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25.05.2012
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Warum

Die Frage nach dem "Warum" steht nicht nur bei Kindern oft im Mittelpunkt.

Gottsuche (4)

Grundlose Gottesliebe

Eines meiner ersten Wörter war das Fragewort Warum. In meiner Kindersprache hieß es Woro. Wenn meine Mutter mir zum Beispiel den Mantel anzog, fragte ich sofort: Woro? Sie erklärte mir, dass es draußen kalt sei, und ich fragte: Woro? Sie erklärte mir, dass Winter sei, und ich fragte: Woro? Sie erklärte mir den Wechsel der Jahreszeiten und ich fragte: Woro?

Irgendwann im Laufe solcher Gespräche, so erinnere ich mich, verboten mir Erwachsene, völlig genervt, jede weitere Frage mit dem Ausspruch: "Jetzt ist aber Schluss!" Und ich weiß, dass ich noch viele Fragen hatte.

Fragen haben. Wissen wollen. Tiefer und tiefer Zusammenhänge ergründen. Vor Mauern laufen. An Grenzen stoßen.

Solche Erfahrungen finden in verschiedensten Lebensbereichen statt: in Wissenschaften, in der Politik, in der Philosophie, im Alltag. Einerseits treiben Fragen dynamisch voran, andererseits bremsen sie aus, wenn es keine zufrieden stellenden Antworten gibt.

Im Alten Testament der Bibel stellen die 150 Psalmen Musterbögen für Gefühlsäußerungen dar: Es wird darin geklagt, geflucht, geliebt und gelobt. Dabei geht es häufig um Feinde. Diese Feinde erschweren das Leben und müssen nach Meinung der Verfasser der Psalmen vernichtet werden.

So heißt es im Psalm 63: "Viele trachten mir ohne Grund nach dem Leben,/ aber sie müssen hinabfahren in die Tiefen der Erde." Jahrelang wurden diese drastischen Textstellen beim Abdruck von Psalmen weggelassen. Auch heute zucken wir zusammen und lehnen die darin enthaltene Gewalt ab, doch sind diese Bilder Angebote, sich den eigenen heftigen Gefühlen in der Gegenwart Gottes zu stellen.

Wer sind nun solche Feinde? Damals wie heute sicherlich Menschen, die Gottes Schöpfung - wie auch immer - Schaden zufügen.

Innere Feinde

Es gibt aber weitere Deutungsmöglichkeiten: Nehmen wir an, unsere Feinde tummelten sich eher in unserem inneren, als in unserem äußeren Leben. Nehmen wir an, sie hießen zum Beispiel Pessimismus, übertriebene Sorge oder Minderwertigkeitsgefühl. All diese Verhaltensweisen und Einredungen kratzen an unserem Wohlbefinden und an unserer Lebensfreude.

Ähnliches lässt sich im geistlichen Bereich finden: Manche Menschen sehnen sich danach, an Gott zu glauben, wenn da nicht die vielen unlösbaren Fragen wären. Fragen nach dem Leid in dieser Welt, nach Krankheiten, Naturkatastrophen, Schicksalsschlägen. Ein Warum ergibt das nächste Warum und niemals zeichnet sich ein Ende ab.

Religiöse Fragen

Schließlich steht hinter all diesen Fragen die Frage nach Gott selbst: Wer bist du, Gott? Auch gläubigen Menschen bleibt religiöses Fragen nicht erspart. Was wir von Gott aussagen können, sind immer nur Fragmente, persönliche Erfahrungen, Ahnungen, Stückwerk. Es gibt kein eindeutiges Beweismaterial. Der Glaube an den unfassbaren Gott lebt im und vom Geheimnis.

Damit stoßen religiöse Fragen schmerzvoll an Grenzen und können zu seelischen Quälgeistern werden. Wie gerne ließen wir sie, diese inneren Feinde, "hinabfahren in die Tiefen der Erde!"

Meister Eckhart, ein Theologe und Philosoph aus dem 13./14. Jahrhundert, setzte seinem eigenen geistlichen Fragen ein Ende. Nicht, indem er zu sich selbst autoritär "Jetzt ist aber Schluss!" sagte, sondern spielerischer, weitherziger, milder.

Nach jahrelangem intellektuellem Ringen kam er zu der Erkenntnis, dass diese Schöpfung aus grundloser Gottesliebe entstanden sei. Von da an lebte er gelassen "sunder warumbe", das heißt ohne dauernde Warum-Fragen.

Vertrauensvoll legte er alle Antworten auf seine drängenden Lebensthemen in die wissende Liebe, in die wissende Begleitung Gottes. Die genügte ihm.

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

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  2. undefinedGottsuche (2): "Nach dir schmachtet mein Leib"
  3. undefinedGottsuche (1): "Gott, du mein Gott, dich suche ich"
  4. Öffnet internen Link im aktuellen FensterWeitere Impulse von Petra Fietzek

Mehr zum Thema im Internet:

  1. Öffnet externen Link in neuem FensterImpulse von Petra Fietzek in Buchform: "In den Morgen gedacht"

Text: Petra Fietzek | Foto: Michael Bönte
18.08.2011

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In die Tiefe gehen: Übersicht mit verschiedenen geistlichen Impulsen und Texten unterschiedlicher Autoren.

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Einhaken: Geistliche Impulse von Dr. Hermann-Josef Silberberg.

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