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25.05.2012
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Maria mit Jesuskind

Gott wählte durch Maria hindurch den Weg, einer von uns Menschen zu werden.

Impuls von Domkapitular em. Richard Schulte Staade

Die erste Marienverehrerin ist biblisch

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas (Lk 17-28): "Damals, als Jesus zu einer großen Volksmenge redete, erhob eine Frau aus der Menge ihre Stimme und rief ihm zu: Selig die Frau, deren Leib dich getragen und deren Brust dich genährt hat. Da griff Jesus ihr Wort auf und erwiderte: Selig sind die, die das Wort Gottes hören und danach leben."

Liebe Schwestern und Brüder! In der heutigen Zeit hören wir als katholische Christen sehr häufig unterschwellig den Vorwurf, dass unsere Marienverehrung, wie wir sie kennen und pflegen, doch eigentlich etwas übertrieben sei, geschichtlich geworden, aber mit Paulus verglichen doch nicht so ganz biblisch. Für viele ist Maria "als Vorzimmerdame" überflüssig, geradezu ein Hindernis, um mit Gott in Verbindung zu treten. Tatsächlich aber wählte Gott durch Maria hindurch den Weg, einer von uns Menschen zu werden, in allem uns gleich. Wenn Gott sich diesen Weg selbst wählt als nächster Zugang zu uns Menschen, muss dies doch eigentlich auch in der umgekehrten Weise möglich sein. Denn durch Maria trat nun einmal der unbegrenzte, unsichtbare Gott in die Begrenztheit und Sichtbarkeit eines Menschenlebens ein.

So ist für uns, wie in den orthodoxen Kirchen, Maria die, die wir bitten: Führ uns hin zu deinem Sohn, stelle uns vor deinem Sohn, empfiehl uns deinem Sohn. So heißt es im ältesten Mariengebet der Kirche. Bitte für uns, du heilige Gottesgebärerin. Das, was wir damit ausdrücken, hat die Frau im Evangelium, das wir soeben hörten, schon vorweg getan. Wie war doch die Situation? Die erste Neugier, dem Rabbi von Nazareth nah zu sein, ihn zu interviewen, war von Seiten des Ratsherren, wie Nikodemus, der Zöllner und Pharisäer, schon abgegriffen. Alle merkten: Wenn wir leben was dieser Jesus von Nazareth sagt, müssen wir uns ändern. Keiner ändert sich gern.

Jesus spricht hier aber zu einer großen Volksmenge. Da war der Zulauf ungebrochen. Man hörte: Der sagt etwas Neues, etwas für die Zukunft Gültiges. Er kennt nicht nur Gebote und Verbote und Gesetzesbuchstaben als lähmende Belastung, sondern er sieht das Gesetz als Hilfe für das Gelingen des Lebens. Und da ist nun diese Frau aus dem Volk, eine Mutter. Und sie denkt daran, als sie Jesus sieht und ihm zuhört. Mit etwas Neid vielleicht auf diese Mutter dieses neuen Rabbi. Wie man ja auch selber manchmal denkt, wenn der Sohn der Schwägerin richtig gut ist in der Schule, klar in der Berufswahl, erfolgreich in der Lehre oder im Studium, eine gelungene Partnerwahl macht. Ach, könnte das nicht mein Sohn sein? Und indem die Frau seinen Worten lauscht, kommt das Gefühl über sie uns sie ruft es einfach aus: "Selig der Leib, der dich getragen, und die Brust, die dich genährt hat". Sie kann nicht mehr an sich halten.

Augustinus sagt von dieser Frau: "Hier lobt die Frau die Frau, die Mutter die Mutter, das Geschlecht das Geschlecht." Aber nicht deshalb ist Maria Jesus so nahe verbunden, weil ihr Blut in seinen Adern fließt, sondern deshalb, weil Maria das Wort Gottes in sich aufgenommen hat. Maria hat sich auf Gott eingelassen und hat Gott in ihr Leben eingelassen. Und diesen Gedanken greift Jesus auf, wenn er die Frau nicht korrigiert, die seine Mutter beneidet, sondern das Wort weiterführt und sagt: "Ja, selig alle, die das Wort Gottes hören und danach leben."

So feiern wir die Frau durch deren Ja zu Gottes Wort aus der Weltgeschichte Heilsgeschichte wurde. Und seien Sie sicher, wenn wir Gottes Wort hören und danach leben, ist das Leben der Christen der Katechismus, der noch gelesen wird. Amen.

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Text: Domkapitular em. Richard Schulte Staade | Foto: Michael Bönte
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