
Zu wissen, dass jemand, dem wir uns verbunden fühlen, in unserer Nähe ist, tut jedem gut. Kindern wie Erwachsenen!
Impuls im Advent (3)
Der "Ich-bin-da-Gott"
"Ich bin ja da!", rufen wir manchmal unserer kleinen Tochter zu, wenn sie in ihrem Zimmer spielt und plötzlich bemerkt, dass Mama oder Papa gar nicht direkt neben ihr sind. "Ich bin ja da", diese wenigen Worte geben unserer Tochter genügend Auskunft, um angstfrei und sorglos weiter zu spielen. Sie weiß, Mama und Papa sind da, auch wenn sie uns nicht sieht.
Zu wissen, dass jemand, dem wir uns verbunden fühlen, in unserer Nähe ist, tut jedem gut. Kindern wie Erwachsenen! Denn niemand ist wirklich gerne ganz alleine auf dieser Welt!
Klar, manchmal suchen wir Erwachsenen eher die Stille und die Zurückgezogenheit, weil wir etwas Ruhe vom Stress des Alltags brauchen. Aber verlassen und einsam wollen auch wir dabei nicht sein. Es tut gut, wenn uns jemand seine Nähe schenkt. Wir wissen dann, auf diesen Menschen kann ich mich verlassen.
Auch die Bibel spricht davon, dass unser Gott ein Gott der Nähe und Zuwendung ist. Natürlich können wir ihn nicht so sehen, berühren und erfahren, wie einen anderen Menschen in unserer Umgebung. Aber doch haben immer wieder Frauen und Männer die Erfahrung gemacht: Dieser Gott ist nicht fern von mir. Und so hat die Bibel sogar einen Namen für Gott, der diese Nähe zu uns Menschen ausdrückt. In der Geschichte vom brennenden Dornbusch offenbart sich Gott dem Mose und nennt seinen Namen. Ein Name, der aus dem Hebräischen, der Sprache des Alten bzw. Ersten Testamentes, nur schwer zu übersetzen ist. Aber er bedeutet so viel wie: "Ich-bin-der-ich-bin-da!" Eine wunderbare Umschreibung für unseren Gott!
Jetzt im Advent, taucht ein weiterer Name immer wieder in unseren kirchlichen Lesungen auf: Immanuel. In abgewandelten Formen wird dieser Vorname auch heute noch von vielen Menschen getragen, beispielsweise als: Manuela oder Emanuel. Der Name kommt aus dem Hebräischen und hat die schöne Bedeutung: Gott ist mit uns. Dieser Name wird zur Ankündigung der Geburt Jesu auch ihm prophezeit. Jesus, dessen Geburt wir Christen nun bald an Weihnachten feiern dürfen, er ist ein Immanuel, ein "Gott mit uns".
Und dass dieser Gott, den Jesus dann als Erwachsener verkündet hat, "mit uns" ist, macht er in vielen Worten und Taten deutlich: Jesus, er ruft Menschen in seine Nachfolge, nimmt sich der Ausgegrenzten und Benachteiligten an, lädt sich bei ungeliebten Menschen wie Zöllnern und Sündern ein und gibt seinen Anhängern sogar über seinen Tod hinaus ein sichtbares Zeichen seiner Verbundenheit: das gemeinsame Abendmahl. Während er mit seinen Freunden das Mahl hält, bricht er das Brot und sagt: "Das ist ein Teil von mir! Wenn Ihr in meinem Sinne Mahl haltet, dann bin ich mitten unter Euch." Wir Christen halten uns bis heute in unseren Gottesdiensten an diese Überlieferung. Und dann, am Ende seines irdischen Wirkens versichert Jesus uns noch einmal ganz besonders seine Nähe. "Seid gewiss," sagt er, "ich bin bei Euch alle Tage bis zum Ende der Welt!" Starke Worte, die Jesus da wählt.
"Ich bin bei Euch" – mich ermutigt dieses Wort Jesu. Heißt es doch, dass dieser Jesus auch mir ganz persönlich seine Nähe zusagt. Zwar erlebe ich ihn nicht so, wie damals die Jünger zur Zeit der Bibel. Sie konnten ihn schließlich sehen und anfassen. Aber doch gibt es mir auch Kraft und Zuversicht darauf vertrauen zu können, dass dieser Jesus irgendwie hinter mir steht, mich begleitet, manchmal sogar sichtbar durch das Handeln eines anderen Menschen mir nahe ist. So bin ich, selbst wenn ich glaube allein zu sein, nicht völlig verlassen. Mir tut es gut, das zu wissen!
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Text: Thorsten Wellenkötter | Foto: Norbert Ortmanns
15.12.2011
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