
Wenn Sie mehr Quadratmeter Wohnfläche als schöne Tage im Jahr haben, dann denken Sie nach!
Begegnungen im Gemeindealltag (1)
Nur Beziehungen machen glücklich
Durch meinen Dienst als Gemeindepfarrer komme ich in viele Häuser und Wohnungen. Zu Hause spricht es sich leichter mit den Menschen: Sie sind in ihrer gewohnten Umgebung, ihre Gedanken und Fragen haben sozusagen Heimspiel. Von solchen Hausbesuchen möchte ich Ihnen erzählen. Und dann immer wieder von seelsorglichen Begegnungen; Geschichten aus der Gemeinde, die wirklich so passiert sind, und über die ich lange nachdenken musste. Namen und Ereignisse habe ich jeweils so verändert, dass die Vertraulichkeit gewahrt bleibt.
Ich werde zu einem älteren Mann gerufen. Er will etwas mit mir besprechen. Etwas, das ihm große Sorgen macht. Ich melde mich telefonisch an, wir vereinbaren einen Termin, ich fahre hin. Vor dem Haus angekommen, wundere ich mich: Was für eine Villa! Nachdem ich eingetreten bin, zeigt mir der Mann bereitwillig alle Räume. Sehr geschmackvoll, denke ich, wenn auch ein bisschen protzig. Und ich frage arglos: "Sagen Sie mal, wie viele Menschen leben hier eigentlich?" Seine Antwort: "Herr Pfarrer, ich lebe hier ganz allein." – "Das tut mir aber Leid"; fast will ich diesen Satz noch herunterschlucken, da ist er schon heraus, fast wie aus dem Rückenmark.
Einsamkeit
"Das tut mir aber Leid." Ja, wenn einer so lebt, das tut mir Leid: reich, aber einsam. Wovon leben wir? Was macht glücklich? Doch nur dieses eine: Beziehungen! Wenn ich mein Leben mit jemandem teilen kann, das macht glücklich. Wenn ich meine Zeit sinnvoll verschenken kann, davon kann ich leben. Man kann sich nur einmal am Tag satt essen, sich nur auf einen Stuhl gleichzeitig setzen. Und das sprichwörtliche letzte Hemd hat ja bekanntermaßen keine Taschen. Armer Kerl, den ich da besuche: reich, aber einsam und verlassen. Und genau das ist ja auch sein Problem: die Einsamkeit.
Bei meinem Besuch muss ich an die Geschichte vom reichen Mann denken, die Jesus erzählt. Der reiche Mann hat eine gute Ernte eingefahren und nimmt sich deshalb vor, große neue Scheunen zu bauen. Dann kann er zu sich selber sagen: "Nun hast du einen großen Vorrat, der für viele Jahre reicht. Ruh dich aus, iss und trink, und freu dich des Lebens." Doch dann sagt Gott zu ihm: "Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern. Wem wird dann all das gehören, was du angehäuft hast? So geht es jedem, der nur für sich selbst Schätze sammelt, aber vor Gott nicht reich ist" (vgl. Lk 12,13-21).
Besitz macht nicht reich
Besitz macht nicht reich, sondern unfrei – und manchmal einsam. Denn mein Besitz zwingt mich, ihn zu benutzen, um ihn zu rechtfertigen. Deshalb gilt: Je mehr ich besitze, desto weniger Zeit habe ich – für andere Menschen und für Gott. Nicht der ist reich, der am meisten besitzt, sondern derjenige, der am wenigsten braucht. Wenn Sie mehr Quadratmeter Wohnfläche als schöne Tage im Jahr haben, dann denken Sie nach! Wenn Sie Zeit übrig haben, dann überlegen Sie, wem Sie diese Zeit heute sinnvoll schenken können. Ich selbst sehe das so: Weil Gott mich liebt, kann ich mein Leben einsetzen. Ich muss es nicht ängstlich für mich selbst behalten. Ich investiere lieber in Menschen, in gute Beziehungen. Und was den Ertrag meines Lebens angeht, da zähle ich auf Gott, da rechne ich ganz fest mit ihm.
Eine zweite Haus-Begegnung ist mir ebenso lange nachgegangen. In meiner Gemeinde kommt es häufig vor, dass Menschen ihr neu gebautes Haus segnen lassen möchten. Vor einiger Zeit bat ein älteres Ehepaar um eine solche Segnung. Beide waren schon Ende siebzig. Die Frau zeigte stolz ihr neues Heim und sagte: "Herr Pfarrer, hier wollen wir jetzt auch nicht wieder ausziehen." – "Doch", habe ich gesagt, "eines guten Tages werden Sie hier ausziehen – mit den Füßen zuerst." Ich durfte das so direkt sagen, die Frau hat es mir nicht übel genommen. Wir haben dann die Haussegnung mit einem Wort aus Psalm 49 begonnen: "Lass dich nicht beirren, wenn einer reich wird und die Pracht seines Hauses sich mehrt; denn im Tod nimmt er das alles nicht mit, seine Pracht steigt nicht mit ihm hinab."
Mehr zum Thema in kirchensite.de:
Text: Stefan Jürgens | Foto: Norbert Ortmanns
13.09.2010
Impulse verschiedener Autoren
In die Tiefe gehen: Übersicht mit verschiedenen geistlichen Impulsen und Texten unterschiedlicher Autoren.
Gebete und Bibeltexte
Die Übersicht über Gebete und Bibelstellen lädt ein, die Seele atmen zu lassen.
Impulse zum Kirchenjahr
Die Geistlichen Impulse, die Sie in dieser Übersicht finden, führen Sie durch das Kirchenjahr.
Marienmonat
Als schönster Monat des Jahres soll der Mai der "schönsten aller Frauen" geweiht sein. Maialtäre und Maiandachten entstammen einer barocken Frömmigkeitstradition.
Dossier: Maria
Maria ist die Mutter Jesu Christi - und hat daher eine besondere Stellung im christlichen Glauben.
Heilige und Selige
Das Bistum Münster kann auf viele Frauen und Männer zurückblicken, die ein herausragendes Zeugnis für den christlichen Glauben abgelegt haben.
Neues Seelsorgekonzept
Im Bistum Münster wird derzeit ein neuer Diözesanpastoralplan erstellt. Er soll Schwerpunkte der Seelsorge benennen. Ein erster Entwurf steht zum Herunterladen bereit.
Wohnungsnotfallhilfe
In einer Wohnung oder einem Haus zu wohnen, ist für Jeden selbstverständlich und lebensnotwendig.
Landvolkshochschule
Mit einem Festakt wurde der langjährige Direktor der Landvolkshochschule "Schorlemer Alst", Johannes K. Rücker, in den Ruhestand verabschiedet.
Service für Sie
Spruch des Tages
Reden, Fragen, Antworten finden
Seelsorger/-innen
Heiligenlexikon in "kirchensite.de"
im
Heiligenkalender können Sie nach Monaten blättern. Oder wählen Sie hier nach Buchstaben aus:
Kontakt
kirchensite-Redaktion:
redaktion
kirchensite.de
Lebenshilfe+Seelsorge:
Martin Weber
weber
kirchensite.de
Technik:
technik
dialogverlag.de















Newsticker für Ihr Web