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25.05.2012
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St. Stephanus in Beckum.

St. Stephanus in Beckum.

Wachdienst

Wissen, was auf uns zukommt

Der Mann an der Rezeption hat Nachtdienst: Empfangsbereitschaft für spät eintreffende Hotelgäste und Nachtschwärmer. Er bekommt Tariflohn und ist relativ zufrieden. Seinen Chef kennt er kaum.

Das Stichwort Bereitschaft wäre das einzig Vergleichbare, was ihn mit dem Diener im Gleichnis vom spät heimkehrenden Hausherrn verbindet (Lk 12, 35 f.).

Seid wie Menschen, die auf die Rückkehr ihres Herrn warten, der auf einer Hochzeit ist, und die ihm öffnen, sobald er kommt und anklopft.

Kontemplative Ordensleute? Bereit sein und auf den Herrn warten, Menschen, die ganz auf ihn ausgerichtet sind, – mehr oder weniger. Sie sollen es und wollen es auch. Ihr Beruf: Den Übergang leben und täglich das Wachen und Beten trainieren. Mehr als die Kultivierung allgemeiner Achtsamkeit: Alle Übungen sind "um des Herrn willen". "Menschen, die auf die Rückkehr ihres Herrn warten". Exemplarische Grenzgänger. So ihr ideales Selbstbild. Nicht weg von ihrem Erden-Dasein, kein "reines Starren zum Himmel", sondern die Verbindung zu leben versuchen. Konflikte an der Schnittstelle: geistlich und weltlich, Himmel und Erde, denn Gott ist das, was wir wesentlich noch nicht sind: heilig.

Wo der Wachdienst gelingt, leisten Kontemplative Erinnerungsarbeit für Menschen, die noch nicht oder nicht mehr auf die Rückkehr des Herrn warten.

Ein wichtiger Dienst in Zeiten, in denen das ausdrückliche Bekenntnis zum Anspruch und zur Person Jesu seltener geworden ist.

Wenn der Verkehr still steht

Israel hat einen Weg gefunden, an die schrecklichen Taten in der NS-Zeit zu erinnern. Einmal im Jahr steht der Verkehr für eine Minute still. Alle Betriebsamkeit in Geschäften und Büros, Fabriken und Verwaltungen ruht.

Deutschland hat einen politisch verordneten Erinnerungstag im Januar, einen Tag wider das Vergessen. In Schulen und Parlamenten Holocaustgedenken.

Vielleicht ist es bald an der Zeit – so meine illusionäre Überlegung – , in Schulen und Betrieben, Geschäften, Büros und Gaststätten einmal im Jahr einen jüdisch – christlichen Gottesgedenktag – wider das Vergessen einzuhalten und entsprechend zu gestalten. Oder wenigstens ein Gott -Denken nur für eine Minute: Alle zusammen, aber jeder in Stille für sich. – Ein frommer Wunsch, eine politische Utopie, aber immer dringlicher angesichts wachsender Gottvergessenheit. Im Parlament gäbe es dafür keine Mehrheit. Religion gilt – wenn überhaupt – als Privatsache. Politik erscheint nicht im Kraftfeld der Gottesherrschaft, die Botschaft Jesu nicht als Ferment für wahre Aufklärung, Emanzipation und Demokratie. Die meisten Politiker könnten mit solchen Überlegungen nichts anfangen.

Können  wir es selbst? Wir – die Kirchenleute? Viele Kirchbauten wirken in den großen Städten nur noch wie eine historische Dekoration, nicht wie eindringliche Mahnmale, spirituelle Wächter, lebendige Erinnerungszeichen oder Kraftzentren für Gesellschaft und Politik.

Aber noch existiert ein Netzwerk lebendiger Gemeinden mit ihren Glaubensprofilen. Menschen, die zu dem stehen, was die Heiligen Schriften sagen:

- Gott ist da, gegenwärtig, wirklich, lebendig.
- Er ist das, was wir nicht sind: heilig und herrlich, gerecht und barmherzig.
- Er ist unabhängig von dem, was wir uns vorstellen und wünschen, was wir denken und glauben.
- In  seiner Hand liegt unser Leben und Sterben.
- Es gibt ein Danach: "Der Tod wird nicht mehr sein" (Offb 21,4), denn "Christus hat uns das Licht des unvergänglichen Lebens gebracht." ( 2 Tim 1,10)

Der Augenblick der Wahrheit

Solange Religion vage und Glaube diffus bleiben, sind sie als innere Erlebnisqualitäten auch für Erhabenheitsgefühle willkommen. Sie liegen sogar im augenblicklichen Trend zur "Wiederverzauberung" („Remythisierung") der weltlichen Welt, dem Wunsch nach weihevollen Räumen oder Traumwelten. Konzerte und Kunstausstellungen bemühen sich, ein fast sakrales Fluidum zu bieten, das den Alltag vergessen lässt.

Aber einen Gott, der mein Leben einfordert, einen himmlischen "Menschensohn", der von uns Rechenschaft verlangt und vor dem in der Stunde X – dem Augenblick des Todes – wie bei der Kontrolle am Flughafen "alles auf den Tisch" soll?

Unbequeme, unangenehme, zumindest lästige Vorstellungen. Ein Gott, dem allein ein letztes Urteil über mein Leben zusteht. Ein gütiger und barmherziger – gewiss.

Die Wahrheit dieses Gottes, die Realität des Todes und die Hoffnung auf ein heiles Danach sind Glaubensgewissheiten, die uns helfen, das Leben zu bestehen und in die Lebensform hineinzuwachsen, "die mit Christus in Gott verborgen ist" ( Kol 3,3).

"In Christus werden alle lebendig gemacht werden!" ( 1Kor 15,22) Wir leben mit dieser Verheißung. Am Ende werden alle Wege und Prozesse im Glück der Gottesnähe enden.

Dazu leisten die Kirchen mit ihrem Erinnerungs- und Gedächtnismahl wertvolle gesellschaftliche Arbeit. Sie bekennen sich öffentlich zu Person und Wirken Jesu, seiner Lebenshingabe für alle.

Mit der Eucharistiefeier "verkünden wir den Tod des Herrn, bis er wiederkommt".

Empfangsbereite Christen richten ihr Leben danach aus. Sie schauen auf den Gekreuzigten und Auferstandenen. In ihm hat Gott "seinen Ort". Der Glaube an das neue, in Gott verwandelte Leben ist keine Utopie.

Wir wissen, was auf uns zukommt: ER!

Ihr sollt Menschen gleichen, die auf den Herrn warten (Lk 12,36).

Erlösung – das Ende des Wartens: Wachablösung.

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