
Jesus hat ziemlich eigene Vorstellungen von den Bewohnern im "Haus seines Vaters".
Impuls zu Johannes 14,1-12: Im Haus meines Vaters...
Von den vielen Wohnungen, vom Respekt, von der Buntheit
Haben Sie ein Dach über dem Kopf? Ein sicheres? Ein gutes Verhältnis zum Vermieter oder Wohneigentum sogar? Dann schätzen Sie sich glücklich! Ich hatte vor kurzem das zweifelhafte Vergnügen, mir eine neue Wohnung suchen zu müssen. Wenn die Annoncen-Angaben über Lage, Quadratmeter und Mietpreis einigermaßen passen, gilt es, einen wildfremden Vermieter oder Makler von den eigenen Qualitäten zu überzeugen: Sicher habe ich ein gesichertes Einkommen, nein, keine Tiere, Kinder, Musikinstrumente, Parties verabscheue ich, ich habe ja nicht mal Freunde, Treppenhaus und Keller wische ich sowieso alle zwei Tage - ist so‘n Hobby von mir. Manchmal kam ich mir vor, als sollte ich eigentlich um die Hand der Vermietertochter anhalten und müsste beweisen, dass sogar Erbkrankheiten ausgeschlossen sind.
Warum erzähle ich Ihnen das? Ich erzähle Ihnen diese kleine Episode, weil in den katholischen Gottesdiensten an diesem Sonntag auch eine Wohnungs-Geschichte erzählt wird - allerdings eine ganz andere. In einem der Kernsätze sagt Jesus etwas wunderbar Entspannendes: "Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen." Will sagen: Macht euch nicht so viele Gedanken darüber, ob Euer Leben einem guten Ende, und danach immer weiter in eine gute Zukunft führt. Im Haus Gottes ist viel Platz - vor allem Platz für Menschen, von denen wir leichtfertig und ziemlich sicher sagen würden: Der? Niemals!
Jesus hat ziemlich eigene Vorstellungen von den Bewohnern im "Haus seines Vaters". Da wären schlichtweg die Armen zu nennen, die eher einziehen dürften, als dass ein Reicher durch ein Nadelöhr passt (Mk 10,25). Hohepriester und die "Ältesten des Volkes" haben weniger Chancen dazuzugehören als "Zöllner und Dirnen" (Mt 21,31) – und Kinder sind quasi automatisch dabei (Mt 18,3; Mk 10,14; Lk 18,17). Kann man etwas tun, um gewissermaßen einen "Wohnberechtigungsschein" zu bekommen? Zumindest haben die gute Karten, die Hungrigen zu essen und Durstigen zu trinken geben, die Obdachlose beherbergen, Nackte bekleiden und Kranke und Gefangene besuchen (Mt 25,34-40). Aber in der Wohnungs-Geschichte, die heute im Gottesdienst erzählt wird, zeigt Jesus einen ganz anderen, einfacheren Schlüssel für die Tür zum Haus Gottes: "Glaubt an Gott und glaubt an mich."
Was heißt das? Das heißt: Wer glaubt, dass er nicht zufällig hier auf Erden ist, dass er nicht oder zumindest nicht nur das Zufallsprodukt irgendeiner Liebesnacht ist, wer glaubt, dass er oder sie von Anfang an und bis zum bitteren Ende von Gott gewollt ist, wer glaubt, dass das auch für alle anderen Menschen gilt und wir uns - bitteschön - entsprechend zu verhalten haben, in Respekt, in Achtung, in Würde, der lebt eigentlich jetzt schon "im Haus Gottes". In jenem Haus Gottes nämlich, das diese Erde, diese Schöpfung, dieses uns geschenkte Leben ist - in all seiner Buntheit und Unterschiedlichkeit. Wer anklopft, dem wird aufgetan. Daran glaube ich. Darauf hoffe ich.
Im Übrigen gibt es diese "Wohnungen im Haus des Vaters" umsonst. Keine Miete, schon gar kein Kaufpreis. Schlichtweg umsonst. Gratis. Das kommt von lateinisch "gratia". Gnade. Eben: Aus lauter Gnade, aus lauter Liebe. Weil, wie es auch in der Bibel heißt, unsere Heimat der Himmel ist. Da ist nichts zu kaufen - allen früheren Behauptungen zum Trotz.
Ach, nebenbei bemerkt: Ich habe eine wunderbare Wohnung gefunden, mein Vermieter ist klasse. Und das sage ich, deutlich nachdem ich den Vertrag unterschrieben habe. Ihnen einen schönen Sonntag!
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Text: Markus Nolte | Foto: Michael Bönte
22.05.2011
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