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25.05.2012
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Eine mit einem Kranz geschmückte Haustür.

Eine mit einem Kranz geschmückte Haustür.

Ich bin die Tür...

Von den diversen Türen unseres Lebens

Es gibt bei uns im Münsterland, in Westfalen, aber auch weit darüber hinaus einen wunderbaren Brauch, der nennt sich "Kränzen". Im Wonnemonat Mai, wenn zwei Liebende sich das Jawort geben, ist es wieder häufiger zu sehen. Denn: Vor einer Hochzeit, aber auch bei einer Silber- oder Goldhochzeit, kommen alle Nachbarn zusammen und binden einen Kranz. Einen ziemlich großen Kranz, streng genommen eher eine Girlande aus Grünzeug, manchmal mit Blumen versehen, echten oder aus Papier. Mit dieser grünen Jubelgirlande jedenfalls wird die Haustür des Jubelpaares geschmückt - und alle können sehen: Hier sollen Liebe, Glück und Segen ein- und ausgehen.

Was mich so besonders an diesem Brauch fasziniert: dass die Tür, die Haus- oder Wohnungstür so wunderschön geschmückt wird - und nicht etwa die Fenster, das Dach oder das Jubelpaar selber. Damit bekommt die Tür eine ganz besondere Bedeutung, ist weit mehr als einfach eine mehr oder weniger hübsch gestaltete Hausöffnung.

Sie merken es: Tore, Türe, Portale - das alles sind große und starke Bilder, die von Empfangsbereitschaft, von Offenheit, von Erwarten und Einzug erzählen. Es sind deshalb große und starke Bilder, Ur-Bilder, weil sie, ob wir das wahrhaben wollen oder nicht wahrnehmen können, an die Pforten unseres eigenen Lebens klopfen, an Eingang und Ausgang, an die Pforte, durch die wir das Licht der Welt erblickten und ins Leben gerufen wurden, und natürlich an die Pforte des Todes, durch die wir genauso allesamt werden gehen müssen, einer großen Hoffnung gemäß grenzenlosem Leben entgegen.

Es erinnert aber auch an die vielen kleinen und größeren Türen, die sich im Lauf eines jeden Lebens geöffnet oder geschlossen haben, die Türen zu neuen Lebensräumen, die Portale zu anderen Menschen, Schicksalstore und Lebenskapitel, die sich öffneten, wieder schlossen oder gar verschlossen blieben. Weit offene Türen zum Herzen eines anderen Menschen, zugeschlagene Türen von Verletzungen und Enttäuschungen, tragisch versperrte Wege, dramatisch verschlossene Auswege, sichere Hintertürchen und das weit offene Tor einer großen Liebe, durch das hindurch der Weg zu Alltag und Alter führt. Vor allem aber: Türen, Tore, Portale - das sind alles Möglichkeiten!

Auch in den katholischen Gottesdiensten dieses dritten Sonntags nach Ostern wird ein Tor-Gleichnis erzählt. In einem der Kernsätze sagt Jesus: "Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden." Deshalb gefällt mir die moderne Herz-Jesu-Kirche in München so gut, die erst vor wenigen Jahren fertig gestellt wurde und dessen gesamte gläserne Front komplett geöffnet werden kann. Die ganze Kirchenfassade - ein einziges Portal, ein Tor, eine gewaltige Tür. So ist Gott. Offen für alle und jeden und immer und ewig.

Am Ende übrigens dieser Tür-Geschichte heute in den Gottesdiensten sagt Jesus, was diejenigen erwartet, die durch diese Tür eintreten, die er selber ist: "das Leben", sagt er, "das Leben in Fülle." Das ist der Segensspruch, die Verheißung, die Gott über das Lebenstor eines jeden Menschen geschrieben hat - wenn Sie so wollen, der Jubelkranz auch über Ihrem Lebenshaus. Und so wünsche ich Ihnen einen guten Tag an diesem Sonntag, dem Tor zu einer neuen, hoffentlich lebensvollen Woche.

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