
Tischgemeinschaft beim Ökumenischen Kirchentag 2010 in München.
Bischof Felix Genn: Geistlicher Impuls zum Thema Ökumene (2)
Welche Einheit suchen wir – welche Ökumene wollen wir?
Wer sich für die Ökumene einsetzt, für das Bemühen um die sichtbare Einheit der Christen und der Kirchen, begegnet heute immer wieder der kritischen Anfrage, ob ein solches Ziel überhaupt notwendig und erstrebenswert sei? Lebt es sich im gegenwärtigen Zustand eines friedlich-schiedlichen Neben- und Miteinanders von Christen, Gemeinden und Kirchen unterschiedlicher Konfessionen nicht viel besser als in einer wie immer gearteten einen Kirche? Und: Leidet die Mehrzahl der Christen in unseren Gemeinden denn wirklich noch an der anhaltenden Spaltung der Christenheit?
Das Gebet Jesu um die Einheit im 17. Kapitel des Johannesevangeliums zeigt, dass die Suche nach der Einheit der Christen im Willen Jesu selbst gründet, das ist sein Testament. Wenn Jesus betet: "Alle sollen eins sein: Wie Du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast" (Joh 17, 21), so wird deutlich, dass es bei der Einheit der Kirche um die Herzmitte des christlichen Glaubens geht. Die innige Gemeinschaft der Jüngergemeinde soll den Beziehungsreichtum Gottes, in der Gemeinschaft von Vater, Sohn und Heiligem Geist unter den Menschen erfahrbar machen. Die Einheit der Kirche ist somit kein Selbstzweck. Sie entspringt nicht der Harmoniesucht der Christen, sondern hier steht die Glaubwürdigkeit des Evangeliums, die Frohbotschaft von dem liebenden und versöhnenden Gott Jesu Christi selbst auf dem Spiel.
Darin liegt, wie das Zweite Vatikanische Konzil betont, der Skandal der gespaltenen Christenheit. Die Botschaft von der unbedingten Versöhnungsbereitschaft Gottes mit den Menschen in Jesus Christus wird zutiefst verdunkel, solange die Überbringer dieser Botschaft selbst untereinander uneins und zerstritten sind. Die Einheit der Kirche ist somit alles andere als äußere Zutat oder schöne Verzierung, die auch fehlen kann. Sie gehört zutiefst zu ihrem Wesen. Die Einheit der Kirche ist also primär Geschenk Gottes im Heiligen Geist und nicht unser Werk.
Der biblische Leittext der diesjährigen Gebetswoche für die Einheit der Christen erinnert an die vier wesentlichen Grundpfeiler der Einheit, auf die mit der Ausgießung des Heiligen Geistes die Jerusalemer Urgemeinde an Pfingsten gegründet wurde. "Sie hielten an der Lehre der Apostel fest und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten." (Apg 2,42)
Hier werden die entscheidenden Grundlagen formuliert, die für das Ziel der ökumenischen Bewegung, die sichtbare Einheit der Kirche, erfüllt sein müssen. Die volle sichtbare Einheit setzt voraus: ein gemeinsames Bekenntnis des apostolischen Glaubens, die gegenseitige Anerkennung der Sakramente, besonders Taufe, Eucharistie und Amt, und ein gemeinsames Verständnis von Kirche, der Strukturen für Zeugnis und Dienst sowie für verbindliches Lehren.
Mehr zum Thema in kirchensite.de:
Kirche von A bis Z: Gebetswoche für die Einheit der Christen
Übersicht: Ökumene
Dossier: Bischof Felix Genn
Übersicht: Geistliche Impulse
Mehr zum Thema im Internet:
Text: Bischof Felix Genn | Foto: Michael Bönte
18.01.2011
Impulse verschiedener Autoren
In die Tiefe gehen: Übersicht mit verschiedenen geistlichen Impulsen und Texten unterschiedlicher Autoren.
Gebete und Bibeltexte
Die Übersicht über Gebete und Bibelstellen lädt ein, die Seele atmen zu lassen.
Impulse zum Kirchenjahr
Die Geistlichen Impulse, die Sie in dieser Übersicht finden, führen Sie durch das Kirchenjahr.
Marienmonat
Als schönster Monat des Jahres soll der Mai der "schönsten aller Frauen" geweiht sein. Maialtäre und Maiandachten entstammen einer barocken Frömmigkeitstradition.
Wohnungsnotfallhilfe
In einer Wohnung oder einem Haus zu wohnen, ist für Jeden selbstverständlich und lebensnotwendig.
Kommunionempfang
Erzbischof Robert Zollitsch setzt sich weiterhin dafür ein, dass Katholiken auch nach Scheidung und Wiederheirat die Kommunion empfangen können.
Landvolkshochschule
Mit einem Festakt wurde der langjährige Direktor der Landvolkshochschule "Schorlemer Alst", Johannes K. Rücker, in den Ruhestand verabschiedet.
Neues Seelsorgekonzept
Im Bistum Münster wird derzeit ein neuer Diözesanpastoralplan erstellt. Er soll Schwerpunkte der Seelsorge benennen. Ein erster Entwurf steht zum Herunterladen bereit.
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