Anzeige:
Werbung

kirchensite.de | Online mit dem Bistum Münster: Nachrichten aus der Kirche, katholischer Glaube, Spiritualität, Heiligenlexikon, Veranstaltungen, Seelsorge, Fürbitte, Bibelarbeiten, Dossiers.

. . . . .
Seite: Fragen + Glauben  >  Impulse
25.05.2012
Artikel drucken
Logo kirchensite.
Als Christ kann ich dem Tod seelenruhig ins Gesicht sehen. Weil noch etwas kommt.

Als Christ kann ich dem Tod seelenruhig ins Gesicht sehen. Weil noch etwas kommt.

Begegnungen im Gemeindealltag (6)

Ich kann mein Leben verschenken

In einer großen Kirchengemeinde gibt es viele Sterbefälle. Beerdigungen gehören zu meinem Alltag als Gemeindepfarrer. Wenn ein junger Mensch stirbt, dann nimmt einen das ganz schön mit. Doch auch bei älteren Leuten ist es für mich mehr als bloß Routine. Immer geht es um einen ganz einmaligen Menschen. Einen Menschen, der anderen etwas bedeutet hat, und um den sie trauern.

Einige Tage vor der Beerdigung gehe ich ins Trauerhaus, besuche die Angehörigen, komme mit ihnen ins Gespräch. Ich lade die Trauernden ein, vom Leben des Verstorbenen zu erzählen. Meistens beginnen sie sehr zaghaft. Doch dann kommen immer mehr Details zum Vorschein, das Reden fällt zusehends leichter, manchmal wird sogar gelacht. Die Angehörigen wollen, dass das Leben des Verstorbenen bei der Beerdigung recht gewürdigt wird. Sie erzählen viel Gutes; die Schattenseiten blenden sie eher aus. Ich kann das gut verstehen: Man möchte das Positive in Erinnerung behalten. Man hat ja auch sein eigenes Wohl und Wehe mit dem Verstorbenen, seine eigene Geschichte. Da muss das Gute Vorrang haben.

Zuversicht im Tod

Bis hierher ist meine Aufgabe: zuhören. Doch jetzt, gegen Ende des Gesprächs, bin ich dran. Ich spreche von meiner Hoffnung. Von der Zuversicht, auch im Tod nicht verloren zu sein. Von meinem Glauben, dass bei Gott alles gut aufgehoben ist, was einen Menschen geprägt und ausgemacht hat. Und dass er, Gott, alles vollenden wird, was uns noch fehlt. Ich spreche von meinem Glauben an Jesus Christus, den Gekreuzigten und Auferstandenen. An ihm mache ich mein Leben fest, auf ihn vertraue ich, wenn ich von Hoffnung rede.

An dieser Stelle schweigen die meisten Angehörigen. Und auch das kann ich gut verstehen. Vielleicht spreche ich als Seelsorger allzu früh von der Hoffnung; vielleicht wäre es besser, erst einmal die Trauer ernst zu nehmen, ihr noch mehr Raum zu geben. Ganz sicher ist es auch so, dass den meisten Menschen einfach die passenden Worte fehlen, ihren Glauben zum Ausdruck zu bringen. Aber dennoch: Mit meiner Osterbotschaft, mit der Botschaft von der Auferstehung der Toten, fühle ich mich oft sehr allein. So, als wolle mir das keiner abnehmen, dass das wahr ist: "Ich glaube an das ewige Leben."

Grundheiterkeit

Und dabei ist diese Botschaft so befreiend. Wenn ich ewig bei Gott sein werde, dann muss ich mein Leben nicht ängstlich auspressen. Muss nicht alles herausholen, was womöglich drin steckt. Ich kann mein Leben verschenken, es für andere hergeben. Egoismus und Ellenbogen verlieren genauso an Bedeutung wie Ansehen, Karriere und Geld. Vielmehr kann ich mit einer Grundheiterkeit leben und sterben. Ein völlig neues Lebensgefühl: Weil ich im Letzten geborgen bin, kann ich im Vorletzten gelassen sein.

Die Angehörigen können das häufig nicht nachvollziehen. Sie wünschen Begleitung in der Trauer. Aber Ostern? Auferstehung? Ewiges Leben? Das ist für viele einfach zu weit weg. Mich tröstet dann, dass wir genau das beim Begräbnis feiern werden: Ostern! Auferstehung! Ewiges Leben! Vielleicht kommt dann die Botschaft an.

Dem Tod hinterherschauen

In letzter Zeit haben die Angehörigen immer häufiger eine Bitte: Bei der Beerdigung soll der Sarg nicht so tief ins Grab hinunter gelassen werden. Er soll lieber einfach oben stehen bleiben. Sie, die Angehörigen, mögen das nicht gerne mit ansehen, es tut weh, und es sieht so endgültig aus. Ich plädiere dann jedes Mal für das tiefe Grab – meistens vergeblich. Mein Eindruck ist: Bis zuletzt laufen sie dem Tod davon, sie verdrängen ihn. Schade eigentlich. Ich meine nämlich, man soll dem Tod ruhig hinterher schauen. Ganz realistisch. Bis hinab ins tiefste Grab. Als Christ kann ich ihm, dem Tod, sogar seelenruhig ins Gesicht sehen. Weil noch etwas kommt. Weil noch einer kommt.

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. Öffnet internen Link im aktuellen FensterWeitere Impulse von Stefan Jürgens
  2. Öffnet internen Link im aktuellen FensterGeistliche Impulse zum Kirchenjahr

Text: Stefan Jürgens | Foto: Michael Bönte
18.09.2010

Impulse verschiedener Autoren

In die Tiefe gehen: Übersicht mit verschiedenen geistlichen Impulsen und Texten unterschiedlicher Autoren.

Impulse von Dr. Silberberg

Einhaken: Geistliche Impulse von Dr. Hermann-Josef Silberberg.

Gebete und Bibeltexte

Die Übersicht über Gebete und Bibelstellen lädt ein, die Seele atmen zu lassen.

Impulse zum Kirchenjahr

Die Geistlichen Impulse, die Sie in dieser Übersicht finden, führen Sie durch das Kirchenjahr.

Impulse von Reinhard Lettmann

Christliche Gestaltung des Alltags.

Kirche von A bis Z

Marienerscheinung: Mittlerrolle der Mutter Jesu

Geistlicher Impuls

"Gehet hin in Frieden!"

Mittwoch ist Chatzeit

Am Mittwoch zwischen 20.30 und 21.30 Uhr im Chat: Diakon Daniel Kotara.

Mit der Bibel leben

Ich bin das A und O.

Marienmonat

Als schönster Monat des Jahres soll der Mai der "schönsten aller Frauen" geweiht sein. Maialtäre und Maiandachten entstammen einer barocken Frömmigkeitstradition.

Heiligenlexikon

30. Mai: Heilige Johanna von Orléans.

Glaubens-ABC

Marienverehrung: Magd des Herrn

Durch das Jahr

Liturgie und Brauchtum zu Pfingsten: Ein wenig Geist und viel Frühling.

Heilige und Selige

Das Bistum Münster kann auf viele Frauen und Männer zurückblicken, die ein herausragendes Zeugnis für den christlichen Glauben abgelegt haben.

Neues Seelsorgekonzept

Im Bistum Münster wird derzeit ein neuer Diözesanpastoralplan erstellt. Er soll Schwerpunkte der Seelsorge benennen. Ein erster Entwurf steht zum Herunterladen bereit.

Glaubenswissen

Frömmigkeit - Gesamthaltung des gläubigen Menschen vor Gott.

Bischof Felix Genn

Sein Leben – sein Wirken – seine Texte.

Bibelarbeit

Unterwegs nach Emmaus: Kleopas und sein Freund.

Kommunionempfang

Erzbischof Robert Zollitsch setzt sich weiterhin dafür ein, dass Katholiken auch nach Scheidung und Wiederheirat die Kommunion empfangen können.

Dossier: Maria

Maria ist die Mutter Jesu Christi - und hat daher eine besondere Stellung im christlichen Glauben.

Wir beten für Sie!

KLOSTERFÜRBITTE im Monat Mai: St.-Franziskus-Haus in Nordwalde.

Wohnungsnotfallhilfe

In einer Wohnung oder einem Haus zu wohnen, ist für Jeden selbstverständlich und lebensnotwendig.

Service für Sie

RSS-Feed Topnews

Öffnet internen Link im aktuellen FensterNewsticker für Ihr Web

Spruch des Tages

Es ist schön, den Augen dessen zu begegnen, den man soeben beschenkt hat.
Jean de la Bruyére

Reden, Fragen, Antworten finden

im "Haus der Seelsorge" hat man ein offenes Ohr für Sie


Seelsorger im Mai:
Pfarrer Martin Weber.

Seelsorger/-innen

Haus der SeelsorgeHaus der Seelsorge

Heiligenlexikon in "kirchensite.de"

im Heiligenkalender können Sie nach Monaten blättern. Oder wählen Sie hier nach Buchstaben aus:

 

Kontakt

  kirchensite-Redaktion:
  redaktionkirchensite.de

  Lebenshilfe+Seelsorge: 
  Martin Weber
  weberkirchensite.de

  Technik:
  technikdialogverlag.de

Dialogversand