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25.05.2012
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Impuls von Dr. Silberberg zum Advent: Erlösungswunsch (1)

Reines Licht

"Im Frühling wohnen in Tipasa die Götter. Sie reden durch die Sonne und durch den Duft der Wermutsträucher ..., den grellblauen Himmel und die Lichtfülle des Steingetrümmers" (A. Camus: Hochzeit des Lichts, 1954).

Licht des Südens, rauschhaftes Erleben, pure Daseinslust, reine Schöpfungsfreude. Hymnischer Lobgesang auf die Sonne, das Licht und den Himmel, der Heimat des Philosophen: Algerien.

"Ich habe Hunger nach Licht wie nach Brot." – "Auf der Welt sein: im Licht sein" (Max Frisch). – "Ein Morgen im Sommer: Es ist das Licht, das lebendige, wunderbare, unzerstörbare, betörende, ganz und gar unbegreifliche Licht, es ist der Anfang eines neuen Tages" (Christoph Meckel, Licht, 1980).

Der größte Scheinwerfer?

Genug der Lichtworte? Nur noch für Dichteraugen? Nur für Südländer? Sie wissen, was Lichtfülle ist. Bei uns verflüchtigt sich das elementare Erleben. Eine Bildrede wie "Gott ist Licht" verliert an Eindringlichkeit, wo der Aufgang der Sonne seltener klar hervortritt und die Tag – und Nachtunterschiede durch künstliches Licht überbrückt werden. Heranwachsende sagen es in ihrer Bildsprache: Gott ist Licht – also "der größte Scheinwerfer aller Zeiten". Ende aller höheren Symbolik.

Die "im Dunkel und Todesschatten leben" oder denen die Lichter allmählich ausgehen und die unter dem Druck der Sterblichkeit leiden, verstehen mehr. Sie zweifeln jedoch oft an der Lichtregie Gottes in ihrem Leben. Licht und Dunkel sind geographisch wie existentiell unterschiedlich verteilt.

Gläubige Maler haben es veranschaulicht. Rembrandt und Vermeer waren vom Geheimnis des Göttlichen berührt und setzten seine Spuren ins Licht.

Rembrandt hat seine Gestalten nicht vergoldet. Er lässt sie in ihrer Geschöpflichkeit und Erbärmlichkeit. In ihre Finsternis aber fällt immer ein Licht, ein überirdisches, der Lichtstrahl Gottes. Rembrandt sah alles Leben im Goldglanz des Ewigen. Er spürte das Heilige im Profanen. Er war ein Mensch, der "mit seiner Malerei dem Ewigen entgegenfieberte" (Walter Nigg).

Wir bitten für Verstorbene, "dass ihnen das ewige Licht leuchte." Nach dem Johannesevangelium ist es das Licht, das mit Jesus in die Welt kam, "das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet" (1,9). Eine Lichtgestalt, "Licht vom Lichte", der Christus des Tabor, durch den Gott hindurchleuchtet. Damals und auch heute in den Weisen seiner Gegenwart.

Die Ikonenkunst des Ostens lässt Christus in seiner überirdischen Größe erscheinen. Nicht die Leidensgeschichte steht im Blick, sondern die Verklärung, der Glanz des Verherrlichten.

Mehr als das Licht einer Erkenntnis

Die Erkenntnis Jesu Christi übertrifft für Paulus jedes andere Licht einer Erkenntnis. Die menschliche Gestalt Jesu bleibt jedoch auch für gläubige Augen "rätselhaft" und "wie in einem Spiegel" (s. 1 Kor 13). Sie "offenbart" nicht nur, sie verhüllt auch. Das Auferstehungslicht ist hinter dem Kreuz verborgen. Wir hoffen am Ende auf die volle "Offenbarung seiner Herrlichkeit", die Lichtfülle Gottes (hebräisch: kabod; griechisch: doxa; lateinisch: gloria). Für Johannes zeigt sie sich schon in jedem Wunder (s. Joh 2,11). Die Urkirche bekennt: "Christus ist unter euch. Er ist die Hoffnung auf Herrlichkeit" (Kol 1, 28). Und: "Die Erfüllung eurer Hoffnung liegt für euch im Himmel bereit (ebd.)."

Franz Kafka – vom jüdischen Glauben geprägt – bemerkt: "Es ist sehr gut denkbar, dass die Herrlichkeit des Lebens um jeden und immer in ihrer ganzen Fülle bereitliegt, aber verhängt, in der Tiefe, unsichtbar, sehr weit."

"Was wir sein werden, ist noch nicht offenbar geworden. Wir wissen, dass wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird" (1 Joh 3,2). Das Ziel: Teilhaben an der Lichtfülle Gottes, dem reinen Licht, an seiner Herrlichkeit! Wie die Sonne in der Natur Leben weckt, so empfand der alttestamentliche Gläubige "das Leuchten seines Angesichts". Es ist der Gott, der "sich in Licht hüllt, wie in ein Kleid" (Ps 104,2) und von dem Johannes sagt: "Gott ist Licht" (1 Joh 1,5).

Christus aber ist "Licht vom Lichte", denn in ihm offenbarte sich, "das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet" (Joh 1,9). Er hat unsere Art, Menschen und Welt wahrzunehmen verändert. "Gott ist Licht, insofern er Liebe ist; und das alles ist er durch die Sendung seines Sohnes" (Johannes Thüsing).

Etwas überbelichtet?

Die alte Symbolsprache – heute etwas überbelichtet? Wir besingen zwar den "Morgenglanz der Ewigkeit" und freuen uns, wenn wir "ans Licht kommen". Aber dieses Licht ist für Internetaugen nicht "anbetungswürdig". Es dient dem Wohlsein und der Wellness. Angesichts der Sonne – keine metaphysische Ahnung, kein Sog ins Unendliche, keine gläubige Erinnerung mehr an Christus als "dem Licht der Welt". Nur noch ein erhabenes, stimmungsvolles Phänomen, ein ästhetischer Genuss, für die meisten Augen theologisch entleert und nur noch künstlich mit Bedeutung aufzuladen: kein Bezug zum Schöpfer oder zu Christus. Keine "Lichtmess".

Auch Christen – vom göttlichen Licht flüchtig gestreift – teilen die zeitgenössischen Empfindungen und seelischen Anmutungen. Wir leben in einer Gesellschaft, die nur noch sehr selten im "geschaffenen Licht den Abglanz des ungeschaffenen Lichts erkennt", also den "Gott, der in unzugänglichem Licht wohnt" (1 Tim 6, 16).

Tag und Nacht, Licht und Finsternis sind nicht mehr das, was sie mal waren. Wir produzieren Licht nach Belieben. "Die Menschheit hat mit dem Laser eine absolut neue Qualität des Lichts geschaffen" (Wolfgang Sandner, Physiker). Und: "Solches Licht hat die Natur noch nie hervorgebracht: brillant, einfarbig, energiereich."

Was ist dagegen ein "inwendiges Licht", das der Bilder Vermeers oder Rembrandts, das "fließende Licht der Gottheit" bei der Mystikerin Mechtild von Magdeburg, das "wiedergefundene Licht" eines Erblindeten (J. Lysseran)?

Alle Menschen teilen jedoch eine Urerfahrung: Mit der Geburt haben wir das Licht der Welt erblickt. Und Gläubige teilen die Hoffnung, durch den "Geburtskanal" des Todes hindurch als "neue Geschöpfe" das Licht der Welt Gottes zu erblicken.

Gotterfahrene (Mystiker u. a.) und Nah-Tod-Erfahrene meinen, Licht sei immer noch "die glaubwürdigste Metapher für Gott".

In sein wunderbares Licht gerufen

Vielleicht bündeln sich alle Lichtstrahlen einmal in der Sehnsucht nach dem wahren, dem "ewigen Licht"? Im Licht zu sein, war schon immer die Sehnsucht des antiken Menschen. Christen sahen und sehen eine Antwort im Aufscheinen Jesu. Wir glauben, in ihm dem "reinen Licht Gottes" zu begegnen und für eine Ewigkeit bei ihm "belebt" zu werden.

Die alte Glaubensformel – Gott ist Licht, Gott ist Liebe – möge sich an uns bewahrheiten: Die Realität des "Lebens, das in Christus erschienen ist" – "in Christus war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen" (Joh 1,4). Christen wissen sich "in sein wunderbares Licht gerufen" (1 Petr 2,9) und sehen sich "fähig gemacht, Anteil zu haben am Los der Heiligen, die im Licht sind" (Kol 1, 12).

Getaufte wurden anfangs "Erleuchtete" genannt (Illuminati). Die orthodoxe Kirche feiert ihre Heiligen als die schon Verklärten –vom Taborlicht umstrahlt und erleuchtet. Erlösungswunsch und Hoffnungsziel gläubiger Pilgerschaft: Weg ins Licht, ins reine Licht Gottes, "der Herrlichkeit Gottes entgegengehen" (Röm 5,2).

Wir beten:
Du, Christus, bist das Licht der Welt, der Gott, dem gläubig wir vertraun,
auf den im Dunkel dieser Zeit wir alle unsere Hoffnung baun.
Und jener letzte Morgen einst, den wir erflehn voll Zuversicht,
er finde wachend uns beim Lob und überströme uns mit Licht.
(Stundengebet)

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