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25.05.2012
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Geistlicher Impuls

Mit dem Körper sprechen

Wenn Kinder auf der Straße von ihrem Fahrrad her mir zuwinken und rufen "Hi, Pastor!", dann rührt mich das sehr an. In dem zur Stadt Greven gehörenden Dorf Gimbte, in dem ich wohne, geschieht das häufig. Es ist ein Hinweis darauf, wie wir neben dem gesprochenen Wort mit dem Körper – wie im Winken – sprechen.

Reiche ich jemandem die Hand zum Gruß, gebe ich ihm zu verstehen, dass ich unbewaffnet bin und keine bösen Absichten hege. Jedes Lächeln, das einem anderen Menschen gilt, kann in dieser Knappheit deutlicher Freude zum Ausdruck bringen als Worte es vermögen. Eine Mutter, die ihr Kind in den Armen trägt und birgt, erzählt eine vieldeutige Geschichte von sich und ihrem Kind – mit ihrem Körper.

Zwei Menschen, die sich lieben, nähern sich mit besonders umfassenden Möglichkeiten der Körpersprache einander an. Vom besonderen Blick über den zärtlichen Kuss finden sie sich bis hin zu größter Intimität. Die letzte Tiefe der Begegnung lässt sich nicht in Worten fassen, sie wird erfahren. Die Dichter der Jahrhunderte haben sich mit reicher Sprachkunst darum bemüht, und sind immer wieder an die Grenze gestoßen, solche Erfahrung ins Wort zu bringen.

Gewiss, es gibt auch die andere, die schmerzliche Seite der Körpersprache. Jemandem die kalte Schulter zu zeigen, ist eine eindeutige Botschaft an den anderen Menschen. Die zusammengebissenen Zähne, das vorgeschobene Kinn, die zur Faust geballte Hand in der Hosentasche – vielfältig können wir uns ausdrücken bis hin zu Weisen, die unmittelbar Gewalt androhen oder antun.

Mit dem Körper zu sprechen, birgt alle Möglichkeiten in sich, gute Worte zu unterstreichen und zu beglaubigen. Neben der Zustimmung können wir mit dem Körper auch Abwendung ausdrücken und Aggression bis hin zu entsetzlichen Formen von Gewalt, die man sich nicht vorzustellen wagt.

Kann man wohltuende, hilfreiche, zwischen Menschen Verbindung schaffende Körpersprache ausbilden und formen? Ich meine, ja. Es ist zunächst eine Kulturleistung ersten Ranges, dass in unserem Alltag Rituale ausgebildet wurden. Dass wir uns etwa zur Begrüßung die Hand geben, hat sich in vielen Generationen ausgestaltet, um deutlich zu machen, dass wir uns nicht hinterhältig oder gewalttätig begegnen. Sich in konfliktreichen Situationen beherrschen zu lernen und zu schweigen, birgt die Chance in sich, jemanden nicht im Eifer des Gefechts zu verletzen. Im Nachhinein ist dann tiefere Klärung möglich. Gerade für Situationen, die die Gefahr der Eskalation in sich bergen, gibt es viele Regeln, die über die Körpersprache gewalttätigen Auseinandersetzungen vorbeugen können.

Darüber hinaus gibt es noch etwas anderes. Es ist die "Arbeit am Herzen" (Hans Weder). Das ist die Arbeit, die Jesus in den Evangelien an uns und mit uns tun möchte. Arbeit am Herzen. Was ist das? Und wie geht sie? Zunächst: Die Arbeit am Herzen ist keine zusätzliche Belastung zu all den anderen täglichen Herausforderungen. Sie ist ein Zulassen. Sie ist ein Zulassen, das uns dann Würde verleiht, wenn wir uns von Jesus ansprechen lassen.

Er informiert uns nicht über Wahrheit, vielmehr macht er unser Leben wahr. Wenn er etwa einem besessenen, selbstentfremdeten Menschen begegnet, gibt er diesen Menschen sich selbst zurück. Das meint: Er findet sich wieder in einer Balance von Körper, Geist und Seele. Jesus stellt nicht den Anspruch, dieser belastete Mensch solle sich nicht von dem beherrschen lassen, was ihn sich selbst entfremdet. Entscheidend für eine wohltuende Körpersprache ist eine Kraft des Herzens, die mich meint und mein Leben bereichert. Jesu Sprache ist eine bewegende Kraft, die in uns eingeht und uns aufgehen lassen kann, wer wir sind. Dann lockt sie uns zu größerer Lebendigkeit, die anderen wohl-will und wohl-tut.

In den Psalmen des Alten Testaments gibt es viele Bilder der Körpersprache. Da heißt es etwa: "Ich bin erschöpft vom Seufzen, jede Nacht überschwemme ich mein Bett mit Tränen" (Ps 6,7). Oder: "Zu dir erhebe ich meine Seele, mein Gott, auf dich vertraue ich" (Ps 25,2). Oder: "Die auf Gott blicken, werden strahlen, nie wird ihr Gesicht vor Scham erröten" (Ps 34,6).

All diesen Wortbildern, die sich der leiblichen Verfasstheit der Menschen zuwenden, wohnt eine Bewegung inne, – eine Bewegung zu dem, von dem es heißt: "Ich breite nach dir meine Hände aus, wie trockenes Land dürstet nach dir meine Seele" (Ps 143,6). Möge dieser Tag Sie aufmerksam machen für die Sprache des Körpers, bei sich selbst und bei anderen.

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