. Deshalb will er Seelsorger werden. Darum ist er zu mir gekommen.

In meinem Ausbildungsinstitut für Seelsorger und Seelsorgerinnen kommen die unterschiedlichsten Menschen zusammen, die ihre je eigene Erfahrung mit Gott gemacht haben. Wie ist es aber nun möglich, dass auch Andere diese Erfahrung machen? Wie können die vielen suchenden Menschen in unserer Welt den Ruf Gottes hören?

Eine mögliche Antwort erhalte ich aus dem Evangelium des heutigen Sonntags. Da erfahren wir von zwei späteren Jüngern. Johannes der Täufer gibt ihnen  einen Hinweis, der sie neugierig macht und etwas in ihnen weckt. Deshalb folgen sie Jesus. Aber dieser will es genauer wissen und fragt sie: "Was wollt ihr?" Und sie fragen zurück: "Meister, wo wohnst Du?"

In dieser kleinen Szene spielt sich für mich Entscheidendes ab: Der Ruf in die Nachfolge fällt nicht einfach vom Himmel; er geschieht durch die Begegnung, hier mit Johannes. Und diese Begegnung rührt etwas an: die Jünger fühlen sich angesprochen; da ist etwas tief in ihnen, das zum Schwingen kommt. Diese Erfahrung können sie nicht einfach beiseite legen. Deshalb folgen sie Jesus. Und wie reagiert er? Er nimmt die beiden nicht einfach ins Schlepptau, froh darüber, dass ihm endlich jemand folgt. Ganz im Gegenteil: Er will wissen, was die Jünger wollen, was sie bewegt, wonach sie suchen. Er entmündigt sie nicht, sondern ermutigt sie, ihren Willen frei zu äußern. Und so fragen sie ihn: "Wo wohnst Du?" Das heißt auch: Wo können wir bleiben? Wo sind wir mit unserer Sehnsucht aufgehoben?

Und Jesus gibt ihnen Antwort - einfach und doch umwerfend: "Kommt und seht!". Der Gottessohn behelligt sie nicht mit theologischen Erklärungen, Vorschriften oder moralischen Anweisungen – nichts von alledem. Stattdessen eine schlichte persönliche Einladung: "Kommt und seht!" Niemand soll blind glauben, sondern jede und jeder soll sich selbst überzeugen. Jeder Mensch darf die Probe aufs Exempel machen. Und so blieben die Jünger bei Jesus.

Ähnlich wie in dieser biblischen Geschichte ist der Ruf Gottes auch an meinen Gesprächspartner erfolgt: Seine Erfahrung in der Kirche hat ihn neugierig gemacht und etwas in ihm angestoßen. Dann ist er Menschen begegnet, die ihn mit seinen Fragen ernst genommen haben. Diese Begegnungen haben in ihm den Glauben wachsen lassen, dass Gott mit uns auf dem Lebensweg ist und uns ein Leben in Fülle schenken will.

"Kommt und seht" - so ähnlich geschieht der Ruf in die Nachfolge Jesu wohl immer. Ich selbst habe ihn jedenfalls auch so erlebt. Aufgewachsen in einer katholischen Familie und in einem katholischen Umfeld sind mir von Kindesbeinen an im Raum der Kirche Menschen begegnet, die für mich glaubwürdig und überzeugend waren. Bei ihnen konnte ich meine Fragen stellen; sie haben mich ermutigt, meiner eigenen inneren Stimme zu folgen. Vor allen Dingen konnte ich an ihnen ablesen, wie Leben gelingen kann.

In unserem Leben kommt es auf tragfähige Beziehungen an. Menschen können trotz Enttäuschungen und Verletzungen einen neuen Anfang miteinander wagen. Es ist meist wichtiger, füreinander da zu sein, als die eigenen Bedürfnisse schnell zu stillen. Und selbst da, wo menschlich gesehen nichts mehr geht, wo wir wissen, dass wir einander schuldig geworden sind, sagt Einer noch "Ja" zu uns, auch in unseren Brüchen und in unserem Versagen. Dieser Eine ist in Jesus Christus sichtbar geworden. Gott liebt bedingungslos jeden Menschen in seiner Begrenztheit und Endlichkeit - unbegrenzt und unendlich.
Um dieser Botschaft willen bin ich vor 27 Jahren in den kirchlichen Dienst gegangen und um diese Botschaft geht es mir nach wie vor. Dabei ist mir durchaus bewusst, dass ich selbst diese Botschaft durch mangelnde Glaubwürdigkeit immer wieder verdunkle. Darunter leide ich ebenso wie unter dem vielfältigen Versagen unserer Kirche insgesamt.

Trotzdem glaube ich dieser Botschaft von der grenzenlosen Liebe Gottes, von seiner Barmherzigkeit. Denn es gibt in dieser Kirche auch die anderen Erfahrungen: Ich sehe, wie Menschen sich vom Geist Gottes anfeuern lassen und diesen Geist erfahrbar machen. Ich erlebe den glaubwürdigen Einsatz so vieler Christen. Vor allem höre ich immer wieder Berufungsgeschichten von Menschen, die mich innerlich berühren und mich stärken. Inmitten einer Welt voller dampfender Religiosität und vielfältiger Heilsverheißungen haben sie den Anruf Gottes gehört und sie haben die Probe aufs Exempel gemacht. Sie haben erfahren, dass sie bei Jesus aufgehoben sind, dass er ihnen die Orientierung gibt, die sie brauchen. Deshalb sind sie seinem Ruf gefolgt und gehen bis heute in seiner Spur.

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