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25.05.2012
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Übergang (Mostar).

Übergang (Mostar).

Geistlicher Impuls von Dr. Silberberg: Einstimmung

Dort ankommen, wo wir sein wollen

Wer zu spät kommt, stört: die Versammlung und den Festredner, die Gemeinde und den Priester, den Unterricht und den Lehrer. Er stört dort, wo man es gewohnt ist, pünktlich mit dem Gongschlag zu beginnen. Das ist nicht überall so: In griechischen Dorfkirchen zum Beispiel - Spielräume am Anfang des Gottesdienstes. Zaghaft bis unkonzentriert ein Psalmsänger, ein paar ältere Mütterchen plaudern im Vorraum, allmählich einige Besucher, Gläubige "finden sich ein". Westliche Gäste sind es gewohnt "diszipliniert in Stimmung zu kommen", wie jemand bemerkt, "wenn die Situation es von ihnen verlangt". Griechen pflegen erst aus sich heraus zu gehen, wenn sie in die richtige Stimmung gekommen sind ("Kefi" haben).

Ganz dabei sein

Pünktlich eingestellt zu sein, in Stimmung und innerlich dabei - auch in unseren Gottesdiensten ein Problem: Übergangslos von draußen nach drinnen, aus dem Stand heraus "unmittelbar zu Gott?" - Klaren Kopfes und "reinen Herzens diese Feier begehen". Wie oft erreichen Worte, Lieder und Gebete nur den Vorraum unserer Seele, gehen Lesung, Evangelium und Predigt komplett an uns vorbei? Etwas stimmt hier nicht - bei uns, den Sprechern, den Riten. Zu wenig Leben hinter einem Vorhang von Worten, zu routinierte Sprache, zu gewohnheitsmäßige Abläufe? Vor allem sind wir selbst häufig von anderen Dingen "besetzt", mit Vielerlei ausgefüllt und so in Kopf und Herz gefangen, dass wir nicht in der rechten Stimmung sind, mit ganzem Herzen zu singen, zu beten und uns auf die Stimme Gottes einzustimmen. Das "Herr, erbarme dich" betrifft also nicht nur Schuld und Unwürdigkeit, sondern zunächst unsere mangelnde Einstellung und innere Verfassung am Beginn einer Feier.

"Herr, ich erhebe meine Seele zu dir!" (Ps 86,4). Wir brauchen heute längere Anlaufzeiten, um "innerlich" zu werden, passende Übergangsriten und "Pufferzonen", in denen wir zu uns selbst kommen, innerlich ausgerichtet, beruhigt und gesammelt werden, um "zu Gott zu kommen". Um dort anzukommen, wo wir sein sollen und auch sein wollen. - Im Gottesdienst, im Religionsunterricht, in der privaten Schriftlesung, beim Gesprächspartner oder am Krankenbett.

Übergänge gestalten

Vieles haben wir selbst in der Hand. Früher mussten wir als Messdiener vorbereitende Gebete sprechen. Sie hingen an einer Sakristeiwand. Priester beteten Ähnliches für sich. Auch nach dem Gottesdienst gingen sie zur Danksagung ins Chorgestühl. Die "Alternative" - heute: Schnell das liturgische Gewand ablegen und "hinausstürmen", um vor der Kirche noch mit Besuchern zu sprechen: Communio draußen! Ein pastorales Problem, ein psychisches und ein spirituelles: je nach Auffassung von Seelsorge – Menschensorge.

Eine generelle Not wird überall sichtbar: Übergänge gestalten! Brücken bauen!
- Von der Zeitungslektüre zur Schriftlesung.
- Von der "Tagesschau" zum beschaulichen Tagesabschluss.
- Von der Autobahn an den Altar.
- Vom Lärm in die Stille.
- Vom grellen Licht ins Geheimnisvolle.
- Vom Banalen zu Haftpunkten des Heiligen/Göttlichen.
- Von der Unterhaltung zum Gebet.
- Von der Straße ans Krankenbett.
- Von außen nach innen.
- Vom Ich zum Du.

Jeder muss die ihm gemäße Vorbereitungsarbeit leisten und sein Maß finden, um sich richtig einzustellen und empfangsbereit zu sein. Für Gläubige ist das ganze Leben ein "Übergang" zu Gott, "Einstimmung und Bereitung": "Näher mein Gott zu dir" – Schritt für Schritt, mehr und mehr.

Tröstlich und befreiend

Die klugen Anweisungen von außen, das "du musst und du sollst" hören wir nicht gern, vor allem, wenn wir selbst genau wissen, was gut für uns wäre. Vielleicht leiden wir darunter, dass wir es nicht schaffen, uns zu ändern. Wir können nicht immer, was wir wollen, was für und gut und richtig wäre. Auch die Heilige Schrift ist voller Weisungen und Appelle, aber sie enthält noch mehr Tröstendes und Befreiendes.

Ihre Grundbotschaft:

- Gottes Wirken an uns hängt nicht von unserer Würdigkeit, Empfangsbereitschaft oder Konzentrationsfähigkeit, nicht von unserer Anstrengung und unserem Können, von unserer Einstimmung oder Gestimmtheit ab.

- Auch unsere Gebetsversuche und unser unvollkommenes Verhalten im Gottesdienst, unsere Taubheit und Blindheit sind nicht "das Maß" Gottes. Er bewirkt - wie jeder erfahren kann - in allem und trotz allem etwas in uns in dem Maße, wie wir uns ihm überlassen und uns in das heilige Geschehen hineinziehen lassen. Worte Gottes, heilige Texte, Gebete, Stille und Gesänge haben selbst eine ordnende Wirkung, schaffen innere Aufmerksamkeit, sammeln unsere streunenden Tendenzen und richten uns auf Gott aus. Wir werden eingestimmt auf seine Stimme und als "Schüler Gottes" (s. Joh 6) von dort abgeholt, wo wir sind.

Aber auch das geschieht nicht immer und ist nicht verfügbar. Wir glauben: Es geschieht bei jedem "zur rechten Zeit", in einer "Zeit der Gnade" oder der "Heimsuchung". Gott selbst befreit uns von allem, was uns hindert zu ihm.

Während sie zu den Priestern gingen, wurden sie rein (Lk 17,4)

Alle religiösen Übungen und asketischen Praktiken haben das eine Ziel: Reinheit und Ruhe des Herzens, damit wir ganz auf Gott ausgerichtet werden und dadurch in jeder Hinsicht begegnungs- und beziehungsfähig werden. Gott selbst bereitet letztlich den Boden, auf dem er uns von allem befreit, was uns blockiert. Es sind "Übergänge", in denen uns "seine Gnade" und "sein Geist" erreichen, reinigt und aufrichtet, "aufrichtig macht für die Bruderliebe" (1 Petr 1,9).

Wir können die großen alten Prophetenworte auch als Gottes Worte in unsere Lebenswelt hineingesprochen annehmen:

- Ich hole euch heraus.
- Ich sammle euch.
- Ich reinige eure Herzen.
- Ich sende euch meinen Geist.

Das große Ich Gottes umfasst alle unsere frommen Bemühungen, Übergangs- und Einstimmungsversuche. Er will die Zerstreuten in sein Land zurückführen, die Flüchtigen aus allen Ländern sammeln und heimholen, uns von all unseren Götzen befreien, und die harten und versteinerten Herzen lebendig machen, damit sie sich ihm und anderen öffnen.

Wir werden gereinigt, wenn wir die "Stimme des Sohnes Gottes", sein Anklopfen an der Tür unseres Lebensraumes hören und seine Signale wahrnehmen, wenn wir seine "Feier begehen" und "tun, was er sagt".

"Die Feier des Lebens" kann uns dazu bringen, Schritt für Schritt unsere innere Einstellung und vielleicht auch unser Leben zu ändern.

Mehr und mehr

Nicht jeden Tag werden wir in der Tiefe unseres Herzens so angerührt, dass wir "mit ganzem Herzen und aller Kraft" dem gläubigen Bekenntnis zustimmen können: "In Christus wohnt wirklich die ganze Fülle Gottes" (Kol 2,9). - "Er ist das Bild des unsichtbaren Gottes" (Kol 1,15). - "Mein Herr und mein Gott" (Joh 20,28).

Übungsdisziplinen, Entspannungspraktiken und das "Fasten des Herzens" sind "Arbeit an der Form", innerer Hausputz, Psychohygiene, Vorbereitung für den Empfang, das Kommen des Herrn, die große Begegnung mit dem Gast. Er wird den leeren Raum betreten und mit seiner Gegenwart füllen.

Vorbereitungen dienen dem einen christlichen Ziel, uns auf Christus einzustimmen, dass er durch den Glauben in unseren Herzen wohne und wir mehr und mehr von der ganzen Fülle Gottes erfüllt werden (s. Eph 3,17-19).

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