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25.05.2012
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Blumenstrauß

Danken ist schön!

Gedenktage

Das Besondere im Alltäglichen

Hätten Sie‘s gewusst? Heute ist Weltrotkreuztag. Und vorgestern war Internationaler Anti-Diät-Tag. Morgen wäre dann noch Europatag und am Donnerstag der Internationale Tag des Chronischen Erschöpfungssyndroms. Tja, auch sowas gibt es; es gibt sogar ganze Listen mit hunderten von Gedenktagen, manchmal gleich mehrere innerhalb von 24 Stunden, und - das muss gesagt sein - nicht jeder dieser Thementage ist tatsächlich von den Vereinten Nationen weltweit so festgelegt wie etwa der Weltzugvogeltag, der übrigens für dieses ganze Wochenende im Kalender steht.

So verrückt, speziell oder verschroben so einige dieser Gedenktage wirklich sind - und auch wenn manche Zeitgenossen sogar von einer Inflation der Gedenktage sprechen: Ich glaube, dass es gut und wichtig ist, zu bestimmten, immer wiederkehrenden Zeiten wichtige Anliegen oder Ereignisse ins Gedächtnis zu rufen, damit sie nicht in Vergessenheit geraten in unserem Alltagstrott. Ich bin mir sicher, Sie haben selber auch ganz private Gedenktage in Ihrem Kalender: Hochzeits- oder Kennenlerntage, Geburtstage und Todestage lieber Menschen, vielleicht sogar Namenstage - oder ganz andere Tage, mit denen Sie persönlich ein Ereignis verbinden, das Ihnen in Ihrem Leben wichtig war und dass sie nicht vergessen möchten. Gut so!

Apropos "nicht vergessen": Natürlich habe ich nicht vergessen, welcher wichtige Gedenktag heute vor allem im Kalender steht: Muttertag! Für mich ist das weit mehr als nur ein weiterer genialer Werbecoup der Floristen und Pralinenmanufakturen, sondern wirklich ein wunderbarer Gedenktag: Denn schließlich hat jeder Mensch eine Mutter - auch wenn manche Söhne und Töchter sie nie kennen gelernt, schlimme Erfahrungen mit ihr gemacht oder sie verloren haben aus welchen Gründen auch immer. Ganz gleich, wie liebevoll eine Mutter zu ihren Kindern war oder ist: Meine Mutter hat mich zur Welt gebracht, in ihrem Bauch durfte ich wachsen - meist in großer Sorglosigkeit und völlig abhängig von ihr, von ihrem Körper, ihrer Gesundheit. Das ist etwas Außergewöhnliches, so selbstverständlich es scheint. Dafür und für vieles andere zu danken - das ist schon schön.

Aber eigentlich sollte das nicht nur am Muttertag eine Selbstverständlichkeit sein, und auch nicht nur, weil schon die Bibel in den Zehn Geboten sagt: Du sollst Vater und eben auch Mutter ehren. Bei allen Gedenktagen ist es doch wichtig, den Blick auf das Wunderbare auch im Alltag zu bewahren. Gerade dann, wenn keiner damit rechnet.

In den katholischen Gottesdiensten dieses zweiten Sonntags nach Ostern wird so eine Geschichte erzählt: Da erleben die Jünger so ein unerwartetes Wunder, denn mitten bei ihrer Arbeit als Fischer begegnet ihnen Jesus. Plötzlich steht er am Ufer. Der Jesus, der doch gekreuzigt, gestorben und begraben war. Sicher, er war auferstanden von den Toten - so unglaublich das klingt -, und er war ihnen tatsächlich schon erschienen, aber das war weit weg - in Jerusalem, mehrere Tagesmärsche von ihrem See Gennesaret entfernt. Aber jetzt begegnen sie Jesus zu Hause, im Alltag, bei der Arbeit.

Nach einem erfolglosen Fischgang sagt er ihnen, sie sollten noch einmal rausfahren. Und siehe da - sie kommen mit vollen Netzen wieder. Und dann essen sie miteinander. Brot und Fisch. Das Alltägliche - und doch ein kleines Fest. Sie teilen, was sie haben, sie teilen ihr Leben. Und mittendrin: Jesus, der tot war und lebt. Ganz selbstverständlich, ganz außergewöhnlich. Christen feiern das in jedem Gottesdienst, besonders heute, am Sonntag: sie feiern Jesus, der tot war und auferstanden ist.

Ich wünsche Ihnen Offenheit für das Großartige im Unscheinbaren, Sensibilität für das Außergewöhnliche im Selbstverständlichen, Bereitschaft zu Feiertagen mitten im Alltag. Ich wünsche Ihnen, dass Sie mit Gott rechnen, wo keiner ihn erwartet. Denn so ist unser Gott. Ich wünsche Ihnen einen guten Sonntag - den Müttern unter Ihnen ganz besonders.

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