
Rückkehr
Betlehem ist nicht Endstation
Sie kamen aus aller Welt, die Magier aus fernen Landen, - so die Glaubenslegende. Und ganz aus der Nähe Hirten vom Felde. Alle kehren zurück "in ihr Land".
Die Sprengkraft ihrer Erfahrungen bewahren
Ein Gipfelerlebnis ist hinter ihnen. Es hat ihre Fassungskraft überstiegen. Vor Ort waren sie vom numinosen Geheimnis überwältigt."Sie fielen nieder und huldigten ihm" oder "rühmten Gott und priesen ihn für das, was sie gehört und gesehen hatten".
Die einzig angemessene Reaktion. Worte standen noch nicht bereit. Sie suchten danach die Sprengkraft ihrer Erfahrungen in sich zu bewahren. So stellen wir es uns vor. Wir haben nur die Botschaft, nicht dir Ereignisse.
Wir wissen auch nicht, wie und wie lange es den Weisen und Hirten gelang, aus dieser Kraft zu leben, und ob sie von einem neuen Geist so erfüllt waren, dass dieser seitdem ihr Leben bestimmte.
Kurzfristiger Aufenthalt an einem Haftpunkt des Himmels – Betlehem – und dann wieder zurück. Einen Moment außer sich und dann wieder Alltag und Eigenes.
Wie konnten sie ihr Wissen weitergeben? Später wird es durch viele Hände gehen, aber "bei den meisten von keiner Erfahrung erfrischt sein" (Ingeborg Bachmann), von keiner vergleichbaren. Betlehem ist die erste Station vieler Begegnungsgeschichten. Am Ende werden die Glücklichen gefragt: Was hat er mit dir /euch gemacht?
So fragten auch die Pharisäer den Blinden, von dem es hieß:"Als er zurückkam, konnte er sehen."( Joh 9,9). Die große Wende seines Lebens ereignete sich, als er Jesus zum zweiten Mal traf: "Ich glaube, Herr, und er warf sich vor ihm nieder." Er kam sehend zurück. Hat ihn diese Erfahrung mit Jesus verändert? Kam er "immer wieder" zu ihm zurück? Ein Leben lang?
Ohne Not macht sich niemand auf den Weg
Christen haben die Bibel als Begleitmusik ihres Lebens im Ohr, - mehr oder weniger. Wir sprechen von unserem Pilgerdasein und feierlich vom "wachsenden Gewahrwerden unserer selbst auf dem Wege".
Ist es auch ein wachsendes Gewahrwerden Gottes in den verschiedenen Weisen seiner Gegenwart? Ein Unterwegs zu seiner und unserer Wahrheit in Jesus Christus? Zieht es uns zu ihm hin?
Warum sollte ich aufbrechen und mich ernsthaft "zu ihm durchfragen", wenn ich in meinen psychosozialen, religiösen und geistigen Sicherheiten relativ zufrieden lebe, ohne mich selbstzufrieden zu geben?
Warum die Anstrengungen des Weges, die Schmerzen des Erwachens mit all seinen praktischen Lebenskonsequenzen und den Zumutungen der Freiheit? Warum laufen „bis zum Gehtnichtmehr", wenn "es auch so geht"?
Lebensführung im Geist der Evangelien?
Auf dem Jakobsweg merken viele schon nach wenigen Tagen: Wir schleppen zu viel mit: überflüssige Ballaststoffe! Vieles muss "raus".Wir werden erst gehen und tun, wenn uns eine Not treibt. Vielleicht nur das Gefühl, nicht in Ordnung oder im eigenen Lande fremd zu sein, mal über die Grenze zu müssen, um frei zu werden, aber auch um das Eigene neu zu sehen.
Oder will ich mich tatsächlich dem fernen Sinaigott aussetzen und dem vertraut-fremden Vater Jesu "nahe/näher" kommen? Will ich aufbrechen, mich aufmachen und "mein Land“ verlassen? Mein Woher und Wohin erkunden?
Wege muss man gehen. Am Anfang jedes geistlich christlichen Weges: Stille, Gebet, Schriftlesung, Gottesdienst, Gespräche, Übungsschritte, Training: Gute Gewohnheiten entstehen, Fortschritte und Rückschritte.
Wie auf dem Jakobsweg: Jeden Tag neu starten, sich immer wieder aufraffen und gehen, gehen, gehen. Morgens nicht wissen, wo man abends landet. Nur eines wird allmählich gewiss: Der Weg macht etwas mit dir, der kleine und der große.
Solange gehen, bis ich aus mir heraus bin
Fast biblisch, so beschreibt Peter Handke seinen Weg. Auch Jogger kennen das Laufen bis zum Gehtnichtmehr, bis "es läuft".
Im Rhythmus des Alltäglichen von Zeit zu Zeit eine Art "Aufbruchsstimmung": Weg von hier, raus, irgendwohin, wo etwas los ist. Ortswechsel am Wochenende. Irgendwo ganz anders leben? Frei sein, einfach: "Ich bin dann mal weg!" Der Erfolg dieses Buches (Hape Kerkeling)! Es erreicht die Herzkammern von Millionen Lesern. Sie finden hier für ihr innerstes Sehnen eine Sprache. Fragen und Antworten eines Menschen, der "den Weg" (Camino) gegangen ist.
Sätze wie Meditationsvorlagen aus unserer gläubigen Tradition:
- Obwohl ich den Gipfel durch den Nebel nicht sehen kann, ist er doch da (32).
- Irgendetwas sollte dieser Weg schon an mir verändern (44).
- Wer erleuchtet werden will , muss wahrscheinlich erst einmal das totale Gegenteil erleben: die Verfinsterung...Wir müssen durch unsere Nächte wandern. Ich muss meine Schattenseiten genau betrachten (144).
- Symbolische Tode und symbolische Geburten unseres Lebens (146).
- Alle, denen ich bisher begegnet bin, glauben fest an die Präsenz eines großen Wesens und seines wunderbaren Wirkens in der Welt (193).
- Heute fühle ich mich rundum geliebt. Ein echter Weg nimmt einen Menschen nicht gefangen(221).
- In der Stille herrscht kein Druck(237).
- Es ist die Leere, die vollends glücklich macht (317).
- Der Camino bietet eine echte, fast vergessene Möglichkeit, sich zu stellen: Jeder sucht Halt. Dabei liegt der einzige Halt im Loslassen (343).
Der richtige Weg zum richtigen Ziel
"Der Weg will gelaufen werden" (Kerkeling). "Du musst ihn allein gehen!" Trotz vieler wunderbarer Kontakte unterwegs. Ich kann es bestätigen: Du musst allein "durch", dich den Bedingungen des Camino wie jedes spirituellen Weges stellen. Neben subjektiven Hochgefühlen mit Tränen des Glücks Phasen heulenden Elends. Die reinigende Kraft der Tränen! Alles ist raus! Sein Leben in Grund und Boden getreten, - buchstäblich! Momente von Heillosigkeit und Befreiung zugleich. Am nächsten Tag geht es weiter, aber anders – leichter und unerklärlich stark.
Neues Leben – wie am Ende einer schweren Krankheit.
Jeden Tag Gottesdienst längs des Weges. Für viele Pilgertouristen hört hier der "Sport" auf. Für Gläubige, die der Wahrheit des Weges in Jesus nachgehen, ist die Eucharistie "Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens" (Vat II). Sie sind Pilger im Sinne jüdischer Weisheit: "Du wirst des Weges geführt, den du wählst!"
Christen sind auf den Jesusweg gerufen und halten "fest an seinem Wort." Auch der Christusweg will gelaufen werden. Dabei das Gefühl, von einem unsichtbaren goldenen Seil gezogen zu werden. Wir beten:
Lass mich, Herr, den Weg begreifen, den du mir zeigst (Ps 119,27).
Mehr zum Thema in kirchensite.de:
Übersicht: Impulse von Hermann-Josef Silberberg
Übersicht: Impulse zum Kirchenjahr
Ausgewählte Impulse von Hermann-Josef Silberberg in Buchform
Text:
Hermann-Josef Silberberg | Foto: Hermann-Josef Silberberg
31.12.2010
Impulse verschiedener Autoren
In die Tiefe gehen: Übersicht mit verschiedenen geistlichen Impulsen und Texten unterschiedlicher Autoren.
Gebete und Bibeltexte
Die Übersicht über Gebete und Bibelstellen lädt ein, die Seele atmen zu lassen.
Impulse zum Kirchenjahr
Die Geistlichen Impulse, die Sie in dieser Übersicht finden, führen Sie durch das Kirchenjahr.
Marienmonat
Als schönster Monat des Jahres soll der Mai der "schönsten aller Frauen" geweiht sein. Maialtäre und Maiandachten entstammen einer barocken Frömmigkeitstradition.
Landvolkshochschule
Mit einem Festakt wurde der langjährige Direktor der Landvolkshochschule "Schorlemer Alst", Johannes K. Rücker, in den Ruhestand verabschiedet.
Dossier: Maria
Maria ist die Mutter Jesu Christi - und hat daher eine besondere Stellung im christlichen Glauben.
Heilige und Selige
Das Bistum Münster kann auf viele Frauen und Männer zurückblicken, die ein herausragendes Zeugnis für den christlichen Glauben abgelegt haben.
Wohnungsnotfallhilfe
In einer Wohnung oder einem Haus zu wohnen, ist für Jeden selbstverständlich und lebensnotwendig.
Kommunionempfang
Erzbischof Robert Zollitsch setzt sich weiterhin dafür ein, dass Katholiken auch nach Scheidung und Wiederheirat die Kommunion empfangen können.
Neues Seelsorgekonzept
Im Bistum Münster wird derzeit ein neuer Diözesanpastoralplan erstellt. Er soll Schwerpunkte der Seelsorge benennen. Ein erster Entwurf steht zum Herunterladen bereit.
Service für Sie
Spruch des Tages
Reden, Fragen, Antworten finden
Seelsorger/-innen
Heiligenlexikon in "kirchensite.de"
im
Heiligenkalender können Sie nach Monaten blättern. Oder wählen Sie hier nach Buchstaben aus:
Kontakt
kirchensite-Redaktion:
redaktion
kirchensite.de
Lebenshilfe+Seelsorge:
Martin Weber
weber
kirchensite.de
Technik:
technik
dialogverlag.de














Newsticker für Ihr Web