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25.05.2012
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Aufruf zur Stille

Aufruf zur Stille in hektischem Trubel.

Gottsuche (3)

"Ich denke an dich"

Auf einem Schnitzaltar aus Eichenholz aus dem 15. Jahrhundert wimmelt es von Menschen, Tieren und Pflanzen. Auf jeder Bildtafel wird aus dem Leben des Heiligen Petrus erzählt, doch muss man ihn regelrecht suchen inmitten dieser Fülle von Details: Da reden vornehm gekleidete Frauen miteinander, da spielt ein Kind mit einem Hündchen, da erscheinen Reiter hoch zu Pferd.

"Horror vacui = Angst vor der Leere" heißt in der Kunstgeschichte jenes Phänomen, auf einem Kunstwerk keine freie Stelle zu lassen. Alles wird ausgefüllt mit Figuren und Ornamenten, mit Wesentlichem und Nebensächlichem. "Horror vacui = Angst vor der Leere."

Von Josef Beuys, einem extravagenten und innovativem zeitgenössischen Künstler, wird erzählt, dass er – in den 70er Jahren - sein Telefon hoch oben auf eine Leiter gestellt habe. Wenn es klingelte, musste er sich die Mühe machen, auf die Leiter zu steigen und dort oben den Anruf entgegen zu nehmen. Wozu diese Umständlichkeit?

Bewusste Unterbrechung

Josef Beuys, so wird berichtet, wollte damit sein momentanes Tun bewusst unterbrechen. Indem er den Weg auf der Leiter zurücklegte, stimmte er sich darauf ein, dass nun etwas ganz anderes an der Reihe war: ein Anruf, eine Stimme, ein Mensch mit einem Anliegen. Mit diesem Verhalten unterschied der Künstler im Wimmelgeschehen seines Alltags. Er setzte achtsam Zäsur.

Es gibt Ereignisse, die uns plakativ und unmittelbar herausfordern, unseren Alltag zu unterbrechen. Es gibt aber auch Verborgeneres, Stilleres, das uns nicht auffällig aufstört. Dazu gehört die Beschäftigung mit geistlichen Themen, mit Gott.

Der Bezug zu Gott kann im Wimmelbild unseres Lebens überlagert sein oder vor "horror vacui", vor Angst vor der Leere, keinen Platz mehr haben.

Wie kann Gott Gehör erhalten in dieser lärmenden Welt? Wie kann Gott sichtbar werden inmitten der Bilderflut? Wie kann Gott ahnbar werden im unklaren Wimmeln von Wesentlichem und Nebensächlichem?

Indem ich eine Zäsur setze und mir bewusst für Gott freie Zeit nehme. Vielleicht zunächst unsicher, doch irgendwann erstaunt über die vielfältigen Möglichkeiten der Gottsuche.

Wenn ich mich auf diesen Weg begebe und mich bewusst geistlichen Büchern, geistlichen Menschen und Zeiten der Stille zuwende, wandelt sich das konturlose Wimmelbild meines Lebens. Angst vor der Leere und hektischer Aktionismus nehmen ab. Ich ahne innere Freiheit und Frieden, die von Materiellem unerreichbar sind.

Auf diesem Weg der Gottsuche unterscheidet sich für mich Wesentliches von Nebensächlichem. Ja, Wesentliches beginnt sich zu wehren, wenn es mit allzu viel Nebensächlichem zugeschüttet wird.

Diese Erfahrung machte auch der Verfasser des 63. Psalms im Alten Testament der Bibel. Er hatte Gott verloren im Vielerlei seines Lebens. Doch dann bringt er seinen Alltag bewusst mit Gott in Verbindung. Er schreibt: "Ich denke an dich auf nächtlichem Lager und sinne über dich nach, wenn ich wache."

In der Gegenwart Gottes

Dieser Mensch hat den Entschluss gefasst, in der Gegenwart des lebendigen Gottes zu leben. Nicht naiv, sondern in aller Nachdenklichkeit: "Ich denke an dich auf nächtlichem Lager und sinne über dich nach, wenn ich wache."

Im achtsamen Nachsinnen über Gott ist der Psalmist nicht mehr haltlos der Unübersichtlichkeit seines Lebens ausgeliefert. Er beginnt zu sortieren. Im Nachsinnen über Gott werden Fäden für ihn sichtbar, die sein Lebensgewebe zusammenhalten.

Für den Verfasser des Psalms stellt sich eine Erfahrung ein, die das Ziel jeder Verbindung mit Gott bedeutet. Er schreibt: "Meine Seele hängt an dir,/deine rechte Hand hält mich fest." Das gibt ihm Lebensklarheit und inneren Frieden.

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. undefinedGottsuche (2): "Nach dir schmachtet mein Leib"
  2. undefinedGottsuche (1): "Gott, du mein Gott, dich suche ich"
  3. Öffnet internen Link im aktuellen FensterWeitere Impulse von Petra Fietzek

Mehr zum Thema im Internet:

  1. Öffnet externen Link in neuem FensterImpulse von Petra Fietzek in Buchform: "In den Morgen gedacht"

Text: Petra Fietzek | Michael Bönte
17.08.2011

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In die Tiefe gehen: Übersicht mit verschiedenen geistlichen Impulsen und Texten unterschiedlicher Autoren.

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