Anzeige:
Werbung

kirchensite.de | Online mit dem Bistum Münster: Nachrichten aus der Kirche, katholischer Glaube, Spiritualität, Heiligenlexikon, Veranstaltungen, Seelsorge, Fürbitte, Bibelarbeiten, Dossiers.

. . . . .
Seite: Fragen + Glauben  >  Impulse
25.05.2012
Artikel drucken
Logo kirchensite.

Geistliche Impulse von Dr. Silberberg zur Fastenzeit: Vater unser (3)

Dein Wille

Du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen (Mk 8,33), sagt Jesus in einer Szene zu Petrus. Woher aber soll dieser genau wissen, was Gott will? Er kennt die Gebote vom Sinai, die jüdische Bibel mit den Weisungen Jahwes und die vielen Gesetze des Landes. Die Vorstellung vom Willen Gottes bleibt trotzdem vage und geheimnisvoll, auch für uns.

Der Wille des Herrn

In relativ geschlossenen christlichen Milieus war der "Wille des Herrn" lange Zeit fast identisch mit den herrschenden Ordnungsvorstellungen und Verhaltensregeln: Was sein muss und was sich gehört, was ordentlich und sauber ist! Der "Herrgott", der Gott unserer Väter, war Garant der bürgerlichen Ordnung und auch die oberste moralische Instanz  einer autoritär-patriarchalisch verstandenen Kirche.

Der "Wille des Herrn" war für politische und pädagogische Zwecke leicht zu manipulieren. Die Untergebenen und Abhängigen hatten zu gehorchen und zwar "aufs Wort". Erzieher (Eltern, Priester, Lehrer) repräsentierten den Willen Gottes und hatten dafür zu sorgen, dass er "geschieht". Kindern wurde früh ihre "Eigenwilligkeit" ausgetrieben. Sie hatten sich den Erwachsenen unterzuordnen.

Die antiautoritäre Bewegung suchte dann das andere Extrem zu idealisieren, allerdings im Namen einer aufgeklärten Pädagogik, die sich nicht mehr auf den Willen Gottes berief. Macht und Machtmissbrauch haben sich nur verschoben.

Mut zur Erziehung

Heute erfolgt wieder eine Korrektur der "repressionsfreien Erziehung". Kinder sollen wieder als Kinder und nicht als partnerschaftlich ebenbürtige kleine Erwachsene gesehen und behandelt werden. Sie brauchen vorsichtige Steuerung von außen, vor allem Grenzen, die sie zu respektieren lernen, weil sie die Teilhabe "an allem" psychisch überfordert.

Michael Winterhoff – ein erfahrener Kinder – und Jugendpsychiater ("Wenn unsere Kinder Tyrannen werden") sagt: "Kinder müssen Kinder sein dürfen. Erwachsene müssen Erwachsene sein wollen." Er wendet sich gegen die Abschaffung der Kindheit und weist auf den Irrtum hin, Kinder würden sich ohne Regeln und Disziplin, ohne Gebote und Verbote von selbst entwickeln und entfalten. Er kennt die Folgen: Seelische Unreife, Beziehungsstörung und Arbeitsunfähigkeit Heranwachsender.

Pädagogik Gottes

Menschen brauchen Hilfen zur Menschwerdung. Lebens- und Verhaltensweisen wollen eingeübt und trainiert werden. Es ist die "Pädagogik Gottes" seit biblischen Urzeiten. Vor allem die Periode des Wüstenzuges gilt als Erziehungszeit Israels, in der das Volk Gottes "bindungsfähig" (gemacht) und für den Bund am Sinai "partnerfähig" werden sollte. Die Bundesweisungen Jahwes (Zehn Gebote!) sind als Leitplanken gedacht, damit Menschen seinem Willen gemäß "in Gottes Freiheit" (Adolf Exeler) zu leben lernen.

Religiöse Erziehung will zu diesem Gott der Hebräer und dem Vater unseres Herrn Jesus Christus hinführen, gottbereit machen und dadurch für ein menschenwürdiges Miteinander stärken. "Gib mir Einsicht, damit ich lebe" (Ps 119, 144) – Einsicht in diesen Sinn deiner Weisungen und Gesetze, beten Juden und Christen.

Nicht zusätzliche Forderungen sollen unser Leben belasten, sondern göttliche Gebote, die uns zu leben helfen. Erziehung geschieht aus Liebe zum Kind. "Gott ist die Liebe" (1 Joh 4,16). Er zwingt nichts auf, sondern ruft und lädt ein, lockt ins wahre, befreite Leben, ins Eigensein. Es begann in Israel, unterwegs, in der Wüste und im Exil. Viele Male hat er gesprochen durch seine bevollmächtigten Sprachrohre; am Ende sandte er seinen Sohn (s. Hebr 1,1 f.). Seitdem die Kernforderung: "Seine Stimme hören!"

Denn Jesus verkörperte den Willen Gottes wie kein anderer vor oder nach ihm. So unsere Glaubensüberzeugung. Sein Auftrag war, "den Willen dessen zu tun, der ihn gesandt hat" (s. Joh 4,34/5,30). "Er hat uns das Geheimnis seines Willens kundgetan" (Eph 1,9).

Bergpredigt - keine Privatsache

Die Visionen und Verheißungen der so genannten Bergpredigt enthalten keine konkreten Verhaltensanweisungen, die direkt "umzusetzen“ wären. Daher der Spruch "Mit der Bergpredigt lässt sich keine Politik machen" (Helmut Schmidt), aber ihre mächtigen Impulse bewegen uns, unsere privaten Drehkreise zu verlassen. Leben und Sterben Jesu, sein Einsatz für die Bedürftigen (für uns) machen ihn zum Maßgebenden schlechthin. Zumindest für Glaubende, die seiner Weisung und Spur folgen. "Was er euch sagt, das tut" – die Worte Marias beim Kana-Wunder (s. Joh 2) – drängen uns, "seine Stimme zu hören" und uns von ihm in konkreten Entscheidungen etwas sagen zu lassen. Beides will eingeübt werden.

Dazu gehört auch das Beten, "wie der Herr uns zu beten gelehrt hat: Vater unser im Himmel, dein Wille geschehe!" Gott – als die alles bestimmende Macht auch in meinem persönlichen Leben? "Heiligung" als Endziel, als sein Wille für mich (1 Thess 4,3)? Dazu das "Heilwerden" von Verhältnissen und Strukturen, die "böse" sind, weil sie Frieden und Gerechtigkeit verhindern.

Auch Verhalten und Wirken Jesu zeigen, dass sich dieser "Heilswille" Gottes nicht wie eine anonyme Wirkmacht durchsetzt, und nicht gegen unsere Freiheit und Verantwortung geschieht.

Vorsicht mit der Vorsehung

Das Ineinander göttlichen Wirkens und menschlicher Freiheit ist nicht zu klären. Vorsicht mit der Vorsehung! Wir unterliegen keinem Schicksalsglauben und sind nicht bloße Instrumente in der Hand anonymer Mächte. Gott begegnet uns als das große geheimnisvolle alsolute Du, das uns nicht beherrschen oder kleinmachen will. Israel hat in seiner Geschichte die wohltuende "Führung" dieses Gottes erfahren.

Christen sind verbunden mit dem verklärten himmlischen Christus, der diejenigen, die auf seine Stimme hören, von Fall zu Fall wissen lässt, was Gott von ihnen will. Wir üben uns darin ein, wenn wir täglich darum bitten, dass Sein Wille an uns und in dieser Welt "geschieht".

Er wird es fügen

"Befiehl dem Herrn deinen Weg und vertrau ihm; er wird es fügen" (Ps 36,5). Oder: " Was Gott tut, das ist wohlgetan, es bleibt gerecht sein Wille"(GL 294). – Elementare Gebete und gläubig grundierte Gesänge.

Sich "ungerechtem" und unergründlichem Leiden zu überlassen, war immer schon die größte Herausforderung des Gläubigen: "Mein Gott, mein Gott, warum?" (s. Ps. 22,2). Es waren auch die Worte vieler "Gerechter" in der Geschichte Israels und des gläubigen Juden Jesus: "Nicht, was ich will, sondern was du willst, soll geschehen" (Mk 14,36), sagt er kurz vor seiner Hinrichtung. Worte eines Gläubigen, der immer schon betete: "Du hältst mein Los in deinen Händen" oder " in deine Hände lege ich meinen Geist". Gottergebenheit im Lebensraum der Gottesherrschaft!

Die großen Leidenden können so mit Jesus sprechen, wenn sie sich in sein inniges Gottesverhältnis hineinziehen lassen. Selbst Petrus musste wohl lange "gläubig trainieren", bis er die Vaterunserbitte, dass "Sein Wille geschehe" mit ganzem Herzen beten konnte, ein Leben lang lernen, zu denken und danach zu handeln, was Gott will, und Jesus gottergeben bis in sein Todesgeschick hinein zu folgen.

Manchmal kennen wir Gottes Willen, manchmal kennen wir nichts. Erleuchte uns, Herr, wenn die Fragen kommen. (GL 299)

Paulus schreibt am Ende seines ersten Briefes:
Das will Gott von euch: Freut euch zu jeder Zeit, betet ohne Unterlass, dankt für alles! (1 Thess 5,18)

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. undefinedVater unser (1): Dein Name
  2. undefinedVater unser (2): Dein Reich
  1. Öffnet internen Link im aktuellen FensterÜbersicht: Impulse von Hermann-Josef Silberberg
  2. Öffnet internen Link im aktuellen FensterÜbersicht: Impulse zum Kirchenjahr
  3. undefinedAusgewählte Impulse von Hermann-Josef Silberberg in Buchform

Text: Öffnet internen Link im aktuellen FensterHermann-Josef Silberberg | Foto: Hermann-Josef Silberberg
25.03.2011

Impulse verschiedener Autoren

In die Tiefe gehen: Übersicht mit verschiedenen geistlichen Impulsen und Texten unterschiedlicher Autoren.

Impulse von Dr. Silberberg

Einhaken: Geistliche Impulse von Dr. Hermann-Josef Silberberg.

Gebete und Bibeltexte

Die Übersicht über Gebete und Bibelstellen lädt ein, die Seele atmen zu lassen.

Impulse zum Kirchenjahr

Die Geistlichen Impulse, die Sie in dieser Übersicht finden, führen Sie durch das Kirchenjahr.

Impulse von Reinhard Lettmann

Christliche Gestaltung des Alltags.

Heiligenlexikon

30. Mai: Heilige Johanna von Orléans.

Glaubens-ABC

Marienverehrung: Magd des Herrn

Mit der Bibel leben

Ich bin das A und O.

Marienmonat

Als schönster Monat des Jahres soll der Mai der "schönsten aller Frauen" geweiht sein. Maialtäre und Maiandachten entstammen einer barocken Frömmigkeitstradition.

Geistlicher Impuls

"Gehet hin in Frieden!"

Mittwoch ist Chatzeit

Am Mittwoch zwischen 20.30 und 21.30 Uhr im Chat: Diakon Daniel Kotara.

Kirche von A bis Z

Marienerscheinung: Mittlerrolle der Mutter Jesu

Bibelarbeit

Unterwegs nach Emmaus: Kleopas und sein Freund.

Durch das Jahr

Liturgie und Brauchtum zu Pfingsten: Ein wenig Geist und viel Frühling.

Heilige und Selige

Das Bistum Münster kann auf viele Frauen und Männer zurückblicken, die ein herausragendes Zeugnis für den christlichen Glauben abgelegt haben.

Glaubenswissen

Frömmigkeit - Gesamthaltung des gläubigen Menschen vor Gott.

Neues Seelsorgekonzept

Im Bistum Münster wird derzeit ein neuer Diözesanpastoralplan erstellt. Er soll Schwerpunkte der Seelsorge benennen. Ein erster Entwurf steht zum Herunterladen bereit.

Wohnungsnotfallhilfe

In einer Wohnung oder einem Haus zu wohnen, ist für Jeden selbstverständlich und lebensnotwendig.

Bischof Felix Genn

Sein Leben – sein Wirken – seine Texte.

Kommunionempfang

Erzbischof Robert Zollitsch setzt sich weiterhin dafür ein, dass Katholiken auch nach Scheidung und Wiederheirat die Kommunion empfangen können.

Wir beten für Sie!

KLOSTERFÜRBITTE im Monat Mai: St.-Franziskus-Haus in Nordwalde.

Landvolkshochschule

Mit einem Festakt wurde der langjährige Direktor der Landvolkshochschule "Schorlemer Alst", Johannes K. Rücker, in den Ruhestand verabschiedet.

Service für Sie

RSS-Feed Topnews

Öffnet internen Link im aktuellen FensterNewsticker für Ihr Web

Spruch des Tages

Es ist schön, den Augen dessen zu begegnen, den man soeben beschenkt hat.
Jean de la Bruyére

Reden, Fragen, Antworten finden

im "Haus der Seelsorge" hat man ein offenes Ohr für Sie


Seelsorger im Mai:
Pfarrer Martin Weber.

Seelsorger/-innen

Haus der SeelsorgeHaus der Seelsorge

Heiligenlexikon in "kirchensite.de"

im Heiligenkalender können Sie nach Monaten blättern. Oder wählen Sie hier nach Buchstaben aus:

 

Kontakt

  kirchensite-Redaktion:
  redaktionkirchensite.de

  Lebenshilfe+Seelsorge: 
  Martin Weber
  weberkirchensite.de

  Technik:
  technikdialogverlag.de

Dialogversand